Wenn Traurigkeit keinen Namen hat: Die Diakoniespende 2026/2027 stärkt Beratung für junge Menschen
Leben wir nicht eigentlich in der besten aller Welten? Und falls das so ist – warum kämpfen dann so viele Menschen jeden Alters mit einer unbestimmten, unerklärlichen Traurigkeit? Warum denken so viele Betroffene: „Eigentlich geht es mir doch gut! Was ist nur mit mir los?“ Auch Diplom-Psychologin Susanne Hucklenbroich-Ley kennt diese Fragen aus ihrer Tätigkeit in der Evangelischen Beratungsstelle des Kirchenverbandes Köln und Region am Standort in Bensberg.

Mit der Diakoniespende 2026/2027 des Kirchenverbandes an die Beratungsstelle sollen die Beratung von Kindern und Jugendlichen ausgebaut, zusätzliche Gruppenangebote ermöglicht, die Kindertherapieräume besser ausgestattet und die inklusive Beratung gestärkt werden. Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region verdoppelt jeden gespendeten Cent bis zu einem Gesamtspendenaufkommen von 100.000 Euro.
Traurigkeit und Anspannung bleiben oft lange unausgesprochen
Gerade der Ausbau der Beratung von jungen Menschen sei enorm wichtig, ist Susanne Hucklenbroich-Ley überzeugt. Die Diplom-Psychologin hat beobachtet: „Neben konkreten Anmeldegründen – dazu gehören Stress mit Eltern oder Freunden, Probleme in der Schule oder Mobbingerfahrungen – wissen seit einigen Jahren immer öfter junge Menschen nicht so recht, was sie zur Beratung geführt hat und können konkrete Gründe eigentlich nicht benennen. Während sie berichten, wie es ihnen geht, wirken sie zurückhaltend, in sich gekehrt, angespannt und traurig.“
Das Zugeben dieser gesellschaftlich unerwünschten Emotionen im Freundeskreis sei äußerst schwierig. „Als „Psycho“ bezeichnet zu werden, ist als Reaktion fast noch harmlos. Manchmal zieht ein solches Eingeständnis sogar soziale Ausgrenzung nach sich“, sagt die Psychologin bedauernd. Dabei hätten gerade Jugendliche ein Recht, sich Sorgen zu machen. Immerhin sei die Zeit der Corona-Pandemie auch an jungen Menschen nicht spurlos vorübergegangen, der Druck, ausgelöst durch Handychats oder soziale Medien, sei oft immens und die Situation innerhalb der Welt ebenfalls nicht nur für junge Menschen äußerst besorgniserregend.
Wenn Gefühle endlich ausgesprochen werden dürfen
„Wenn man fragt, wie es ihnen wirklich geht, benennen die meisten Jugendlichen eine tiefe Traurigkeit und innere Anspannung, die irgendwann raus muss.“ Manche erzählen, dass sie zu Hause in ihrem Zimmer leise vor sich hin weinen, sich Sorgen um die Zukunft machen, mit Stress, Druck und emotionalem Perfektionismus umgehen müssen. Andere berichten von verstärkter Atmung bis hin zur Atemnot, von einer Unfähigkeit, sich zu bewegen, und großer Angst. „Bei diesen Jugendlichen kann es zu Panikattacken und/oder selbstschädigendem Verhalten kommen, zu aggressiven Ausbrüchen, zu Substanz- oder Alkoholmissbrauch“, berichtet Susanne Hucklenbroich-Ley.
Wenn über diese Dinge gesprochen wird, ist es für viele das erste Mal, dass sie sie als „negativ, schlecht, böse“ benennen und beschreiben dürfen. Für viele junge Menschen ist schon dieses Zur-Sprache-Bringen ihrer Gefühle eine Erleichterung. „In den Beratungsgesprächen versuchen wir dann, daran anknüpfend, Zusammenhänge sichtbar zu machen und Möglichkeiten zu finden, mit denen man Ärger, Wut, Traurigkeit und andere als negativ konnotierte Gefühle zulassen und dann bearbeiten kann.“
Ressourcen stärken und Wege aus der Isolation finden

Diplom-Sozialpädagoge Martin Zender, ebenfalls Teil des Bensberger Beratungsteams, beschreibt, wie in der Beratungsstelle geholfen werden kann. „Wir unterstützen dabei, Fähigkeiten wiederzuentdecken. Wir würdigen natürlich die Situation, in der der Mensch gerade steckt, und nehmen das ernst, lenken aber auch den Fokus auf die Frage: ‚Was kann ich?‘ oder ‚Wo liegen meine inneren Ressourcen, meine Stärken?‘“ In der Beratungsstelle wird geschaut, wer den Jugendlichen oder die Jugendliche auf dem Weg unterstützen könnte – das kann die Familie sein oder eine weitere offizielle Anlaufstelle.
Dabei unterliegen die Gespräche in der Evangelischen Beratungsstelle selbstverständlich der Schweigepflicht. Ob der junge Mensch seine Eltern dazuholen möchte, ist ihm überlassen. Denn in Deutschland haben Kinder und Jugendliche zunächst ein eigenständiges Recht auf Beratung ohne das Wissen ihrer Eltern, solange es keine akute Not- oder Konfliktlage gibt. „Aber wenn wir das Gefühl haben, dass es zu einer Selbst- oder Fremdgefährdung kommen könnte, greifen wir natürlich ein“, stellt Susanne Hucklenbroich-Ley klar.
Manchmal kann es sinnvoll sein, die Familie ins Boot zu holen, denn schon durch offene Gespräche wird vieles leichter, sind die beiden Fachleute überzeugt. Im Dialog mit anderen können Lebenssituationen neu bewertet, kann das Gefühl der Isolation aufgelöst werden, um wieder ins aktive Gestalten zu kommen.
Susaane Hucklenbroich-Ley betont: „Wenn die jungen Menschen erst einmal in einer für sie gefühlt ausweglosen Situation Handlungsfähigkeit erleben, ist das eine gute Grundlage dafür, dass eben nicht alles hoffnungslos erscheint und vielleicht doch ein bisschen gut werden kann.“
IHRE HILFE WIRKT DOPPELT
Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region verdoppelt jeden gespendeten Cent bis zu einem Gesamtspendenaufkommen in Höhe von 100.000 Euro im Zeitraum vom 01.10.2026 bis zum 30.09.2027.
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Ev. Kirchenverband Köln und Region
Stichwort: BERATUNGSSTELLE
Kreissparkasse Köln
IBAN DE10 3705 0299 0000 0044 04
BIC COKSDE33XXX
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Text: Katja Pohl
Foto(s): Katja Pohl
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