Melanchthon-Akademie stellt die wichtige Arbeit der Arolsen Archives vor – und ein sehr persönliches Einzelschicksal

Trotz ihrer unermesslichen Bedeutung sind die Arolsen Archives außerhalb von Fachkreisen vergleichsweise wenig bekannt. Dabei befindet sich im nordhessischen Bad Arolsen das internationale Zentrum über NS-Verfolgung. Hervorgegangen ist es aus frühen Such- und Hilfsstrukturen der Alliierten. Es verfügt über das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. In Arolsen sind weit über 30 Millionen Dokumente archiviert. Sie enthalten Hinweise zu über 17,5 Millionen Opfern der NS-Verfolgung. Die sogenannte zentrale Namenkartei, „das erste und wichtigste Instrument in Arolsen“, umfasst heute 50 Millionen Karten.

Allein die von Alliierten in befreiten Konzentrationslagern noch aufgefundenen Dokumente würden aufeinandergestapelt deutlich höher als die Zugspitze reichen. Das stellte Dr. Henning Borggräfe in einer Veranstaltung der Melanchthon-Akademie (MAK) im Haus der Evangelischen Kirche anschaulich fest. „Und das setzt sich in anderen Sammlungsbereichen so fort“, informierte der Direktor des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln.

„,Jeder Name zählt‘. Die Arbeit der ,Arolsen Archives’“ – zu diesem Thema hatte die MAK in Person von Studienleiter Dr. Stefan Hößl neben Henning Borggräfe Markus Zimmermann, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Nord, eingeladen. Der Pfarrer der Evangelischen Begegnungsgemeinde Köln berichtete von der insbesondere durch die Arolsen Archives unterstützten Recherche seiner Familie zu seinem Großvater Heinrich Eduard Miesen. 1947 starb der NS-kritische Journalist an den Folgen seiner Haft im Konzentrationslager Dachau.

Ausstellung und Dokumentenbestände auch online

Henning Borggräfe ist ein intimer Kenner der 1948 in Arolsen gegründeten Organisation International Tracing Service/ITS (Internationaler Suchdienst). Von 2015 bis 2022 leitete er deren Abteilung Forschung und Bildung. In diese Phase fällt auch die Umbenennung in „Arolsen Archives – International Center on Nazi Persecution“. Mit konzipiert hat der Historiker die 2019 vor Ort eröffnete erste Dauerausstellung über die Geschichte, Entwicklung und Aufgaben der Einrichtung: „Ein Denkmal aus Papier“. In seinen Ausführungen orientierte sich Henning Borggräfe an der Struktur dieser Präsentation. Sie ist, ebenso wie die in den letzten Jahren umfangreich digitalisierten Dokumentenbestände, auch online zu besuchen.

Internationale Organisation

Die Arolsen Archives seien keine deutsche, sondern aus ihrer Gründungsgeschichte heraus internationale, seit 2012/13 unabhängige Organisation, informierte Henning Borggräfe. Geleitet werde sie von einem Ausschuss, gebildet von elf Mitgliedsstaaten/Vertragspartnern. Ihre Finanzierung obliege aus historischer Verantwortung der Bundesregierung. „Seit 2013 sind die Arolsen Archives Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes.“ Sie beinhalteten Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes, auch zur Zwangsarbeit sowie zu Displaced Persons und zur Migration nach 1945. Neben diesem riesigen Archiv bestehe ein eigenes institutionelles Archiv. Dieses wachse aufgrund der fortgesetzten Dokumentationsarbeit laufend weiter. Jährlich besuchten bzw. kontaktierten schriftlich rund 20.000 Personen die Einrichtung insbesondere zwecks Vermisstensuche und Schicksalsklärung.

„Denkmal aus Papier“

Drei Überlegungen lägen dem ,Denkmal aus Papier‘ zugrunde, erläuterte Henning Borggräfe. Zum einen stehe dieses Papier für die kaum fassbaren Dimensionen der NS-Verbrechen. Zugleich mache es sie im Konkreten greifbar – „in ungezählten Einzelschicksalen, die von Verfolgung, Verschleppung, Ermordung aber auch von Überleben, Wiederfinden und Neuanfang berichten“. Zweitens zeuge dieses Papier, das bei vielen Angehörigen für Erinnerung stehe, von den ganz unterschiedlichen Folgen und Auswirkungen der NS-Verbrechen: von Verlust, vom Weiterleben, von der Suche nach einer neuen Heimat, von schweren Verletzungen auch in der Nachkriegszeit, von Unterstützung, stückweiser Anerkennung, aber auch Ausgrenzung, beispielsweise in der Frage der Entschädigung. Drittens habe der Umgang mit dem Papier als alltägliches Arbeitsmaterial des ITS, der Umgang mit diesen historischen Zeugnissen einem tiefgreifenden Wandel unterlegen.

Henning Borggräfe führte zentral zu vier Bereichen und Erzählebenen aus. Zunächst blickte er auf die Suche und Dokumentation in der frühen Nachkriegszeit. „Die Alliierten trafen schon in den vormals von Deutschland besetzten Ländern auf hunderttausende Menschen, die von den Nazis ihren Familien entrissen, in Lager und zur Zwangsarbeit verschleppt worden waren“, schilderte Henning Borggräfe die Ausgangslage. In Deutschland selbst hätten sich bei Kriegsende etwa 10,8 Millionen sogenannte Displaced Persons (DP) befunden: darunter insbesondere sowjetische Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Flüchtlinge und befreite Lagerinsassen. „Auf der anderen Seite waren überall in Europa Millionen von Menschen auf der Suche nach diesen Verschleppten.“ Um dieser gewaltigen humanitären Aufgabe gerecht zu werden, hätten die Alliierten Such- und Hilfsstrukturen aufgebaut. Dabei hätten sie zurückgegriffen vor allem auf Selbsthilfe-Initiativen von Überlebenden. Ab März 1945 seien dezentral in den befreiten umliegenden Ländern und bald darauf in den verschiedenen Besatzungszonen Suchbüros eingerichtet worden.

„Suche hieß damals nicht nur Suche nach Vermissten, sondern ebenso die Suche nach Dokumenten, weil relativ schnell klar wurde, dass aufgrund des millionenfachen Massenmordes viele Gesuchte sich nie mehr würden melden und Dokumente Auskunft über ihr Schicksal geben können.“ Auch in Arolsen habe man zusammengetragen, „was für diese Suche hilfreich erschien“. Warum ist dort letztlich die zentrale Sammel- und Sucheinrichtung entstanden? Arolsen habe damals relativ nahe am Schnittpunkt von drei Besatzungszonen gelegen, und die Struktur der dort genutzten ehemaligen SS-Kaserne sei weitgehend unzerstört geblieben, erklärte Henning Borggräfe.

Auskünfte für Entschädigungsverfahren

In einer Welt ohne Computer und moderne Informationsverarbeitungssysteme sei „das erste und wichtigste Instrument in Arolsen“ die sogenannte zentrale Namenkartei gewesen. Diese nannte Henning Borggräfe „den zentralen Schlüssel, mit dem das Archiv über Jahrzehnte funktionierte und im Kern bis heute funktioniert“. Die Suche im engeren Sinne habe die Einrichtung bis Anfang der 50er, 60er Jahre ganz wesentlich beschäftigt. Mit dem Rückgang dieser Tätigkeit sei ein deutlicher Anstieg der „eher standardisierten Auskunft aus dem Archiv für Entschädigungsverfahren“ verbunden gewesen. Jüdische und politische Verfolgte hätten bei Behörden Entschädigungen beanspruchen können. Dagegen seien anderen Opfergruppen, beispielsweise als „soziale Außenseiter“ und vermeintliche kriminelle Inhaftierte seitens der Behörden eine Anerkennung als politisch oder, im Fall von Sinti und Roma, rassistisch Verfolgte verwehrt geblieben. Denn bei der Ausstellung der Inhaftierungsbescheinigungen habe man sich in Arolsen unkritisch auf die Informationen von NS-Dokumenten gestützt. „Die Selbstbeschreibungen der Betroffenen hatten keine Chance.“

Frage von Offenheit und Abschottung

Arolsen habe schon in den 60er Jahren, in denen hierzulande kaum jemand von der konkreten Verfolgung habe hören wollen, begonnen sich zu öffnen. Damit einhergegangen sei eine starke Vernetzung mit Opferverbänden. Henning Borggräfe sparte auch kritische Aspekte in der Geschichte der Institution nicht aus. Zu den Schattenseiten zählte er den mitunter sehr schlechten Umgang mit Überlebenden und Angehörigen von Opfern, zählte er den eingeschränkten Zugang zum Archiv. Henning Borggräfe datierte diese wichtige negative Kehrtwende in die achtziger Jahre. Statt Auskünfte zu erteilen habe man es in Arolsen als wichtiger erachtet, Dokumente zu sammeln. Diese Abschottung gegenüber der Öffentlichkeit und der Ausschluss von Forschenden habe sich in den Neunzigern verstärkt. Die erneute Öffnung der Einrichtung 2008 habe man internationalem wie nationalem Druck zu verdanken.

Zentrale Aufgaben der Arolsen Archives heute

Seit 2013, fasste Henning Borggräfe zusammen, gehörten zu den zentralen Aufgaben in Arolsen (weiterhin oder wieder) das Sammeln, Schützen und Restaurieren, die Personensuche, Dokumentation und Beantwortung von Anfragen sowie die Forschung und Bildung. Das Online-Archiv solle die internationale Bereitstellung eines freien, offenen Zugangs zu Informationen gewährleisten. Genau dazu, speziell nach dem Umgang mit sensiblen Daten, fragte Moderator Hößl in der abschließenden Diskussionsrunde. Für Henning Borggräfe ist der Schutz von Daten und damit von Personen gegenüber Rechercheinteressen ein sehr wichtiges Thema. So könnten Familien beispielsweise von im NS als vermeintliche Verbrecher oder aufgrund ihrer Homosexualität Inhaftierte ungewollt geoutet werden. „Ein Dilemma, das sich nicht auflösen lässt“, plädierte Henning Borggräfe für eine Kompromissfindung. Nicht alle Dinge dürften der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Digitales Denkmal „#everynamecounts“

Der Veranstaltungstitel „Jeder Name zählt“ beziehe sich auf die junge Crowdsourcing-Initiative „#everynamecounts“, so Henning Borggräfe. Mittels dieser entstehe ein digitales Denkmal für die Opfer der NS-Verfolgung. Dabei unterstützten ungezählte Freiwillige Arolsen Archives dabei, Namen und Daten von Millionen historischen Dokumenten digital zu erfassen. Alle Interessierten seien eingeladen, es ihnen gleichzutun. Henning Borggräfe sieht in dem Projekt „ein sehr gutes Beispiel, wie durch Mitarbeit von Bürgerinnen und Bürgern weitreichende Erinnerungskultur entstehen kann“.

Pfarrer Markus Zimmermann berichtete über familiäre Spurensuche

In Arolsen sei erst in den letzten Jahren die Tätigkeit in den Vordergrund getreten, Menschen auf familiärer Spurensuche mit Dokumenten zu unterstützen, so Henning Borggräfe. Über seine Erfahrungen berichtete Pfarrer Markus Zimmermann in einem zweiten intensiven Beitrag. Dabei gewährte der Superintendent einen intimen Blick in die Geschichte seiner Familie. Ausgangspunkt des Kontakts mit der ihm zuvor unbekannten Einrichtung in Nordhessen war 2010 ein Vorschlag seiner Frau Susanne: Die älteste Tochter Julia könne doch ihre anstehende Facharbeit im Geschichtsleistungskurs über Heinrich Eduard Miesen schreiben. Der Journalist war Markus Zimmermanns Großvater. 2013 in Köln-Nippes geboren, verstarb er im August 1947 an den Folgen der schrecklichen Haftbedingungen im Konzentrationslager Dachau. Susanne Zimmermann, so ihr Mann, habe mit ihrer Empfehlung zudem gehofft, dass auch die mit Miesens Schicksal verbundenen „traumatischen Erfahrungen für unsere Familie – im Grunde ein Tabu-Thema –“ aufgearbeitet werden könnten.

Miesen hinterließ Frau und drei Kinder. „Die Geschehnisse haben meine Großmutter so traumatisiert, dass sie darüber nie viel erzählt hat“, so Markus Zimmermann. In ihrem Nachlass habe sich ein Brief seiner Großmutter an ihn und seine Geschwister befunden mit der ausdrücklichen Aufforderung, „dass wir weiter erinnern. Nicht nur an den Großvater, sondern dass so etwas nicht mehr passieren darf.“ Bei seiner mit 48 Jahren verstorbenen Mutter sei ihm erst im Nachhinein klargeworden, welchen großen Kummer sie zeitlebens mitgeschleppt habe. „Sie hat es einmal erzählt: Ich kann mir nicht verzeihen, dass ich meinen Vater nicht wiedererkannt habe, als er aus Dachau kam.“

Die für die Recherche zunächst kontaktierte KZ-Gedenkstätte Dachau empfahl der Familie, sich nach Arolsen zu wenden. Wenige Tage nach seinem Anschreiben erhielt Markus Zimmermann auf einer CD-Rom gespeichert die dort liegenden Dokumente zu Miesen. „Wir waren sehr dankbar. Jetzt kann man das alles mit wenigen Klicks im Internet aufrufen“, weiß der Pfarrer um den Fortschritt. Neben den digitalisierten Dokumenten aus Arolsen habe die Tochter auf ein Exemplar des in einem kleinen Kölner Verlag 1947 publizierten Tagebuchs ihres Urgroßvaters auch über die Zeit der Gefangenschaft zurückgreifen können.

Seinem katholisch getauften Großvater sei mit der Machtübertragung an Hitler aufgrund einer „Grunderkrankung von Asthma“ die Fortsetzung des Medizinstudiums verwehrt geblieben, flocht Markus Zimmermann in einem biografischen Abriss ein. Stattdessen habe er weiter Germanistik und Philosophie studiert, über Nietzsche promoviert und eine Anstellung bei der katholisch ausgerichteten Kölnischen Volkszeitung gefunden. Ein regimekritischer Artikel habe zu einer ersten Hausdurchsuchung bei den in Sülz wohnenden Großeltern geführt. Daraufhin habe die Großmutter eine Fehlgeburt erlitten. Der Großvater sei mit mehreren Wochen Berufsverbot belegt worden. Nach Gleichschaltung der Presse habe Miesen „interessanterweise“ einen Redakteursposten beim von ihm verhassten NSDAP-Parteiorgan Westdeutsche Beobachter erhalten. Er sei einfach dankbar gewesen, Geld verdienen zu können, erfuhr Markus Zimmermann einmal von seiner Großmutter.

Über Ehrenbreitstein nach Dachau verschleppt

Als Kulturredakteur in den Niederlanden habe Miesen auch dort unter Beobachtung der Gestapo gestanden, wies der Superintendent auf Kontakte zu Menschen hin, „die im weiteren Sinne zu Widerstandsgruppen gehörten“. Nachdem er am 9. November 1938 einer attackierten jüdischen Familie tatkräftig zur Seite gesprungen sei, „wurde er selbst zusammengeschlagen und ins EL-DE-Haus“ verbracht. In Köln ausgebombt, habe die Familie bei einem Bauern in einem Dorf im Westerwald Zuflucht gefunden. Doch der auf sie angesetzte Gastgeber habe ihr Bedauern über das missglückte Attentat im Juli 1944 mitgehört und gemeldet. Der Großvater sei zunächst in der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein inhaftiert und bald darauf nach Dachau verbracht worden. „Er war in der Lagerbibliothek eingesetzt.“ Und dort habe er sich unter anderem mit dem niederländischen Journalisten und Antifaschisten Nico Rost angefreundet. „Das Schöne für uns ist, dass Rost in seinem veröffentlichten Tagebuch ´Goethe in Dachau´ an manchen Stellen eben auch Szenen mit meinem Großvater erwähnt.“

Nach der dramatischen Befreiung Dachaus Ende April 1945 durch die US-Armee habe Miesen aufgrund einer Erkrankung mit vielen anderen Häftlingen weiter im Lager bleiben müssen. „Man war zwar befreit von den Verbrechern, aber man war weiter gefangen.“ Bis zur Entlassung im Juni habe er die Schriftleitung der Lagerzeitung „Der Antifaschist – Stimme der Deutschen in Dachau“ innegehabt. Auf DIN A4-Blättern seien ein-, zweimal die Woche einerseits Berichte über aktuelle Ereignisse erschienen. Zudem habe Miesen eigene und die Gedanken anderer darüber festgehalten, wie es in Deutschland weitergehen könne. Markus Zimmermann findet es „ganz wunderbar“, dass sein Ansatz eine Verbindung von Christentum und Sozialismus gewesen sei.

Alliierte hätten ihm aufgrund seiner Fähigkeiten sogar vorschlagen, in einem neuen Deutschland politisch tätig zu werden, konnte Markus Zimmermann den postalisch erhaltenen Unterlagen entnehmen. Zu diesen Dokumenten gehört auch die Auflistung der von Miesen mitgeführten Dinge beim Eintreffen in Dachau. „Es ist genau registriert. Überhaupt wurde alles geordnet bis dorthinaus“, so der Pfarrer. Ihn und seine Familie bewege es natürlich sehr, über diese schriftlichen Erinnerungen zu verfügen. „Archive sind ein unglaubliches Hilfsmittel, um Menschen wieder ´lebendig´ zu machen: Um aus (Häftlings)Nummern wieder Menschen werden zu lassen“, zollte Markus Zimmermann am Ende seiner Darstellung großen Respekt. „Ich bin dem Archiv in Arolsen sehr dankbar, die Dokumente sind für uns ein großer Schatz.“ Er sei seinem Großvater nochmal nähergekommen. Als Enkel eines politisch Verfolgten zeigte er sich in der abschließende Runde dankbar, „dass es auch das NS-DOK in Köln gibt“.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

Der Beitrag Melanchthon-Akademie stellt die wichtige Arbeit der Arolsen Archives vor – und ein sehr persönliches Einzelschicksal erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Neubau der evangelischen Kita Volberg: Hoffnung nach Flutkatastrophe – Start des Bauprojekts

Der Bau der evangelischen Kita Volberg, die im Juli 2021 durch die Flutkatastrophe zerstört wurde, beginnt nun offiziell. Im Januar 2024 wurden die alten Gebäude der Kita und des evangelischen Gemeindehauses abgerissen, um Platz für den Neubau zu schaffen. Bei einem feierlichen Spatenstich trafen sich nun Vertretende der Evangelischen Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath, der Diakonie Michaelshoven, sowie Politik aus Stadt und Land Nordrhein-Westfalen, um den Start des Rohbaus zu feiern.

Das Ziel ist es, die neue Kita bis Ende 2025 zu errichten. Der Bau soll den zukünftigen Anforderungen in Bezug auf die Klimakrise entsprechen. Ein hochwassersicherer Bau auf Betonpfählen ist geplant, der seine Energie aus Erdwärme und Photovoltaik bezieht und mit heimischen Hölzern konstruiert wird.

Architekt Bernd Oxen lobte das Projekt als modernes und nachhaltiges Bauvorhaben.

Die Finanzierung des Bauvorhabens wurde durch die Förderung des Landes NRW in Höhe von 5,1 Millionen Euro sichergestellt. Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) ließ es sich nicht nehmen, ebenfalls am feierlichen Spatenstich teilzunehmen, und würdigte das Bauprojekt als eine neue Chance für Kinder, Eltern, Kita und Kirchengemeinde. Die Zusammenarbeit zwischen der Politik und den Beteiligten wurde als Grundlage für den Erfolg des Projekts betont. Das sah auch Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, so.

Presbyteriumsvorsitzende Monika Mattern-Klosson betonte die Bedeutung der Förderung durch das Land NRW für den erfolgreichen Wiederaufbau der Kita. Diakonie Michaelshoven ist Kita-Trägerin. Franziska Lang von der Diakonie Michaelshoven freute sich über den Bau des neuen Gebäudes und betonte die Wichtigkeit der Förderung von Kindern. Pfarrer Armin Kopper erinnerte sich an die schrecklichen und weitreichenden Verwüstungen durch die Flut.

Bei der feierlichen Veranstaltung waren auch zahlreiche Kinder anwesend, die vor allem von der Baustelle mit den riesigen Sandhaufen, Bagger und Kran begeistert waren.

11
10
9
8
6
5
4
3
2
1

previous arrow
next arrow

Text: APK
Foto(s): APK

Der Beitrag Neubau der evangelischen Kita Volberg: Hoffnung nach Flutkatastrophe – Start des Bauprojekts erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Erklärung zu Antisemitismus, Geschichte des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region und Kirchensteuerprognose – Nachrichten von der Verbandsvertretung im Sommer 2024

„Vergesst das mit nicht“: Die Themen „jüdisch-christliches Miteinander“ und der erstarkte Antisemitismus in unserer Gegenwart, auch in Köln, standen im Mittelpunkt des Gottesdienstes, mit dem die Frühjahrstagung der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region am Samstagmorgen in der Kartäuserkirche begonnen hatte. Pfarrer Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, hatt den Gottesdienst mit Pfarrerin Ulrike Gebhardt und Rainer Lemaire vorbereitet. Martin Bock sprach über das Kunstwerk „Vergesst das mit nicht“ von Josua Koffmann (Philadelphia, 2015). Es zeigt einen jüdischen und einen christlichen Menschen, die voll Interesse und Schriftgespür über Kreuz die Bibel Israels und der Kirche lesen, einander zuhören und einen gemeinsamen Weg gehen: ein Traum und eine notwendige Möglichkeit für eine bessere Welt. „Bei allen großen Sorgen, die wir heute um unsere jüdischen Geschwister haben, möchten wir auch aus diesem Traum Kraft und Hoffnung gewinnen“, so Bock weiter. Er predigte zu Psalm 73, das „kleine Hiobbuch im Psalter“: „Als Mitlesende dieses Psalms sind wir mitbeteiligt, zum Teil auch mitschuldig an der kleinen und großen Hiobsgeschichte Israels. Sie liegt nicht in der Vergangenheit, sie kann, so ist die Erfahrung jüdischer Menschen Tag für Tag und nach dem 7. Oktober ganz verschärft, sich immer aufs Neue wiederholen, auch hier in Köln.“ Er sagte: „Nehmen wir uns den kleinen Hiob zu Herzen und setzen uns wie in Josua Koffmanns Bild voller Interesse und Mitgefühl an seine Seite und tun das Unsrige, den ,Gewaltmenschen‘ überall zu widerstehen, auf dass es irgendwann, endlich wieder gut werde.“

Nach dem Gottesdienst begrüßte Stadtsuperintendent Bernhard Seiger die Vertreterinnen und Vertreter der Verbandsvertretung im Haus der Evangelischen Kirche. Dr. Volker Haarmann vom Landeskirchenamt sprach in einem kurzen Grußwort über die Tageslosung zu „bösen Tagen“ – und dennoch könne man den eigenen Fokus verschieben: „Eine Ermunterung zur Dankbarkeit; das, was oft so selbstverständlich scheint und doch nicht ist.“ Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses in der Stadt Köln, ging in seinem Grußwort auf die Situation der katholischen und der evangelischen Kirche in Köln ein. Er erhofft sich für die Zukunft, dass es in jedem Veedel bei der anstehenden Aufgabe vieler Gebäude auch in Zukunft mindestens einen kirchlichen Ort gibt, dies wäre aus seiner Sicht nur ökumenisch zu erreichen. Außerdem bezeichnete er das Bauprojekt Campus Kartause als mutigen Schritt, für den er dem Verband alles Gute wünschte. Erzpriester Volodymyr Chayka erinnerte in seinem Grußwort an die Lage ukrainischer Christen zu einer ökumenischen Konferenz im Herbst ein. Diese wird im Herbst in Zusammenarbeit mit Pfarrer Christoph Rollbühler in der Christuskirche in der Kölner Innenstadt stattfinden.

Antisemitismus in Köln widersprechen! Erklärung der Ev. Kirche in Köln und Region

Markus Zimmermann, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Nord, stellte eine Erklärung mit dem Titel „Antisemitismus in Köln widersprechen!“ vor. Das Thema war aus aktuellem Anlass zusätzlich auf die Tagesordnung genommen worden. Markus Zimmermann sagte: „Antisemitismus hat zugenommen, es ist leider kein neues Phänomen. Antisemitismus darf es in unserem Land nicht geben. Und wir müssen auf unsere Weise versuchen, uns gegen Antisemitismus zu wehren“ – auch bereits bei Bemerkungen, die „nahe an Antisemitismus heranrücken“.

In der Erklärung heißt es unter anderem: „Die Verbandsvertretung hat mit großer Sorge dem aktuellen Bericht ,Antisemitische Vorfälle in Köln 2023′ der Fachstelle gegen Antisemitismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln entnommen, dass nach dem 7. Oktober 2023 in Köln „mehr als eine Verdopplung antisemitischer Vorfälle im Vergleich zum Jahr 2022“ zu verzeichnen sind.“ Weiter steht in dem Beschluss: „Es fordert uns Christinnen und Christen in unserer kirchengemeindlichen Arbeit, in der schulischen, Familien- und Erwachsenenbildung, in unserem Engagement im Quartier und in der Bürgergesellschaft heraus. Noch stärker als bisher müssen wir solidarische Positionierungen und angemessene Handlungsstrategien gegen Antisemitismus erproben und auch zum Gegenstand interreligiöser Beziehungen in der Stadt machen. Der Widerspruch gegen Antisemitismus ist nicht nur die Sache einiger weniger, sondern eine Verantwortung aller Christinnen und Christen.“ Die 68 anwesenden Delegierten der Verbandsvertretung sprachen sich einstimmig für die Erklärung aus. Die Melanchthon-Akademie bietet gemeindliche Workshops zum Thema Antisemitismus an. Den Text der Erklärung finden Sie hier.

Geschichte der Kölner Kirchenkreise und des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region

Prof. Dr. Siegfried Hermle berichtete über die Geschichte der Kirchenkreise in Köln und Region und den Ev. Kirchenverband Köln und Region. Er ist emeritierter Professor für Kirchengeschichte und maßgeblich an der Recherche für „Evangelisch leben hält Kirche agil: 1904 – 1934 – 1964 – 2024“ beteiligt. Er sagte: „Die Strukturen in der evangelischen Kirche sind historisch bedingt und waren – und sind – einem stetigen Wandel unterworfen; ganz gemäß der zwar nicht auf Luther sondern auf den niederländischen Pietisten Jodocus van Lodenstein zurückgehende Maxime (um 1678): ecclesia semper reformanda: die Kirche muss stets reformiert, erneuert werden. Blicken wir auf den Raum Köln, so wird dieser stete Wandel in anschaulicher Weise greifbar.“

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts habe es auf dem Stadtgebiet Kölns sechs evangelische Kirchengemeinden gegeben: Reiche Gemeinden wie Lindenthal, Nippes und Bayenthal standen ärmeren wie Ehrenfeld und Deutz gegenüber. Doch ein Vorstoß zur Bildung eines Verbandes der Gemeinden, auch um die finanziellen Unterschiede auszugleichen, blieb ohne Resonanz. Mit der Eingemeindung von Kalk, Mülheim und Dellbrück stellte sich wieder die Frage nach einer intensiveren Zusammenarbeit.

Gegründet wurde dann vor 120 Jahren ein „Vertreter-Ausschuß der evangelischen Gemeinden Groß-Cöln’s“. Dieser hatte jedoch keine rechtlichen Kompetenzen. Es war dann die Landeskirche, die auf Antrag der Kreissynode Köln am 18. Januar 1934 die Bildung eines „Gesamtverbandes der Evangelischen Kirchengemeinden der Stadt Köln“ anordnete. Jahre der Vorbereitungen waren dem vorausgegangen. In der Nachkriegszeit stand die Wiederherstellung der zerstörten Gebäude im Vordergrund. Zugleich mangelte es an Pfarrpersonen.

Die Kreissynode wählte im September 1945 Hans Encke zum Superintendenten. Der Kirchenkreis verschmolz unter seiner Führung mit dem Gesamtverband und die Selbstständigkeit der Gemeinden wurde aufrechterhalten. Doch Arbeitsfelder wie Diakonie und Erwachsenenbildung wurden auf gemeinsame Einrichtungen übertragen. 1963 entschied man sich aufgrund des Wachstums der Gemeinden, den Kirchenkreis Köln in vier Kirchenkreise aufzuteilen. Als Klammer wurde der Stadtkirchenverband Köln eingerichtet. Erster Stadtsuperintendent wurde Hans Encke. Bis heute wurde diese Struktur beibehalten. Aber „ecclesia semper reformanda“: Aus den drei linksrheinischen Kirchenkreisen wird 2026 einer. Hermle erklärte: „So zeigt sich im Bereich des ,Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region‘ beispielhaft die Notwendigkeit einer stetigen Anpassung der Strukturen an die Gegebenheiten.“ Er fügte hinzu: „Denn nur durch Veränderung kann die Kirche den Anforderungen der Gegenwart begegnen, kann agil bleiben.“

Die Ausstellung kann im Haus der Ev. Kirche, Kartäusergasse 9-11, 50678 Köln, während der Öffnungszeiten besichtigt werden.

Berichte aus den Arbeitsbereichen

Torsten Krall, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, führte durch die Jahresberichte der Einrichtungen. Sie zeigten auf besondere Art und Weise die vielfältige Arbeit im Kirchenverband Köln und Region. Diese reichen unter anderem von der Ev. Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, der Melanchthon-Akademie, dem Evangelischen Jugendreferat Köln und Region über die Ev. Familienbildungsstätte, dem Schulreferat, dem Referat für Berufskollegs und den Seelsorge-Bereichen bis hin zum Diakonischen Werk Köln und Region gGmbH. Wichtige Weichenstellungen waren im Berichtszeitraum bei viele Einrichtungen u.a. die Wechsel der Leitungen, u.a. im Jugendreferat, in der Beratungsstelle, im Diakonischen Werk und in der Verbandsverwaltung.

Bernhard Seiger stellte der Verbandsvertretung den aktuellen Stand des Bauprojektes Campus Kartause vor. Nach dem Beschluss der Verbandsvertretung im letzten Jahr wurde parallel die Ausführungsplanung erstellt und die Generalunternehmer-Angebote ausgewertet und verhandelt, so dass der GU-Vertrag mit der HANS LAMERS BAU GMBH aus Jülich im April 2024 unterzeichnet werden konnte. Die Fertigstellung ist voraussichtlich für Ende 2026 terminiert. Die Ausgrabungen des Römisch Germanischen Museums gehen zurzeit weiter und haben unter anderem einige interessante Funde aus der Klostergeschichte zutage gefördert – nichts jedoch, das den Bauablauf bisher negativ beeinflusst hätte. Anfang Mai hat das Bauunternehmen begonnen, die Bohrpfahlwände für die Baugrube zu setzen. Im Mai wurde auch der Rückbau des alten Bestandsgebäudes in Angriff genommen. Ende Mai 2024 fand auf der Baustelle ein Nachbarschaftsgespräch statt, bei dem der Generalunternehmer, das Architekturbüro und der Bauherr über den Bauablauf und die Zeitpläne unterrichtet haben. Auf der Internetseite www.campus-kartause.de wird immer wieder über die aktuelle Planung berichtet.

Bernhard Seiger sagte: „Es ist ein großes Investment in die Zukunft unserer Kirche. Man kann sagen, es ist in gewisser Weise ein antizyklisches Investment in Zeiten, in denen viele nicht bauen. Krisen gibt an so vielen Stellen, und doch ist es genau deswegen wichtig, nach vorne zu sehen, unsere Zukunft zu gestalten.“ Er erklärte weiter: „Wir haben keine Angst vor Veränderung, sondern bauen und gestalten und schaffen damit für unsere Bildungsarbeit ein zeitgemäßes und schönes Haus. Wir dienen damit den nächsten Generationen. Der Campus Kartause wird ein Ort der Bildung und Begegnung sein, Begegnung aller Art und Güte.“

Kirchensteuerprognose

Markus Zimmermann informierte über die Prognose der Kirchensteuer für die nächsten Jahre. Der Rückgang der zur Verfügung stehenden Kirchensteuer wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich verstärken. Eine bereits im vorletzten Jahr entwickelte Prognosetabelle bis zum Jahr 2040 für den Haushalt des Verbandes beziehungsweise seiner Zuweisungsempfänger wurde mit Blick auf die prognostizierte Mitgliederentwicklung und die neue Prognose der Landeskirche in Bezug auf die Kirchensteuer aktualisiert. Da viele Gemeinden in ihrem Doppelhaushalt 2024/2025 bereits mit einer gleichbleibenden Verteilsumme für 2025 geplant haben, wurde vereinbart, erst 2026 mit einem Absenken der Verteilsumme zu beginnen und die Verteilsumme gleichmäßig so abzusenken, dass die Ausgleichrücklage bis zum Jahre 2040 reicht. Unter diesen Voraussetzungen würde die Verteilsumme für die Gemeinden und den EKV-Bereich ab dem Jahr 2026 jährlich um ca. 1,5% sinken.

Sonstiges

Mit der Änderung der Geschäftsordnung des Kirchenverbandes geht die Namensänderungen für drei Einrichtungen des Verbandes einher: Das „Amt für Presse und Kommunikation“ wurde zu „Presse und Kommunikation“. Das „Amt für Krankenhausseelsorge“ wurde zu „Krankenhausseelsorge“. Das „Pfarramt für Berufskollegs“ wurde zu „Referat für Berufskollegs“. Die Verbandsvertretung beschloss außerdem, Frau Gabriele Orbach für die Dauer von vier Jahren als Verbandsbeauftragte für Diakonie zu bestellen.

Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Die Verbandsvertretung ist das Leitungsorgan des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region mit Gemeindegliedern im Rhein-Erft-Kreis, in Köln, im Rheinisch-Bergischen Kreis und im Oberbergischen Kreis in den vier Kölner Kirchenkreisen. Zu den Aufgaben der Delegierten gehören beispielsweise der Beschluss des Haushalts und die Wahl des Stadtsuperintendenten. Die Verbandsvertretung tagt zweimal im Jahr und wird von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger geleitet. Die nächste Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region findet am Freitag, 22. November 2024, um 16 Uhr statt.

IMG_7791
IMG_7797
1E8E293E-D34D-4400-89BD-DB71ACA72C05-L0-001
47A9CAA9-8C00-4B98-87DF-97F4B2EB14A2-L0-001
5DAEC4AA-8EB6-4D66-AC15-7A1CDD7BFD63-L0-001
IMG_7813
IMG_7807
C04B69FB-1747-40A0-9DEB-BED91A8B0558-L0-001
922EB52F-7700-42FB-8257-35DC99B97047
IMG_7803
IMG_7798
190E5836-1F05-4058-818E-3A3B9B7B38E5
1800EEC1-6C72-414B-BA73-829468885E01-L0-001
IMG_7623
IMG_7762
IMG_7773

previous arrow
next arrow

Text: APK
Foto(s): APK

Der Beitrag Erklärung zu Antisemitismus, Geschichte des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region und Kirchensteuerprognose – Nachrichten von der Verbandsvertretung im Sommer 2024 erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Betroffene müssen bei uns wirkmächtig sein und erleben, dass sie im Zentrum stehen“: Die ForuM-Studie war Thema beim Frühjahrsgespräch des Stadtsuperintendenten

Die ForuM-Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war Thema beim Frühjahrsgespräch von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger mit Vertreterinnen und Vertretern der Presse im Haus der Evangelischen Kirche. Die Studie wurde am 25. Januar 2024 veröffentlicht und ist die erste wissenschaftliche und unabhängige Untersuchung zu sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der evangelischen Kirche und Diakonie. Als Gesprächspartnerin stand auch die Nippeser Pfarrerin Miriam Haseleu bereit, nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung, Synodalassessorin im Kirchenkreis Köln-Mitte und dort auch Vertrauensperson.

Nach der Veröffentlichung der Studie hätte es viele Presseberichte gegeben. Danach hätte die mediale Aufmerksamkeit nachgelassen, sagte Seiger: „Aber für die Betroffenen und für uns als Organisation bleibt das Thema ganz oben auf der Tagesordnung.“ Bei der Aufarbeitung der Studienergebnisse gilt für den Stadtsuperintendenten: Qualität geht vor Geschwindigkeit. „Zur Glaubwürdigkeit gehört, dass wir das Thema, bei dem unsere Kirche versagt und Schuld auf sich geladen hat, aufmerksam bearbeiten. Wir kümmern uns darum, die Vorkommnisse seit den 50er Jahren bis heute aufzuarbeiten. Und das wollen wir natürlich nicht allein tun, sondern unter unabhängiger und staatlicher Beteiligung. Ich rechne damit, dass uns das Thema dauerhaft begleiten wird.“

Für die Qualität des Prozesses sei die Perspektive der Betroffenen entscheidend. Sie würden stets an entscheidender Stelle beteiligt und bestimmten mit, wie es weitergehe. Das gelte auch bei den Anerkennungsleistungen. „Betroffene müssen bei uns wirkmächtig sein und erleben, dass sie im Zentrum stehen und die Sprache und den Stil der Aufarbeitung bestimmen!“ Das brauche Zeit. Geschwindigkeit sei nicht der Maßstab der Aufarbeitung. „Es dauert eben so lange, wie es dauert.“

Aufarbeitungskommission

Es werde eine Aufarbeitungskommission für die Region Rheinland, Westfalen und Lippe geben, der auch Betroffene angehören. Neben Vertreterinnen und Vertretern der Kirche sind unabhängige Fachleute wie Psychologen und Juristen Mitglieder. Zunächst einmal gehe es um Transparenz in der Datenlage. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat mit 23 Staatsanwälten Verträge abgeschlossen. Versierte Aktenleser und -leserinnen werden in die Kirchenkreise gehen und Material nach vorher erfolgten Meldungen sichten.

Die Kontaktaufnahme mit Betroffenen müsse unbedingt sehr sensibel geschehen, so Seiger. Da seien die Superintendentinnen und -intendenten sowie die Presbyterien gefragt. Erfreulich sei, dass viele Betroffene sich trauten, sich zu melden: „Das ist der Segen der ForuM-Studie. Es wird ihnen geglaubt!“ Die Studie habe offengelegt, wo die Kirche anfällig für sexualisierte Gewalt war und ist. „Geteilte Verantwortung gilt als evangelisch und fortschrittlich, aber genau das kann zu ungeregelten Grauzonen führen.“ Die werde es nun nicht mehr geben. Flächendeckend würden Schulungen verpflichtend. Klar benannt würden Interventions- und Krisenteams.

Bei der Aufarbeitung gehe es natürlich um Schuld. „Es ist immer individuelle Schuld, über die wir reden. Und auch die Schuld durch Nichthandeln und Wegsehen! … Das Bekenntnis von Schuld muss ausgehalten werden. Die Scham und der Schmerz müssen stehen bleiben und nicht in einem Vergebungs- und Versöhnungsmechanismus aufgefangen werden. Schuld kann für Betroffene ein Leben lang Folgen haben und spürbar bleiben. Ihre Aufgabe ist nicht die Vergebung! Es ist die Aufgabe von Täterinnen und Tätern, ihre eigene Schuld anzusehen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Unsere Theologie muss Perspektivwechsel vollziehen und traumasensibler werden.“

Miriam Haseleu erklärte, die ForuM-Studie müsse die Kirche zutiefst irritieren: „Kirche ist ein besonderer Schutzraum für Menschen und ihre unbedingte Würde, für Spiritualität und das menschliche Bedürfnis nach Angenommensein und Gemeinschaft. Dem ist auch unsere evangelische Kirche nicht annähernd gerecht geworden. Wir müssen uns in aller Klarheit der Tatsache stellen, dass Menschen in unserer Kirche diesen Schutzraum aufs Schlimmste missachtet und für sexualisierte Gewalt missbraucht haben.“ Vor diesem Hintergrund gebe es nur eine zulässige Haltung: Reue. Haseleu geht davon aus, dass die bislang bekannten Fälle nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Geschehnisse in der Landeskirche umfassten. Sie ermutigt alle Betroffenen ausdrücklich, sich zu melden. An der Aufarbeitung wirkt Haseleu als Vertrauensperson mit.

Neue Sprachkultur

Im Rahmen der Prävention fordert die Assessorin eine neue evangelische Sprachkultur in Bezug auf Sexualität. „Die Tabuisierung der Thematik, die lange in kirchlichen Kontexten vorherrschte, hat dazu beigetragen, dass zu Grenzüberschreitungen und Übergriffen geschwiegen wurde.“ Wenn Jugendliche im geschützten Raum Zugang zu sexueller Bildung erhielten, könne das erheblich dazu beitragen, sie vor Übergriffen zu schützen. „Nur wer Bescheid weiß, kann Bescheid sagen.“

Die Ergebnisse der Studie forderten auch die gottesdienstlichen und theologischen Traditionen der evangelischen Kirche heraus. Es gelte zu überprüfen, inwiefern gottesdienstliche Sprache und theologische Rede zu Machtmissbrauch und der Ermöglichung von sexualisierter Gewalt beigetragen haben. „Wie reden wir von Gott? Was bedeutet die Rede von Gott als ,Vater‘ und ,Herr‘ für Menschen, die von Vaterfiguren verschiedener Art Gewalt erleiden oder erlitten haben? Was macht die Rede von Gott als ,Allmächtiger‘ mit unserem Verständnis von und unserem Umgang mit Macht?“ Es brauche eine bewusst vielfältige Rede von Gott. „Auch biblisch schon wird Gott auch als Mutter, Amme, Quelle des Lebens und mit anderen weiblichen oder genderneutralen Bildern und Anreden bezeichnet.“ Diese Vielfalt müsse mehr in Gottesdiensten und im Religionsunterricht ankommen.

Betroffene schilderten in der ForuM-Studie, in Gemeinden mit der Forderung konfrontiert worden zu sein, dass sie ihren Täterinnen und Tätern vergeben sollten und müssten. Das sei nicht tragbar. „Solche Vergebungsforderungen verschieben Verantwortlichkeiten und Schuldzuweisungen weg von den Tätern und Verantwortlichen hin zu den Betroffenen. Schuld und Leid müssen anerkannt, benannt und ausgehalten werden.” In vielen Erzählungen des Alten und Neuen Testaments würden kollektive Gewalt und Gewalt an Einzelpersonen verarbeitet. Immer wieder werde dabei deutlich: „Gott steht eindeutig auf der Seite der Gewaltbetroffenen – in höchster Deutlichkeit verdichtet sich das in der Geschichte von Jesu Tod am Kreuz.“ Daraus formulierte Haseleu einen Anspruch an die Kirchenverantwortlichen: „Im Sinne Gottes kann nur die Parteinahme für die Betroffenen sein. Damit verbietet sich jegliche indifferente Haltung und jede kirchliche Machterhaltungspolitik angesichts sexualisierter Gewalt auch aus theologischer Sicht zutiefst.“

Aufarbeitungsgesetz des Bundes zu sexualisierter Gewalt

Inzwischen hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend einen Gesetzentwurf veröffentlicht. Der Titel lautet: „Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen.“ Es geht dabei vorwiegend um Prävention und Schutz, aber auch um die Aufarbeitung erlittenen Leids. Dazu werden z.B. die Akteneinsichts- und Auskunftsrechte Betroffener verbessert. „Als Vertreter meiner Kirche meine ich: Das Gesetz sollte weiter gehen. Danach sollen sich dann alle Organisationen und Institutionen richten. Wir reden neben den Kirchen über die Felder Schule, Sport und Kultur. Ich sehe das so, dass die Kirchen hier jetzt seit ein paar Jahren Neuland betreten und lernen, also Pionierarbeit leisten. Wir machen dabei sicher Fehler, aber vieles gelingt auch, was uns Gespräche mit Betroffenen bestätigen“, sagte Bernhard Seiger. „Aber die Verfahrensregeln zur Aufarbeitung sollten von außen gesetzt werden und überall gleich sein. Also: Vorgaben zum Umgang mit Akten, zur Unabhängigkeit der Aufarbeitung, zur Erstellung von Schutz- und Schulungskonzepten, vergleichbare Standards zu Anerkennungsleistungen, etc. Das soll dazu dienen, dass wir natürlich die Prävention verbessern, aber uns eben auch um die Aufarbeitung der Vergangenheit kümmern, denn Betroffene leiden an dem Unrecht, das ihnen angetan wurde oft Jahre und Jahrzehnte und ein Leben lang.“

Vertrauensperson und Melde- und Beschwerdestellen bei sexualisierter Gewalt

Im Falle eines Verdachts von sexualisierter Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche oder unter Mitarbeitenden des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region ist die Vertrauensperson eine erste Ansprechperson. Bitte zögern Sie nicht, im Falle eines Verdachts mit einer von diesen Kontakt aufzunehmen. Sie kennen Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten und beraten Sie zu diesen.

Vertrauenspersonen des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region:

Frau Sabine Marx
Ev. Familienbildungsstätte e.V.
Kartäuserwall 24 b
50678 Köln
Tel.: 0221 – 474 45514
E-Mail: marx@fbs-koeln.org

Lukas Pieplow
Tel.: 0221 – 9731770
Mobil: 0163 – 7274375
E-Mail: pieplow.lukas@netcologne.de

Sollten Frau Marx oder Herr Pieplow nicht zu erreichen oder eine andere Person gewünscht sein, sind ebenso Mitglieder des Interventionsteams oder der bzw. die Vorgesetzte des jeweiligen Arbeitsbereichs ansprechbar:

Leitung der Beratungsstelle Tel.: 0221 – 2577461
Leitung des Jugendreferates Tel.: 0221 – 93180115

Leitung Kompetenzzentrum Personal Tel.: 0221 – 3382254

Ein begründeter Verdacht muss bei der landeskirchlichen Meldestelle unter 0211 – 4562602 gemeldet werden.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

Der Beitrag „Betroffene müssen bei uns wirkmächtig sein und erleben, dass sie im Zentrum stehen“: Die ForuM-Studie war Thema beim Frühjahrsgespräch des Stadtsuperintendenten erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Wir wünschen gesegnete Sommerferien – Mehr-als-Noten-Segen soll zeigen: „Du bist gut, genauso wie du bist!“

Die Sommerferien stehen vor der Tür! Wir wünschen allen Schülerinnen und Schülern und allen Lehrerinnen und Lehrern eine erholsame und dennoch lehrreiche Ferienzeit – gefüllt mit neuen Abenteuern, Entspannungsmomenten und wertvollen Erfahrungen. Mögen die Ferien Zeit bieten, um auszuruhen, aufzutanken und den Sommer in vollen Zügen zu genießen, um gestärkt und inspiriert in die kommende Zeit zu starten.

Trotz Zeugnistag und Notendruck möchten auch die Evangelischen Kirchengemeinden Köln-Dünnwald und Köln-Klettenberg betonen, dass jeder einzelne wertvoll ist, unabhängig von den Noten auf dem Zeugnis. Unter dem Motto „Scheiss-auf-Noten-Segen“ und „Mehr-als-Noten-Segen“ laden sie zu Segensaktionen ein, um zu zeigen, dass man als „Nummer 1“ gefeiert werden kann, genauso wie man ist. Es geht um Wertschätzung, Selbstakzeptanz und darum, dass man in jedem Fall gesegnet ist:

03.07.2024, 15:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Dünnwald
Tersteegenkirche, Amselstraße 22, 51069 Köln
„Du bist die Nummer 1 – egal welche Noten auf deinem Zeugnis stehen“
Segensaktion an der Tersteegenkirche Dünnwald
Der Zeugnistag ist für manche eine schöne Bestätigung der Leistungen, für manche ist es aber auch ein Tag, der Bauchschmerzen verursacht. Und das schon in der Grundschule. Unter dem Motto „Scheiss-auf-Noten-Segen“ sind am Mittwoch, 3. Juli, alle Grundschulkinder einladen, irgendwann zwischen 15 und 17 Uhr zum Kirchplatz an der Tersteegenkirche, Amselstraße 22, zu kommen, um sich dort als „Nummer 1“ feiern zu lassen, egal welche Noten auf dem Zeugnis stehen. Mit Musik, Podest, und Gottes Segen, der verspricht: „Du bist gut, genauso wie du bist!“. Kinder und Eltern sind an diesem Nachmittag eingeladen. Dazu gibt es für jeden ein Eis.

www.evangelisch-in-duennwald.de

05.07.2024, 11:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Klettenberg
Auf dem Vorplatz von St. Nikolaus
Mehr-als-Noten-Segen – Eine Aktion von #himmelaufköln
Mit Segen in die Ferien starten
Am Freitag, 5. Juli, dem letzten Schultag und Tag der Zeugnisübergabe, bieten Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Ehrenamtliche verschiedener Gemeinden Kölns an mehreren Orten einen „Mehr-als-Noten-Segen“ an. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern sind eingeladen, durch ein Segenstor zu gehen und sich einen Segen abzuholen. Ein weiteres Schuljahr ist geschafft, manches war super, anderes verhauen, ein Schuljahr endet oder ein Übergang wartet, wie auch immer es war, was auch immer in und nach den Ferien kommt – alle sollen gesegnet sein. In der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Klettenberg steht das Tor auf dem Vorplatz der Kirche St. Nikolaus, Berrenrather Straße. #himmelaufköln ist ein Projekt des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte.

www.kirchenkreis-koeln-mitte.de

Postkartenvorderseite für Schüler:innen #himmelaufkoeln
Postkartenrückseite für Schüler:innen #himmelaufkoeln
Postkartenrückseite für Lehrer:innen #himmelaufkoeln

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Text: APK
Foto(s): APK

Der Beitrag Wir wünschen gesegnete Sommerferien – Mehr-als-Noten-Segen soll zeigen: „Du bist gut, genauso wie du bist!“ erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Augen zu – Ohren auf! WDR Rundfunkchor gibt im Hochsommer ein Dunkelkonzert in der Trinitatiskirche

„Fällt ein Sinn aus, so schärfen sich bekanntlich die anderen“ – so verrät es die Ankündigung des nächsten WDR Rundfunkchor-Konzertes, das am Samstag, 6. Juli, ab 18 Uhr in der Kölner Trinitatiskirche, Filzengraben 4, stattfindet. Das Motto für diesen Abend lautet: „Nichts sehen, viel hören“.

Für dieses besondere Konzerterlebnis galt es, zunächst eine entscheidende Frage zu klären: Wie lässt sich im Hochsommer, wenn in Köln die Sonne erst nach 22 Uhr untergeht, eine weißgestrichene und lichtdurchflutete Basilika verdunkeln? Antwort: Gar nicht.

„Es gibt Schlafbrillen für das Publikum“

Carola Anhalt, Lisa König und Raphaela Weinz vom Management des WDR Rundfunkchores haben jedoch eine verblüffend einfache Lösung gefunden: „Es gibt Schlafbrillen für das Publikum. Die Zuhörerinnen und Zuhörer haben freie Platzwahl und der Chor singt von der Seitenempore. Dadurch kommt der Klang von oben und verteilt sich indirekt und gleichmäßig im Raum“, erläutern die Mitarbeiterinnen des Chores die musikalische Konzeption. „Eine Reise im Dunkeln mit Chormusik zum Träumen und Selbstfinden – besser geht es nicht.“

Der WDR Rundfunkchor ist neben dem Rundfunksinfonieorchester, dem Funkhausorchester und der Big-Band der vierte professionelle Klangkörper, den der WDR unterhält. Das Profi-Ensemble wurde bereits 1947 gegründet und hat aktuell 44 Sängerinnen und Sänger in allen Stimmlagen. Sein Profil ist Repertoire-Vielfalt sowohl im a-cappella als auch instrumentalen Bereich. Das Spektrum reicht dabei von der frühen Musik des Mittelalters bis zu zeitgenössischen Kompositionen. In seiner langen Geschichte hat der Chor mehr als 170 Kompositionen ur- oder erstaufgeführt.

Seit 2011 ist der WDR Rundfunkchor regelmäßig in der Trinitatiskirche zu Gast. „Unsere Sängerinnen und Sänger schätzen sehr die gute Infrastruktur der Kirche und der Nebenräume, den Klang der großen Orgel und vor allem die exzellente Raumakustik“, weiß Carola Anhalt zu berichten. „In so zentraler Innenstadtlage einen so ruhigen und atmosphärischen Platz für Produktionen und Konzerte zu finden, ist in Köln wirklich einmalig.“

Das musikalische Programm am 6. Juli umfasst das große Werk „Path of Miracles“ des britischen Komponisten Joby Talbot. Dieser wurde 1971 geboren und schreibt klangschöne und stimmungsvolle Musik in den Genres Oper-, Chor- und Filmmusik.

Dirigiert wird das Konzert von Nicolas Fink, dem Chefdirigenten des WDR-Rundfunkchores. Fink trat sein Amt in der Saison 2020-2021 an – mitten in der Corona-Zeit. Fink arbeitet weltweit mit professionellen Chören, ist als Juror bei internationalen Wettbewerben tätig und hat im letzten Jahr zusätzlich die Leitung des Landesjugendchores NRW übernommen. Diese Arbeit mit jungen Menschen liegt dem passionierten Musikvermittler besonders am Herzen.

Der Eintritt kostet 19, ermäßigt 9 Euro, Karten gibt es bei KölnTicket. Die Ermäßigung gilt für Schwerbehinderte, Begleitpersonen für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, Menschen, die Wehrdienst und Bundesfreiwilligendienst leisten sowie für Schüler, Studierende und Azubis bis 28 Jahre. Das Programm steht zum Nachlesen auch auf der Seite www.trinitatiskirche-koeln.de.

Text: WRS
Foto(s): WRS

Der Beitrag Augen zu – Ohren auf! WDR Rundfunkchor gibt im Hochsommer ein Dunkelkonzert in der Trinitatiskirche erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Unsere Wochentipps: Reisesegen, Sommerfest und “Bilder aus dem Herzen”

Unsere Wochentipps: Von Kunstausstellungen über Festgottesdienste bis hin zu Einführungsgottesdiensten – das Angebot ist vielfältig und lädt dazu ein, gemeinsam zu feiern, zu reflektieren und neue Erfahrungen zu machen. Egal ob Musikliebhaber, Kunstinteressierte oder Menschen, die sich für Glauben und Gemeinschaft interessieren, für jeden ist etwas dabei.

28.06.2024, 19:45
Evangelische Kirchengemeinde Hürth
Martin-Luther-Kirche Gleuel, Am Hofacker 41, 50354 Hürth-Gleuel
Yona Lax zeigt “Bilder aus dem Herzen”
Ausstellungseröffnung in der Kulturkirche Hürth
Mit einer Vernissage am Freitag, 28. Juni, 19.45 Uhr, eröffnet die Kulturkirche Hürth eine Kunstausstellung mit Werken der Künstlerin Yona Lax. In der Martin-Luther-Kirche Gleuel, Am Hofacker 41, zeigt die Künstlerin Yona Lax einen Teil ihrer Werke unter dem Titel “Bilder aus dem Herzen”. Bei der Vernissage können die Besucherinnen und Besucher mit der Künstlerin ins Gespräch kommen. Der Eintritt ist frei. Bereits ab 19 Uhr gibt es bei “Gottesdienst trifft Kunst” einen ersten Blick auf die Bilder. Yona Lax möchte mit ihren Bildern dazu einladen, in Zeiten voller Ängste, Stress, Hektik einmal innezuhalten, zur Ruhe zu kommen und einfach zu genießen. Die sanften Formen und die anrührende Mischung aus kräftigen Farben, mal warm und mal kühl, nimmt die Künstlerin aus ihren eigenen Emotionen und will andere damit berühren.
www.evangelisch-in-hürth.de

29.06.2024, 16:00
Evangelische Philippus-Kirchengemeinde Köln-Raderthal
Ev. Philippuskirche, Albert-Schweitzer-Straße 3, 50968 Köln
Festgottesdienst zur Erneuerung der Partnerschaftsvereinbarung
Am Samstag, 29. Juni, 16 Uhr, findet in der Philippuskirche Raderthal, Albert-Schweitzer-Straße 3, ein ökumenischer Festgottesdienst zum Jubiläum „10 Jahre ökumenische Partnerschaftsvereinbarung“ statt. Den Gottesdienst feiern die Pfarrer Klaus Eberhard, Oliver Mahn und Bernhard Seiger von den evangelischen Kirchengemeinden in Raderthal, Bayenthal und Zollstock sowie die Vertreter der Pfarrgemeinderäte St. Matthias/St. Maria Königin, Maria Empfängnis, St. Pius und Heilig Geist. Anschließend sind alle zum Beisammensein bei Knabbereien und Kölsch eingeladen. Vor zehn Jahren schlossen die katholische Pfarrgemeinde St. Mariä Empfängnis und die Philippus-Gemeinde den Vertrag, nachdem dies zuvor in den Nachbargemeinden Bayenthal und Zollstock mit den jeweiligen katholischen Pfarrgemeinden geschehen war.  Nun wird eine gemeinsame ökumenische Partnerschaftsvereinbarung mit allen drei evangelischen Gemeinden und der gesamten katholischen Gemeinde am Südkreuz geschlossen.
www.kirche-raderthal.de

30.06.2024, 11:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Klettenberg
Johanneskirche Klettenberg, Nonnenwerthstraße 78, 50937 Köln
Reisesegengottesdienst Open-Air im Park neben der Johanneskirche
Neue Vikarin wird eingeführt
Open-Air in den Sommer starten: Dazu laden die Pfarrerinnen Julia Strecker und Mareike Maeggi am Sonntag, 30. Juni, 11 Uhr, in den Park neben der Johanneskirche, Nonnenwerthstraße 78, ein. In dem Gottesdienst auf der Parkbank gibt es die Möglichkeit, sich persönlich für den Sommer segnen zu lassen. Zudem wird die neue Vikarin zum Start in ihre Gemeindephase des Vikariats offiziell eingeführt. Mit guter Musik und hoffentlich strahlendem Sonnenschein wird unter freiem Himmel gefeiert. Bei schlechtem Wetter findet der Reisesegengottesdienst in der Johanneskirche statt.
www.kirche-klettenberg.de

30.06.2024, 15:00
Evangelische Kirchengemeinde Ichthys
Gemeindehaus Unter Gottes Gnaden, Zum Dammfelde 37, 50859 Köln-Widdersdorf
Sommerfest und Gottesdienst mit Reisesegen
Gospelchor „Thank God It’s Friday“ singt
Das Sommerfest der Evangelischen Kirchengemeinde Ichthys findet am Sonntag, 30. Juni, 15 bis 18 Uhr, im Gemeindehaus „Unter Gottes Gnaden“, Zum Dammfelde 37, statt. Es wird ein buntes Fest mit flotter Musik und vielen Angeboten für Kinder jeden Alters. Es gibt Sport- und Bewegungsangebote wie etwa den Menschenkicker, Torwandschießen und ein Feuerwehr-Zielspritzen. Kinder können sich schminken lassen, nach Gold graben und Fische angeln. Für das leibliche Wohl wird mit Kaffee und Kuchen, Grillwürstchen und Salaten sowie kalten Getränken mit und ohne Alkohol gesorgt. Für die bevorstehende Sommer- und Reisezeit können sich die Teilnehmenden beim abschließenden Open-Air-Gottesdienstes (18 Uhr) einen Reisesegen erteilen lassen. Der Gospelchor „Thank God It’s Friday“ sorgt für die musikalische Gestaltung.
www.evkirche-ichthys.de

30.06.2024, 15:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Rath-Ostheim
Ev. Auferstehungskirche Ostheim, Heppenheimer Straße 7, 51107 Köln
Gottesdienst mit Verabschiedung von Pfarrerin Andrea Stangenberg-Wingerning
Im Anschluss findet ein Empfang statt
Nach über 23 Jahren Dienst im Evangelischen Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch, davon 13 Jahre in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Rath-Ostheim, verlässt Pfarrerin Andrea Stangenberg-Wingerning den Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch und übernimmt neue Aufgaben im Kirchenkreis Leverkusen. Am Sonntag, 30. Juni, 15 Uhr, wird die Pfarrerin in einem Festgottesdienst in der Auferstehungskirche, Heppenheimer Straße 7, durch Pfarrer Torsten Krall, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, aus ihrem Dienst in Köln entpflichtet.
www.kirchengemeinde-rath-ostheim.de

02.07.2024, 12:00
Evangelischer Kirchenverband Köln und Region
Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, 50678 Köln
Einführungsgottesdienst in der Kartäuserkirche
Inga Waschke und Sebastian Baer-Henney leiten die „Kasualagentur“
Die Einführung von Pfarrerin Inga Waschke und Pfarrer Sebastian Baer-Henney, als Leitende der neuen „Kasualagentur“ findet am Dienstag, 2. Juli, 12 Uhr, in der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, statt. Der Gottesdienst wird von Pfarrer Dr. Bernhard Seiger, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, sowie von Pfarrer Torsten Krall, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, geleitet. Die Anwesenden können im Anschluss ebenfalls gesegnet werden. Im Anschluss wird zum Empfang ins Refektorium im Haus der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11, eingeladen. Als Kasualien bezeichnet die Evangelische Kirche in Deutschland Gottesdienste, die anlässlich von Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung gefeiert werden. Aufgabe des Projekts „Kasualagentur“ ist die Entwicklung neuer Formate und Angebote rund um die Kasualien und als Servicestelle für interessierte Menschen erreichbar sein.

Anmeldung ab jetzt für den 06.08.2024
Evangelische Kirchengemeinde Kalk-Humboldt
Jesus-Christus-Kirche Kalk, Buchforststraße 22-28, 51103 Köln
Posaunenprojekt in Kalk
Für Neustartende, Wiedereinsteigende und Erfahrene jeden Alters
Die Evangelische Kirchengemeinde Kalk-Humboldt bietet in einem Posaunenprojekt für Interessierte jeden Alters die Möglichkeit, innerhalb von sechs Wochen Basis-Fertigkeiten an Trompete, Posaune oder Tenorhorn zu erlernen. Auch wer bereits ein Blechblasinstrument spielt und mit anderen Erfahrenen in gemeinsamen Proben ein musikalisches Grundgerüst aufbauen möchte, ist willkommen. Unterrichtsstart für Neustartende ist in den letzten drei Wochen der Sommerferien, ab Dienstag, 6. August, immer dienstags und freitags zwischen 16 und 19 Uhr. Erfahrene erschaffen in den drei Wochen im Anschluss an die Sommerferien die Basis einer Blechbläsergruppe. Das umfasst etwa fünf Proben ab Donnerstag, 22. August, immer montags und donnerstags von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr. Zum Abschluss gibt es gemeinsame Proben und Auftritte am Donnerstag, 5. September, 17.45 Uhr bis 20 Uhr und Samstag, 14. September, 10.15 Uhr bis 12.30 Uhr. Drei Auftritte finden dann am Samstag und Sonntag, 14. und 15. September im Stadtgarten Kalk (Samstag 16 Uhr, 15 Minuten), beim Nachbarschaftsfest des Naturfreundehaus (Samstag, 16.30 Uhr, 15 Minuten) und im Familien-Gottesdienst in der Jesus-Christus-Kirche, Buchforststraße 22-28, (Sonntag, 10.30 Uhr) statt. Geprobt wird ebenfalls in den Räumen der Jesus-Christus-Kirche, Nebeneingang Lilienthalstraße 4-8, („Ev. Jugendzentrum Kalk-Humboldt“). Die Teilnahme ist kostenlos. Auskunft erteilt Roman Söntgerath per E-Mail an unter kalkbrass@ekir.de oder per Telefon 0156/78431917.
www.evangelisch-kalk-humboldt.de

Text: APK
Foto(s): APK

Der Beitrag Unsere Wochentipps: Reisesegen, Sommerfest und “Bilder aus dem Herzen” erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Diakoniespende 2023/2024: Kunterbuntes „Veedel 4 All“-Sommerfest mit dem „Lokal Vielfalt“

Wenn in Nippes gefeiert wird, ist das Team des Lokal Vielfalt, Empfänger der aktuellen Diakoniespende des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, gerne mittendrin. „Veedel 4 all“ hieß das bunte Sommerfest auf dem Wilhelmplatz, das nun zum zweiten Mal stattfand. Hunderte Menschen aus der Nachbarschaft, mit und ohne Migrationsgeschichte, feierten, lernten sich und die Vereine aus ihrem Veedel kennen, bummelten, plauderten, erlebten griechischen Tanz und Zauberei von Magierin Astrid Gloria. Am Nachmittag war es eher Anlaufstelle für junge Familien mit Kindern, die das bunte Programm genossen, in Richtung Abendstunden ließen dann die älteren Besucher den Tag gemütlich und gemeinschaftlich ausklingen.

„Wir sind der Meinung, dass es wichtig ist, in unserer Gesellschaft eine Kultur der Offenheit und Gastfreundschaft zu fördern, besonders gegenüber Menschen, die in unserem Land und in unserem Veedel Zuflucht suchen. Wir wollten Nippes gemeinsam erfahrbar und erlebbar machen und Hand in Hand zusammenarbeiten“, zitiert die Projektleiterin des Lokal Vielfalt, Fenja Petersen, das gesamte Organisationsteam und berichtet, dass das Lokal Vielfalt nicht nur bei den Festvorbereitungen geholfen hat, sondern auch mit einem Stand vor Ort war.

Der Kirchenverband verdoppelt jede Summe bis zu einem Spendenaufkommen von 100.000 Euro

Am Stand parkte das frisch mithilfe der Diakoniespende angeschaffte Lastenfahrrad, mit dem das Projekt ins Veedel hineingetragen werden soll, aber auch über den Stadtteil hinaus in Köln Menschen erreichen möchte, vor allem in den Unterkünften für Geflüchtete. Fenja Petersen hat festgestellt, dass beim Fest mehrfach Menschen, die gerade Deutsch lernen, nach Möglichkeiten gefragt haben, in lockerer Atmosphäre ins Gespräch zu kommen. „Solche offenen Räume zum Austausch im Gespräch möchten wir demnächst anbieten – nicht nur am neuen Standort, der hoffentlich bald konkrete Formen annimmt, sondern auch an den Unterkünften selbst“, kündigt Fenja Petersen an. Beim Fest, so erzählt sie, fanden sich rund um den Stand immer gleich Menschen, die bei der Übersetzung halfen, wenn es im Gespräch hakte – ein Indiz dafür, wie wohl und willkommen sich alle bei „Veedel 4 all“ fühlten.

Fast 30 Vereine und Projekte stellten sich vor. Darunter die Initiative „Willkommen in Nippes“, der Frauen-Bildungsverein Handwerkerinnenhaus, das Zentrum für geflüchtete Menschen „Fliehkraft“, das orientalische Speisen anbot und eben das Lokal Vielfalt, das auch als Infostand fürs gesamte Fest fungierte und Fragen zum Fest selbst, aber auch zum Programm beantwortete. „Für uns war das Fest auch eine tolle Gelegenheit, unser Netzwerk weiter auszubauen, mit den anderen Vereinen ins Gespräch zu kommen und nochmal in entspannter Atmosphäre Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben“, sagt die Projektleiterin zufrieden.

Das Projekt „Lokal Vielfalt“ ist Empfänger der Diakoniespende 2023/24 des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Das Besondere daran ist auch in diesem Jahr: Der Kirchenverband verdoppelt jede Summe bis zu einem Spendenaufkommen von 100.000 Euro. Die Diakoniespende soll dafür verwendet werden, das Angebot des „Lokal Vielfalt“ um einen festen, zentraler gelegenen Standort zu erweitern. Das Lastenfahrrad, das ab Sommer als „Lokal Mobil“ nicht nur im Kölner Norden sichtbar sein soll, um das Angebot an noch mehr Orten im Stadtgebiet, insbesondere an Unterkünften für geflüchtete Menschen, bekannt zu machen, konnte schon von der Spende angeschafft werden.

www.diakoniespende-koeln.de

Text: Katja Pohl
Foto(s): Fenja Petersen

Der Beitrag Diakoniespende 2023/2024: Kunterbuntes „Veedel 4 All“-Sommerfest mit dem „Lokal Vielfalt“ erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Missionale: „Auswärtsspiel“ begeisterte mit ungewöhnlichen Orten und vielfältigen Angeboten

„Kirche auf Alltagswegen wieder neu entdecken“: Inspiration, Motivation und „geistliche Stärkung“ gab es bei der Missionale mit dem Motto „Auswärtsspiel“. Wir sprachen mit Simone Enthöfer, Missionale-Pastorin und Organisatorin, über Highlights, Heimspiele und Zukunftspläne:

Wie war die diesjährige Missionale für Sie und die Teilnehmenden?

Simone Enthöfer: Eine ermutigende und erfrischende Veranstaltung mit bunten und vielfältigen ökumenischen Begegnungen. Es wurde gelacht, gesungen, auf Gottes Wort gehört und viel miteinander gesprochen. Es gab einerseits interessante Impulse von Expert*innen zu innovativen Themen, Gesprächs- und Begegnungsmöglichkeiten und gleichzeitig Musik und Worte zur Stärkung und zum Auftanken.

Welches Feedback haben Sie zu den ungewöhnlichen Orten und den angebotenen Workshops erhalten?

Simone Enthöfer: Wir hatten den Wunsch der Missionale-Teilnehmenden vom letzten Mal umgesetzt und eine gemeinsame Anfangs- und Schlussveranstaltung gemacht. Das war in der wunderschönen Trinitatiskirche, also quasi ein kirchliches „Heimspiel“. Die gewagten Auswärtsspiele zum Beispiel beim Speeddating auf dem Riesenrad, im alten Pfandhaus, im Museum für angewandte Kunst oder im 7thSpace Escape-Room kamen beidseitig gut an, von denen, die uns die Orte zur Verfügung gestellt haben, aber auch von unseren Teilnehmenden und Mitwirkenden. Rückmeldungen lauteten „Das war so erfrischend. Das war mal etwas ganz anderes. Das war fremd, aber öffnete Türen, Kirche mal unter einem anderen Gesichtspunkt zu denken.“ Die Orte haben uns lebensrelevante Themen vorgegeben und wir haben in der Nachfolge Jesu gespürt, dass Kirchesein auch bedeutet, die biblische Botschaft mit aktuellen Themen, die uns Orte vorgeben, in Kontakt zu bringen. Das hat Jesus auch oft getan, zum Beispiel bei der Frau am Jakobsbrunnen, als er den Zöllner Zachäus traf, seine Jünger beim Fischen berief oder den Blinden Barthimäus am Stadttor nach ihm rufen hörte.

Welche Bedeutung hatte das Motto der Missionale 2024, „Auswärtsspiel“, für Sie und die Veranstaltung?

Simone Enthöfer: Die Missionale „Auswärtsspiel“ sollte eine Veranstaltung der Ermutigung, der geistlichen Stärkung und der Inspiration sein, Neues zu wagen, um Kirche als Glaubensgemeinschaft sichtbarer zu machen. Dazu war uns wichtig, neben den kirchlichen „Heimspielen“, wie zum Beispiel Gottesdienste in Kirchen als deutliche Unterbrechung des Alltags zu feiern, auch „Auswärtsspiele“ an für Kirche eher ungewöhnlichen Orten zu veranstalten. Das ist in einer bunten, vielfältigen ökumenischen Begegnung gelungen. Besonders anrührend waren für mich die meisten Reaktionen von den Menschen, die die Locations verwalten, bei denen wir zu Gast waren oder zumindest angefragt hatten. Ob im Museum, beim Boxclub „Kurze Rippe“ oder im Karnevalsverein der blauen Funken und an vielen anderen Orten, wir wurden sehr herzlich und freundlich und neugierig empfangen. Also auch für die anderen ungewöhnlich, dass Kirche um Gastbeheimatung bittet und auch thematisch an dem, was die Orte sonst ausmacht, anknüpfen möchte. In diesem gegenseitigen Kennenlernen steckt soviel Potenzial für kirchliche Arbeit der Zukunft. Wir sind mal nicht Gastgebende, sondern sind selber Gäste, erfahren und lernen eine Menge Neues und bringen uns als glaubende, hoffende, betende, segnende Menschen mit.

Welche Highlights gab es während der Missionale?

Simone Enthöfer: Jeder Programmpunkt für sich, jeder Workshop war ein Highlight. Ein Hingucker war sicherlich das Kölner Riesenrad mit dem Logo der Missionale und der EKiR. Vor dem Riesenrad stand unser Zauberkünstler „Bobskoffer“, der viele Menschen, die auch gar nicht nur zur Missionale gehörten und auf den Stufen zum Schokoladenmuseum saßen, mit seiner besonderen Zaubershow beeindruckte, die er mit biblischen Botschaften in Zusammenhang brachte. Es ist toll, wenn Menschen fröhlich, staunend, begeistert das Evangelium erleben.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Simone Enthöfer: Der Trägerkreis der Missionale wird die Veranstaltung gut auswerten und daraus Erkenntnisse gewinnen, wie künftig Missionale aussehen kann und soll. Meine Hoffnung und mein großer Wunsch für eine Kirche der Zukunft ist, dass Orte, die wir für Kirche im Augenblick noch als ungewöhnlich empfinden, das irgendwann nicht mehr sein werden. Die „Heimspiele“ in unseren sakralen Kirchgebäuden sind Teil einer guten spirituellen Tradition, darauf würde ich nicht komplett verzichten wollen. Aber genauso sollten wir die biblische Tradition von „Auswärtsspielen“, Kirche auf Alltagswegen, wieder neu entdecken. Ich wünsche mir, dass Kirche irgendwann im Sozialraum oder im Veedel, wie man in Köln sagt, so gut vernetzt sein wird, dass wir nicht mehr so viele Orte als „ungewöhnlich“ für kirchliche Präsenz und kirchliches Leben wahrnehmen.

IMG_1888
IMG_1894
IMG_1901
IMG_1919 (1)
IMG_7421
IMG_7459
IMG_7462 (1)
IMG_2219

previous arrow
next arrow

Text: APK
Foto(s): APK/Simone Enthöfer

Der Beitrag Missionale: „Auswärtsspiel“ begeisterte mit ungewöhnlichen Orten und vielfältigen Angeboten erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Friede, Freude, Frauentag“ zeigte Möglichkeiten, Frieden zu leben

Wen bewegt das Thema Frieden gerade nicht? Die Unsicherheit ist groß, unzählige Menschen stehen gerade zusammen, um mit großen Demonstrationen ihren Wunsch nach Frieden und einer intakten Demokratie zu artikulieren. Doch wie kann ich im Kleinen Frieden stiften, wie mit mir selbst in Frieden kommen und friedvoll nach außen wirken?

Diesen Fragen gingen die rund 50 Teilnehmerinnen des fünften Frauentags im Kirchenkreis Rechtsrheinisch im evangelischen Gemeindezentrum der Dellbrücker Pauluskirche nach. Alle zwei Jahre gibt es diesen Frauentag, diesmal stand er unter dem Motto „Friede, Freude, Frauentag!“ Eingeladen hatte ein engagiertes ehrenamtliches Organisationsteam rund um Ute Verch vom Evangelischen Frauenreferat in Köln. Sie stellte klar: „Wir dürfen die weltweiten Krisen natürlich nicht vergessen, freuen uns heute aber auf einen fröhlichen Tag, in dem wir ganz unterschiedliche Friedensansätze thematisieren wollen.“

Nach einem Impuls von Kerstin Herrenbrück, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Höhenhaus, in der Pauluskirche, starteten die insgesamt acht Workshops. Tanja Fehlinger aus Dellbrück kam vom Workshop „Tanz mit Freude und Genuss“, geleitet von Tanzpädagogin Sonia Fontana, schwungvoll und doch entspannt in die Mittagspause und berichtete, wie wunderbar locker sie sich jetzt fühle: „Ohne Körper funktioniert der Kopf nicht. Darum haben mich die Angebote gereizt, die mich meinen Körper nochmal ganz anders erfahren lassen.“ Sie habe sich besonders darüber gefreut, die anderen Tänzerinnen an der Hand halten zu dürfen. „Jetzt erst, nach Corona, ist doch spürbar, wie sehr uns Berührungen gefehlt haben.“ Nach der Pause und dem Musikkabarett mit Sängerin Brigitte Fulgraff und Pianist Lutz Langheinecken wolle sie unbedingt noch zum Yoga, verriet sie lachend. Yogalehrerin Amely Matthaei bot 90 Minuten „Innerer Frieden – Vinyasa & Yin Yoga“ an und nahm die Frauen mit auf eine sportliche Reise zu ihrer Mitte.

Zuvor hatten Brigitte Fulgraff und Lutz Langheinecken zu 45 lockeren Minuten in die Kirche eingeladen, wo sie „Aus Spaß an der Freud“ das Leben in ihrem Musikkabarett mit Chansons schönsangen. Brigitte Fulgraff jedenfalls ist überzeugt: „Frauen über 50 haben es gut – alle Lebensentscheidungen sind getroffen, ab diesem Zeitpunkt laufen wir nur noch Kür.“

„Frieden beginnt bei mir“

Jugendreferentin Kalliopi Terzi beschäftigte sich in ihrem Workshop mit dem Thema „Frieden beginnt bei mir“, sprach mit den Teilnehmerinnen über erste Eindrücke, darüber wie prägend diese sind, dass sie aber auch revidierbar sein müssen. „Dass wir schnell urteilen, ist evolutionär in uns verankert. Dieses Einordnen anderer war in Frühzeiten überlebenswichtig“, betonte die Interkulturelle Trainerin und gab zu, dass auch sie durchaus nicht davon frei ist, manchmal zu zügig zu urteilen. „Der Konflikt beginnt bei mir. Darum ist es wichtig, die eigenen Vorurteile zu erkennen.“

Um Pazifistinnen und ihre Geschichte ging es bei Almuth Voß, die sich freute, dass in ihrem Workshop ein so reger Austausch stattfand, dass das Interesse an weiblichen Friedensstiftern groß war. Als Teil eines Dreierteams hatte Almuth Voß auch den Gottesdienst zum Abschluss mit vorbereitet. Darin ging es, bezugnehmend auf Römer 14,17 „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist“, darum, was die Seele braucht, was der Kopf benötigt und wie es machbar ist, die alltäglichen Irritationen auszuhalten. Am späten Nachmittag ging ein Frauentag zu Ende, der von viel Austausch geprägt war, von Denkanstößen, dem Gefühl willkommen zu sein und der Gewissheit, dass es viele Möglichkeiten gibt, Frieden zu leben.

Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl

Der Beitrag „Friede, Freude, Frauentag“ zeigte Möglichkeiten, Frieden zu leben erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.