Vielfältige adventliche Wochentipps erwarten Sie in den kommenden Tagen: In der Kartäuserkirche wird am Samstagabend das Theaterstück „Josef und Maria“ aufgeführt, in Junkersdorf lädt der Chor „Schräge Vögel“ am Nachmittag zum Weihnachtsliedersingen ein. In Rondorf erklingt Bachs Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ und in Zündorf gibt es das Benefizkonzert „Swingin’ Christmas“. Am Sonntag bietet der Altenberger Dom ein festliches „Christmas Carol Singing“ und in der Clarenbachkirche Braunsfeld ist weihnachtliche Chormusik mit Werken von Rutter, Bach und anderen zu hören.
„Josef und Maria“ von Peter Turrini
In der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, wird am Samstag, 29. November, 19 Uhr, das Stück „Josef und Maria“ von Peter Turrini aufgeführt, das zwei ältere Menschen an Heiligabend nach Ladenschluss in einem Kaufhaus zusammenführt. Die Putzfrau Maria und der Wachmann Josef blicken auf Biografien zurück, die durch NS-Zeit und Krieg geprägt wurden, und finden in dieser außergewöhnlichen Situation Worte, die zwischen Komik, Melancholie und überraschender Nähe changieren. Gespielt wird „Josef und Maria“ vom Römerpark Ensemble in Kooperation mit dem Raketenclub, mit Thomas Krutmann (Josef) und Brigitte Oessling (Maria), unter der Regie von Jürgen Albrecht. Der Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. www.kartaeuserkirche-koeln.de
Für Jung und Alt: Weihnachtsliedersingen
Zu einem stimmungsvollen Nachmittag voller festlicher Musik, traditionellen Weihnachtsliedern und gemeinsamen Momenten, die das Herz erwärmen sollen, lädt der Chor „Schräge Vögel“ am Samstag, 29. November, 15 Uhr, in die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche Junkersdorf, Birkenallee 20, ein. Das Weihnachtsliedersingen richtet sich an Jung und Alt. Der Eintritt ist frei. www.ev-in-junkersdorf.de
Weihnachtskonzert der Musikschule Papageno
Die Musikschule Papageno in der Evangelischen Kirchengemeinde Rondorf lädt gemeinsam mit dem Rodenkirchener Kammerchor und Orchester am Samstag, 29. November, 17 Uhr, zu einem Weihnachtskonzert in die Emmanuelkirche, Carl-Jatho-Straße 1, ein. Aufgeführt wird die Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ (BWV 61) von Johann Sebastian Bach. Unter der Leitung von Anna Goeke-Paganetti gestalten Solisten, die Musikschule Papageno sowie ein eigens gebildeter Projektchor den festlichen Abend. www.rondorf.de
Christmas Carol Singing
Festliche Bläserklänge und traditionelle englische Weihnachtslieder erklingen am Sonntag, 30. November, 14.30 Uhr, im Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz 2. Unter der Leitung von Jörg Häussler gestaltet ein Ensemble des Posaunenwerks der Evangelischen Kirche im Rheinland gemeinsam mit Andreas Meisner (Orgel) ein „Christmas Carol Singing“, eine aus dem englischsprachigen Raum stammende Tradition, bei der in Gemeinschaft Weihnachtslieder (Christmas Carols) gesungen werden, in stimmungsvoller Atmosphäre. Bekannte und besinnliche Melodien laden zum Zuhören und Mitsingen ein und stimmen auf die Adventszeit ein. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. www.dommusik-aktuell.de
Benefizkonzert für die Lukaskirche
Zu einem Benefizkonzert lädt die Evangelische Kirchengemeinde Porz am Samstag, 29. November, 17 bis 18 Uhr, in die Pauluskirche Zündorf, Houdainer Straße 32, ein. Mit dem Programm „Swingin‘ Christmas können sich die Zuhörenden beschwingt auf die Weihnachtszeit einstimmen. Der Eintritt ist frei, um Spenden für die Neugestaltung der Lukaskirche Porz wird gebeten. www.kirche-porz.de
Weihnachtliche Chormusik in Braunsfeld
Festliche Klänge zum Beginn der Adventszeit erklingen am Sonntag, 30. November, 16 Uhr, in der Evangelischen Clarenbachkirche Braunsfeld, Aachener Straße 458. Unter der Leitung von Hanna Wolf-Bohnen präsentiert die Kleine Kantorei plus weihnachtliche Chormusik mit Werken von John Rutter, Johann Sebastian Bach, Peter Cornelius und anderen. Mitwirkende sind neben dem Chor auch Solosopran, Harfe, Piano, Flöte und ein Streicherensemble. Der Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 5 Euro für Kinder im Alter bis 14 Jahren. Eintrittskarten sind ab sofort in der Buchhandlung Baskerville, Clarenbachplatz, sowie im Gemeindebüro, Peter-von-Fliesteden-Straße 2, unter Telefon 0221/49 49 26 oder per E-Mail an clarenbachgemeinde@ekir.de erhältlich. www.clarenbachgemeinde.de
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2025/11/Wochentipps-26.-11.jpg10801920https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2025-11-25 23:00:002025-12-02 12:00:06Unsere Wochentipps: Weihnachtsliedersingen und Christmas Carol Singing
Die Orange Days sind eine internationale Aktionszeit, die jedes Jahr rund um den heutigen 25. November – den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen – stattfindet. Auch der Evangelische Kirchenverband Köln und Region unterstützt die Aktionszeit. Zum Auftakt, 25. November, 18 Uhr, sind in der Kirche St. Agnes, Neusser Platz 18, alle Interessierten zu einem interreligiösen Gebet zum Auftakt der Orange Days eingeladen. Unter dem Titel „Begrenzte Sicherheit“ steht das Thema Schutz und Sicherheit von Mädchen und Frauen im Mittelpunkt – ein Anliegen, das weltweit noch immer zu wenig Beachtung findet. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionen gestalten das Gebet gemeinsam und setzen damit ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt.
„Wut und Mut“: „Orange-Days-Gottesdienst“ in der Immanuel-Kirche Stammheim
Unter dem Leitgedanken „Wut und Mut“ wird am Montag, 1. Dezember, das klare Nein zu Gewalt an Frauen biblisch und spirituell bedacht: Der Synodale Fachausschuss „Gemeinschaft von Männern und Frauen“ im Evangelischen Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch lädt um 18 Uhr aus Anlass der Orange-Days zu einem Gottesdienstin die Immanuel-Kirche, Bonhoefferstraße 8, ein.
Seit vielen Jahren rufen die UNWomen mit den „Orange Days“ weltweit zu Aktionen gegen Gewalt an Frauen auf. Die Farbe Orange steht dabei als Symbol für Licht, Hoffnung und die Vision einer Zukunft ohne geschlechtsspezifische Gewalt, Missbrauch und Benachteiligung. In diesem Jahr verstärken junge Menschen der Jugendkirche geistreich das bewährte Team und bringen eigene Ideen, Texte und Musik in den Abendgottesdienst ein. Im Anschluss sind alle Gäste zu Begegnung und Gespräch bei heißen Getränken und einem kleinen Snack eingeladen. Willkommen sind Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und jeder Konfession – wer möchte, setzt mit einem orangen Kleidungsstück oder Accessoire ein sichtbares Zeichen der Solidarität.
Lesung und Gespräch über Erfahrungen, Hintergründe und Wege der Unterstützung
DieVeranstaltung„Gewalt in Partnerschaften – ein Thema, das uns alle angeht“ am Mittwoch, 26. November, 18 Uhr (Einlass 17 Uhr), in die Erzengel-Michael-Kirche, Pfarrer-te-Reh-Straße 7, Köln, richtet den Blick auf ein gesellschaftliches Problem, das besonders Frauen in unterschiedlichsten Lebenssituationen betrifft. Mariele Millowitsch, Schirmherrin der Spendenkampagne „Du bist wertvoll“, liest die eindrückliche Geschichte einer betroffenen Frau und setzt damit ein Zeichen für Solidarität und Schutz. Barbara Peveling, Ethnologin, Autorin und Journalistin, trägt Passagen aus ihrem Buch „Gewalt im Haus. Intime Formen häuslicher Gewalt“ vor und berichtet von eigenen Erfahrungen. Marina Walch, Leiterin des Gewaltschutzzentrums „Der Wendepunkt“, erklärt im Gespräch, wie Betroffene unterstützt werden können, welche Schritte im Ernstfall notwendig sind, wann die Polizei eingeschaltet werden sollte und wie Angehörige oder der Freundeskreis behutsam auf das Thema eingehen können. Musikalisch begleitet wird der Abend von der FLINTA-Band BUBS, moderiert wird er von Cordula von Wysocki. Die Veranstaltung findet im Rahmen der „Orange Days – gegen Gewalt an Frauen“ statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung per E-Mail an stiftung@diakonie-michaelshoven.de ist möglich.
Unter dieser Einladung stand ein Faltblatt, das als Gemeinschaftsprojekt des Katholischen Stadtdekanats und des Evangelischen Stadtkirchenverbands (Vorgängereinrichtung des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region) erstmalig zur Bundesgartenschau 1971 publiziert wurde. Die Bundesgartenschau fand in diesem Jahr in Köln statt und stand unter dem Motto „Festival in Köln“. 4,4 Mio. Besuchende sahen sich die Schau an. Um Interessierten neben der Kunst und Blumenvielfalt aus aller Welt auch eine Möglichkeit zu bieten, die Stadt auf andere Weise kulturell und spirituell zu erschließen, veröffentlichten die Evangelische und Katholische Kirche dieses Faltblatt. Es enthielt neben den verschiedenen Gotteshäusern, kirchlichen Einrichtungen (bspw. Bahnhofsmission und Diakonie) und deren Standorten sowie Gottesdienstzeiten auch einen Stadtplan zur Orientierung. Es war eher schlicht und einfach gestaltet. Nichtsdestotrotz wurde es gut angenommen, sodass sich die Frage nach einer Neuauflage stellte.
Erweiterung und Internationalisierung der Informationen
War das Faltblatt von 1971 auf eine DIN-A4-Seite beschränkt, so sollte die Neuauflage einige Informationen mehr bieten. Am Ende des Gestaltungsprozesses wurde eine Broschüre gedruckt, die 16 Seiten umfasste und in einer Auflage von 40.000 Exemplaren erschien. Das Cover wurde künstlerisch ansprechender und farbenfroher gestaltet. Besonderheiten dieser Neuauflage stellten zum einen die Informationen dar, die nun viersprachig erschienen (Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch). Zum anderen hatten sich die Zielgruppen verändert, sodass sie neben evangelischen und katholischen Gottesdiensten auf Deutsch auch Informationen zu Gottesdiensten für Gehörlose, in fremder Sprache (bspw. Russisch, Chinesisch, Niederländisch) sowie von Freikirchen aufwiesen. Die Broschüren wurden an Hotels und Pensionen im gesamten Kölner Stadtgebiet verschickt und dort ausgelegt.
Die Kirchen reagierten damit auf einen gesellschaftlichen Wandel. Die Menschen wurden immer mobiler. Reisen, Studieren und Arbeiten im Ausland wurden immer beliebter, sodass neben den „klassischen“ Touristen viele Menschen in der Stadt blieben, die einen Migrationshintergrund aufwiesen. Ihnen sollte auf diese Weise die Möglichkeit offeriert werden, an Gottesdiensten in ihrer Muttersprache teilzunehmen, um bspw. erste Kontakte zu knüpfen. Das „Faltblatt“ von 1980 trägt diesem Bedürfnis Rechnung und zeigt durch Landesflaggen an, in welchen Sprachen und zu welchen Zeiten Gottesdienste angeboten wurden.
Zeitdokument mit historischem Wert
Neben den Informationen zu Gottesdiensten und Kirchen wurde erstmalig auch auf die Anzahl der Gläubigen im Stadtgebiet, etwa 530.000 Katholische und 230.000 Evangelische, Bezug genommen. In der Auflage von 1986 bleiben die Zahlen für die katholische Seite gleich, und die Evangelischen können einen Zugewinn von 10.000 Gläubigen verzeichnen. Ob diese Zahlen stimmen, müsste man anhand anderer Quellen prüfen. Es macht jedoch deutlich, dass auch solche Materialien, die meistens schnell nach dem Urlaub entsorgt werden, für die Geschichtsforschung wichtige Informationen enthalten können.
Auch die mal mehr, mal weniger aufwendige Gestaltung, die Auflage der Faltblätter und die dargebotenen Informationen lassen bspw. Rückschlüsse auf den Wandel der Selbstwahrnehmung und Veränderung der Kommunikation zu den Gläubigen zu.
Mit großer Mehrheit hat die Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region Pfarrer Bernhard Seiger in seinem Amt als Stadtsuperintendent bestätigt. „Wir sollten frei sein, Gutes anzufangen mit Mut und Kreativität, und frei sein, manches zu lassen. Wir haben immer noch ganz viel Gestaltungsspielraum“, sagte Seiger in seiner Vorstellungsrede im Haus der Evangelischen Kirche. Es gelte, den Dialog mit der jüngeren Generation zu fördern und nah bei den Menschen zu sein. Nüchternheit bei den Finanzen sei gefragt. „Wir investieren, wo wir Zukunft gewinnen wollen. Alles, was wir tun, ist transparent. Es gibt keine verbotenen Fragen, keine Tabus. Ich möchte Kirche gestalten in einer guten Balance zwischen Stadt und Land.“ Die Fusion der Kirchenkreise Köln-Nord, -Süd und -Mitte zum Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch zum Jahreswechsel nannte Seiger einen „Mutmach-Prozess“. Die Denkweise der anderen Kirchenkreise kennenzulernen, sei eine Bereicherung.
Im Anschluss an die Wahl des Stadtsuperintendenten folgte die Wahl der Stellvertreterinnen und Stellvertreter. Die erste Stellvertreterin des Stadtsuperintendenten ist Kerstin Herrenbrück, zweiter Stellvertreter Torsten Krall. Beide leiten als Doppelspitze den Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch. Zum dritten Stellvertreter wurde Markus Zimmermann aus dem Kirchenkreis Köln-Nord gewählt. Zur vierten Stellvertreterin wählten die Delegierten Miriam Haseleu aus dem Kirchenkreis Köln-Mitte.
Bericht des Vorstandes mit fünf Schwerpunktthemen
Bernhard Seiger, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region
Fünf Themen aus dem Geschäftsbericht des Verbandsvorstands vertiefte Bernhard Seiger in seinen mündlichen Erläuterungen. Die Anteile der Evangelischen Kirche am Evangelischen Krankenhaus wurden im Mai 2025 an die Josefs-Gesellschaft verkauft. „Wir sind dankbar, dass das Haus mit einem zukunftsweisenden Konzept und in der Hand eines größeren kirchlichen Trägers fortgeführt werden kann. Der Grund für uns sind Defizite gewesen und die politische Strategie von Bund und Land für den Krankenhausmarkt, die Zahl der Häuser zu verringern.“ Der Betrieb von Krankenhäusern sei nicht mehr im Kerngeschäft der evangelischen Kirche in Köln. Die diakonische Ausgangslage sei heute eine andere als zur Zeit der Gründung evangelischer Häuser vor mehr als 100 Jahren. Wichtig sei, dass die Patientinnen und Patienten weiterhin gut versorgt würden und evangelische Seelsorge im Krankenhaus in Köln-Kalk erhalten bleibe.
Zukunftsprojekte: Segensbüro und Mitgliederbindung
Ausdrücklich lobte der Stadtsuperintendent das Segensbüro Hätzjeföhl. „In kurzer Zeit ist hier sehr viel passiert. Es werden ansprechende Formate entwickelt, die Menschen auf eine frische Art erreichen und ihnen das Gefühl geben, Kirche begleitet sie in individueller Weise und findet Sprache und Formen, die einladen.“ Das mediale Interesse sei groß. Die Arbeit im Segensbüro werde wie geplant bis 2027 fortgeführt. Dann werde evaluiert, ob sie 2028 weitergeführt werden kann. „Ich hoffe sehr darauf! Es ist eine Erfolgsgeschichte.“
Fortgesetzt wird auch das Projekt Mitgliederbindung. Angesprochen werden Kirchenmitglieder zwischen 15 und 30 Jahren. Sechs Pilotgemeinden haben bereits teilgenommen, in den nächsten Jahren sollen es bis zu 20 Gemeinden sein.
Klimaschutz: CO₂-Halbierung erreicht
Erfolgreich ist der Evangelische Kirchenverband Köln und Region auch beim Klimaschutz. „Unsere CO₂-Emissionen konnten vom Jahr 2019 auf das Jahr 2024 von 617,7 auf 302,9 Tonnen CO₂, reduziert werden.“ Die Einsparungen um die Hälfte gründen sich auf viele Maßnahmen: kleinere und größere technische Anpassungen, Veränderungen im Heizungsbereich, verbesserte Beleuchtung – sowie der Ausbau von Photovoltaikanlagen bei den Gebäuden des Verbands.
Für Vielfalt und gegen Hass: Bildung als Schlüssel
Im fünften Themenfeld betonte Bernhard Seiger, dass das Eintreten für Vielfalt für die evangelische Kirche selbstverständlich sei. Doch: Wie kann verhindert werden, dass Menschen in rechtsextreme Einstellungen abrutschen? Seine Antwort lautet: „Die Hauptmaßnahme ist Bildung, Bildung, Bildung. Bildung, um Zusammenhänge zu erklären, über Politik zu sprechen, die demokratischen Parteien zu unterstützen und entschlossen für die Werte Menschenwürde und Respekt einzutreten. Dabei hilft es nicht, in Abwehr gegenüber rechten Parolen zu erstarren, sondern positiv zu reden und in klaren Worten zu beschreiben, was evangelisch ist.“ Das Papier „Evangelisch. Für Vielfalt. Gegen Hass.“ der evangelischen Bildungseinrichtungen stehe beispielhaft dafür. Vielfalt sei keine Bedrohung, sondern ein Segen.
Ökumene in der Stadt Köln
Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses in der Stadt Köln
Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses in der Stadt Köln, sprach in seinem Grußwort über die Ökumene und lobte die vertrauensvolle Zusammenarbeit. „Wir machen uns gemeinsam auf den Weg.“ Als Beispiel nannte er den sogenannten „Scharnierkreis“. „Man braucht Scharniere, damit sich Türen öffnen.“ In dem Kreis werde beispielsweise offen besprochen, welche Kirchengebäude in Zukunft bestehen bleiben sollen. „Auch wir führen eine Stadtbilddebatte“, sagte Stiels. „Wir wollen, dass in jedem der 86 Veedel auch langfristig in unserer Stadt eine Kirche steht, die wichtig ist für Gottesdienste und für alles andere, wofür Kirche steht. Das kann nur ökumenisch gelingen. Das lässt sich nicht verordnen, das muss von unten wachsen.“ Eine digitale Karte, die alle Kirchen und kirchlichen Räume umfasst, wurde auf der Tagung vorgestellt.
Campus Kartause: Fortschritte und Förderungen
Eine Erfolgsgeschichte bleibt der Campus Kartause. Im September wurde Richtfest gefeiert. Die Bauteile 3 und 4 im westlichen Teil der Baustelle befinden sich im Innenausbau, die Fenster sind bereits eingebaut. Leicht im Rückstand ist der Generalunternehmer beim Rohbau der Gebäude 1 und 2. „Das Projekt verläuft weiterhin planmäßig und liegt im Zeitplan. Die Fertigstellung ist nach wie vor für Ende November 2026 geplant“, sagte Bernhard Seiger. Die Vermietung der Wohnungen sei gesichert, große Flächen wurden bereits an die Diakonie Michaelshoven und das Studierendenwerk vermietet. Die Suche nach Mietern für den Gastronomiebereich läuft.
Erfreulich sind auch die Förderzusagen: Die „Aktion Mensch“ unterstützt die Barrierefreiheit der Gebäude mit 287.000 Euro. Das Land fördert die Inklusivwohnungen mit 1,3 Millionen Euro und einem Tilgungsnachlass. Für das Studierendenwohnen wird ein Kredit in Höhe von fünf Millionen Euro mit Tilgungsnachlass erwartet.
Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, berichtete, dass die geplante evangelische Kommunität auf dem Campus Kartause bald ins öffentliche Gespräch gebracht werde. „Wir werden konkret Menschen suchen, die sich in diese Kommunität einbringen wollen und mit denen, die sich dazu schon entschlossen haben, in Kontakt treten möchten.“ Grundlage sei die ökumenische Iona-Kommunität, die 1938 auf der schottischen Insel Iona gegründet wurde. Sie steht für soziale Gerechtigkeit, Frieden, Spiritualität und neue Gottesdienstformen. Drei Grundregeln für die Kölner Kommunität sind schon geplant. Diese beinhalten einen gemeinsamen Abend pro Woche, regelmäßige Treffen mit dem Iona-Freundeskreis und Engagement bei den spirituellen Angeboten im „Raum der Stille“ auf dem Campus Kartause oder in der Kartäuserkirche.
Kirchliche Finanzen: Herausforderungen und Prognosen
Gabi Orbach
Dann standen die Zahlen und damit Finanzkirchmeisterin Gabi Orbach im Mittelpunkt der Verbandsvertretung. Zunächst ging es um den Jahresabschluss für 2024. Orbach berichtete in ihrer Präsentation von Kirchensteuereinnahmen, die deutlich über dem Plan lagen. Nach Abzug aller Umlagen habe sich der Anstieg der Einnahmen jedoch nicht mehr positiv auf das Ergebnis ausgewirkt. Als Grund nannte sie vor allem die Finanzausgleichsumlage, die zwölf Millionen Euro höher als geplant gezahlt werden musste. Mit dieser Umlage unterstützen finanzstarke Kirchenkreise solche, die wirtschaftlich schwächer aufgestellt sind. „Es gibt immer weniger Kirchenkreise, die in diesem Umlageverfahren zahlungspflichtig sind. Somit müssen jene, die noch zahlen können, mehr schultern“, erklärte Orbach. Auf Köln würden in Zukunft noch höhere Solidar-Kosten zukommen.
Am Ende wurden 2024 bei Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 119 Millionen Euro insgesamt 44,5 Millionen Euro an die Verbandsgemeinden nach Zahl der Mitglieder überwiesen. Für das Jahr 2026 rechnet Orbach mit Kirchensteuereinnahmen von rund 115 Millionen Euro. Die Finanzausgleichsumlage wird auf 24,7 Millionen Euro geschätzt. Ein weiterer Posten, der im Haushalt immer größer wird, ist die Versorgungs- und Beihilfesicherungsumlage. Grund dafür ist, dass viele Pfarrerinnen und Pfarrer in den Ruhestand treten. Nach Abzug aller Umlagen sollen im kommenden Jahr 43,8 Millionen Euro an die Gemeinden überwiesen werden. Das ist nur durch eine Rücklagenentnahme in Höhe von 3,6 Millionen Euro möglich. Auch wenn die Rücklagen noch eine ganze Weile reichen, mahnte Gabi Orbach zur Vorsicht. Sie warnte auch, dass die Sparpläne der Landeskirche Aufgaben auf Kirchenkreise und Gemeinden übertragen könnten.
Abschied von Superintendentin Susanne Beuth
Superintendentin Susanne Beuth geht Ende 2025 in den Ruhestand
Mit großem Applaus verabschiedete die Verbandsvertretung Susanne Beuth, die zum Jahresende in den Ruhestand geht. Die Pfarrerin aus Klettenberg ist seit 2019 Superintendentin im Kirchenkreis Köln-Mitte. „Du hast einen großen Beitrag zur Fusion der drei Kirchenkreise geleistet“, sagte Bernhard Seiger unter dem Beifall der Delegierten. „Ich habe die Zusammenarbeit mit dir immer als gut, einvernehmlich, kreativ und offen erlebt. Im Verband hast du dich engagiert für die Diakonie und die Beratungsstelle eingesetzt, und du warst lange Jahre Vorsitzende der Kölner ACK.“
Neuer Vorstand gewählt
Bei der Tagung der Verbandsvertretung wurde auch der Verbandsvorstand neu gewählt. Die Wahlen waren notwendig, da durch die Fusion der Kirchenkreise Köln-Mitte, -Nord und -Süd die Gremien neu zusammengesetzt werden. Im Vorstand vertreten sind künftig: Pfarrer Jan Ehlert (Hürth), Gaby Orbach (Pesch), Silke Schmidt (Lindenthal), Marcel Cossijns (Porz), Christ Hasted (Flittard/Stammheim), Joachim Ruppersberg (Rath-Ostheim), Christoph Riethmüller (Bayenthal), Burkhard von Spankeren (Brühl), Dr. Alfred Paulick (Heilig-Geist-Gemeinde Köln-Land), Diana Zulfoghari (Köln), Hartmut Melenk (Höhenhaus) und Katharina Haubold (Mülheim am Rhein). Stellvertretende Mitglieder sind: Hye-Won Chang-Herrmann, Astrid Rose, Manguela Fokuhl, Anette Ludolphy, Dr. Markus Schulz, Pfarrerin Sandra Nehring und Jörg Krautmacher.
Die nächste Sitzung der Verbandsvertretung findet am 27. Juni 2026 statt.
Text: Stefan Rahmann Foto(s): Stefan Rahmann / APK
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2025/11/89517697-21D4-4EE8-885B-303EA43919BD-scaled-e1763827986368.jpg13352368https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2025-11-23 10:10:002025-12-01 13:10:04Stadtsuperintendent Bernhard Seiger mit großer Mehrheit im Amt bestätigt – Nachrichten von der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region
Flucht, Migration und gesellschaftliches Zusammenleben prägen seit Jahren die öffentliche Debatte. Anlässlich des 30. Altenberger Forums „Kirche und Politik“ sprach Bildungsreferent Dr. Stefan Hößl von der Melanchthon-Akademie in Köln im Vorfeld der Veranstaltung über seine Perspektive auf das Thema. Für ihn beginnt die zentrale Herausforderung nicht an den Grenzen Europas, sondern darin, wie hierzulande über Migration gesprochen wird.
„Deutschsein“ neu denken: Hößls Plädoyer für ein „Wir der vielen“
Aus Stefan Hößls Sicht wird der Begriff des „Deutschseins“ immer noch zu eng gefasst. „Ich denke, dass es eine ganz zentrale Herausforderung ist, die Bedeutung von Migration auch dahingehend zu verstehen, dass die deutsche Gesellschaft seit jeher eine in verschiedener Hinsicht diverse und plurale war“, sagt er im Interview. „Ein ‚Wir der vielen‘ mit sehr unterschiedlichen Geschichten, Sprachen und religiösen Bezügen.“
Kritik an verkürzter Rhetorik und problematischen Begriffen
Genau dieses „Wir der vielen“ ist für ihn in der Diskussion um das Thema Migration entscheidend. Für den Bildungsreferenten enthält es vielfältige Perspektiven, unterschiedliche Lebensgeschichten und ein gemeinsames Nachdenken über gesellschaftliche Zukunft. Die öffentliche Debatte erlebt Hößl jedoch kritisch. Viele Diskussionen seien geprägt von verkürzten Zuschreibungen oder politischen Stimmungen. Besonders problematisch findet er Begriffe wie „Stadtbild“, die in politischen Debatten zunehmend genutzt werden. Er fragt: „Wer ist ‚Wir‘ – wer soll in unserem öffentlichen Raum präsent sein, wer gehört dazu und wer nicht?“ Diese Debatte sei aus seiner Sicht irreführend und diene letztlich nur dazu, politischen Zuspruch zu generieren – auf Kosten eines respektvollen gesellschaftlichen Miteinanders.
Kirche als Akteurin für gesellschaftlichen Zusammenhalt
Für die Kirche ergibt sich nach Stefan Hößls Ansicht daraus die klare Aufgabe, Haltung zu zeigen. Als Bildungsreferent setzt er sich dafür ein, dass Kirche als starke Partnerin der Zivilgesellschaft sichtbar wird – als Akteurin, die Menschen stärkt, statt sie in Kategorien einzuordnen. Es gehe nicht um wirtschaftliche Nützlichkeit, nicht um eine Diskussion über Belastungen oder Vorteile, sondern um das Menschenbild, das dem gesellschaftlichen Miteinander zugrunde liegt. „Wir reden hier nicht mehr über Herausforderungen und Chancen, wir müssen tatsächlich über eine plurale Gesellschaft, ein gemeinsames Wir sprechen“, sagt er. „Das ist für mich viel, viel elementarer, anstatt sozusagen Menschen auf ihren Mehrwert zu reduzieren.“
Migration als Normalität – nicht als Ausnahmezustand
Dr. Stefan Hößl verweist darauf, dass Migration zur Geschichte der Gesellschaft gehört – nicht als Ausnahme, sondern als dauerhafte Realität. Daraus könne die Chance erwachsen, gemeinsame Werte wie Würde, Freiheit und Respekt immer wieder neu zu verankern. Die christliche Perspektive richte den Blick dabei auf jeden einzelnen Menschen und dessen unveräußerliche Würde. Ein „Wir der vielen“ – das sei mehr als ein Befund. Es sei eine Einladung, Zukunft gemeinsam zu gestalten.
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2025/11/AB74C5FA-8B4C-4308-937E-3F12878FC88A-scaled-e1763557226693.jpg12672252https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2025-11-22 23:00:002025-11-30 09:00:05Ein „Wir der vielen“ – Altenberger Forum diskutiert über Flucht und Migration
Aktuell versüßen wieder Orangen und Mandarinen den Menschen die dunklen Herbst- und Wintermonate. Wer die vitaminreichen Früchte kauft, kann aber auch anderen etwas Gutes tun – wenn er oder sie das an der richtigen Stelle tut: Seit zwei Jahren bestellt die ökumenische Umweltgruppe „Laudatosi“, bestehend aus Menschen der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus und der evangelischen Kirchengemeinde Ichthys in Widdersdorf, regelmäßig bei einer Kooperative aus Kleinbauern und -bäuerinnen im italienischen Rosarno verschiedene Früchte. Dabei handelt es sich um Orangen, Mandarinen, Zitronen, Kiwis und Avocados, die ökologisch und vor allem unter fairen Arbeitsbedingungen produziert wurden. Zahlreiche weitere Gemeinden in Köln und der Region haben sich angeschlossen: die evangelische Kirchengemeinde in Köln-Klettenberg, die evangelische Hoffnungsgemeinde Velbert und Tönisheide, der ökumenische Arbeitskreis „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ in Hilden, die evangelische Kirchengemeinde Büchenbeuren-Laufersweiler-Gösenroth und das Landeskirchenamt in Düsseldorf. Aber auch die Solidarische Landwirtschaft Widdersdorf (SoLaWi-Gemüsekoop) gehört zu den Bestellern – ebenso der genossenschaftlich organisierte Supermarkt Köllektiv in der Südstadt.
„Für 2,80 Euro pro Kilo zahlt die Gemeinde nicht nur für Orangen – sondern für Würde“
In diesem Jahr hat die Presbyterin der Evangelischen Gemeinde Widdersdorf, Gisela Theis, erstmals sogar zwei Sammelbestellungen aufgegeben, eine im Frühjahr und nun eine im Herbst. Knapp 1,7 Tonnen Früchte werden bald wieder zur Scheune der Solawi geliefert, sortiert und dann dort von den Gemeinden und Initiativen abgeholt. Sie kommen direkt von der Kooperative „SOS Rosarno“ in Kalabrien, die mittlerweile als Genossenschaft den Namen „Mani et Terra“ („Hände und Erde“) trägt und der Ausbeutung von Arbeitern vor Ort etwas entgegensetzen will. Theis schildert die Hintergründe: Die Supermarktketten würden den heimischen Kleinbauern und -bäuerinnen einen so geringen Preis für ihre Ernte zahlen, dass sie damit kaum die Ausgaben für ihre Produktion decken könnten. Gleichzeitig würden an der Stiefelspitze Italiens sehr viele aus afrikanischen Ländern geflüchtete Menschen stranden, dort dann auf den Obstplantagen für Hungerlöhne arbeiten und notdürftig unter Planen am Stadtrand kampieren.
„SOS Rosarno schafft Arbeitsplätze mit Tarifvertrag, Mindestlohn und Versicherung“
Die Initiative SOS Rosarno verkauft das Obst statt an die Ketten direkt an Verbraucherverbünde zu einem fairen Preis und ermöglicht so ebenso faire Arbeitsbedingungen: „Die Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten einen Tarifvertrag, den Mindestlohn und sind sozialversichert“, schildert Theis. Pro Kilo Orangen beispielsweise zahlt die Gemeinde 2,80 Euro plus Mehrwertsteuer und verkauft sie für 3,50 Euro. Der Differenzbetrag geht auf ein Spendenkonto für „Mediterranean Hope“ bei der Evangelischen Kirche von Westfalen mit dem Stichwort „Rosarno“.
„Mit jeder Frucht auch Hoffnung: Gemeinden unterstützen ‚Mediterranean Hope‘“
„Mediterranean Hope“ gehört zum Geflüchtetenprogramm des Bundes der Evangelischen Kirchen in Italien und finanziert verschiedene Projekte in Rosarno – zum Beispiel das „Haus der Würde“, ein Wohnheim, wo Wanderarbeiter in Zwei-Betten-Appartements mit Küchenzeile und Bad leben können. Es ermöglicht Traumatherapien und stattet die Fahrräder der Erntehelfer mit Lampen aus. Sie müssen meist im Dunkeln auf unbeleuchteten Straßen lange Wege zu den Obstplantagen zurücklegen und werden oft Opfer von Unfällen.
Zu der Einkaufshilfsaktion wurde Theis bei der Rheinischen Friedenskonferenz in Bonn inspiriert. Dort kam sie über den Verein zur „Förderung des fairen Handel(n)s am Niederrhein, Fair/rhein“ in Kontakt mit der stellvertretenden Leiterin des Oikos-Instituts für Mission und Ökumene bei der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Katja Breyer. Eine italienische Partnerkirche hatte an Breyer vor einiger Zeit die Bitte herangetragen, in Kalabrien fair produzierte Früchte zu kaufen. So hatte die EKvW die Orangen-Verkaufsaktion „Süß statt bitter“ gestartet. Theis folgte ihrem Beispiel mit der Einkaufsaktion in Köln und Umgebung. Auf diese Weise möchten nun viele Gemeinden gemeinsam mit dem Kauf der leuchtenden Früchte in zweierlei Hinsicht Licht ins Herbstdunkel bringen.
„Sie sind noch genauso aktuell wie vor 2000 Jahren“, begrüßte Pfarrerin Susanne Zimmermann zum Themengottesdienst in der Erlöserkirche. Sie, das sind die vier biblischen apokalyptischen Reiter des Sehers Johannes im letzten Buch der Bibel. Der Künstler Thomas Baumgärtel hat sie mittels vier Gemälden in die Gegenwart „übertragen“. Bis zum 22. November (Finissage, 17 Uhr) sind die Großformate in der evangelischen Kirche in Köln-Weidenpesch (Derfflingerstraße 9, 50737 Köln) ausgestellt.
Auseinandersetzung mit den Bildern und Hoffnungen
Pfarrerin Susanne Zimmermann predigt im Gottesdienst zwischen den großformatigen Werken von Thomas Baumgärtel und setzt sich dabei mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinander.
Im Gottesdienst inmitten der Kunstwerke zählte Zimmermann die von Baumgärtel behandelten Gefahren der Digitalisierung, des Internets und des Wegnehmens von Freiheitsrechten auf. Sie nannte Klimawandel, Umweltverschmutzung, die ungerechte Ressourcenverteilung und die immer wieder auch kriegerischen Auseinandersetzungen und Despotentum. „Ganz bewusst setzen wir uns in diesen Wochen mit diesen Bildern und Herausforderungen auseinander. Wo sehen wir da die Zukunft und Hoffnung, die Gott uns versprochen hat?“ In diesem Sinne wolle man heute mit der Bibel Hoffnungsperspektiven entdecken, wolle man Widerstandskraft und Aufbegehren erkennen, die Kraft zum Neuanfang.
„Alles ist möglich dem, der glaubt“, erinnerte Zimmermann eingangs ihrer Predigt an das Wort Jesu (Markus 9,17–25). Es ist gerichtet an einen Vater, der ihn um die Heilung seines Sohnes bittet. Jesus spürt, dass der Hilfesuchende zweifelt. „Wer Gott vertraut, dem ist alles möglich“, betonte die Pfarrerin. „Alles kann die- oder derjenige schaffen, die oder der vertrauen kann ins Leben, in andere Menschen, in Gott.“ Aber wie schaffe man es, trotz widrigster Umstände nicht aufzugeben – in Krankheit, die einfach nicht aufhört, in Gefangenschaft, nach Schicksalsschlägen, Verlusten oder nach Erfahrungen von Scheitern? Zimmermann sprach von Selbstheilungskräften, „die alle Menschen in sich haben“. Von seelischer Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten. „Etwas, was uns geschenkt ist, das aber immer wieder ausgegraben, an das erinnert werden muss.“ Ein besonderes Zeugnis dieser Resilienz hat Zimmermann im Tagebuch der von den Nazis ermordeten Anne Frank gefunden.
Akzeptanz und Zuversicht
Die Pfarrerin betonte die besondere Bedeutung („Was macht Menschen stark für das Leben?“) des Begriffs Resilienz in der Pädagogik und Psychologie. Akzeptanz und Zuversicht in bedrängenden Zeiten bezeichnete sie als wesentliche Faktoren der Widerstandskraft. Diese Stichworte „ziehen sich durch die Bibel“. Und sie „helfen, dass Menschen stark werden oder zumindest sich immer mal wieder aufrichten können“. Es gehe darum, bereit zu sein, für das eigene Leben Verantwortung zu übernehmen und es zu gestalten. Eine wichtige Säule der Resilienz bildeten in der Regel auch die Religion und religiöse Gemeinschaft. „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen“, zitierte sie Dietrich Bonhoeffer. Zimmermann findet großartig an dieser Aussage, dass es ein Anliegen Gottes sei, „dass wir diese Widerstandskraft haben“. Gott selbst sei es auch, der uns schon in der Taufe zuspreche: „Ich glaube an dich.“
Bilder vom schönen Ende
Der Weiße Reiter (links ) und der Blasse Reiter von Thomas Baumgärtel.
Die biblische Offenbarung sei ein Trost- und Hoffnungsbuch, sagte Zimmermann. In den vom Seher Johannes beschriebenen Bildern gehe es um die Zukunft. Er habe Bilder vom schönen Ende entwickelt. „Er sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde. Gott wird alle Tränen abwischen, und es wird kein Geschrei mehr sein, kein Leid.“
Sich dem Schweren aussetzen – neu hinschauen auf die Botschaft der vier Reiter
Das Überwinden von Leiden sei nicht immer einfach, stellte Zimmermann fest. Aber es könne gut sein, all das Schwere nicht zu ignorieren, sondern sich ihm auszusetzen. Das könne helfen, wieder neu hinzuschauen auf die Botschaft dieser vier Reiter. Schließlich, sich in die Verantwortung führen zu lassen und dadurch ins Handeln zu kommen – so wie Jesus dem zweifelnden Vater sage: „Vertraue, denn alles ist möglich dem, der glaubt.“
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2025/11/Gruenguertelrosen-1.jpg10801920https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2025-11-21 09:00:002025-11-28 23:10:04Erlöserkirche in Köln-Weidenpesch: Thematischer Gottesdienst zur Ausstellung „Apokalypse“
In Israel ist Orna Porat eine Legende. In Köln erinnern sich nur wenige an Irene Klein, die 1924 als Tochter eines katholischen Vaters und einer evangelischen Mutter in Porz zur Welt kam, später in der dortigen Lukaskirche konfirmiert und noch später in Israel eine gefeierte Schauspielerin wurde. Die Lebensgeschichte einer faszinierenden Frau stand im Mittelpunkt eines Abends der Melanchthon-Akademie mit der Überschrift „Orna Porat: Berühmt in Israel! – Vergessen in Köln?“ Arnd Henze hatte die Moderation übernommen und begrüßte Lital Porat, Tochter von Orna Porat, Dr. Rolf Theobold, Pfarrer an der Lukaskirche, Angelika Golub, die die Anmerkungen von Lital Porat übersetzte, und Monika Möller, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Köln-Tel Aviv.
Von der NS-Jugendbewegung zur Bühne: Irene Kleins frühe Jahre
Dass Orna Porat einmal den Israel-Preis, die höchste Auszeichnung des Landes für Leistungen in Wissenschaft und Kultur, bekommen würde, wurde ihr nicht an der Wiege gesungen. In ihrer Jugend war sie sogar von der nationalsozialistischen Jugendorganisation „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) derart fasziniert, dass sie dieser gegen den Willen ihrer Eltern beitrat. Aber schnell wurde klar, dass ihre eigentliche Leidenschaft dem Theater galt, erzählte ihre Tochter im Haus der Evangelischen Kirche. Zunächst stimmte ihr Vater zu, dass sie das Gymnasium besuchen konnte. 1941 wurde Orna Porat, damals noch Irene Klein, als Kindermädchen zu einem hohen NS-Offizier nach Schleswig beordert. Am dortigen Theater erhielt sie ein erstes Engagement, nachdem sie ein Jahr lang Schauspielunterricht genommen hatte. Einer der Schauspielschüler sei vorher Wächter im KZ Treblinka gewesen und hätte ihr von den Greueltaten erzählt, berichtete Lital Porat. 1943 sei das Theater in Schleswig geschlossen worden und alle Mitarbeitenden in Straflager geschickt worden, um kriegswichtige Güter zu produzieren. Bei der Auflösung des Lagers nach Kriegsende lernte Orna ihren späteren Mann kennen. Josef Proter stammte ebenfalls aus Köln, war Jude und vor den Nazis nach Palästina geflüchtet. Seine Mutter war in Auschwitz umgebracht worden. Proter arbeitete für den englischen Geheimdienst in Deutschland. Ihm fiel eine Liste in die Hände mit polnischen und russischen Namen derer, die in ihre Heimatländer zurückkehren wollten. Ein deutscher Name stach heraus: Irene Klein. Die war mittlerweile Sozialistin und wollte eigentlich nach Russland auswandern. „Bei dem Verhör hat sich meine Mutter sofort in meinen Vater verliebt. Bei ihm hat es drei Wochen gedauert. Sie hat ihm nie verziehen, dass es bei ihm so lange gedauert hat“, erzählte Lital Porat mit einem Lächeln. Orna und Josef heirateten und zogen nach Palästina.
Theater, Sprache, Kinder: Ein Leben für die Kultur Israels
Während Josef Hebräisch sprach, lernte Orna die Sprache abends nach Feierabend. Das Ehepaar schlug sich zunächst mit Gelegenheitsjobs durch. „Meine Mutter hatte keine Angst, sich in einem neuen Land zurechtzufinden“, sagte Lital Porat. Nach Absagen wurde sie schließlich doch beim Cameri-Theater angenommen und spielte schon bald große Rollen in Stücken von Bertolt Brecht und Arthur Miller – natürlich auf Hebräisch. Und da schon als Orna Porat. Jüdin wurde sie erst später. Zahlreiche Preise nahm sie während ihrer Karriere entgegen. Unter anderem wurde sie Ehrenbürgerin von Tel Aviv. Besonders am Herzen lag Orna Porat das Theater für Kinder und Jugendliche. 1970 gründete sie das Orna-Porat-Kinder-und-Jugendtheater, das bis heute fortbesteht. 2015 starb Orna Porat im Alter von 91 Jahren. „Sie war ein kultureller Gigant und diejenige, die das Theater in Israel gesellschaftsfähig gemacht hat“, hat Shimon Peres, ehemaliger Staatspräsident Israels, über sie gesagt. „Meine Mutter hat sich selbst nicht so ernst genommen. Ernst genommen hat sie das, was sie tat“, erinnerte sich ihre Tochter. „Ich bin vier Tage nach Ornas Tod an die Lukaskirche gekommen“, erzählte Pfarrer Theobold. Er hat sich intensiv mit ihr beschäftigt und eine besondere Beziehung aufgebaut: „Irgendwie hat sie mich adoptiert.“ Monika Möller vom Partnerschaftsverein hat Orna kennengelernt. 1998 war Möller zu Besuch in Tel Aviv und erfuhr von einer gebürtigen Kölnerin, die dort zu Ruhm und Ehren gekommen war. „Da bin ich sofort hellhörig geworden. Von Orna Porat hatte ich nie gehört. Ich habe sie besucht. Sie war mir auf Anhieb sympathisch. Eine faszinierende und bodenständige Frau, die mir sofort einen Zitronenlikör anbot.“ 2005, 40 Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, war Orna Porat eine Woche in Köln. „Wir sind am Porzer Rheinufer spazieren gegangen, waren auf dem jüdischen Friedhof in Porz und haben auch die Lukaskirche besucht“, erinnerte sich Monika Möller. „Eine sehr schöne Woche.“
Der Kölner Männerchor „Grüngürtelrosen“ sagt von sich selbst, er sei „Kölns schrägster Männerchor“. Mittlerweile mehr als 120 Männer treffen dabei seit 2018 nicht unbedingt immer den richtigen Ton, haben aber enorm viel Spaß beim gemeinschaftlichen Singen. Die Besitzer der Kölschbar, Malte Böttges und Dennis Busch, sowie Sebastian Mortan aka Bleibtreuboy kamen damals auf die Idee, einen Männerchor zu gründen – und los ging’s. Dirigent und musikalischer Leiter ist Constantin Gold, der bei den Jadebuben singt, dem Nerdchor aus Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale.
Wenn es allerdings darum geht, Menschen in Notlagen zu unterstützen, treffen die Jungs ganz klar den richtigen Ton. 2019 gaben die Grüngürtelrosen ihr erstes Konzert in der Live Music Hall und spendeten einen Teil des Erlöses an den Förderverein für krebskranke Kinder in Köln. Seitdem hat der Chor immer wieder Spenden gesammelt, möchte mit seinem Publikum die Welt ein bisschen besser machen. Und nun bringen die Sänger sich auch als Unterstützer in die diesjährige Diakoniespende des Kirchenverbandes Köln und Region ein. Die Spende, die der Kirchenverband bis zu einem Spendenaufkommen von 100.000 Euro verdoppelt, geht an das Diakoniehaus Salierring, das wohnungslosen und obdachlosen Menschen eine Anlaufstelle ist. Dort sollen notwendige Renovierungs- und Umbaumaßnahmen durchgeführt werden. Mit Heiko Falk von den Grüngürtelrosen sprach Katja Pohl.
Warum liegt euch das Engagement für andere Menschen so am Herzen? Woher kommt die Motivation, regelmäßig Charity-Konzerte zu geben?
Heiko Falk: Wir sehen uns als große Gemeinschaft an, die gemeinsam der Gesellschaft etwas zurückgeben kann und möchte. Zusammen erleben wir Sachen, die jeder Einzelne von uns niemals erleben würde. Dass das bei vielen Menschen so gut ankommt und wir deshalb die Möglichkeit haben, durch Gagen und Ticketverkäufe Spendengelder zu generieren, motiviert uns, unser gemeinsames Hobby weiter mit Spaß und Freude fortzuführen. Gleichzeitig transportieren wir natürlich Spaß und Lebensfreude, was – neben der monetären Unterstützung von wohltätigen Zwecken – auch eine Form ist, Menschen, denen es vielleicht aktuell mal nicht so gut geht, eine gute Zeit zu schenken.
Wie findet ihr die Projekte oder Vereine, die ihr unterstützt?
Heiko Falk: Da gibt es unterschiedliche Wege: Einmal können unsere Mitglieder Spendenprojekte vorschlagen, welche dann durch unser Spendenkomitee geprüft werden. Zweitens greifen wir teilweise auf das Spendenportal der Sparkasse Köln zurück, auf dem bereits verifizierte Spendenprojekte gelistet sind. Und es kommt auch vor, dass Organisationen auf uns zukommen.
Obdachlosigkeit ist nicht nur in Köln ein großes Problem. Gibt es innerhalb des Chores persönliche Bezüge zu dem Thema, sei es durch verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen?
Heiko Falk: Da kann ich natürlich nicht für jeden Einzelnen von uns sprechen, aber ich würde es so einschätzen, dass bei uns erstmal glücklicherweise niemand persönliche Bezüge zum Thema Obdachlosigkeit hat. Wobei das Thema natürlich grundsätzlich allgegenwärtig ist und gerade zur Winterzeit medial auch noch mal mehr Aufmerksamkeit bekommt. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass wir als Grüngürtelrosen auch in diesem Themenkontext hinsichtlich Spenden gerne weiter aktiv werden könnten.
Wenn jemand fragt, warum er die Diakoniespende unterstützen soll, was würdet ihr ihm sagen?
Heiko Falk: Allein der Umstand, dass die Spenden verdoppelt werden, macht es ja schon sehr attraktiv, sich zu beteiligen. Wir Grüngürtelrosen sind schon sehr stark mit der Stadt Köln verbunden, sodass uns gerade lokale Projekte sehr am Herzen liegen, bei denen man die Unterstützung auch unmittelbar sehen kann.
Woher stammt eigentlich der Name „Grüngürtelrosen“?
Heiko Falk: Auf jeden Fall inspiriert dadurch, dass wir den Grüngürtel als ein Element in der Stadt Köln sehen, das viele Veedel und somit auch die Menschen verbindet. Deshalb ist der Colonius in unserem Logo wiederzufinden, weil er ja auch im Grüngürtel steht. Wie das florale Anhängsel dazu kam, ist nicht genau überliefert. Man kann es schon als singende und klingende Rosen deuten. Auch als Wortspiel ist die Nähe zu der unangenehmen Krankheit „Gürtelrose“ nicht von der Hand zu weisen, und das gab in der Vergangenheit auch schon mal die ein oder andere kritische Anmerkung diesbezüglich. Aber der Name war und ist ausdrücklich nicht despektierlich gemeint. Wer uns kennt, weiß aber auch, dass bei uns im Allgemeinen immer eine gute Portion Spaß und Ironie mit dabei ist.
Was macht euren Chor so besonders und vor allem so besonders mitgliederstark?
Heiko Falk: Dadurch, dass wir das mittlerweile seit nunmehr fast sieben Jahren machen, gibt es natürlich einen harten Kern, der über eine lange Zeit sukzessive sehr eng zusammengewachsen ist. All die vielen Proben, Auftritte und sonstige schönen Aktionen drumherum schweißen auf Dauer natürlich zusammen. Abgesehen davon, dass es eh anfangs im Prinzip mehrere größere Freundeskreise waren, die da zusammengekommen sind. Also die Schnittmenge war von Anfang an sehr groß. Mit der Zeit wurde das Interesse, auch Teil dieses Chores zu werden, auch von anderen Männern außerhalb dieser Bubble immer größer, sodass wir im Verlauf immer mal wieder einen neuen Schwung an Leuten aufgenommen haben. Was sehr gut für die Dynamik ist und um die Motivation für alle Beteiligten permanent aufrechtzuerhalten.
Warum ist Singen in Gemeinschaft so etwas Tolles?
Heiko Falk: Besonders bei den Proben ist es sehr schön zu merken, wenn man etwas Neues einstudiert, dass man zusammen das Gefühl hat, etwas zu erschaffen. Bei dem Prozess dahin ist jeder Sänger ein kleines Steinchen, und am Ende entsteht bestenfalls ein wunderschönes Mosaik. Für den Einzelnen ist das regelmäßige Singen auf jeden Fall eine wunderbare Ablenkung vom Alltag, und man kann während so einer Probe einfach mal für zwei Stunden den Kopf ausschalten. Bei Auftritten geht es dann vor allem um das Momentum und die Energie, die sich da auf der Bühne entlädt. Wenn man diese Energie anschließend vom Publikum zurückbekommt, dann multipliziert sich dieses Gefühl, und man schwebt als Gruppe anschließend erst mal für eine Zeit auf Wolke sieben. Dieses Gefühl lässt sich nicht leugnen – man weiß, dass sich die ganze Mühe und Arbeit für alle gelohnt hat.
Ev. Kirchenverband Köln und Region
Stichwort: Diakoniehaus Salierring
Kreissparkasse Köln
IBAN DE10 3705 0299 0000 0044 04
BIC COKSDE33XXX
Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region verdoppelt jeden gespendeten Cent bis zu einem Gesamtspendenaufkommen in Höhe von 100.000 Euro im Zeitraum vom 01.10.2025 bis zum 30.09.2026.
So laut wie heute ist es selten. Rund fünfzig ältere Menschen trommeln im Veranstaltungsraum des Clarenbachwerks am Neuen Grünen Weg in Müngersdorf im Takt: „Eins, zwei, drei“, zählt Musiktherapeut Nikolas Geschwill und schlägt dazu selbst auf eine Art Glocke. Die Senioren und Seniorinnen klopfen auf Hand- oder Standtrommeln mit. Geschwill wechselt in einen Vierertakt. Die alten Damen und Herren folgen problemlos. Dabei haben sie alle eines gemeinsam: ein Problem mit dem Gedächtnis. Das hindert sie nicht daran, „Veedelstrommler“ zu sein. So nennt sich die Veranstaltung, die der Musiktherapeut Jochen Ten Hoevel alle zwei Wochen an Demenz erkrankten Bewohnern und Bewohnerinnen des Clarenbachwerks sowie den Besuchern und Besucherinnen der dortigen Tagespflege anbietet. Dieses Mal sind sogar alle betroffenen Kölner und Kölnerinnen eingeladen, zu einem offenen „Drum Circle Event für Menschen mit Demenz“.
Trommeln verbindet – auch bei Demenz
Ein Mitarbeiter des Clarenbachwerks unterstützt eine ältere Trommlerin.
Der Saal im Haus Andreas ist rappelvoll. Viele Gäste sind aber im benachbarten Heinrich-Püschel-Haus zu Hause. Es ist nach dem Gründungsvater des Clarenbachwerks und seiner Pflegeheime benannt, dem ehemaligen Gemeindepfarrer von Köln-Braunsfeld, der sie 1949 ins Leben rief. Heute hat das Heinrich-Püschel-Haus einen Schwerpunkt auf die Pflege von demenzkranken Menschen gelegt. Dort ist auch eine Tagespflege ansässig, die an Demenz erkrankte Senioren und Seniorinnen tagsüber besuchen können. Zum offenen „Drum Circle“ trudeln allerdings immer Menschen aus der ganzen Stadt ein, wie Frans De Becker, der in Begleitung seiner Tochter unterwegs ist. Normalerweise wird er ebenfalls in einer Tagespflege betreut und freut sich nun auf eine Abwechslung: das Trommel-Event. Er sei immer musikbegeistert gewesen, habe leidenschaftlich Gitarre gespielt. So viel weiß der Mann noch. Das Gitarrenspielen will nicht mehr so richtig klappen, aber Trommeln geht. „Je lauter, desto besser“, sagt De Becker und strahlt.
Franziska Heidemann vom Förderprogramm „Lange fit durch Musik“ des Bundesverbandes Chor und Orchester, der das Projekt „Veedelstrommler“ unterstützt, kann das erklären: „Rhythmische Fähigkeiten bleiben noch sehr lange erhalten“, sagt sie. „Musik gilt als Königsweg für Menschen mit Demenz. Sie spricht sehr unterschiedliche Regionen im Gehirn an, abgesehen von den kognitiven vor allem die emotionalen.“ Die würden zunehmend zur zentralen Wahrnehmungsebene.
Ein Kreis, der öffnet – und stärkt
Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind konzentriert bei der Sache.
So trommeln alle mit, egal wie schlecht es um das Gedächtnis bestellt ist. Projektleiter Jochen Ten Hoevel macht diese Erfahrung immer wieder: „Wir haben beim Trommeln keinen Liederkanon, auf den wir zurückgreifen müssen, keine Texte, an die man sich erinnern muss.“ Die Moderation im Kreis funktioniere zumeist über Körpersprache. Der Rhythmus würde oft spontan entstehen, im Moment. Selbst ängstliche und schüchterne Menschen, die aufgrund ihrer Demenz sehr in sich zurückgezogen seien, würden im Trommelkreis aufblühen. „Das Trommeln weckt eine kindliche Freude.“ Andrea Wehlert, Leiterin des Heinrich-Püschel-Hauses, teilt die positive Erfahrung: „Die Menschen sind mit Begeisterung dabei“, schildert sie. „Zum Teil werden sie dadurch mobiler, wacher, orientiert, wirken zugewandter und sind viel kommunikativer.“
Das Clarenbachwerk möchte daher die „Veedelstrommler“ langfristig fest in seinem Programm etablieren und möglichst viele Menschen teilhaben lassen. In der Tagespflege Heinrich-Püschel-Haus des Clarenbachwerks, Neuer Grüner Weg 25, findet einmal monatlich der Gesprächskreis „Leben mit Demenz“ für Angehörige, Freunde von Betroffenen und alle Interessierten statt. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich.
Der nächste Termin ist Freitag, 21. November, 15 bis 16.30 Uhr.
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2025/11/Veedelstrommler.jpg10801920https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2025-11-19 23:00:002025-11-27 09:00:06Musik gegen das Vergessen: Das Projekt „Veedelstrommler“ im Clarenbachwerk