Mariele Millowitsch liest in der Erzengel-Michael-Kirche: Gewalt in Partnerschaften im Fokus der Orange Days

Wenn Gewalt in Partnerschaften zum Thema wird, geht es um mehr als Einzelschicksale – es geht um gesellschaftliche Verantwortung, ums Hinsehen und ums Handeln. Unter diesem Vorzeichen stand ein eindrucksvoller Abend in der Erzengel-Michael-Kirche am 26. November 2025: Im Rahmen der Orange Days kamen Betroffene, Fachleute und Engagierte zusammen, um Stimmen hörbar zu machen, Wege aus der Gewalt aufzuzeigen und die gesellschaftliche Verantwortung für dieses allgegenwärtige Thema zu betonen.

Einfühlsame Lesungen – klare Botschaften

Theater- und TV-Schauspielerin Mariele Millowitsch ist Schirmherrin der Spendenkampagne „Du bist wertvoll“ der Stiftung der Diakonie Michaelshoven, mit der betroffenen Frauen und deren Kindern geholfen wird.

Die Veranstaltung eröffnete Mariele Millowitsch, renommierte Theater- und TV-Schauspielerin sowie Schirmherrin der Spendenkampagne „Du bist wertvoll“ der Stiftung der Diakonie Michaelshoven. Mit ihrer Lesung einer autobiografischen Geschichte einer betroffenen Frau aus einer unserer Wohngruppen verlieh sie der oft unsichtbaren Gewalt ein Gesicht und sorgte für einen intensiven, emotionalen Einstieg. Die Kampagne setzt sich für Frauen und Kinder ein, die häusliche Gewalt erfahren haben – ein Anliegen, das Mariele Millowitsch mit großer Klarheit und Empathie hervorhob.

Im Anschluss las Barbara Peveling aus ihrem Buch „Gewalt im Haus. Intime Formen häuslicher Gewalt“. Die Ethnologin, Autorin und Journalistin teilte sowohl wissenschaftliche Perspektiven als auch eigene Erfahrungen. Ihre Worte machten deutlich, wie vielfältig Gewaltformen sein können und wie tief sie in Beziehungen und gesellschaftlichen Strukturen verwurzelt sind.

Handlungsmöglichkeiten und Perspektiven für den Alltag

Besonders praxisnah wurde der Abend durch den Beitrag von Marina Walch, Leiterin der Frauenberatungsstelle und des Gewaltschutzzentrums „Der Wendepunkt“. Sie beantwortete zentrale Fragen: Was kann ich tun, wenn ich Gewalt vermute? Wann sollte die Polizei gerufen werden? Wie spreche ich Betroffene sensibel an? Marina Walch stellte konkrete Handlungsmöglichkeiten vor und gab Besucherinnen und Besuchern Orientierung, wie Prävention, Zivilcourage und Unterstützung im Alltag gelingen können.

FLINTA*-Band BUBS gab dem Abend Klang.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der FLINTA*-Band BUBS, die mit ihren Songs Atmosphäre schuf und den Abend klangvoll abrundete. Die Moderation übernahm Cordula von Wysocki, die sicher und einfühlsam durch das Programm führte.

Weitere Veranstaltung: „WeiterLeben“ trotz Flucht-, Asyl- und Gewalterfahrungen 

Ein Abend unter dem Titel „WeiterLeben“ bringt am Mittwoch, 10. Dezember, 18.30 Uhr, in der Evangelischen Nathanaelkirche, Escher Straße 160, Stimmen, Erfahrungen und Hoffnungsgeschichten zusammen. Mit Impulsen von Atefa Zafari und Helene Batemona-Abeke sowie Eindrücken aus der Wanderausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ schafft die Veranstaltung Raum für Austausch und setzt zum Tag der Menschenrechte sowie zum Abschluss der Orange Days ein bewusstes Zeichen der Ermutigung. Dazu wird ein einfaches Abendbrot angeboten. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Melanchthon-Akademie, dem Diakonischen Werk Köln und Region, der Evangelischen Nathanael-Kirchengemeinde Köln-Bilderstöckchen sowie dem Ökumenischen Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW e. V. statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erwünscht unter anmeldung@melanchthon-akademie.de oder telefonisch unter 0221/9318030.

Text: Diakonie Michaelshoven
Foto(s): Diakonie Michaelshoven

Der Beitrag Mariele Millowitsch liest in der Erzengel-Michael-Kirche: Gewalt in Partnerschaften im Fokus der Orange Days erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Selig sind, die da Leid tragen“ – „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms in der Reformationskirche

Der Bariton Thomas Bonni interessiert sich besonders für das Zusammenspiel von Wort und
Musik

Als Johannes Brahms (1833–1897) im Jahr 1866 sein deutsches Requiem fertigstellte, verarbeitete er darin auch den Tod von Robert Schumann (1856) und seiner Mutter Christine (1866) musikalisch. Das Werk in sieben Sätzen für Chor, Orchester und zwei Solisten, das thematisch einen Bogen von der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens zum Sieg über den Tod in der Auferstehung spannt, passte somit hervorragend zu einem Konzert am Toten- bzw. Ewigkeitssonntag. In der Reformationskirche musizierten das Neue Rheinische Kammerorchester Köln sowie das Vokalensemble an der Reformationskirche unter der Leitung von Kreiskantor Samuel Dobernecker. Die Solopartien übernahmen Elisabeth Menke (Sopran) und Thomas Bonni (Bariton).

Bevor das Requiem erklang, wurde das Publikum mit dem Stück „Fratres“, einem Werk aus dem Jahr 1977 des estnischen Komponisten Arvo Pärt, auf den Konzertabend eingestimmt. „Fratres“ ist ein frühes Beispiel für Pärts individuellen, auf Dreiklängen beruhenden Kompositionsstil, den er selbst „Tintinnabuli“ (Glöckchen) nannte. Die sphärisch-entrückte Wirkung des Stücks entsteht durch ruhig schwebende, einfache Melodielinien auf düsterem Klangfundament, verstärkt durch tiefe Perkussionsinstrumente (Klangholz und Große Trommel). Pärt sucht (und findet) in diesem Werk Trost in der Einfachheit. Der Tod erscheint hier nicht in erster Linie als Verlust, sondern als ein „Wesentlichwerden“.

Trost durch Musik und Wort: Brahms’ Requiem als geistliches Zeugnis

Johannes Brahms hat die in seinem deutschen Requiem verwendeten Bibelverse selbst ausgewählt, sodass das Werk nicht die Vertonung eines festen liturgischen Textrepertoires ist, sondern ein persönliches Glaubenszeugnis. Anders als das katholische Requiem ist Brahms’ deutsches Requiem kein Gebet für den Verstorbenen oder die Verstorbene, sondern richtet sich explizit an die Hinterbliebenen und stellt die Suche nach Trost in den Vordergrund – ja, es buchstabiert diesen Trost regelrecht aus. Der Liturgie des Requiems am nächsten steht der sechste Satz, dessen zentrale Textgrundlage das erste christliche Auferstehungszeugnis aus 1. Korinther 15 ist. Obwohl im sechsten und siebten Satz aus der Offenbarung des Johannes zitiert wird, bleibt das Werk hinsichtlich einer konkreten Jenseitsvorstellung vage. Im Vordergrund steht die Hoffnung, der Glaube an die biblischen Verheißungen, der dem Schauen vorausgeht. Mitte und Zentrum der Komposition ist der Satz „Ich hoffe auf Dich“ (Psalm 39,8). Um diese Standortbestimmung kreisen die gesungenen Trostworte, die mit dem zweiten Satz der Seligpreisungen („Selig sind, die da Leid tragen“, Matthäus 5,4) beginnen und mit dieser Zusage Jesu auch enden.

Ein protestantisches Requiem: Glaubensbekenntnis in Klang und Struktur

Die Sopran-Solopartien im Brahms-Requiem übernahm Elisabeth Menke

Das Vokalensemble der Reformationskirche meisterte die Herausforderung, den musikalischen Spannungsbogen von den ersten Tönen des einleitenden „Selig sind, die da Leid tragen“ bis zum feierlichen Ausklang in der Wiederaufnahme der zweiten Seligpreisung zu halten. Elisabeth Menke legte alle Wärme ihrer Stimme in die Sopran-Solopartien des fünften Satzes, während Thomas Bonni mit seinem raumfüllenden Bariton im dritten Satz gegenüber dem Chor als „Gemeinde“ in einer Art Wechselgesang die Rolle eines Kantors bzw. Vorbeters übernahm.

Das Publikum in der vollbesetzten Reformationskirche erlebte einen berührenden Konzertabend, der nicht die Klage, sondern Trost und Hoffnung in den Fokus rückte – Trost aus der Musik und aus Gottes Wort, dessen Verheißungen bei Brahms für sich stehen. Gott wird bei seinem Wort genommen. Luthers Forderung „sola scriptura“ ist hier in aller Konsequenz umgesetzt, was Brahms’ deutsches Requiem im besten Sinne zu einem „protestantischen“ Requiem macht.

Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke

Der Beitrag „Selig sind, die da Leid tragen“ – „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms in der Reformationskirche erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Ein neuer Kirchenkreis entsteht – gemeinsam in die Zukunft

Am 1. Januar 2026 beginnt für die evangelischen Gemeinden im linksrheinischen Köln und in der Region ein neues Kapitel: Die drei bisherigen Kirchenkreise Köln-Nord, Köln-Mitte und Köln-Süd schließen sich zusammen zum Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch. Dieser Schritt soll die Evangelische Kirche in der Region stärken und die Arbeit im Kirchenkreis und den Gemeinden auf eine tragfähige Basis für die Zukunft stellen.

Superintendent Markus Zimmermann aus Köln-Nord, Vorsitzender im neuen Leitungsgremium, dem Bevollmächtigtenausschuss (BVA), spricht von einem historischen und zugleich hoffnungsvollen Moment: „Wir schaffen hiermit eine zukunftsfähige Grundstruktur.“ Ziel sei es, Kräfte zu bündeln und den kirchlichen Auftrag auch langfristig zu sichern. Die Fusion bedeute weniger Verwaltungsaufwand für Haupt- und Ehrenamtliche – und damit mehr Raum für das Wesentliche: das Leben in den Gemeinden, Seelsorge, Gemeinschaft und Glauben.

Auch Superintendent Bernhard Seiger aus Köln-Süd sieht in der neuen Struktur große Chancen: „Wir wollen Strukturen schaffen, die schlank sind und leichteres Gepäck bedeuten.“ Die neuen Verbindungen zwischen benachbarten Gemeinden – etwa in Frechen und Königsdorf, Hürth und Lindenthal – eröffnen Möglichkeiten für kreative Projekte und gelebte Nachbarschaft.

Ebenso wie Bernhard Seiger wird Superintendentin Miriam Haseleu stellvertretende Vorsitzende des Bevollmächtigtenausschusses. Im Kirchenkreis Köln-Mitte hat sie gemeinsam mit Theolog*innen, kirchlichen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen den kirchenentwicklerischen Prozess „hier+weiter“ auf den Weg gebracht. Dieser wird auch im neuen Kirchenkreis die „evangelische Kirche im urbanen Köln“ neu denken. „Der biblische Gott ist ein zum Sprung in die Freiheit verhelfender Gott.“, zitierte Miriam Haseleu bei der Vorstellung der Internetseite des Prozesses www.hierundweiter.de den Theologen Wolfgang Dietrich. Der Prozess ist auch für den neuen Kirchenkreis ein Sprung in viele spannende Experimente und Projekte hinein – ein Zeichen dafür, dass Kirche sich verändert und Neues wagt.

Am 28. Februar 2026 tritt zum ersten Mal die Synode des neuen Kirchenkreises zusammen. An Stelle eines Kreissynodalvorstandes übernimmt der Bevollmächtigtenausschuss die Leitungsgeschäfte. Im Jahr 2028, nach den nächsten Presbyteriumswahlen, wird dann ein neuer Kreissynodalvorstand gewählt. Für die Übergangszeit bis zur nächsten Wahl des Kreissynodalvorstandes 2028 bleiben Herr Zimmermann, Frau Haseleu und Herr Seiger zuständig für die Gemeinden und Mitarbeitenden in ihren ehemaligen Kirchenkreisgebieten.

Mit dem Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch entsteht mehr als eine neue Verwaltungseinheit – es wächst ein „gemeinsames Haus“ für Glauben, Vertrauen und Zukunft. Am 30. Mai 2026 wird ein Kinderchor- und Sängertag zur Feier des neuen Kirchenkreises stattfinden. Am 20. September 2026 ist das erste Konzert der neuen Kantorei Linksrheinisch in der Trinitatiskirche geplant. Mit neuen Strukturen und vielen Angeboten ist der Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch ein Zeichen dafür, dass Evangelische Kirche bereit ist, mutig neue Wege in die Zukunft zu gehen.

Text: BVA
Foto(s): Simon Veith

Der Beitrag Ein neuer Kirchenkreis entsteht – gemeinsam in die Zukunft erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Kirche2go fragt: Seit wann gibt es Adventskalender?

Kirche2go fragt: Seit wann gibt es Adventskalender? Die Antwort gibt’s in diesem Video: Der Adventskalender ist eigentlich im neunzehnten Jahrhundert entstanden. Früher sahen die „Kalender“ aber ganz anders aus als heute. Eltern haben damit versucht, ihren Kindern zu erklären, wie lange sie noch auf das Weihnachtsfest warten müssen. Weihnachtsuhren, Zettel mit Gedanken aus der Bibel und Weihnachts-Kerzen – es entwickelten sich unterschiedliche Adventskalender-Tradionen. Bis heute.

Haben Sie Interesse an weiteren Videos? Dann schauen Sie doch rein und abonnieren Sie unseren YouTube-Kanal: www.youtube.com/kirchekoeln

Der gesamte Text zum Nachlesen:

Seit wann gibt es Adventskalender? Der Adventskalender ist eigentlich im neunzehnten Jahrhundert entstanden. Eltern haben damit versucht, ihren Kindern zu erklären, wie lange sie noch auf das Weihnachtsfest warten müssen. Früher saßen Familien in der Vorweihnachtszeit abends oft zusammen. Sie haben gesungen, gebetet und aus der Bibel gelesen. Die Kinder durften dann jeden Abend im Dezember einen Strich von 24 Strichen von der Wand wischen, die ihre Eltern dort zuvor aufgemalt hatten. Bunte oder auch dicke Striche zeigten dabei die Sonntage an. Doch schon zur Jahrhundertwende zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert gab es sogar Weihnachtsuhren, bei denen an jedem Tag ein Zeiger über ein 24-köpfiges Blatt ein Stückchen vorgerückt wurde. In der Stadt Duisburg hatten Menschen Mitte des 19. Jahrhunderts diese Tradition: Sie hingen täglich eine Kerze und einen Bibelspruch an einen Weihnachtsbaum, dann konnte der Baum am vierundzwanzigsten Dezember hell erstrahlen und war voller Gedanken aus der Bibel. Professioneller ging es schon im Jahr 1904 zu. Da druckte die Zeitung „Stuttgarter Tagblatt“ als Beilage Adventskalender-Bildchen zum sammeln. Nach wie vor erfreut sich die Tradition des Adventskalenders – ob nun klassisch mit bebilderten Türchen, selbst gebastelt oder auch in Form von kleinen Videobeiträgen – großer Beliebtheit.

Text: APK
Foto(s): APK

Der Beitrag Kirche2go fragt: Seit wann gibt es Adventskalender? erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Wenn Familie über Kontinente verbindet – Zwei besondere Geburten am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach

Im November verzeichnete die Geburtshilfe am Evangelischen Krankenhaus (EVK) Bergisch Gladbach zwei außergewöhnliche, schöne Ereignisse. Zum einen reiste ein Paar aus Namibia zur Geburt ihres Kindes nach Deutschland, zum anderen wurde das 500. Baby des Jahres geboren – beide Geschichten spiegeln, auf unterschiedliche Weise, die tiefe Bedeutung von Familie, Vertrauen und Heimat wider.

„Für die Geburt wollte ich einen Menschen bei mir haben“

Am 5. November um 03:21 Uhr kam Emilio zur Welt – 3.780 Gramm schwer und 53 Zentimeter groß. Seine Eltern, Katharina und Ernesto Lukas, legten dafür einen weiten Weg zurück: Über 8.200 Kilometer und rund zehn Flugstunden reisten sie aus Namibia an, noch vor der 36. Schwangerschaftswoche. Der Grund war familiär und zugleich sehr persönlich: Katharinas Schwester Anna Mauer arbeitet als Hebamme im Kreißsaal des EVK. „Für die Geburt wollte ich einen Menschen bei mir haben, auf den ich mich zu 100 Prozent verlassen kann“, so Katharina. Auch für Anna war es eine ganz besondere Erfahrung: „Jede Geburt ist ein Erlebnis, aber hier war es nochmal ganz anders. Für uns beide war es sehr emotional.“

Emilio trägt neben seinem ersten Namen auch einen traditionellen Zweitnamen in Oshiwambo, der Sprache der Ovambo in Namibia, der Volksgruppe seines Vaters Ernesto. Sein vollständiger Name, Emilio Ileni-Pomwene, bedeutet „zu Gott finden“. In Namibia werden solche Zweitnamen traditionell von den Großeltern vergeben und stehen oft in direktem Bezug zur Geburt. Katharina erinnert sich: „Während der Geburt haben Familie und Freunde in Namibia für uns gebetet, dass alles gut geht.“

Das Paar hatte im Juni des Vorjahres in Namibia geheiratet. Nun verbringt die junge Familie die ersten Wochen gemeinsam in Deutschland, bis Emilio alt genug für den Rückflug ist.

500. Baby des Jahres mit besonderem Zufall

Bianca Chedor (Stationsleitung Wochenbettstation) mit der kleinen Maja Johanna, die als 500. Baby in diesem Jahr im EVK Bergisch Gladbach geboren wurde.

Zwei Wochen nach Emilios Geburt, in der Nacht auf den 20. November um 0:03 Uhr, wurde Maja Johanna geboren – das 500. Baby des Jahres am EVK. Ihre Eltern, Cora und Nils aus Kürten, hatten im vergangenen Jahr geheiratet und freuen sich nun über ihr erstes Kind. Maja brachte 3.315 Gramm auf die Waage und war 54 Zentimeter groß.

Ein besonders berührender Zufall: Maja wurde exakt zur selben Uhrzeit geboren wie ihre Mutter Cora – ein Detail, das der stolze Großvater verriet. Die Familie entschied sich ganz bewusst für das EVK: „Wir haben uns ganz bewusst für das EVK Bergisch Gladbach entschieden und sind mit der Betreuung hier rundum zufrieden“, erklärten die Eltern. Im Anschluss an die Geburt konnten sie sich noch einige Tage im kostenlosen Familienzimmer auf der Wochenbettstation erholen.

Text: Daniel Beer
Foto(s): Daniel Beer

Der Beitrag Wenn Familie über Kontinente verbindet – Zwei besondere Geburten am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Meine KircheKöln&Region: Wenn der Weihnachtsbaum das zeigen würde, was wir dieses Jahr erlebt haben

Was würdest du in den Weihnachtsbaum hängen, wenn er das zeigen würde, was du dieses Jahr erlebt hast? Deine unzähligen Tränen, die du in diesem Jahr vergossen hast? Deine Krankheiten, die dich gequält haben? Dein Gefühl von Ohnmacht? Vielleicht fühlst du dich müde, leer, und trotzdem hängt da zwischen all dem auch deine Kraft. Vielleicht treue BegleiterInnen, die dich gefeiert haben, auch für kleine Steps? Deine Familie, die dich unterstützt hat? Ein Hobby, das dich gehalten hat? All das, was dich hat weitergehen lassen. Und irgendwo dazwischen auch Hoffnung.

Text: APK
Foto(s): APK/AI

Der Beitrag Meine KircheKöln&Region: Wenn der Weihnachtsbaum das zeigen würde, was wir dieses Jahr erlebt haben erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Gedenkgottesdienste für verwaiste Eltern und Geschwister im Dezember

Am zweiten Sonntag im Dezember entsteht weltweit ein Band aus Licht, das Menschen in ihrer Trauer miteinander verbindet. An diesem Tag – dem „Worldwide Candle Lighting Day“ – entzünden Angehörige verstorbener Kinder um 19 Uhr Kerzen, damit ihr Licht über die Zeitzonen hinweg weiterwandert und ein stilles Zeichen der Liebe in die Welt trägt. Für viele Mütter, Väter, Geschwister und Familien ist dieser Tag ein Moment, an dem Trauer Raum bekommt und das Andenken an ein geliebtes Kind sichtbar wird. Auch in Köln und der Region laden an diesem Tag mehrere kirchliche Gemeinden zu besonderen Gedenkgottesdiensten ein, in denen Trauer, Erinnerung und Licht ihren Platz finden dürfen:

Ökumenischer Gedenkgottesdienst: Gedenken für Angehörige verstorbener Kinder

Der ökumenische Gedenkgottesdienst am Samstag, 13. Dezember, 16 Uhr, in der Evangelischen Clarenbachkirche, Aachener Straße 458, bietet Müttern, Vätern, Geschwistern und Angehörigen verstorbener Kinder einen geschützten Raum für Trauer und Erinnern. Die Feier verbindet Worte des Trostes, Musik und symbolische Rituale zu einem behutsamen gemeinsamen Weg des Gedenkens. Der Gottesdienst wird vom Katholischen Stadtdekanat Köln und dem Evangelischen Kirchenverband Köln und Region gemeinsam angeboten.

Gottesdienst des Erinnerns zum Weltgedenktag für verstorbene Kinder: Ein behutsamer Abend für Eltern, Familien und Zugehörige

Ein stiller Raum des Mitgefühls öffnet sich am Sonntag, 14. Dezember, 18 Uhr, in der Christuskirche am Stadtgarten, Dorothee-Sölle-Platz 1, wenn der Gottesdienst zum „Weltgedenktag für verstorbene Kinder“ stattfindet. Gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenkreis Köln-Mitte und „Himmel auf Köln“ lädt das Vorbereitungsteam zu einem Abend ein, der an Kinder erinnert, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Durch Worte, Musik und Lichter entsteht ein Ort, an dem Trauer und Liebe ihren Ausdruck finden dürfen.

Candle Lighting – Ökumenischer Gedenkgottesdienst in Bensberg: Ein Licht für verstorbene Kinder

Unter dem Titel „Ein Licht für dich“ lädt die Evangelische Kirchengemeinde Bensberg gemeinsam mit der Katholischen Pfarreiengemeinschaft St. Nikolaus und St. Joseph am Sonntag, 14. Dezember, 17 Uhr, zu einem Candle-Lighting-Gedenkgottesdienst in die Evangelische Kirche Bensberg, Friedhofsweg 9, ein. In Bensberg wird der Gottesdienst mit Pfarrer Samuel Dörr im ökumenischen Rahmen begangen, um un- und frühgeborene Kinder, verstorbene Babys, Kinder und junge Erwachsene zu würdigen und Angehörigen einen Ort zu geben, an dem Trauer, Schmerz und Erinnerung ihren Platz finden dürfen.


Gedenken im Rahmen des Worldwide Candle Lighting Day

Der Hospizverein Erftstadt und die Evangelische Friedenskirchengemeinde in Erftstadt laden gemeinsam am Samstag, 13. Dezember, 17 Uhr, zu einem Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder in die Friedenskirche Liblar, Schlunkweg 52, ein. Der Gottesdienst mit Pfarrerin Andrea Döhrer findet im Rahmen des „Worldwide Candle Lighting Day“ statt, an dem weltweit Kerzen für verstorbene Kinder entzündet werden und trauernde Familien miteinander verbunden sind. Im Anschluss an den Gottesdienst besteht für Betroffene Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Text: APK
Foto(s): APK/Canva

Der Beitrag Gedenkgottesdienste für verwaiste Eltern und Geschwister im Dezember erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues“: Evangelische Kommunität im „Campus Kartause“ geplant

Auf dem Gelände des Campus Kartause, des ehemaligen Kartäuserklosters, ist eine evangelische Kommunität geplant: Das  Wohnprojekt ist inspiriert von der Vision der ökumenischen Community of Iona  und wird Anfang 2027 bezugsfertig sein. Bereits Anfang des kommenden Jahres können die ersten Mietverträge unterschrieben werden.

Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, berichtete auf der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, dass die geplante evangelische Kommunität auf dem Campus Kartause bald ins öffentliche Gespräch gebracht werde. „Wir werden konkret Menschen suchen, die sich in diese Kommunität einbringen wollen und mit denen, die sich dazu schon entschlossen haben, in Kontakt treten möchten.“ Drei Grundregeln für die Kölner Kommunität sind schon geplant. Diese beinhalten einen gemeinsamen Abend pro Woche, regelmäßige Treffen mit dem Iona-Freundeskreis und Engagement bei den spirituellen Angeboten im „Raum der Stille“ auf dem Campus Kartause oder in der Kartäuserkirche.

Gemeinschaftliche Räume wie Küche und Essbereich

Es gibt neun Appartements und gemeinschaftliche Räume wie Küche und Essbereich. Die Appartements haben eine Größe von 59 bis 83 Quadratmeter inklusive der Anteile an den Gemeinschaftsflächen. Der Mietpreis pro Quadratmeter beträgt voraussichtlich 18 Euro ohne Nebenkosten. Es wird erwartet, dass sich Interessierte zumindest für einen Zeitraum von drei Jahren zu einem Zusammenleben mit der Gruppe verpflichten. Bei Interesse bitte melden unter: rinecker@melanchthon-akademie.de

Antje Rinecker, Studienleiterin bei der Melanchthon-Akademie im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, beschreibt, wie das gemeinschaftliche Wohnprojekt durch geteiltes geistliches Leben, verantwortlichen Umgang mit Ressourcen und bewusstem Miteinander Einsamkeit begegnen kann und eine tiefe, nachhaltige Form von Gemeinschaft entstehen lassen kann:

Was ist für Sie die größte Stärke dieses Projekts – und warum braucht es gerade jetzt solch neue Formen von Gemeinschaft?

Antje Rinecker: Gesellschaftlich gibt es in meinen Augen zwei Themen, die viele Menschen im Alltag umtreiben: Einsamkeit und Wohnen. Darin liegt die große Stärke des Projekts. Menschen teilen ihr alltägliches und ihr geistliches Leben. Das verbindet, schafft einen Raum in dem Vertrauen, Miteinander und, wer weiß, auch Kreativität und Engagement blühen können. Der Zuschnitt der Appartements bietet darüber hinaus genug Offenheit für Rückzug und Individualität.
Dieses freie und gleichzeitig verbindliche Miteinander geht über eine traditionelle Wohngemeinschaft hinaus. Wer zusammen betet, sich mit der Bibel und geistlichen Fragen beschäftigt, lernt sich auf einer anderen Ebene kennen. Das Miteinander gewinnt an Tiefe. Eine gemeinsame Aufgabe, wie z.B. das Gestalten einer Andacht im Raum der Stille o.ä., gibt zusätzlich Struktur und erlaubt zugleich sich experimentell auszuprobieren.

Sie orientieren sich bei der Entwicklung des Wohnprojekts an der Vision der Iona-Community. Welche Elemente aus Iona sind auch für Köln besonders wichtig?

Antje Rinecker: Die Community of Iona orientiert sich an wenigen, grundlegenden Regeln: Neben Gebet und Bibelstudium sind das vor allem der verantwortliche Umgang mit den Ressourcen Geld und Zeit und der Einsatz für Bewahrung der Schöpfung, für Gerechtigkeit und Frieden. Diese Ausrichtung passt in ihrer Aktualität perfekt in den Kontext der Kölner Südstadt. Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Frieden sind unsere heutigen brennenden Themen. Sie fordern von uns ein Umdenken in Hinblick auf Gewohnheiten unseres Lebens. Doch wie kann das konkret aussehen, wie können wir uns gegenseitig ermutigen und unterstützen? Die Community of Iona bietet spannende Materialien und Diskussionsforen. In meinen Augen ist der größte „Gamechanger“ die Möglichkeit der gegenseitigen kollegialen Beratung im Umgang mit den eigenen Ressourcen im Wohnprojekt. Im konstruktiven Austausch können neue Perspektiven entstehen, auf die man alleine gar nicht kommt.

Gelingende Gemeinschaft lebt von Menschen, die sich bewusst aufeinander einlassen. Was sollten Interessierte mitbringen?

Antje Rinecker: Wer gemeinschaftlich leben will, sollte sich darüber bewusst sein: Was brauche ich und was kann ich geben? Denn das konkrete Miteinander müssen die Menschen, die zusammen wohnen wollen, aushandeln. Und jede/jeder braucht den Wunsch, miteinander an geistlichen Themen zu arbeiten, zusammen zu beten und sich mit biblischen Texten zu befassen. Nicht immer, aber regelmäßig. Einmal pro Woche ist im Augenblick angedacht. Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues, das erscheint mir ein guter Mix.

Text: APK
Foto(s): Archiv

Der Beitrag „Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues“: Evangelische Kommunität im „Campus Kartause“ geplant erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Apokalypse trifft Hoffnung – Finissage in der Erlöserkirche in Weidenpesch

An diesem Tag sind sie noch in der Kirche unterwegs – unheilvoll, verheißungsvoll und ein bisschen trostvoll in ihrer schrecklich-schönen Klarheit. Der Künstler Thomas Baumgärtel hat für das 2024 von der Evangelischen Kirche im Rheinland veranstaltete Kunstprojekt „Apokalypse“ den vier Reitern aus der biblischen Offenbarung des Johannes malerisch eine Gestalt gegeben – mit vier mal vier Meter großen Gemälden. Vier Wochen lang waren sie in der Erlöserkirche in Weidenpesch ausgestellt und hinterließen großen Eindruck.

Bei der Finissage, die von Christine Högel und den Klängen ihrer keltischen Harfe passend begleitet wurde, schildert Pfarrerin Susanne Zimmermann ihren persönlichen Zugang: „Die vier sind mir fast zu Freunden geworden“, sagt sie, „mit denen ich mitfühle, die aber auch ganz schön herausfordernd sind. Sie haben uns etwas geschenkt: geistliche Trotzkraft.“ Diese brauche es, um den eigenen Lebensstil, das Gemeinschaftsleben und das Wirtschaften grundlegend zu verändern. Ein kleines bisschen sei sie aber froh, dass die vier düsteren Gestalten nun weiterziehen würden.

Kunstvolle Visionen der Apokalypse: Vier Reiter in der Erlöserkirche

Thomas Baumgärtel vor seinem roten Reiter.

Die farbkräftigen Riesenformate des Kölner Streetart-Künstlers Baumgärtel verwandelten die Wände des Kirchenraums in eine bedrohliche Kulisse: In einem orangerot leuchtenden Inferno vor blauem Himmel etwa nähert sich der Schwarze Reiter einer zerstörten Stadt – links Reste des Capitols, rechts die brennende Pariser Kirche Notre-Dame. „Er steht für mich für den Untergang der westlichen Welt“, erläutert Baumgärtel, „für die Kriege. Bis Putin die Ukraine überfallen hat, habe ich noch gedacht, dass die Länder gar nicht mehr viel für Rüstung ausgeben müssen.“ Die Armut auf der Welt sei schließlich riesig.

Der weiße Reiter, der auf dem Gemälde durch ein Universum voller gesprayter Internetsymbolik galoppiert – zwischen Hashtag, dem Twittervögelchen und „X“ –, stehe für Ideologie, digitale, wirtschaftliche und politische Macht. Der rote Reiter symbolisiere Militarisierung und Krieg in der ganzen Welt, der blasse Reiter die Gefahr durch Umweltzerstörung und Ökokollaps. In seinem Schatten ist in einer Bild-Ecke Platz für Hoffnung: Am faulen Gewässer, zwischen leeren Plastikflaschen, sitzt eine Sprayfigur – ein kleines Mädchen –, das einen grünen Sprössling in die Erde pflanzt. Jedes Gemälde weist zudem einen Lichtschein am Horizont auf.

Konfrontation mit inneren und äußeren Kräften: Die theologische Deutung

So betont auch Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland, das biblische Verständnis der Apokalypse sei keine Untergangs-, sondern eine Hoffnungsgeschichte. Die Beschäftigung mit ihr werfe die spannende Frage auf, wer die Reiter sind: Ob sie vielleicht Kräfte in einem selbst repräsentieren, die man gerne verdränge. Ob sie für Übermenschliches stünden oder Kräfte, die einen beherrschen – oder ob eine Begegnung mit Fremdem stattfinde. „Die Bilder konfrontieren uns“, so Vogelsang. Es bleibe die Hoffnung. Auch in ihr schwinge Übermenschliches mit. „In der Bibel ist klar: Gott richtet sein Reich auf“, sagt Vogelsang. „Wenn wir ihm auf die Spur kommen wollen, müssen wir aber auf das Unspektakuläre achten – wie beispielsweise die Geburt in der Weihnachtsgeschichte.“

Der offene Himmel verweise darauf, dass die Wirklichkeit viel größer sei als die menschlichen Verhältnisse. Man verliere sich oft in einem Tunnelblick, in den alltäglichen Widrigkeiten. Der Blick auf das Größere könne helfen – und dabei die Kunst. Sie lasse die Begrenztheit der alltäglichen Sicht auf die Welt erahnen und bringe Transzendenz ins Spiel. Kunst habe ein eigenes Leben, ihre Eigenständigkeit. Sie lasse sich deuten, aber nicht so leicht vereinnahmen.

Zwischen Untergang und Verheißung: Bleibende Spuren und neue Wege

Auch Superintendent Markus Zimmermann spricht bei der Finissage in der Erlöserkirche.

Die vier Baumgärtel-Bilder des „Apokalypse“-Projekts standen zunächst in der imposanten Trierer Konstantin-Basilika. Kurator Holger Hagedorn schildert den Unterschied: „Dort wirkten sie fast wie Briefmarken.“ Der rote Backstein der Kirche habe sie ein wenig ihrer Wirkung beraubt – die sie nun in der Erlöserkirche aber voll und ganz entfalten konnten.

Wenn sie nun weiterziehen, verbleibt doch ein anderes Werk Baumgärtels vor Ort: sein Markenzeichen – die gesprayte Banane, mit der er Kunstorte markiert. In diesem Fall eine „Erlöserkirchen-Banane“. Es handelt sich um ein Bild der Banane vor der Kirche, gekrönt von einem Heiligenschein und einem Fingerzeig gen Himmel. Superintendent Markus Zimmermann verkündet die frohe Botschaft: „Wir haben beschlossen, dass der Kirchenkreis Nord das Bild erwerben wird.“ Es werde mitwandern in den neuen Kirchenkreis Linksrheinisch und im dritten Stock des Campus Kartause künftig seinen Platz finden.

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

Der Beitrag Apokalypse trifft Hoffnung – Finissage in der Erlöserkirche in Weidenpesch erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Ein Amt op Levvenszick“ – Oliver Kießig wird erster evangelischer Regimentspastor der Roten Funken

Oliver Kießig ist evangelischer Pfarrer in Köln-Zollstock und vielen in der Stadt durch seine engagierte Gemeindearbeit bekannt. Nun übernimmt er eine besondere Aufgabe: Als erster evangelischer Regimentspastor der traditionsreichen Roten Funken bringt er geistliches Engagement und karnevalistische Leidenschaft zusammen. Mit dieser Ernennung setzt das älteste Traditionskorps Kölns ein deutliches Zeichen gelebter Ökumene.

Was bedeutet es für Sie persönlich und emotional, der 1. Regiments-Pastor der Roten Funken zu sein?

Oliver Kießig: Für mich bedeutet diese Berufung unglaublich viel – persönlich, emotional und auch historisch betrachtet. Regimentspastoren haben bei den Roten Funken eine lange, tief verwurzelte Tradition, und über viele Jahrzehnte waren diese Rollen ausschließlich von katholischen Geistlichen besetzt. Dass ich nun der erste evangelische Regimentspastor der Funken bin, erfüllt mich mit großer Freude und auch mit einem gewissen Stolz. Die Funken leben die Ökumene schon lange, aber dass diese Haltung nun auch ganz offiziell sichtbar wird, empfinde ich als starkes Zeichen – für die Gesellschaft, für den Karneval und auch für unsere Kirchen. Ich war schon, bevor ich diese Aufgabe übernommen habe, aktiver Roter Funk und habe mich dort immer sehr zu Hause gefühlt. Umso dankbarer bin ich für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Es fühlt sich ein wenig an, als würde sich hier meine Leidenschaft für Köln, für den Karneval und für meinen Glauben auf wunderbare Weise miteinander verbinden.

Gibt es so etwas schon bei anderen Korps, oder sind die Roten Funken die Ersten?

Oliver Kießig: Evangelische Regimentspastoren sind im Kölner Karneval bisher eher die Ausnahme. Soweit ich weiß, gibt es insgesamt nur drei bis vier evangelische Kollegen, die in karnevalistischen Gesellschaften eine pastorale Rolle innehaben. Unter den großen, alteingesessenen Kölner Traditionskorps ist der Treue Husar das einzige weitere, das ebenfalls einen evangelischen Pastor hat – meinen Kollegen Markus Herzberg aus der Antoniterkirche. Auch einige andere Vereine arbeiten mit evangelischen Geistlichen zusammen, aber im Vergleich zu den katholischen Kollegen sind wir evangelischen Pastoren klar in der Minderheit. Umso schöner ist es, dass die Roten Funken an dieser Stelle bewusst ein Zeichen für gelebte Ökumene setzen.

Wie kam es überhaupt zu der Idee?

Oliver Kießig: Entstanden ist das Ganze tatsächlich eher organisch. Ich bin nicht als Pfarrer bei den Roten Funken eingetreten, sondern aus ganz persönlicher Begeisterung für den Kölner Karneval und unsere Vaterstadt Köln. Karneval begleitet mich schon lange, und ich habe früh gespürt, wie eng Kirche und Fastelovend miteinander verbunden sind. Die Roten Funken hatten schon lange ein offenes, ökumenisches Verständnis. Die „Mess op Kölsch“ ist dafür das beste Beispiel. Sie wird seit Jahren ökumenisch gefeiert, und viele Funken schätzen die spirituelle Dimension des Karnevals sehr. Als dann klar wurde, dass ich sowohl evangelischer Pfarrer als auch aktiver Funk bin, lag der Gedanke nahe, diese Verbindung auch nach außen deutlicher sichtbar zu machen. Unser Präsident war sofort überzeugt, dass das ein starkes Zeichen ist. Und so entstand schließlich unser kleines pastorales Dreigestirn: zwei katholische und ein evangelischer Regimentspastor, die gemeinsam unterwegs sind und ihre unterschiedlichen Traditionen einbringen.

Was macht ein Regimentspastor genau?

Oliver Kießig: Die Aufgaben eines Regimentspastors sind vielfältig und gehen weit über die eigentliche Session hinaus. Ein zentraler Bestandteil ist natürlich die Gestaltung verschiedener Gottesdienste und Andachten. Traditionell treffen sich die Funken am 1. November auf dem Melaten-Friedhof, um ihrer verstorbenen Mitglieder zu gedenken – eine sehr berührende, ruhige und würdige Feier, die ich in Zukunft gemeinsam mit meinen Kollegen gestalten werde. Ende November folgt dann die „Mess op Kölsch“, ein Gottesdienst. Hier verbinden wir kölsche Sprache, Humor, Spiritualität und Tradition miteinander – ein einzigartiger Moment für alle Beteiligten. Darüber hinaus sind wir als Pastoren im Korps Ansprechpersonen für alle Fragen des Lebens. Das reicht von seelsorglichen Gesprächen über persönliche Krisen bis hin zur Begleitung bei besonderen Lebenssituationen wie Taufen, Hochzeiten oder auch Bestattungen. Unsere Aufgabe ist es, da zu sein – im Frohsinn, aber genauso im Leid.

Was unterscheidet diese Aufgabe von Ihrem normalen Berufsalltag als Pfarrer?

Oliver Kießig: Die Tätigkeit als Regimentspastor ist ein rein ehrenamtliches Engagement. Mein Hauptdienst bleibt weiterhin meine Arbeit als Gemeindepfarrer in Zollstock, und mein Alltag dort bleibt natürlich durch die Funken nicht grundsätzlich verändert. Was sich aber verändert hat, sind die Begegnungen. Durch meine Zugehörigkeit zu den Funken entstehen viele neue Kontakte zwischen Gemeinde und Korps. Die Funken besuchen uns mittlerweile regelmäßig bei Veranstaltungen. Das empfinde ich als große Bereicherung. Mein Gemeindeleben wird durch die Funken bunter, und mein Funkenleben wird durch die Gemeinde wärmer und familiärer.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Oliver Kießig: Besonders gespannt bin ich natürlich auf meine erste „Mess op Kölsch“ als Regimentspastor. Als „Imi“ spreche ich Kölsch nicht von Kindesbeinen an, und deshalb ist es für mich ein besonderer Moment, diesen Gottesdienst in einer Sprache zu gestalten, die für Köln so viel Herz und Identität bedeutet. Ganz allgemein freue ich mich auf das Miteinander im pastoralen Team, auf den Austausch mit den beiden katholischen Kollegen und auf die vielen Begegnungen mit den Funken. Vieles wird neu für mich sein, und ich glaube, dass genau darin der Zauber dieser Aufgabe liegt.

Was sind die Herausforderungen dieses Engagements?

Oliver Kießig: Die größte Herausforderung ist tatsächlich die kölsche Sprache, besonders dann, wenn es um Predigten oder liturgische Formulierungen geht. Kölsch ist herzlich, aber auch anspruchsvoll, und ich möchte den Funken gerecht werden. Und ich möchte zeigen, dass der evangelische Glaube und der Karneval wunderbar zueinanderpassen. Für manche ist das immer noch ungewohnt. Hier sehe ich meine Aufgabe darin, Brücken zu bauen und die Vielfalt unseres Glaubens sichtbar zu machen.

Viele fragen sich vielleicht: Kirche, der Glauben und der Karneval – wie passt das zusammen? Wie empfinden Sie das?

Oliver Kießig: Kirche und Karneval sind viel stärker miteinander verbunden, als viele heute wissen. Ohne Ostern, ohne Fastenzeit gäbe es keinen Karneval. Deshalb ist die Dauer jeder Session bis heute vom Ostertermin abhängig. Der Ursprung des Karnevals liegt tief im kirchlichen Jahreskreis. Aber auch inhaltlich passen Kirche und Karneval gut zusammen: Beide stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Beide wollen Freude schenken, Gemeinschaft stärken und Hoffnung verbreiten. Und beide gehören untrennbar zum Leben der Stadt Köln. Für die Roten Funken gilt das ohnehin: Gottesdienste, Segnungen und spirituelle Momente gehören selbstverständlich zum Funkenjahr. Segnungen neuer Fahnen oder des Wagens vor dem Rosenmontagszug, das Erinnern an Verstorbene – all das hat seinen festen Platz. Dass jeder aktive Funk ein Korpskreuz trägt, zeigt, wie tief dieser Bezug verankert ist.

Für wie lange führen Sie dieses ehrenamtliche Engagement fort: für eine Session oder länger?

Oliver Kießig: Die Berufung zum Regimentspastor wird auf Dauer ausgesprochen. Es ist keine Aufgabe, die man für eine Session übernimmt, sondern ein langfristiger Dienst – im Grunde ein Amt „op Levvenszick“.

Abschließend: Was möchten Sie in Ihrer Funktion als Regimentspastor erreichen?

Oliver Kießig: Ich möchte den Menschen zeigen, dass der evangelische Glaube im Karneval seinen festen Platz hat. Es geht mir nicht darum, große theologische Programme zu verfolgen, sondern darum, zu begleiten, zuzuhören und Mut zu machen. Wenn die Jecken spüren: „Der protestantische Pastor gehört genauso zu uns wie alle anderen“, dann habe ich mein Ziel erreicht.

Text: Oliver Kießig/ APK
Foto(s): Oliver Kießig

Der Beitrag „Ein Amt op Levvenszick“ – Oliver Kießig wird erster evangelischer Regimentspastor der Roten Funken erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.