Frühjahrstagung „Warum werden Menschen rechtsradikal?“: Theologin Philine Lewek über neurechte Netzwerke
Rechtsradikale Einstellungen sind längst kein Randphänomen mehr. Wahlerfolge extremistischer Parteien, rassistische Gewalt und antisemitische Ressentiments stellen Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt vor enorme Herausforderungen. Was treibt Menschen in rechtsradikale Denk- und Gefühlswelten? Welche psychologischen, sozialen und theologischen Faktoren wirken dabei – und wie kann Prävention gelingen? Diesen Fragen widmet sich die Frühjahrstagung 2026 „Warum rechtsradikal? Ursachen, Motive und Prävention“, die am 13. und 14. März 2026 in Köln stattfindet. Veranstaltet wird sie gemeinsam von der Melanchthon-Akademie und der C. G. Jung-Gesellschaft Köln.
Am Samstag, 14. März, stehen bei der Tagung Fachvorträge und Workshops im Mittelpunkt. Die Theologin Philine Lewek beleuchtet um 11.15 Uhr das Phänomen eines „neurechten Christentums“ und politische Deutungsmachtkonflikte.
In neurechten Netzwerken in Deutschland und Österreich ist eine Trendwende zu beobachten. Während sich klassische extrem rechte Organisationen eher an einem germanischen Neuheidentum orientiert haben, positionieren sich zentrale Protagonist*innen der Neuen Rechten und der AfD mittlerweile als „christlich“. Der Vortrag beleuchtet dieses neurechte Christentum, zeigt theologische Argumentationen und fragt nach den Konflikten, die durch die Präsenz von neurechten politischen Theologien entstehen.
Frau Lewek, was sind die neuesten Tendenzen in neurechten Netzwerken in Deutschland und Österreich?
Philine Lewek: Ungefähr seit 2000 ist zu beobachten, dass es in Knotenpunkten der Neuen Rechten eine Art Positionierung als „christlich“ gibt. Das war vorher nicht in diesem Maße der Fall. Sowohl im traditionellen Rechtsextremismus war eher ein germanisches Neuheidentum verbreitet. Und auch bei strategischen Stichwortgebern der Nouvelle Droite spielt das Christentum eher keine zentrale Rolle – dort findet sich eher ein europäisches Neuheidentum. In der deutschsprachigen Neuen Rechten sieht man inzwischen jedoch durchaus eine Wende hin zu einem affirmativen Zugriff auf christliche Begriffe und Theologien. Das würde ich als Trendwende beschreiben.
Warum ist es so wichtig, neurechte politisch-theologische Argumentationen öffentlich zu thematisieren und wissenschaftlich zu analysieren?
Lewek: Ich denke, das ist vor allem im Hinblick auf die Konflikte wichtig, die wir führen werden. Neurechte politische Theologien haben andere Voraussetzungen als kirchliche oder akademische Theologien. Es ist wichtig, diese Tendenz wahrzunehmen: nämlich neurechte Interpretationen des Christentums, die andere Prämissen setzen, nicht wissenschaftlich rückgebunden sind und sich nicht in derselben Weise einer konsistenten Argumentation verpflichtet fühlen. Aufgrund dieser anderen Voraussetzungen geraten sie notwendig in Konflikt mit kirchlichen oder akademischen theologischen Zugängen. Um diese Konflikte gut und konstruktiv führen zu können, ist es sinnvoll, sich damit zu beschäftigen.
Welche Probleme und Konflikte entstehen für Kirchen und die Zivilgesellschaft durch die Vereinnahmung christlicher Symbolik?
Lewek: Wenn man es konkret macht, würde ich sagen: Probleme entstehen vor allem innerhalb von Kirchengemeinden, weil man dort mit den organisatorischen Fragen der Konflikte beschäftigt ist. Etwa: Wie ist das mit Funktionen und Verantwortung? Wie ist es mit Gemeindekirchenratsmitgliedern, die öffentlich die AfD unterstützen? Geht das – und wollen wir das als Gemeinde? Daraus entstehen Konflikte, die gut geführt werden müssen.
Termin: 13.–14. März 2026
Ort: Haus der evangelischen Kirche, Köln
Kosten: 95 Euro (inkl. Catering)
Weitere Informationen und Anmeldung:
www.melanchthon-akademie.de
www.cgjung.org
Text: Lea Braun/APK
Foto(s): Julia Fenske
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