Beach & Heaven – Erleben Sie den Wochenausklang für Körper und Seele per Video: Thema Herz

Stimmungsvolle, ruhige Klavierklänge tragen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in andere Welten – oder zu sich selbst. Manche lächeln leise vor sich hin, manche genießen die Live-Musik mit geschlossenen Augen. Bernd Franzen, Yogalehrer aus Deutz, Dorit Felsch, Pfarrerin in der TelefonSeelsorge und Tillmann Poll, Pfarrer an der Lutherkirche Nippes sitzen in der Sandkapelle der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Köln und luden zum Wochenausklang „Beach & Heaven – Body meets Soul“ ein. Erleben Sie den ersten Beach & Heaven – Abend mit diesem Video und kommen Sie entspannt in das Wochenende.

Bewegungen zur Musik

„Hier bin ich, mit meinen Augen, und all dem, was ich heute gesehen habe. Hier bin ich, mit meinem Atem, der jetzt ruhig werden kann“, sagt Dorit Felsch. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lauschen gebannt über Zoom – von Zuhause aus und doch zusammen. „Wir zünden eine Kerze an im Namen Gottes, Gott ist bei uns in der Kraft und in der Liebe“, sagt Tillmann Poll. Bernd Franzen führt die Hände zum Herzen, senkt den Kopf zur Brust. Streckt die Hände zum Himmel, weitet sie zur Seite und öffnet sich für das, was kommt und was war. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen die Impulse mit körperlichen Elementen aus dem Yoga mit und bewegen sich zur Musik, zu ihrem Atem, ihrem Herzschlag.

Das Herz

Pro Abend wird bei dem Projekt des Kirchenkreises Köln-Mitte die Aufmerksamkeit auf ein Körperteil gerichtet. Zunächst das Herz. Dorit Felsch fragt: „Wann und wie spüre ich meinen Herzschlag in mir? Nach dem Sport spüre ich ihn mit ganzer Kraft und vor Prüfungen. Manchmal schmerzt es so sehr. Ein Herz kann brechen, aber es schlägt trotzdem weiter und dann pocht mit jedem Herzschlag in meiner Brust meine Trauer.“ Dann wieder hüpft es, singt, tanzt, es ist so leicht und „es macht mich so leicht“. Das Herz als Ort der Gefühle auch in der Bibel – mit dem Herzen suchen die Menschen nach Gott, nach Ruhe und Frieden.

Vom Herzen aus werden wir mit allem Lebensnotwendigen versorgt, sagt Dorit Felsch: „Nach jedem Herzschlag gibt es eine Pause – und die Pause gehört zum Rhythmus des Lebens.“ Denn es brauche einen kurzen Moment der Ruhe, sodass sich die Herzkammern wieder mit Blut füllen. „Nur in der Kombination aus beidem lebe ich.“ Tillmann Poll fügt hinzu: „Es ist ein Wechsel von Kommen und Gehen, Anspannen und Entspannen, öffnen und verschließen. Gott, mein Herz ist bereit.“ Der spirituelle Wochenausklang lädt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, Kraft zu tanken, zur Ruhe zu kommen und das anzunehmen, was ist.

Mut für das innere Heldentum

„Seid stark und seid mutig, alle die ihr euch auf Gott verlasst“, lädt Tillmann Poll die Zuhörerinnen und Zuhörer ein. Bernd Franzen begibt sich in die yogische Stellung „Vira Bhadrasana“, die yogische „Heldenhaltung“. Sein Körper ist einer weit gegrätschten Schrittstellung aktiv aufgerichtet, die Arme sind zur Seite hin ausgebreitet. Das Zentrum des Körpers wird stabil gehalten. Hierbei wird Muskelstärke, Stabilität, Flexibilität und Standfestigkeit gefördert. Aber auch die emotionale Wirkung ist nicht zu unterschätzen: Selbstvertrauen, Mut für das innere Heldentum und die Herausforderungen des Lebens spielen eine Rolle bei der Übung. Der Wochenausklang verbindet Körper und Seele.

Das Video sehen Sie hier:

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Text: APK
Foto(s): APK

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„Trost war wichtig in vielen Situationen“ Frühjahrsgespräch mit Stadtsuperintendent Bernhard Seiger – Pandemie war Hauptthema

Die Pandemie stand im Mittelpunkt des traditionellen Frühjahrsgesprächs von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger mit Vertreterinnen und Vertretern der Kölner und der überregionalen Medien. „Wir haben einen Staat erlebt, der uns in Krisenzeiten Grenzen der Freiheit aufgezeigt hat“, sagte Seiger zu Beginn seiner einleitenden Worte.

Die Kirche habe vielleicht zu sehr darauf geachtet, den eigenen Betrieb aufrechtzuerhalten. „Es hat Beerdigungen mit zehn Leuten gegeben. Wie kann da Abschied funktionieren?“ Konfirmandinnen und Konfirmanden hätten sich nicht in ihren Gruppen treffen können. Aber die Kirche sei stark in der Seelsorge gewesen. „Das produziert keine spektakulären Bilder. Es ist eher ein stilles Tun. Trost war wichtig in vielen Situationen“, erklärte der Stadtsuperintendent.

Versehrtheit und Flut

Seiger erinnerte an einen theologischen Impuls von Thorsten Latzel, neuer Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, zu Corona: „Er verglich die Pandemie mit einer großen Flut. Wenn die zurückgeht, wird auf dem Boden sichtbar, was sie hinterlassen hat.“ Man müsse sich fragen, was seelisch mit den Menschen passiert sei. Was hätten Schülerinnen und Schüler erlebt, allein Lebende? Seiger brachte den Begriff Versehrheit ins Spiel, der ansonsten für Kriegsopfer verwendet werde. Die Menschen seien durch die Pandemie seelisch versehrt. Die Menschen hätten etwas verloren. Aber seelische Wunden könne man nicht sehen. „Kirche ist die Anwältin der Verwundeten.“

Danke

Seiger dankte ausdrücklich der jungen Generation. „Sie hat Solidarität geübt mit den vulnerablen Gruppen und sich äußerst diszipliniert an die Regeln gehalten. Und zwar aus eigener Überzeugung, obwohl das medizinisch nicht unbedingt nötig gewesen wäre, weil das Risiko der Jüngeren deutlich geringer war.“ Die junge Generation habe ganz viel mitgetragen und auch ihren Preis bezahlt. Etwa bei Abbrüchen und Schwierigkeiten in der schulischen Ausbildung. Zu oft vergessen werde im Übrigen der Dank an das medizinische Personal und die Mitarbeitenden in Betreuungseinrichtungen.

Zwei, deren Einrichtungen in Pandemie-Zeiten besonders wichtig waren, hatte der Stadtsuperintendent zum Frühjahrsgespräch eingeladen: Dr. Dorit Felsch, Leiterin der Evangelischen TelefonSeelsorge (TS) Köln, und Marcel Thelen, Leiter der Evangelischen Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region.

Evangelische Telefonseelsorge

„Wir sind immer da für alle. Das ist unser christliches Angebot“, beschrieb Felsch das Credo der TS. Gerade, wenn private Netzwerke wegbrächen, sei die TS wichtig, um private Probleme mitzutragen und mit auszuhalten. „Das kommt aus unserem Verständnis von Seelsorge. Wir leisten einen Beitrag zur psychosozialen Grundversorgung.“ Felsch betonte, dass es im ersten Lockdown keine Ausfallzeiten bei der TS gegeben habe. Zwar habe es einige ältere Mitarbeitende gegeben, denen der Dienstweg zu risikoreich gewesen sei. Deren Schichten hätten andere Mitarbeitende übernommen.

Es hätten sich auch Menschen zur Mitarbeit angeboten, die auf Kurzarbeit gesetzt worden seien. Das habe man ablehnen müssen. „Wir bilden unsere Mitarbeitenden ein Jahr aus, weil wir großen Wert auf hohe fachliche Qualität legen.“ Im Moment bestehen zwei Ausbildungsgruppen. Im Herbst, so Felsch, werde man 90 Mitarbeitende haben. 20 mehr als derzeit. Mit 26.000 Anrufen pro Jahr ist die Kölner TS, die ökumenisch getragen ist, „am Anschlag“. Mehr geht mit den technischen Voraussetzungen nicht.

Im Corona-Jahr 2020 seien Einsamkeit, depressive Stimmungen und Konflikte in Partnerschaften die beherrschenden Themen am Telefon gewesen. Der Gedanke an Suizid habe in 12,5 Prozent der Gespräche eine Rolle gespielt. In 2019 waren es 2,4 Prozent. Es hätten Menschen angerufen, die eigentlich nicht zur Klientel der TS gehörten. Etwa eine Studentin, die neu in der Stadt war und während des Lockdowns niemanden kennengelernt habe.

Evangelische Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Marcel Thelen wusste fast das Gleiche zu berichten. Schließlich seien die Angebote der Beratungsstellen und der TS „ähnlich, aber auch unterschiedlich“. Die Angebote der Beratungsstelle seien auch niederschwellig erreichbar. „Auch zu uns kommen Menschen in Krisen. Aber wir sind nicht ständig erreichbar.“ Zu Beginn des Lockdowns habe man fast ausschließlich telefonisch beraten. Aber schnell habe man Technik angeschafft, um per Internet Hilfe zu leisten. Schließlich habe sich ein Mix bewährt aus Online, Telefon und Präsenz.

Schwer zu schaffen gemacht habe im vergangenen Jahr vor allem Jugendlichen das Wegbrechen stützender Strukturen. Sie hätten Freunde nicht treffen können, das Vereinsleben sei komplett zum Erliegen gekommen. „Die hohe Nähe zur Familie kann gut, aber auch anstrengend sein.“ Die notwendige Distanz zu den Familien sei enorm erschwert gewesen, so Thelen. Viele Eltern hätten sich die Frage gestellt: „Wie kriege ich die Jugendlichen wieder raus aus der Wohnung?“

Etliche Familien seien hoch belastet gewesen. 2020 habe man in der Beratung viele „kurze Fälle“ registriert. Das ließe den Schluss zu, dass es sich meistens um Kriseninterventionen gehandelt habe. „Wir haben mehr Wiederanmeldungen festgestellt als früher. Das kann daran liegen, dass Jugendliche bei uns gute Erfahrungen gemacht haben und wiederkommen.“ Einen deutlichen Anstieg verzeichnete man bei der Nachfrage nach Eheberatung. Da werde es noch viel nachzuarbeiten geben. „Unsere Beratung ist kostenlos. Viele Paare, die in Schwierigkeiten sind, können sich private Berater nicht leisten.“ Die Beratungsstelle stoße derzeit an ihre Kapazitätsgrenzen, sagte deren Leiter. „Wir bekommen zurzeit zehn bis 20 Anrufe pro Woche von Menschen, die wir leider nicht mit Terminen versorgen können.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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Wochenendtipps: Orgelfestival, Hof-Konzert, Open-Air, Wandelkonzert, Kirchenführung, Lesung und Sommermusik

Mit diesen Wochentipps machen wir Sie gerne auf Veranstaltungen aufmerksam, die von Musik und Sommer geprägt sind. Im Altenberger Dom hören Sie ein internationales Orgelfestival, ein Hof-Konzert findet in der Lutherkirche in der Kölner Südstadt statt, Kabarett gibt es Open-Air in der Bergisch Gladbacher Gnadenkirche, die Biergartenwoche wird an der Friedenskirche im Kölner Norden eröffnet, eine Klangkünstlerin hören Sie in Merheim, eine Kirchenführung findet an der Kartäuserkirche statt, eine Lesung mit Musik hören Sie in Bickendorf und Sommermusik erklingt an der Thomaskirche. Alle Details lesen Sie unten. Wir wünschen Ihnen eine schöne Woche!


„Internationales Orgelfestival“ im Altenberger Dom – Domorganist aus Aachen gibt ein Konzert

In der sommerlichen Musikreihe „Internationales Orgelfestival“ ist am Donnerstag, 8. Juli, 20 Uhr, im Altenberger Dom – Eugen-Heinen-Platz 2, Michael Hoppe, Domorganist Aachen, zu Gast. Unter dem Motto „Kathedralklänge“ spielt er Werke von Johann Sebastian Bach, Guilmant, Vierne sowie Improvisationen an der Klais-Orgel. Mit dem Orgelfestival wird die Domorgel innerhalb des Jahresprogramms Altenberger Dommusik in einer eigenen Konzertreihe besonders in den Mittelpunkt gestellt. Im Juli und August finden immer donnerstags, 20 Uhr, Orgelkonzerte statt. Der Eintritt kostet 10 Euro. Karten gibt es an der Abendkasse und im Vorverkauf im Altenberger-Dom-Laden, Eugen-Heinen-Platz 2, Telefon 02174/419930. www.altenberger-dommusik.de/orgelfestival

„Orchester der Liebe“ – Hof-Konzert in der Lutherkirche

Das „Orchester der Liebe“ – das sind Ebasa Pallada (Trompete, Alphorn, Gesang, Blockflöte, Texte), Hans Fücker (Keyboard), Alexander Boerner (E-Bass) sowie Dirk Ferdinand (Schlagzeug). Die vier studierten Musiker gastieren mit ihrem stilübergreifenden Programm am Freitag, 9. Juli, 19 Uhr (Einlass 18 Uhr), im Atrium der Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 4. Dazu gehören Schlager, Jazz und Popmusik, eine Prise Fußball und Kurioses aus der Welt der Lyrik. Tickets gibt es im Vorverkauf unter lutherkirche.ticket.io für 18 Euro und an der Abendkasse für 24 Euro. www.lutherkirche-suedstadt.de

„Escht Kabarett“ tischt auf – Open-Air-Veranstaltung im Kirchgarten der Gnadenkirche

Im Kirchgarten der Gnadenkirche Bergisch Gladbach, Hauptstraße 256a, serviert „Bühnenköbes“ Christian Bechmann am Freitag, 9. Juli, 19 Uhr (Einlass 18 Uhr), drei kabarettistische Leckerbissen. Auf der Bühne zu Gast sind Klaus Renzel, Özgür Cebe sowie Sabine Domogala. Nacheinander präsentieren die Comedians Ausschnitte aus ihren Programmen und nehmen dabei Szenen aus der Politik und dem Alltag auf’s Korn. Von unterhaltsam und humoristisch bis bissig und absurd ist da für jeden Geschmack etwas dabei. Der Eintritt kostet 13 Euro. Karten können per E-Mail an info@quirl.de reserviert werden. www.gnadenkirche-gl.de

Eröffnung der „Biergarten-Woche“ an der Friedenskirche – Tägliches Programmangebot für Jung und Alt

Die Evangelische Hoffnungsgemeinde im Kölner Norden eröffnet am Samstag, 10. Juli, 17 Uhr, mit einem Open-Air-Gottesdienst ihre „Biergarten-Woche“ auf dem Gelände der Friedenskirche Worringen, Hackenbroicher Straße 59-61. Bis Freitag, 16. Juli, trifft sich die Gemeinde täglich von 17 bis 21 Uhr, zu Begegnungen und Gesprächen bei Snacks und einem kühlen Getränk. Für Kinder gibt es ein Programm mit Spielen und Kurzfilmen. Weitere Programmpunkte werden kurzfristig über die Homepage www.hoffnungsgemeinde-koeln.de bekannt gegeben. Bei schlechtem Wetter zieht der „Biergarten“ in die Kirche um. www.hoffnungsgemeinde-koeln.de

Wandelkonzert „kanal_profan“ – Klangkünstlerin Verena Barié in Brück und Merheim

Zu einer außergewöhnlichen Klanginstallation lädt die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Brück-Merheim am Sonntag, 11. Juli, 16 bis 20 Uhr, ein. An vier Stationen zeigt Verena Barié Audio- und Videoeindrücke von verschieden Kölner Glocken und ihren Klängen. Diese setzt sie mit ihrem Blockflötenspiel in Verbindung und präsentiert alles zusammen mit 23 Miniaturen der beteiligten Glockentürme, die damit auch optisch präsent sind. Das Wandelkonzert beginnt an der Johanneskirche Brück, Am Schildchen 15, (16 Uhr) und endet an der Petruskirche Merheim, Kieskauler Weg 53 (19 Uhr). Dazwischen werden noch St. Hubertus (17 Uhr) und St. Gereon (18 Uhr) besucht. Eine Anmeldung mit Angabe von Namen, Adresse, Telefonnummer und der gewünschten Uhrzeit per E-Mail an jane.dunker@ekir.de oder per Telefon 0221/843387 ist erforderlich. Die aktuellen Zugangsregelungen aufgrund der Coronapandemie gibt es auf der Homepage. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. www.ekir.de/brueck-merheim/kulturelle-veranstaltungen

„Die Kartäuserkirche – Von Mönchen, Engeln und Protestanten“ – Kirchen-Führung mit Dagny Lohff

Bei einem Gang durch die Kartäuserkirche und ihre Umgebung (Kartause) am Sonntag, 11. Juli, 15 Uhr, gibt Dagny Lohff Einblicke in die wechselvolle Geschichte des Geländes in der Kölner Südstadt. Sie erzählt von der Zeit und dem Wirken der Kartäusermönche, der Fremdnutzung als Lazarett und Lagerhaus zur Zeit der französischen Besatzung sowie von ihrer heutigen Nutzung als evangelische Predigtstätte und Sitz des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Wer Genaueres erfahren möchte, trifft sich an der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7. Die Teilnahme kostet 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Eine Anmeldung über die Homepage www.antonitercitytours.de oder über KölnTicket ist erforderlich. www.antonitercitytours.de

Lesung mit Musik: „Du bist schön“ – Evangelische Kirchengemeinde Bickendorf lädt ein

Anke Breuer liest am Sonntag, 11. Juli, 16 Uhr, in der Auferstehungskirche Bocklemünd, Görlinger Zentrum 39, vier Kurzgeschichten und einen Auszug aus einem Prosatext. Axel Tillmann begleitet die Lesung mit Klavierimprovisationen. Das Garten-Café zu dieser Veranstaltung öffnet bereits um 15.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. www.gemeinde-bickendorf.de

Guantanamera – Sommermusik aus Karibik und Südamerika – „HerbstGold“ lädt wieder ein zu „Wein und Musik“

Es ist wieder soweit: Uri Kuchinsky lädt zur beliebten Reihe „Wein und Musik“ in die Thomaskirche, Neusser Wall 61/Ecke Lentstraße, ein. Das gesellige Beisammensein am Sonntag, 11. Juli, 16 Uhr bis 18.30 Uhr, findet unter dem Motto „Guantanamera – Sommermusik aus Karibik und Südamerika“ statt. Die Veranstaltung ist Teil des Angebots „HerbstGold“ der Evangelischen Gemeinde Köln und wird immer sonntags mit wechselnden Themen angeboten. Um Anmeldung über die Homepage wird gebeten. www.thomaskirche-koeln.de

Text: APK
Foto(s): APK

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„Spot On – Deine drei Minuten“ – Botschaften an die Welt

Endlich war es wieder soweit. Die Corona-Lage hatte es zugelassen, dass sich die Evangelische Jugend Köln und Umgebung im großen Garten des Evangelischen Jugendpfarramtes am Kartäuserwall treffen konnte, um das zu zeigen, was man der Welt in drei Minuten sagen wollte. Vier Wochen zuvor gab es eine Auftaktveranstaltung „Spot On“ zu der Aktion, in der Zwischenzeit wurden entsprechende Video- und Audiobeiträge vorbereitet und produziert.

Endlich wieder im realen Leben

Irgendwie fühlte man sich an eine fast vergessene Vergangenheit erinnert. Etwa 40 Jugendliche saßen locker auf einer großen Wiese, eine Bühne, eine Leinwand, Getränke und Verpflegung waren auf Campingtischen aufgebaut. Eine Band machte noch den Soundcheck für den späteren Auftritt, das Moderatorenteam Jeanette und Philip sortierte die Moderationskarten. Dazu gab es hochsommerliche Temperaturen, die Stimmung war fantastisch. Man konnte wieder miteinander reden, nur die noch einzuhaltenden Hygiene-Regeln holten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Gegenwart zurück, was der guten Laune keinen Abbruch tat. „Seit Monaten haben wir nicht mehr vor Publikum gespielt“, strahlte Jioni über das ganze Gesicht, der später mit seinem Hip Hop endlich wieder mit dem Publikum spielen konnte. „Auf YouTube stehst du alleine vor der Kamera, niemand weiß, wie die Stimmung draußen ist.“ Doch bevor die Musik loslegte, standen die Botschaften der Jugendlichen im Mittelpunkt.

Online-Aktion statt Jugendandachten

Deine drei Minuten – was willst du der Welt in dieser Zeit erzählen? Diese Aktion stand im Zusammenhang mit dem ökumenischen Kirchentag im Mai 2021, der vollständig digital stattfinden musste. Eigentlich sollten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 20 Gemeinden zum Kirchentag Aktionen und Jugendandachten angeboten. Stattdessen gab es das Onlineangebot „Spot On – Deine drei Minuten“. In diesen drei Minuten konnten die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Welt das erzählen, was sie gerade bewegt, erfreut, beunruhigt oder nachdenklich macht. In der Auftaktveranstaltung erläuterte Philip Spelter, Jugendleiter in der Evangelischen Gemeinde Köln-Zollstock und Urheber dieser Idee, die ganze Sachen mit ein paar Kolleginnen und Kollegen den Ablauf. Dann taten sich verschiedene Gruppen zusammen und setzten ihre Botschaften um. Diese Botschaften wurden jetzt der Welt präsentiert.

In drei Minuten – Ängste, Wünsche und Hoffnungen

Da ging es um den Social Media Konsum und die Möglichkeit, diesen einzuschränken oder vielleicht ganz darauf zu verzichten. So kann man vieles, was verloren geht, wieder neu erleben. Viele Jugendliche artikulierten ihre Ängste und Hoffnungen in Sachen Pandemie und deren Folgen. „Was geschieht mit der Wirtschaft? Komme ich an meine Grenzen? Ich habe Angst, wenn die Wirtschaft zusammenbricht. Die Spaltung der Gesellschaft wird immer größer, kann man Hass überwinden?“ Auch das machte vielen einfach Angst. Ein ganz anderes Thema war „Mode“. Darin ging es mit vielen Fakten über die unmenschlichen Folgen der billigen Kleiderproduktion. Auch Kinder werden in diesem Bereich immer wieder ausgebeutet. „Wisst ihr das eigentlich?“, war hier die Frage.

Nach den „drei Minuten Botschaften“ konnten sich die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an drei Stationen selbst ihre Meinung bilden und äußern. An Beispielen wurde gezeigt, dass jeder Mensch Vorurteile besitzt. So sollte die Jugendlichen aus mehreren Bildern zum Beispiel alleine aufgrund des Aussehens von Personen entscheiden, wer auf den Fotos ein Pfarrer ist. Zur Auswahl wurde jeweils eine Person mit Pulli und Bart oder der mit Anzug und Krawatte angeboten? An einer Klagemauer durften alle Teilnehmenden ihre „Botschaften an die Welt“ verewigen, die später laminiert und an den Zaun gehängt werden. Schließlich konnte man in einer Fotobox seine Botschaften in Bilder umsetzen und gleich in die Welt schicken oder ausdrucken.

Bei diesen vielen Aktivitäten kamen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den sommerlichen Temperaturen ganz schön ins Schwitzen. Das war die Stunde von Hip-Hoper Jioni, er lud zum entspannten Fußwippen oder zum aktiven Mittanzen ein. Zum Abschluss blickten alle auf eine tolle Veranstaltung zurück, die gerade noch die Kurve zum realen zwischenmenschlichen Austausch bekommen hat.

Text: Dr. Klemens Surmann
Foto(s): Dr. Klemens Surmann

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Florian Hankwitz neuer Pfarrer in Köln Kalk-Humboldt

Menschen, die eine Berufung zu ihrem Beruf machen können, sind zu beneiden. Im Fall von Pfarrer Florian Hankwitz trifft genau das zu. Der 42-jährige sagt voller Überzeugung, dass Gott ihm bei der Wahl seiner Tätigkeit einen klaren Weg gewiesen hat: „Der Pfarrberuf hat mich gefunden. Nach einer Phase der Orientierung war mir schließlich sehr bewusst, dass ich für die Menschen da sein möchte und dieses Ziel als Pfarrer am besten umsetze.“

Gerade wurde Pfarrer Florian Hankwitz von Superintendentin Andrea Vogel in einem Festgottesdienst in seinen Dienst als einer der Pfarrer der Jesus-Christus-Kirche und in seine Aufgaben in der Krankhaus-Seelsorge des Evangelischen Krankenhauses Kalk (EVKK) in Köln Kalk-Humboldt eingeführt. Schon seit dem 1. Dezember 2020 war er im Zuge eines nicht stellengebundenen Auftrags gemeinsam mit Pfarrer Dietrich Kamphenkel und der katholischen Seelsorgerin Marianne Arndt Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten sowie die Mitarbeitenden des Krankenhauses. Nun hat er seinen Dienst mit den Segenswünschen von Superintendentin Vogel und seiner Kollegin im Pfarrteam der Gemeinde, Selma Thiesbonenkamp, offiziell angetreten. Der gerade erfolgte Umzug nach Köln-Kalk bringt ihn mitten hinein in seine Gemeinde.

Aufgewachsen ist Florian Hankwitz in einem christlich geprägten Elternhaus mit drei älteren Brüdern in der ländlichen Idylle des Windecker Ländchens in Herchen an der Sieg. Nach seinem Abitur am von der evangelischen Kirche getragenen Bodelschwingh-Gymnasium in Herchen, leistete er seinen Zivildienst und begann dann sein Studium. Stationen innerhalb des Studiums führten den Theologen nach Siegen, Göttingen, für die rheinischen Semester nach Bonn und schließlich zur Kirchlichen Hochschule in Wuppertal.

Kurz vor dem Examen gab es einen tiefen Einschnitt in sein Leben. „Ich erhielt eine Krebsdiagnose. Diese zwei Jahre mit der Krankheit haben meinen Blick auf den Glauben verändert“, erinnert er sich an die Zeit kurz vor dem ersten Examen. Geduld brauchte es, um in der Krankheit wieder Mut und Vertrauen zu fassen. Doch dann, so berichtet Pfarrer Florian Hankwitz, habe er das Gefühl gehabt, wieder von Gott getragen zu sein. „Die Zeichen Gottes waren da. Das war eine stärkende, schöne Erfahrung. Mein Glaube bedeutet für mich genau das: Er gibt mir das Rüstzeug, um mich auf den Weg zu machen, selbst wenn dieser Weg steinig ist und schwerfällt.“ Kraft findet der Theologe außerdem in der Stille im Kirchenraum, im Gebet und darin in der Bitte an Gott: „Gib uns den Mut, die nötigen Schritte zu tun.“

Diese Erfahrung des Kraftschöpfens möchte er an die Menschen weitergeben, die er als Seelsorger im EVKK besucht. Gerade in den vergangenen Monaten wurde dem Seelsorger sehr deutlich, dass in Zeiten der eingeschränkten Kontakte oft schlicht die Anwesenheit eines Menschen half. „Das ,einfach da sein‘ war bei den Besuchen zum Teil wichtiger als das Gespräch – ganz unabhängig von der Konfession“, hat er beobachtet.

Das Vikariat führte ihn nach dem Examen 2014 in Gemeinden in Köln und Leverkusen, den Probedienst leistete der Theologe in Kevelaer und Büderich an der Wesel. Nun ist er in Köln-Kalk angekommen und möchte sich im Hinblick auf seine seelsorgerische Tätigkeit im Krankenhaus schon bald weiterbilden. Als sehr positiv hat der Pfarrer innerhalb des Krankenhauses die Zusammenarbeit der sozialen und pflegerischen Dienste mit der Seelsorge wahrgenommen: „Da ist eine sehr große gegenseitige Unterstützung.“ Eine weitere Aufgabe sieht der Theologe darin, Bindeglied zwischen der Gemeinde und der Arbeit in der Seelsorge im Krankenhaus zu sein, sich den Patientinnen und Patienten zuzuwenden, die Trost, Gespräch oder einfach einen Menschen in ihrer Nähe brauchen.

Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl

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Bis zum 23. Juli bei evangelisch.läuft anmelden und kostenloses Laufshirt bekommen

Bis zum 23. Juli 2021 haben Interessierte noch die Möglichkeit, sich für die Aktion evangelisch.läuft anzumelden und ein kostenloses Laufshirt zu bekommen. Der Stadionlauf-Köln findet am 5. September 2021 in Köln statt.

Der 12. Pax-Bank Stadionlauf in Köln ist ein inklusives Sportfest am RheinEnergieStadion. Hierzu lädt auch die Evangelische Kirche in Köln und Region ein. Beim Stadionlauf kann jeder mitmachen, gerne auch Mitarbeitende der Kirchengemeinden, des Hauses der Evangelischen Kirche, des Evangelischen Jugendpfarramts, des Diakonischen Werkes Köln und Region oder anderer Ämter und Einrichtungen. Unsere Läuferinnen und Läufer können sich in der Rubrik „Verein“ unter dem Gruppennamen „evangelisch.läuft“ anmelden.

Die Teilnehmerkosten trägt jede und jeder Teilnehmende selbst. In begründeten Einzelfällen (z. B. Evangelisches Jugendpfarramt, gemeindliche Jugendgruppen oder Kindertagesstätten) kann der Teilnehmerbeitrag von der jeweiligen Trägerin bzw. dem jeweiligen Träger der Einrichtung übernommen werden.

Wer sich bis zum 23.Juli .2021 anmeldet, kann vom Evangelischen Kirchenverband kostenlos ein T-Shirt mit dem Aufdruck „evangelisch.läuft“ und dem Logo des EKV bestellen. Bestellungen bitte bis zu diesem Tag an: marco.beumers@ekir.de . Für die Bestellung müssen folgende Angaben vorliegen: Name, Adresse, Größe (XS, S, M, L, XL, XXL) und Geschlecht.

Die Anmeldung für den Stadionlauf bitte unter www.stadionlauf-koeln.de vornehmen.

Text: APK
Foto(s): APK

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Kirche2go fragt: Warum treten Menschen in die Kirche ein?

Was motiviert Menschen, sich über die Kirche zu informieren und dann einzutreten? Dieser Frage geht Tobias Heinz in Kirche2go nach. Der junge Diakon leitet die Evangelische Kircheneintritts- und Informationsstelle in Köln an der Antonitercitykirche. „Zu uns kommen unterschiedlichste Menschen mit unterschiedlichsten Gründen: Manche haben früher schlechte Erfahrungen mit der Kirche gemacht. Haben dann aber einen schönen Gottesdienst erlebt, sind Gott begegnet oder haben Gespräche mit Menschen gehabt, die irgendwas in Bewegung gebracht hat“, berichtet Tobias Heinz. Für ihn sind die Begegnungen mit den vielen unterschiedlichen Menschen besonders wertvoll. Hier zeigt sich für ihn die Vielfalt in der evangelischen Kirche. „Wir sind miteinander auf dem Weg“, beobachtet er immer wieder. „Und deswegen finde ich es für mich wichtig, bei Kirche dabei zu sein.“

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Text zum Nachlesen:

Wir befinden uns hier in der Antoniterkirche, mitten in der Schildergasse. Hier tobt das Leben! Und da vorne in unserem Foyer kann man wieder in die Kirche eintreten.

Zu uns kommen unterschiedlichste Menschen mit unterschiedlichsten Gründen: Manche haben früher schlechte Erfahrungen mit der Kirche gemacht. Haben dann aber einen schönen Gottesdienst erlebt, sind Gott begegnet oder haben Gespräche mit Menschen gehabt, die irgendwas in Bewegung gebracht hat. Manche treten aber aus ganz pragmatischen Gründen wieder ein, die wollen in der evangelischen Kita anfangen oder im evangelischen Krankenhaus.

Ich finde das interessant, dass die Menschen so unterschiedlich sind. Und das finde ich gerade so spannend, weil ich denke die große Kraft von Kirche ist, dass wir hier so unterschiedlich sind. Also hier komme ich mal aus meiner Filterblase raus. Hier sind Menschen, die sind viel älter als ich oder viel jünger. Die haben andere Lebensentwürfe. Die denken politisch ganz anders als ich.

Aber wir bleiben trotzdem beieinander. Wir sind miteinander auf dem Weg. Wir ringen miteinander, wir diskutieren miteinander, aber wir lernen auch voneinander. Und deswegen finde ich es für mich wichtig, bei Kirche dabei zu sein.

 

Text: APK
Foto(s): APK

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Juden und Christen in der DDR – Zeitzeugengespräch mit dem Kölner Publizisten Günther B. Ginzel in der Melanchthon-Akademie

„Der Anfang nach dem Ende: Jüdisches Leben an Rhein und Ruhr 1945 bis heute.“ Das ist der Titel einer Film-Triologie, die der Kölner Autor und Publizist Günther B. Ginzel im Auftrag des WDR erarbeitet hat. 1998 bereits wurde der Dreiteiler ausgestrahlt. In einer vierteiligen Reihe haben nun die Melanchthon-Akademie, das Katholische Bildungswerk Köln und die Bibliothek Germania Judaica Köln e.V. gemeinsam mit Günter B. Ginzel sich diesem wichtigen Zeitdokument gewidmet. Zunächst schauten die zahlreichen Teilnehmenden – pandemiebedingt in drei Zoom-Veranstaltungen – Ginzels Dokumentation und tauschten sich rege mit dem Autor und untereinander über das jüdische Leben in (West)Deutschland 1945 bis heute aus. Ginzel, Jahrgang 1946, wuchs in der Gemeinde der jüdischen Überlebenden auf.

Die abschließende vierte, fast zweistündige Veranstaltung bot wiederum als Zoom-Videokonferenz ein Zeitzeugengespräch mit Ginzel. Dieses fokussierten die Veranstaltenden thematisch auf das jüdische Leben und die christlich-jüdischen Beziehungen insbesondere in der DDR. Diese Aspekte seien ein viel zu wenig beleuchtetes Kapitel, stellte Dr. Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, in seiner Begrüßung fest. Daher habe man für den Gesprächsabend auch den Gedenktag für den Arbeiter*innen-Aufstand in der DDR 1953 gewählt.

Ginzel, Jahrgang 1946, reiste erstmals in seiner Jugend in die DDR. „Es war pures Interesse daran, wie es da aussieht“, begründete er. Sein Interesse hielt an. Später reiste er auch als Publizist und Referent nach Ostdeutschland. Er lernte zahlreiche Akteure vor Ort kennen. Engagierte in Politik und Gesellschaft. Mitglieder jüdischer Gemeinden und christlicher Kirchen. Motoren des christlich-jüdischen Gesprächs und der sich formierenden christlichen Bürgerrechts- und Friedensbewegung. „Die Menschen dort waren an mir als Person interessiert“, betonte Ginzel, dass er im anderen Teil Deutschlands nicht ob seiner Funktionen etwa als Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen“ beim Deutschen Evangelischen Kirchentag oder Mitglied im „Gesprächskreis Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken unterwegs war.

„Welche Juden sind in die DDR gekommen?“, fragte Moderatorin Dr. Ursula Reuter, Geschäftsführerin der Germania Judaica – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e. V. „Es waren unter anderem jüdische Rückkehrer, die vorzugsweise in die sowjetisch besetzte Zone/DDR kamen“, so Ginzel. Die Re-Immigranten seien mit ganzem Herzen Sozialisten gewesen. Sie hätten mit dazu beitragen wollen, einen friedlichen, sozialistischen, neuen deutschen Staat zu gründen, von dem aus nie wieder eine Bedrohung ausgehen solle. Zu dieser enorm qualifizierten jüdischen Minderheit, für die das Religiöse mehrheitliche keine Rolle gespielt habe, hätten viele Wissenschaftler und Kulturschaffende gezählt. Es seien vor allem politisch Motivierte gewesen. Sie hätten sich als Antifaschisten begriffen und in der DDR die deutsche Alternative zum deutschen Nationalsozialismus gesehen. Helmut Eschwege, einer der bedeutendsten jüdischen DDR-Historiker, sei einer der wichtigsten Gesprächspartner Ginzels geworden.

Der Publizist erinnerte daran, dass in den 1950/60er Jahren in den Ostblock-Staaten eine regelrechte Verfolgung und (Schau)Prozesse gegen Juden stattgefunden hätten. Gleiches, jedoch ohne Todesurteile und Hinrichtungen, sei in der DDR geschehen. Die Sorge der Juden sei gewachsen. „Es war nicht harmlos. Es gab eine gefahrvolle Agitation gegen jüdische Menschen, die im Sozialismus geblieben sind, weil sie von einem neuen Staat geträumt haben. Es war für sie eine dramatische, zutiefst bösartige Angelegenheit.“ 1952/53 seien über 500 Juden in die Bundesrepublik Deutschland geflüchtet. Die ohnehin kleinen jüdischen Gemeinden in DDR seien dadurch weiter geschrumpft.

Reuter sprach die von Ginzel 1980 herausgegebene Publikation „Auschwitz als Herausforderung für Juden und Christen“ an. Auf sie habe es auch in der DDR Widerhall gegeben. Es sei immer nur so getan worden, als wäre Auschwitz eine Herausforderung allein für die Täter, so Ginzel. Aber bei den Nachfahren der Täter und der Opfer gebe es die gleiche Herausforderung. Das könne dazu führen, dass man gemeinsam nachdenke und zu Schlüssen komme. Bei verschiedenen Veranstaltungen in der DDR habe er erfahren, dass es für Christen fasziniert gewesen sei zu erleben, „dass ein Jude wie ich große Fragen an Gott hat“. Die Frage der Verantwortung Gottes für sein Volk und seine Schöpfung und wie sie wahrgenommen werde.

Ginzel erinnerte sich an phänomenale Bibelarbeiten, an ein wunderbares Gemeinschaftsgefühl in Synagogen, an Massen von Menschen, die mit Zivilcourage Zustände in der DDR kritisiert hätten, ohne diesen Staat grundsätzlich infrage zu stellen. Und daran, dass die jüngere Generation auch in Kirchengemeinden, auf Kirchentagen und in jüdischen Gemeinden angefangen habe, öffentlich kontrovers über nicht aufgearbeitete Schuld im Nationalsozialismus, über die tabuisierte Geschichte der Juden, über Antisemitismus und Rechtsextremismus in der DDR zu diskutieren. Laut Ginzel waren die Kirchentage in der DDR ein ganz wichtiger Motor. „Dort tauchten die Generationenkonflikte mit jüngeren Juden und jüdischen Funktionären auf. Wenn die Älteren das antifaschistische Ruhmesblatt beschworen, widersprachen die Jüngeren mit Hinweis auf Friedhofsschändungen.“ In der DDR sei gar nichts aufgearbeitet worden, ging Ginzel auf die durchgängige Verdrängung der Verantwortung für die Nazi-Verbrechen ein.

In den 1980er Jahren hätten sich zunächst nur zwanzig, dreißig Menschen unangemeldet an ehemaligen Standorten von Synagogen versammelt und sich im Schein ihrer Kerzen der jüdischen Geschichte und Menschen erinnert. So seien Kerzen zum Symbol des christlichen Widerstandes und schließlich der gesamten Friedens- und Bürgerrechtsbewegung in der DDR geworden. Das, was dort der christlich-jüdische Dialog geboten habe, habe man woanders nicht bekommen. Die engagierten Menschen seien wie durch ein Band verbunden gewesen. Sie seien regelrecht zu den Veranstaltungen gepilgert, berichtete Ginzel auch von zahlreichen eigenen Vortragsterminen und Begegnungen.

Um den christlich-jüdischen Dialog beispielsweise in Dresden habe sich der evangelische Pfarrer Siegfried Reimann sehr verdient gemacht, so Ginzel im Nachgespräch. Mit christlichen wie jüdischen Mitstreitenden habe er es fertiggebracht, an der Technischen Universität eine Ausstellung über Rechtsextremismus in der DDR auszurichten. Wohlgemerkt sei diese behördlich genehmigt worden. Dies zeige, was mit viel Engagement und Mut möglich gewesen sei.

Als erster deutscher Staat habe die Volkskammer der Noch-DDR eine Erklärung zur deutschen Schuld herausgearbeitet, so Ginzel. Sie habe die Tore aufgemacht für „jüdische Bürger“ der Sowjetunion, „denen Verfolgung oder Diskriminierung droht“. Gesetzliche Vorgaben seien beschlossen worden, um ihnen den Zuzug nach Deutschland zu ermöglichen. Diese großzügige Öffnung der DDR habe dem Westen zunächst nicht gefallen. Gleichwohl sei die Regelung in den Einheitsvertrag eingegangen. Bis zu 200.000 Menschen seien als „jüdische Kontingentflüchtlinge“ aus dem sowjetischen Bereich nach Deutschland gekommen. Weniger als 100.000 von ihnen seien in den jüdischen Gemeinden hierzulande angekommen, auch im Osten. Dadurch seien diese Gemeinden wiederbelebt, aber auch verändert worden. Leipzig gelte heute als eine Gemeinde mit etwa 95 Prozent russischen Juden. Es gebe auch im Osten Deutschlands die funktionierenden jüdischen Gemeinden mit Jugendarbeit und Pflege der Friedhöfe. Und es bestehe die gemeinsame Bedrohung durch den Antisemitismus und den offenen Rassismus. „Aber noch ist es nicht so weit, dass man dort sagt, ´wir hauen ab!´“, sagte Ginzel.

„Es ist sehr intensiv diskutiert worden“, zog Ginzel im Nachgespräch ein ungemein positives Fazit der vierteiligen Reihe. Er zeigte sich erfreut, dass diese Reihe virtuell möglich gewesen sei. Echos auf die sehr gut besuchten Veranstaltungen hätten ihn auch aus Jerusalem und London erreicht. Schließlich habe auch diese Reihe gezeigt, wie wichtig die beiden Bildungswerke für die Stadt und das Land seien.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

Der Beitrag Juden und Christen in der DDR – Zeitzeugengespräch mit dem Kölner Publizisten Günther B. Ginzel in der Melanchthon-Akademie erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Wochentipps: Internationales Orgelfestival, Soloprogramm mit Glockengeläut, Ökumenische ThomasMesse und Erinnerungsspuren von Krieg und Frieden

Kurz vor den Sommerferien laden verschiedene Gemeinden in Köln und Region wieder zu Veranstaltungen und Konzerten ein. Mit dabei sind unter anderem ein Internationales Orgelfestival in Altenberg, Soloprogramm mit Glockengeläut – zwei Konzerte im Atrium der Johanneskirche in Köln-Brück-Merheim, die Ökumenische ThomasMesse in der Trinitatiskirche und die Suche nach Erinnerungsspuren von Krieg und Frieden im Kölner Norden. Außerdem können Jugendliche noch spontan an einer Jugendfahrt nach Sardinien teilnehmen. Hier die Wochentipps:

01.07.2021, 20:00
Evangelische Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen
Altenberger Dom, Altenberg, 51519 Odenthal-Altenberg
Festliche Eröffnung des „Internationalen Orgelfestivals“
Besondere Konzertreihe in den Sommermonaten
Das BlechKollektiv Köln unter der Leitung von Carsten Luz (Solo-Posaunist im Gürzenich Orchester Köln) und Kirchenmusikdirektor und Domorganist Andreas Meisner eröffnen am Donnerstag, 1. Juli, 20 Uhr, das „Internationale Orgelfestival“ im Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz 2. Mit dem Orgelfestival wird die Domorgel innerhalb des Jahresprogramms Altenberger Dommusik in einer eigenen Konzertreihe besonders in den Mittelpunkt gestellt. Im Juli und August finden immer donnerstags, 20 Uhr, Orgelkonzerte statt. Der Eintritt kostet 10 Euro. Karten gibt es an der Abendkasse und im Vorverkauf im Altenberger-Dom-Laden, Eugen-Heinen-Platz 2, Telefon 02174/419930. www.altenberger-dommusik.de/orgelfestival

03.07.2021, 18:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Brück-Merheim
Johanneskirche, Am Schildchen 15, 51109 Köln
Soloprogramm mit Glockengeläut
Zwei Konzerte im Atrium der Johanneskirche
Für sein Soloprogramm nahm Matthias Muche das Glockengeläut vom Münsteraner Dom auf und platzierte es mittels eines umgebauten Dämpfers in seiner Posaune. So ertönen die Glocken quasi aus dem Blechblasinstrument heraus und verschmelzen mit den Tönen der Posaune. Das Ergebnis dieser interessanten Mischung wird am Samstag, 3. Juli, 18 und 20 Uhr, bei zwei Open-Air-Konzerten im Atrium der Johanneskirche Brück, Am Schildchen 15, präsentiert. Der Musiker gewann in diesem Jahr den WDR-Jazzpreis für Improvisation. Eine Anmeldung mit Angabe von Namen, Adresse, Telefonnummer und der gewünschten Uhrzeit per E-Mail an jane.dunker@ekir.de oder per Telefon 0221/843387 ist erforderlich. Es gelten die jeweils gültigen Pandemieregeln. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. www.ekir.de/brueck-merheim/kulturelle-veranstaltungen

03.07.2021, 16:00
Evangelisch Leben in Köln und Region
Erinnerungsspuren von Krieg und Frieden in Köln-Innenstadt-Nord
Ökumenischer Gedenkgang zur Erinnerung an den „Peter- und Paul-Angriff“
„Erinnerungsspuren von Krieg und Frieden in Köln-Innenstadt-Nord“ ist der Titel des ökumenischen Gedenkganges zur Erinnerung an die Angriffe an Peter und Paul im Jahr 1943 am Samstag, 3. Juli, 16 Uhr bis 18.30 Uhr. Dazu laden der Evangelische Kirchenverband Köln und Region sowie der Katholikenausschuss in der Stadt Köln ein. Bei dem Rundgang erinnern Stadtführer und Historiker Günter Leitner und Zeitzeugin und Autorin Paul Hiertz an bittere Kriegsjahre und die Sehnsucht nach Frieden. Pfarrer Armin Beuscher und Rainer Thelen setzen an den verschiedenen Stationen spirituelle Impulse. Am 29. Juni 1943 wurde Köln von dem folgenschwersten Luftangriff im 2. Weltkrieg getroffen, dem sogenannten „Peter- und Paul-Angriff“. Tausende Kölner verloren ihr Leben, Zehntausende ihr Hab und Gut, die Innenstadt war fast vollständig zerstört. Treffpunkt ist der Vorhof von St. Andreas, Komödienstraße 6-8. Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung per E-Mail an das Büro des Katholikenausschusses unter Koeln@katholikenausschuss.de ist erforderlich. Wer nicht mitgehen kann, hat die Möglichkeit sich bei YouToube ein Video anzuschauen, dass in Vorbereitung zum Gedenkgang entstanden ist: www.youtube.com/watch?v=XCPU4oTFB34.

04.07.2021, 18:00
Evangelische Gemeinde Köln
Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, 50677 Köln-Südstadt
„Loup & Hecker“ – alte und jüngere Klassiker mit Inhalt und Witz
Hof-Konzert im Atrium der Lutherkirche
Als „Loup & Hecker“ präsentieren die beiden Kölner Musiker Josef Loup (Gesang, Gitarre) und Christian Hecker (Akkordeon, Gesang) alte und jüngere Kölsche Klassiker, die eine Geschichte erzählen, Inhalt und Witz haben und abseits vom Karneval sind. In ihrem Programm, das sie am Sonntag, 4. Juli, 18 Uhr (Einlass 17 Uhr), bei einem Open-Air-Konzert im Atrium der Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 4, präsentieren, finden sich Klassiker wie zum Beispiel von Willy Ostermann und Karl Berbuir, genauso wie Songs von BAP, „The Piano has been drinking“ und auch eigene Kompositionen. Der Eintritt kostet 11 Euro im Vorverkauf unter lutherkirche.ticket.io und 15 Euro an der Abendkasse. Informationen über die aktuellen Coronaregeln gibt es über die Homepage www.lutherkirche-suedstadt.de/veranstaltungen/. www.lutherkirche-suedstadt.de

04.07.2021, 18:00
Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach
Gnadenkirche, Hauptstraße 256, 51465 Bergisch Gladbach
„The Right Pill“ präsentieren Klassiker der weiblichen Rock-Musik
Open-Air-Konzert an der Gnadenkirche Bergisch Gladbach
„Female Rock Classix“ ist der Titel eines Open-Air-Konzerts am Sonntag, 4. Juli, 17 Uhr, auf der Open-Air-Bühne des „Quirls“ an der Gnadenkirche, Hauptstraße 256a. Die Band „The Right Pill“ rockt Klassiker von ausschließlich weiblichen Vertretern des Genres wie Alanis Morissette, Joan Jett, Melissa Etheridge, Anouk oder Pink. Der Eintritt zu diesem Konzert der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach ist frei. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, deshalb wird um Anmeldung unter Telefon 02202/9629837 gebeten. www.quirl.de

04.07.2021, 18:00
Trinitatiskirche
Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln
Ökumenische ThomasMesse endlich wieder live-analog
Thema in der Trinitatiskirche: „Ich-Bin-Da“
Der ökumenische Arbeitskreis ThomasMesse Köln lädt nach einer langen coronabedingten Pause am Sonntag, 4. Juli, 18 Uhr, wieder zu einer Präsenz-ThomasMesse in die Trinitatiskirche, Filzengraben 4, ein. Mit dem Titel und Thema „Ich-Bin-Da“ möchte der Vorbereitungskreis an den ökumenischen Kirchentag 2021 anknüpfen. Die ThomasMesse ist ein internationales ökumenisches Projekt, bei dem meist ehrenamtliche Frauen und Männer gemeinsam einen besonderen Gottesdienst gestalten. In Köln sind viermal im Jahr vor allem Suchende und Zweifelnde, die sich im alltäglichen Kirchengeschehen nicht beheimatet fühlen. Neben Musik und Betrachtungen zu einem Bibeltext gibt in der Kirche verschiedene Aktiv-Stationen, bei denen z.B. zwischen persönlicher Segnung und Gespräch, meditativen Elementen, Tanz und Taizé-Singen gewählt werden kann. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. www.thomasmesse.org/koeln

04.07.2021, 10:00
Evangelische Kirchengemeinde Ichthys
Freie Plätze bei Jugendfahrt nach Sardinien
Das Gruppenerlebnis steht im Mittelpunkt der Reise
Die Evangelische Kirchengemeinde Ichthys in Pulheim-Geyen, -Sinthern, -Manstedten und Köln-Widdersdorf bietet in den Sommerferien von Sonntag, 18. Juli, bis Dienstag, 3. August, eine Ferienfreizeit nach Sardinien an. Die Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren schlafen in bereits aufgebauten Zelten mit jeweils vier Personen auf einem Campingplatz in Platamona direkt am Meer. Am Vormittag werden sportliche und kreative Kurse angeboten. Am Nachmittag kann am Strand oder in der Hängematte gechillt werden. Im Mittelpunkt der gesamten Reise steht das Erlebnis als Gruppe. Auf dem Campingplatz ist eine Krankenwageneinheit stationiert. Die Teilnahme im Selbstverpfleger-Camp kostet etwa 469 Euro. Weitere Informationen und die Anmeldung erfolgt über die Homepage der Kirchengemeinde unter www.evkirche-ichthys.de/anmeldung.

Text: APK
Foto(s): APK

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„Wir machen Bildungsangebote zwischen Himmel und Erde“ – Nachrichten von der Verbandsvertretung: Vorstellung der Arbeit der Melanchthon-Akademie

Mit einem Live-Gottesdienst in digitalen Zeiten begann am Samstagmorgen die Frühjahrs-Tagung der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Pfarrerin Dorit Felsch, Leiterin der Telefonseelsorge, Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, der an diesem Tag auch Geburtstag feierte, Thomas Frerichs, Kantor der Kartäuserkirche, und Bernd Franzen, Prädikant aus der Gemeinde Poll, gestalteten den Gottesdienst. Herr Frerichs saß in der Kartäuserkirche und animierte mit Frau Felsch die Delegierten zum Singen. Die Aufforderung aus dem bekannten Kirchenlied „Vertraut den neuen Wegen“ galt auch beim Gesang. Kantor Frerichs intonierte allein, die Gemeinde sang bei ausgeschalteten Mikrofonen zu Hause mit. „Das Vergessenwollen verlängert das Exil. Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“ lautete der zentrale Satz in der Predigt von Dorit Felsch.

Die Pfarrerin erinnerte an ihren Großvater und dessen Werkraum, in dem er Puppenbetten und -wagen, Krippen und andere Laubsägearbeiten mit ihr während der Besuche in den Schulferien gebaut hatte. Doch die Leiterin der Telefonseelsorge erinnerte auch an ihr Erschrecken, als sie erfuhr, dass ihr Opa Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg gewesen war.  Ihre Mutter habe sie beruhigt, dass der Großvater niemanden erschossen habe, sondern immer nur in die Luft gezielt habe. „Wie viel davon ist Wirklichkeit und wie viel rückblickendes Wünschen? 70 Prozent der Deutschen glauben, dass ihre Vorfahren nicht zu den Tätern gezählt haben. 30 Prozent glauben, ihre Vorfahren hätten aktiv potenziellen Opfern geholfen. Tatsächlich waren es 0,3 Prozent“, sagte Dorit Felsch weiter in ihrer Predigt.

Die Täterinnen und Täter und somit die unerträgliche Gewalt des NS-Regimes habe in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sozusagen immer mit am Tisch gesessen. „Menschen, die man liebte, wurden zu Opfern umgelogen. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit Nazi-Deutschland ist bis heute nicht geschehen. Vielleicht aus unbewusster Angst vor dem, was ans Licht gelangen könnte. Das entlädt sich dann in antisemitischen Ausbrüchen“, analysierte Felsch. Sich zu erinnern sei ein nie abgeschlossenes Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Menschen. Ein Blick auf die eigenen dunklen Flecken eröffne einen neuen Weg zur Freiheit. „Es braucht Mut, Geschichte zu ergründen und ehrlich zu erzählen.“

Grußwort von Stadtdechant Msgr. Robert Kleine
Insgesamt 90 Verbandsvertreterinnen und -vertreter und zahlreiche Gäste begrüßte Stadtsuperintendent Bernhard Seiger im virtuellen Raum. Auch Stadtdechant Msgr. Robert Kleine war zugeschaltet. „Wir sind ja nicht da, um Häuser zu kaufen und Stellenpläne zu schreiben. Gehet hin und verkündet das Wort Gottes, das ist unser Auftrag.“ Kleine erinnerte an eine Frau aus dem Markus-Evangelium. Die Frau habe an Blutfluss gelitten und sei geheilt gewesen, nachdem sie Jesus Christus aus der Menschenmenge heraus berührt hatte. „Da ist von der Menge die Rede. Im Moment hat das Amtsgericht die Kirchenaustrittstermine aufgestockt. Die Menschen gehen von uns weg. Jeder, der geht, ist eine Wunde in unserer Kirche und der gesamten Christenheit. Die Menschen sind enttäuscht. Das tut mir sehr weh. Wir sind ja kein Verein, wir sind kein Selbstzweck. Wir sind das pilgernde Gottesvolk, der eine Hirte ist Jesus Christus“, erklärte Kleine und fuhr fort: „Die Frau wollte nicht reden, sie hatte keinen Termin. Sie hat Jesus Christus nur berührt. Wenn Menschen mit dem Glauben in Berührung kommen, sind sie von Jesus angerührt. Da müssen wir als Kirche gar nicht mehr viel machen. Das ist ein wunderbares Bild für die Sensibilität Jesu für die Menschen. Kirche sollte sich an dieser Sensibilität neu ausrichten. Wir können Menschen helfen, mit der frohen Botschaft in Kontakt zu treten und zu wissen: Er ist der, der heilt.“ Der Stadtsuperintendent dankte dem Stadtdechanten für seine ehrlichen und auf den Kern des kirchlichen Auftrags zielenden Worte. Er wünschte ihm weiterhin viel Kraft und Mut zur Ehrlichkeit auf dem Weg, der Vertrauen schafft.

Diakoniespende: Zeitraum verlängert
In den Informationen an die Verbandsvertretung verwies Stadtsuperintendent Bernhard Sieger darauf, dass der Zeitraum für die Diakoniespende für ambulante und stationäre Hospizdienste bis zum 30. September verlängert wurde. Die nächste Diakoniespende geht an das Jugendhaus „Treffer“ in Buchheim. „Wir wollen auf Kinder und Jugendliche schauen, die unter der Pandemie leiden“, erläuterte Seiger. Pfarrer Karsten Leverenz, der viele Jahre Sprecher der evangelischen Krankenhausseelsorge war, und sein Stellvertreter Klaus Peter Böttler haben ihre Ämter abgegeben. Ihnen folgen Pfarrer Volkher Preis und seine Kollegin Christa Schindler nach.

Akademie als Übungsort für Spiritualität, Theologie, Demokratie
Der ausführliche Bericht aus den Ämtern und Einrichtungen des Kirchenverbandes wurde in diesem Jahr von der Melanchthon-Akademie gehalten. Markus Zimmermann, stellvertretender Stadtsuperintendent, führte in das Thema ein. „Es gibt viele Profile in unserer Kirche. Ich freue mich darauf, tiefer hineinzuschauen in das, was wir in der Akademie für die Menschen tun.“ Akademieleiter Martin Bock und Studienleiterin Daniela Krause-Wack stellten in ihrem Bericht die Arbeitsbereiche der Akademie vor. In kurzen Einspielfilmen waren auch die Studienleiterin Dorothee Schaper sowie die Studienleiter Joachim Ziefle und Martin Horstmann zu sehen. „Wir machen Bildungsangebote zwischen Himmel und Erde“, erklärte Bock das Motto der Akademie, die inzwischen fast 60 Jahre alt ist. „Wir sind ein Übungsort für Spiritualität, Theologie, Demokratie und vieles mehr. Wir sind ein Ort für Veränderung und wir sind zeitweilige Heimat für alle Menschen.“

Philipp Melanchthon sei der Bildungsminister der Reformation gewesen. Deshalb sei der Name der Akademie auf jeden Fall immer noch zeitgemäß, erläuterte Bock. Die Arbeit wird von einem sechsköpfigen pädagogischen Team und sieben Personen in der eigenen Verwaltung geleistet. Dazu kommen 316 freiberufliche Honorarkräfte. Bock verwies darauf, dass der Betrieb der Akademie auch während der Corona-Pandemie weitestgehend aufrecht werden konnte. „60 bis 70 Prozent aller Veranstaltungen haben stattgefunden, wenn auch auf andere Art. Digitale Bildungsangebote gehören fast schon zum normalen pädagogischen Repertoire.“

Im Jahr 2019 haben rund 10.000 Menschen die Veranstaltungen der Akademie besucht. Die Auslastung der Kurse lag bei 80 bis 90 Prozent. Das seien in der Erwachsenenbildung erstklassige Werte. STARK, das Studium der Theologie für Laien, ist Martin Bocks Lieblingsprojekt. Es gehe darum, dass „Theologie zu treiben“ nicht immer nur bedeute, dass Expertinnen und Experten gefragt seien. „Wir möchten, dass wir alle urteilsfähiger werden“, erklärte der Akademieleiter. „Wir sind dankbar, dass wir unsere Arbeit in dieser Großzügigkeit tun dürfen.“ Nun gelte es, den Weg zum Campus Kartause zu denken, der Bildungslandschaft des Kirchenverbandes, die in den nächsten Jahren entstehen soll. Man wolle auf einem geschichtsträchtigen und spirituell lebendigen Campus erkennbar sein, Anschluss an die berufliche, spirituelle, kulturelle und persönliche Bildung von Erwachsenen gewinnen und zeitgenössische Bildung anbieten. Im digitalen Zeitalter soll im Kontext von Diversität und Teilhabe eine Komm- und Gehstruktur zusammen mit den Gemeinden und Kirchenkreisen entwickelt werden. Stadtsuperintendent Seiger ermutigte insbesondere die Gemeinden, die Angebote der Melanchthon-Akademie abzurufen und nach ihren Wünschen Themen zu verabreden.

Jahresabschluss mit negativem Ergebnis
Lothar Ebert, Vorsitzender des Beratungsausschusses für Haushalts- und Finanzfragen des Kirchenverbandes, stellte den Jahresabschluss des Verbandes für das vergangene Jahr vor. Bei einer Bilanzsumme in Höhe von 112,3 Millionen Euro ergab sich ein negatives Ergebnis in Höhe von 2,6 Millionen Euro. Der Fehlbetrag wird durch einen Verlustvortrag aus dem Haushaltsergebnis 2019 in Höhe von 1,9 Millionen Euro und Rücklagenentnahmen von rund 700.000 Euro ausgeglichen. Gründe für das negative Ergebnis sind zum einen Auswirkungen von Corona, zum anderen waren höhere Ausgaben bei den Umlagen zu verkraften. Kirchenkreise mit einem hohen Pro-Kopf-Kirchensteueraufkommen wie in Köln und der Region unterstützen Kirchenkreise, deren Aufkommen geringer ist. Für die kommenden zwei Jahre können die Gemeinden voraussichtlich mit den gleichen Kirchensteuerzuweisungen vom Kirchenverband wie in diesem Jahr rechnen, warf Ebert einen Blick in die Zukunft.

Campus Kartause als Oase in der Kölner Südstadt
Superintendent Markus Zimmermann moderierte auch den letzten großen Punkt auf der Tagesordnung. „Im nächsten Jahr werden wir beim Kirchbautag der Evangelischen Kirche in Deutschland 400 Architekten und Architektinnen in Köln zu Gast haben.  Der Tag steht unter dem Motto ,Mut baut Zukunft‘. Das tun wir auch bei unserem Campus“, leitete er in das Thema Campus Kartause ein. Auf dem Gelände am Kartäuserwall, das heute die Melanchthon-Akademie, die Familienbildungsstätte und das Jugendpfarramt beherbergt, soll ein großzügiger Gebäudemix für Bildung und Wohnen entstehen. Stadtsuperintendent Seiger verwies in seinem Bericht zum Campus Kartause auf Veränderungen der Pläne in den vergangenen Monaten: „Im Bereich der Architektur hat sich viel entwickelt. Der Siegerentwurf des Büros Kaspar Kraemer ist grüner geworden, wir haben in etlichen Details aufgrund der Bedarfe der Bildungseinrichtungen und zum Beispiel des Studierendenwerkes Verfeinerungen vorgenommen. Das Thema ,Raum der Stille‘ ist in einer weiteren Arbeitsgruppe durch das Architekturbüro gemeinsam mit Vertretern unserer Bildungseinrichtungen, also Akademie, Jugendpfarramt, Schulreferat und Pfarramt für Berufskollegs, weitergedacht worden. Wir haben den Eingangsbereich des Hauptgebäudes weiterentwickelt, Grünanlagengestaltungen wurden geplant.“ Auf dem ‚Raum der Stille‘ ruhen große Hoffnungen: „Er lädt im trubeligen Großstadtleben zur Einkehr, zur Besinnung, zur Meditation – alleine oder in kleinen Gruppen – ein. Der Raum soll so gestaltet sein, dass hier auch interreligiöse Gebete stattfinden können. Bei der Lehrerausbildung, mit jungen Menschen und in der Erwachsenenbildung kann dieser Raum die Seele des Komplexes werden. Wir knüpfen an die lange Geschichte des Kartäuserklosters an. Dieser Ort war seit Jahrhunderten ein geistlicher Kraftort. Wir setzen dieses Erbe fort“, so Seiger.

Präzise Planung mit künftigen Nutzern
Dann hatte Kaspar Kraemer aus dem gleichnamigen Architektenbüro das Wort. Zusammen mit Architekt Hans-Günther Lübben stellte er die weiter fortgeschrittene Planung vor. Im Innenhof werden zwölf Kastenlinden in Dreigruppen stehen. „Das könnte eine Anspielung auf die zwölf Apostel sein“, sagte Kraemer. Beim Innenhof handele es sich um einen geschlossenen, aber durchlässigen Platzraum mit einer Wegeverbindung zwischen Kartäuserwall und Kartäusergasse. „Mit dem Ensemble entsteht ein ganz neuer Stadtbaustein. Es gilt nachzuverdichten, um nachhaltig zu sein, besonders auf unternutzten innerstädtischen Fläche wie dieser hier.“ Kraemer ging auch auf die historische Klostermauer ein, die eine Herausforderung darstelle: „Wir wussten nicht, dass die Klostermauer unter Denkmalschutz steht. Es handelt sich um eine sehr schöne historische Wand, die wir behutsam freigelegt haben. Sie stellt uns vor einige Probleme, aber wir werden diese lösen. Die Fundamente zeigen, was sich in 800 Jahren Klostergeschichte getan hat.“ Das Gebäude an der Klostermauer wurde in der neuen Planung drei Meter nach Norden versetzt. Diese drei gewonnenen Meter möchte Kraemer als Gartengang nutzen. Ausdrücklich lobte er die sehr gute und präzise Planung mit den zukünftigen Nutzern. Wolf R. Schlünz wurde vom Kirchenverband als Projektsteuerer engagiert und stellte seine Arbeit der Verbandsvertretung vor. „Der Projektsteuerer ist der Vertreter des Bauherrn und setzt dessen Interessen durch. Er ist da sehr parteiisch“, erläuterte er. Schlünz rechnet damit, dass der Bebauungsplan in den politischen Gremien im vierten Quartal 2022 Rechtskraft erlangt und danach zügig die Baugenehmigung erteilt wird.

Stichwort Verbandsvertretung
Die Verbandsvertretung ist das Leitungsorgan des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region mit seinen 56 Gemeinden im Rhein-Erft-Kreis, in Köln, im Rheinisch-Bergischen Kreis und im Oberbergischen Kreis in den vier Kölner Kirchenkreisen. Zu den Aufgaben der Delegierten gehören beispielsweise der Beschluss des Haushalts und die Wahl des Stadtsuperintendenten. Die Verbandsvertretung tagt zweimal im Jahr und wird von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger geleitet.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmannan Rahmann / APK

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