Frühjahrstagung „Warum werden Menschen rechtsradikal?“: Theologin Philine Lewek über neurechte Netzwerke

Rechtsradikale Einstellungen sind längst kein Randphänomen mehr. Wahlerfolge extremistischer Parteien, rassistische Gewalt und antisemitische Ressentiments stellen Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt vor enorme Herausforderungen. Was treibt Menschen in rechtsradikale Denk- und Gefühlswelten? Welche psychologischen, sozialen und theologischen Faktoren wirken dabei – und wie kann Prävention gelingen? Diesen Fragen widmet sich die Frühjahrstagung 2026 „Warum rechtsradikal? Ursachen, Motive und Prävention“, die am 13. und 14. März 2026 in Köln stattfindet. Veranstaltet wird sie gemeinsam von der Melanchthon-Akademie und der C. G. Jung-Gesellschaft Köln.

Am Samstag, 14. März, stehen bei der Tagung Fachvorträge und Workshops im Mittelpunkt. Die Theologin Philine Lewek beleuchtet um 11.15 Uhr das Phänomen eines „neurechten Christentums“ und politische Deutungsmachtkonflikte.

In neurechten Netzwerken in Deutschland und Österreich ist eine Trendwende zu beobachten. Während sich klassische extrem rechte Organisationen eher an einem germanischen Neuheidentum orientiert haben, positionieren sich zentrale Protagonist*innen der Neuen Rechten und der AfD mittlerweile als „christlich“. Der Vortrag beleuchtet dieses neurechte Christentum, zeigt theologische Argumentationen und fragt nach den Konflikten, die durch die Präsenz von neurechten politischen Theologien entstehen.

Frau Lewek, was sind die neuesten Tendenzen in neurechten Netzwerken in Deutschland und Österreich?

Philine Lewek: Ungefähr seit 2000 ist zu beobachten, dass es in Knotenpunkten der Neuen Rechten eine Art Positionierung als „christlich“ gibt. Das war vorher nicht in diesem Maße der Fall. Sowohl im traditionellen Rechtsextremismus war eher ein germanisches Neuheidentum verbreitet. Und auch bei strategischen Stichwortgebern der Nouvelle Droite spielt das Christentum eher keine zentrale Rolle – dort findet sich eher ein europäisches Neuheidentum. In der deutschsprachigen Neuen Rechten sieht man inzwischen jedoch durchaus eine Wende hin zu einem affirmativen Zugriff auf christliche Begriffe und Theologien. Das würde ich als Trendwende beschreiben.

Warum ist es so wichtig, neurechte politisch-theologische Argumentationen öffentlich zu thematisieren und wissenschaftlich zu analysieren?

Lewek: Ich denke, das ist vor allem im Hinblick auf die Konflikte wichtig, die wir führen werden. Neurechte politische Theologien haben andere Voraussetzungen als kirchliche oder akademische Theologien. Es ist wichtig, diese Tendenz wahrzunehmen: nämlich neurechte Interpretationen des Christentums, die andere Prämissen setzen, nicht wissenschaftlich rückgebunden sind und sich nicht in derselben Weise einer konsistenten Argumentation verpflichtet fühlen. Aufgrund dieser anderen Voraussetzungen geraten sie notwendig in Konflikt mit kirchlichen oder akademischen theologischen Zugängen. Um diese Konflikte gut und konstruktiv führen zu können, ist es sinnvoll, sich damit zu beschäftigen.

Welche Probleme und Konflikte entstehen für Kirchen und die Zivilgesellschaft durch die Vereinnahmung christlicher Symbolik?

Lewek: Wenn man es konkret macht, würde ich sagen: Probleme entstehen vor allem innerhalb von Kirchengemeinden, weil man dort mit den organisatorischen Fragen der Konflikte beschäftigt ist. Etwa: Wie ist das mit Funktionen und Verantwortung? Wie ist es mit Gemeindekirchenratsmitgliedern, die öffentlich die AfD unterstützen? Geht das – und wollen wir das als Gemeinde? Daraus entstehen Konflikte, die gut geführt werden müssen.

Termin: 13.–14. März 2026
Ort: Haus der evangelischen Kirche, Köln
Kosten: 95 Euro (inkl. Catering)

Weitere Informationen und Anmeldung:
www.melanchthon-akademie.de
www.cgjung.org

Text: Lea Braun/APK
Foto(s): Julia Fenske

Der Beitrag Frühjahrstagung „Warum werden Menschen rechtsradikal?“: Theologin Philine Lewek über neurechte Netzwerke erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Internationaler Frauentag: Gottesdienste, Musik und Begegnung in Köln und Region

Der Internationale Frauentag am Sonntag, 8. März, rückt weltweit die Rechte von Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt – und lädt zugleich dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen, Solidarität zu zeigen und Vielfalt zu feiern. Im Bereich des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region finden an diesem Tag Gottesdienste, Musik und Begegnungsangebote statt – von biblischen Impulsen über gemeinsames Singen bis zur Party im Café der Kulturen. Hier sind die aktuellen Termine und Informationen:

Gottesdienst zum Internationalen Frauentag

08.03.2026, 10:30
Evangelische Kirchengemeinde Kalk-Humboldt
Gustav-Adolf-Haus, Köln-Humboldt, Hachenburger Straße, 51105 Köln
Pfarrerin Selma Thiesbonenkamp
www.evangelisch-kalk-humboldt….

Offener Gottesdienst zum Internationalen Frauentag. Parallel dazu: Kinderkirche

08.03.2026, 10:30
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Bayenthal
Reformationskirche, Mehlemer Straße 29, 50968 Köln
Prädikantin Wisotzki und Team
www.kirche-bayenthal.de

Gottesdienst am Internationalen Frauentag „Dialog-Begegnung-Verwandlung auf dem Weg“

08.03.2026, 10:45
Evangelische Begegnungsgemeinde Köln
Erlöserkirche Weidenpesch, Derfflingerstraße 9, 50737 Köln
Zwei Frauen, die über Grenzen hinweg verbunden sind, stehen im Mittelpunkt des Gottesdienstes zum Internationalen Frauentag, den Pfarrerin i. R. Andrea Máthé am Sonntag, 8. März, 10.45 Uhr, in der Erlöserkirche Weidenpesch, Derfflingerstraße 9, gestaltet. Unter dem Thema „Dialog-Begegnung-Verwandlung auf dem Weg“ rückt die biblische Erzählung von Ruth und Noomi in den Blick: eine Beziehung, die von Treue, Mut und Solidarität zwischen den Welten erzählt. Mitwirkende sind Plan International und die Sorores Mundi-Stiftung.
www.begegnungsgemeinde.de

„Sing Sister Sing!“ Workshop & Konzert zum Weltfrauentag 2026

08.03.2026, 15:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Deutz/Poll
St. Johannes-Kirche, Deutz, Tempelstraße 31, 50679 Köln
Die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Deutz/Poll lädt am Weltfrauentag, Sonntag, 8. März, zu einem Workshop und einem Abendkonzert in die St. Johannes-Kirche, Tempelstraße 31, ein. Unter dem Motto „Sing Sister Sing!“ stehen Lieder von Frauen für Wandel, Frieden und Gemeinschaft im Mittelpunkt. Der Workshop beginnt um 15 Uhr und richtet sich an Frauen und Mädchen im Alter ab 13 Jahren. Bis 17.30 Uhr wird gemeinsam gesungen und die Stimme aktiviert. Ziel ist es, am Abend gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Das Abendkonzert beginnt um 19 Uhr und ist offen für alle. Zu erleben sind berührende und kraftvolle Songs, vorgetragen von Anja, Céline, Jemma, Laxmi, Lotta, Malika und Sabrishnu sowie den Musikerinnen Nina und Amelia. Die Teilnahme an Workshop und Konzert kostet für Mädchen von 13 bis 18 Jahren 30 Euro, für Frauen 60 Euro. Der Eintritt für das Konzert allein kostet 28 Euro. Tickets sind unter www.rausgegangen.de erhältlich.
Tickets sind unter www.rausgegangen.de erhältlich. www.evangelisch-deutzpoll.de

Weltfrauentag im Café der Kulturen. Party mit Mitbringbuffet, Musik und Tanz im Gemeindezentrum Sindorf

08.03.2026, 16:00
Evangelische Kirchengemeinde Sindorf
Evangelisches Gemeindezentrum Sindorf, Augsburger Straße 23, 50170 Kerpen
Mit viel Musik, Tanz und einem bunten Mitbringbuffet wird am Sonntag, 8. März, 16 Uhr, der Weltfrauentag im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Sindorf, Augsburger Straße 23, gefeiert: Beim Weltfrauentag im Café der Kulturen“ soll das Fest ganz bewusst als fröhliche Party begangen werden – mit leckeren Getränken, guter Stimmung und Zeit zum Begegnen. Das Buffet entsteht gemeinsam, indem alle etwas zum Essen mitbringen.
www.evangelisch-in-sindorf.de

„Mein Sinn für Stil“ Konzert zum Weltfrauentag in der Kartäuserkirche

08.03.2026, 17:00
Evangelische Gemeinde Köln
Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, 50678 Köln
Unter dem Titel „Mein Sinn für Stil“ findet am Sonntag, 8. März, 17 Uhr, in der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, ein Konzert zum Weltfrauentag statt. Eva Bauchmüller (Sopran), Julia Berg (Klarinette) und Laura Pitz (Klavier) gestalten ein Programm mit Werken von Fanny Hensel bis KI und setzen musikalische Akzente zwischen Tradition und Gegenwart. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
www.kartaeuserkirche-koeln.de

Ladies Crime Night in der Christuskirche. Benefizlesung zum Weltfrauentag zugunsten von Lobby für Mädchen e. V.

08.03.2026, 18:00
Evangelische Gemeinde Köln
Christuskirche, Dorothee-Sölle-Platz 1, 50672 Köln
Mit packenden Kurzgeschichten begehen acht Autorinnen der Mörderischen Schwestern den Weltfrauentag am Sonntag, 8. März, 18 Uhr (Einlass 17.30 Uhr), in der Christuskirche, Dorothee-Sölle-Platz 1. Myriane Angelowski, Nadine Buranaseda, Ulla Lessmann, Edith Niedieck, C. N. Costa, Anja Puhane, Regina Schleheck und Dagmar Maria Toschka lesen nach dem Prinzip „Lesen bis zum Schuss“: Jede Lesung endet nach sechs Minuten abrupt, sobald der Schuss ertönt. Mit dem Abend soll ein Zeichen gesetzt werden für die Rechte von Mädchen und jungen Frauen. Der Eintritt ist frei, Spenden zugunsten von LOBBY FÜR MÄDCHEN – Mädchenhaus Köln e.V. sind willkommen.
www.christuskirche-koeln.de

Text: APK
Foto(s): APK

Der Beitrag Internationaler Frauentag: Gottesdienste, Musik und Begegnung in Köln und Region erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Diakoniespende 2025/2026 – Faith Gadzedzo (17) hilft ehrenamtlich beim Kölner Obdachlosenfrühstück

Die Mülheimerin Faith Gadzedzo (17) hilft seit Herbst 2023 ehrenamtlich beim Kölner Obdachlosenfrühstück im Liebfrauenhaus. Sie ist die Jüngste in einem Team von rund 70 Helferinnen und Helfern, die an drei Standorten sonntags Frühstück servieren. Als Schülerin des Städtischen Hölderlin-Gymnasiums in Mülheim kam sie über die Schul-AG „Sozial-Genial“ mit dem Thema Ehrenamt in Berührung und blieb dabei.

Was bedeutet es dir, sonntags beim Kölner Obdachlosenfrühstück des Diakonischen Werks zu helfen?

Faith: Die Geschichten, die ich hier höre, berühren mich sehr. Wenn ich mit den Gästen spreche, bin ich immer wieder dankbar, dass es mir so gut geht. Hier geht es nicht unbedingt nur darum, Menschen mit einem guten Essen, Obst oder Kaffee zu versorgen, sondern es ist auch enorm wichtig, ein offenes Ohr zu haben. Ganz ohne Wertung, einfach zuhören und da sein – das ist hier ganz oft gefragt, und das macht mir Freude. Bei uns in Mülheim sehe ich täglich Menschen in Not. Und ich finde es toll, dass ich auf meine Weise etwas dazu beitragen kann, diese Situation zu verbessern.

Wie bist du zur Helferin beim Obdachlosenfrühstück geworden?

Faith: Ich habe mich mit Freundinnen in der Schul-AG „Sozial-Genial“ engagiert. Gestartet sind wir mit einem Einsatz in einer Suppenküche. Und ich hatte sehr schnell das Gefühl, dass ich langfristig etwas Ehrenamtliches tun möchte. Schließlich habe ich das Obdachlosenfrühstück für mich gefunden. Damals war ich erst 15 Jahre alt, was bedeutete, dass meine Mutter einen Vertrag für mich unterschreiben musste. Sie hat das sehr gern gemacht, denn sie setzt sich in ihrem Job im Altenheim auch für andere ein. Meine Schwester Eunice studiert inzwischen in Münster und ist dort ebenfalls gerade auf der Suche nach einer Möglichkeit, sich ehrenamtlich einzubringen.

Was sagt dein Umfeld zu deinem Engagement?

Faith: Ich erzähle in der Schule davon und hoffe, anderen zu zeigen, wie bereichernd es sein kann, sich für Menschen in finanzieller oder sozialer Not einzusetzen. Für mich ist es so besonders, wenn die Gäste mich fast ein bisschen als ihre Tochter sehen, der sie sich anvertrauen können. Aktuell überlege ich, ob ich beruflich Richtung Jura oder doch in den sozialen Bereich gehen möchte, denn es liegt mir sehr am Herzen, Menschen zu helfen.

Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl

Der Beitrag Diakoniespende 2025/2026 – Faith Gadzedzo (17) hilft ehrenamtlich beim Kölner Obdachlosenfrühstück erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Große Betroffenheit angesichts der Gewalt im Iran, Israel und Nahen Osten – Beten für Frieden

Viele Menschen sind derzeit tief bewegt von den Bildern und Nachrichten aus dem Iran, Israel und dem Nahen Osten. In den vergangenen Wochen haben sich Proteste und kriegerische Auseinandersetzungen im Land weiter zugespitzt. Zahlreiche Menschen sind Opfer von Gewalt geworden, Familien wurden getrennt, Städte und Dörfer wurden getroffen und unzählige Leben sind in Gefahr – all das erfüllt viele von uns mit Sorge und Mitgefühl.

„Wir erleben angesichts der Kriege unserer Zeit Verunsicherung, große Sorge, Erschütterung, aber auch den Rückzug ins Private, weil die Erfahrungen und Bilder kaum auszuhalten sind“, sagt Stadtsuperintendent Bernhard Seiger. „Der aktuelle Angriff auf den Iran stellt dazu noch verstärkter vor die Frage, worauf diese Angriffsschritte und die zunehmende Eskalation hinauslaufen. Es ist laut in der Welt. Oft unerträglich laut. Das macht etwas mit unserer Seele. Wir wissen um die Möglichkeit, in Kirchen und geschützten Gebetsräumen Ruhe zu finden. Einige Gemeinden laden gezielt zu Friedensgebeten ein, um für die Opfer und ein Ende der Gewalt zu beten.“

Die Situation bleibt weiterhin unübersichtlich, und es ist noch vieles in Bewegung, sowohl politisch als auch humanitär. Unser Mitgefühl gilt allen, die unter dieser Gewalt leiden – den Verletzten und Getöteten, ihren Angehörigen und Freundinnen und Freunden, denjenigen, die ihre Heimat verlassen mussten, und allen, die in Angst leben. Deshalb beten wir, halten inne und suchen gemeinsam Orte des Friedens und der Hoffnung.

Wir sind derzeit dabei, eine Übersicht aller aktuellen Friedensgottesdienste, Gebetszeiten und Veranstaltungen in Köln und Region zusammenzustellen. Diese Liste wird kontinuierlich aktualisiert. Hier finden Sie ab sofort die aktuellen Termine und Informationen:

Text: APK
Foto(s): APK/Canva

Der Beitrag Große Betroffenheit angesichts der Gewalt im Iran, Israel und Nahen Osten – Beten für Frieden erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Pfarrer Christoph Nötzel über die christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause

Es gibt bereits Interessierte für das neue gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause – eine christliche Wohngemeinschaft, die sich an der Vision der ökumenischen Community of Iona orientiert. Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden. Pfarrer i.R. Christoph Nötzel bringt die Perspektive der ökumenischen Community of Iona in das Wohnprojekt ein.

Herr Nötzel, was fasziniert Sie persönlich an Iona – und warum passt diese Vision so gut an diesen besonderen Ort in Köln?

Christoph Nötzel: Dann muss ich zuerst ein wenig von Iona erzählen. Iona ist eine kleine Insel – kaum fünf Quadratkilometer groß – vor der schottischen Westküste. Manchmal denke ich, sie hat etwas von Lummerland: überschaubar, windumtost, mit nur einer kleinen Straße. Und doch ist sie seit Jahrhunderten ein Kraftort für Glaube und Kirche.

Von hier aus zogen im frühen Mittelalter iroschottischeMönche nach Europa – getragen von einem Pilgerethos: Christsein heißt, sich auf den Weg zu machen, auch in die Fremde. In den 1930er Jahren wurde die alte Abbey zum Geburtsort der Iona Community, die heute weltweit verstreut lebt – und doch geistlich verbunden ist. Sie engagiert sich für ein friedliches und gerechtes Zusammenleben der Menschen, für eine Verbundenheit in Frieden und Gerechtigkeit in und mit der ganzen Schöpfung.

Von Iona sagt man, es sei ein thin place – ein Ort, an dem die Grenze zwischen Himmel und Erde dünn wird wie ein Stück Seidenpapier. Diese Erfahrung von Verbundenheit prägt die Spiritualität der Community: Gott mitten im Alltag zu suchen – und ihn oder sie dort zu loben, wo es hell ist, aber auch in den Abgründen.

Mich fasziniert genau diese Verbindung: ganz fromm – und zugleich mit beiden Füßen auf der Erde. Mystik und Widerstand, wie Dorothee Sölle es genannt hat. Verständigung suchen, Gerechtigkeit einüben, niemanden ausschließen, gemeinsam Verantwortung tragen – partizipativ von Grund auf. Gottesdienste in alltagsnaher und zugleich poetischer Sprache, voller Rhythmus und Musik, feiern Christus und suchen nach Heilung, Frieden und Gerechtigkeit, nach Liebe und Verbundenheit.

Und das passt erstaunlich gut nach Köln. Diese Stadt kennt Lebensfreude und Widerständigkeit, Nähe und Vielfalt. Am Campus Kartause kann dieser Geist der Verbundenheit – zwischen Himmel und Erde, zwischen Menschen, zwischen Kirche und Stadt – einen sichtbaren Ort bekommen.

Die Iona-Community verbindet geistliches Leben, Gemeinschaft und gesellschaftliches Engagement. Wie könnte diese Haltung ganz konkret den Alltag einer Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause prägen?

Christoph Nötzel: Das ist zunächst eine Frage an die Menschen, die sich entscheiden, dort gemeinsam zu leben. Dem kann ich nicht vorgreifen. Aber die Aufgaben liegen auf der Hand.

Wie wollen wir Verbundenheit miteinander leben?
Was teilen wir – Zeit, Räume, Verantwortung – und was bleibt individuell? Und wie machen wir das?
Wie gestalten wir unsere Beziehung zum Campus, zur Südstadt, zu den Menschen um uns herum?

Zur Iona-Haltung gehört auch die Frage nach einem gemeinsamen geistlichen Quellort: Gibt es Zeiten des Gebets, des Innehaltens, des Singens? Orte, an denen wir spüren, wie sich Himmel und Erde in uns berühren?

Und nicht zuletzt: Wie finden wir im Alltag eine ökologische Praxis – ein Leben mit der Schöpfung, nicht gegen sie? Nachhaltigkeit beginnt nicht in Programmen, sondern im täglichen Tun.

All das braucht eine Kultur des Respekts: Achtung vor der Einzigartigkeit jedes Menschen, offene Gespräche, die Fähigkeit zuzuhören, auch kritisch zu sein – und dennoch verbunden zu bleiben. Gemeinschaft ist kein fertiger Zustand, sondern ein immer neuer Versuch.

Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht zu etwas Besonderem – auch im Vergleich zu anderen gemeinschaftlichen Wohnformen?

Christoph Nötzel: Wo Menschen zusammen wohnen, suchen sie ein Zuhause. Dass das gelingt – individuell und miteinander – ist nie selbstverständlich.

Hier kommt jedoch eine zusätzliche Dimension hinzu: Der Leitgedanke der Verbundenheit öffnet den Horizont. Es geht nicht nur um das Miteinander unter einem Dach, sondern um eine doppelte, ja dreifache Beziehung:

Verbundenheit nach innen – zwischen den Mitwohnenden.
Verbundenheit nach außen – mit dem gesellschaftlichen und ökologischen Umfeld.
Und Verbundenheit „nach oben“ – im Sinn einer geistlichen Offenheit für Gott.

Oder anders gesagt: Verbundenheit nach innen und außen, nach unten und oben.

Das macht das Projekt anspruchsvoll – und zugleich besonders. Es ist mehr als eine Wohngemeinschaft. Es ist ein Lebensversuch.

Wenn jemand mit dem Gedanken spielt, Teil dieser Wohngemeinschaft zu werden: Was würden Sie dieser Person sagen?

Christoph Nötzel: Wer hier glücklich werden und ein Zuhause finden möchte, sollte ein kommunikativer Mensch sein. Damit meine ich nicht zuerst: viel reden. Sondern zuhören können. Sich einfühlen. Auf andere zugehen. Verständigung suchen. Kompromisse aushalten. Teil-nehmen und teil-haben.

Fragen Sie sich: Bewegt mich das?
Habe ich eine spirituelle Empfänglichkeit – und zugleich den Mut, mich gesellschaftlich einzubringen?
Bin ich bereit, nicht nur für mich zu wohnen, sondern mit anderen zu leben?

Gemeinschaft trägt – aber sie fordert auch.
Wenn Sie spüren, dass dieser Geist von Iona Sie innerlich anspricht, dann könnte es sein, dass hier ein zukünftiges Zuhause auf Sie wartet.

Text: APK
Foto(s): APK-Archiv

Der Beitrag Pfarrer Christoph Nötzel über die christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Papier trifft Feuer, Licht und Klang“ –Wolfgang Heuwinkel eröffnet Ausstellung in der Erlöserkirche Weidenpesch

Susanne Zimmermann, Pfarrerin der Erlöserkirche Weidenpesch, deutet die Papierarbeiten aus theologischer Perspektive: Werden, Wachsen und Vergehen.

Die blütenweißen Exponate mit ihren Löchern, Spalten, Unebenheiten und Reliefs rufen ganz laut: „Fass mich an!“ Das empfindet Pfarrerin Susanne Zimmermann genauso. Bei der Eröffnung der Ausstellung des Künstlers Wolfgang Heuwinkel in der Erlöserkirche in Weidenpesch bat sie die Gäste, es dennoch nicht zu tun. Schließlich hatte der Künstler auch für Trost gesorgt und so bekamen alle am Kircheneingang einen Schnipsel des besonderen Zellstoffes in die Hand, den er für seine Skulpturen verwendet, als Ersatz für das verbotene Tasterlebnis.

Unter dem Titel „Begegnung, Dialog und Verwandlungen“ sind seine Werke nun während der Fastenzeit in der „Kunstkirche“ passend inszeniert, hinter einem feinen Papiervorhang – und tun das, was der Ausstellungstitel nahelegt: Die namenlosen Skulpturen nehmen dort eine ganz eigene Bedeutung an und rufen in den Betrachtern verschiedene Assoziationen hervor: Auf dem Altar liegt ein Papierstapel, der durch einen tiefen Spalt in der Mitte auf eigentümliche Weise verbunden wirkt. Er sieht aus wie ein Buch, dessen Inneres freigelegt ist, wie eine Bibel, deren sensibler Inhalt offenliegt, Menschheitsgeschichten. Andere Werke, große aufgestellte und durchlöcherte Papierrohre erinnern im Kirchenkontext an biblische Salzsäulen. Auch mit Feuer hat der Künstler sein Material bearbeitet und so einem anderen Papierstapel ein Löcherquadrat mit malerisch geschwungenen schwarz verkohltem Rahmen verpasst. Ein riesiger Papierstreifen mit glatter und reliefartig rauer Oberfläche trägt ein Muster aus kleinen und großen Löchern fast wie eine Landschaft.

Pfarrerin Zimmermann deutete die Werke aus theologischer Perspektive: „Seine Werke haben einen engen Bezug zur Natur, zum Werden, Wachsen und Vergehen“, betonte sie. Die Urzelle des Papieres symbolisiere, wie Gott im Leben nimmt und etwas Neues schöpft. Das Buch auf dem Altar erscheine verwundet. Es erzähle von Menschen, die trotzen, scheitern, aber auch immer wieder Zuversicht finden.

„Und dann hat es Klick gemacht“ – Lanzarote als Wendepunkt

Wolfang Heuwinkel bei seiner Ausstellung in der Erlöserkirche: Der Papiervorhang entwickelte als Teil der Klang-Licht-Kunst-Installation ein Eigenleben.

Kurator Holger Hagedorn hatte angesichts der ungewöhnlichen Papierkreationen Fragen an den Künstler: Was denn geschehen sei, das ihn veranlasst habe, sich von den anfänglichen Landschaftsaquarellen auf die Papierskulpturen zu verlegen? Die Antwort lautete kurz: „Lanzarote“. Er habe versucht, so Heuwinkel, die Landschaft der Vulkaninsel künstlerisch in den Griff zu bekommen, sei aber mit der gewöhnlichen Aquarellmalerei gescheitert. Bei der Suche nach einer Lösung habe er zufällig Papier zerrissen. „Und dann hat es Klick gemacht“, so der Künstler. „Der Sprung war geschafft vom flächigen Papier, das die Farbe aufnimmt, zur Struktur.“ Das Material sei in den Vordergrund getreten. Die Werke wurden dreidimensional.

Ein distinguierter Mann greift zur Axt

Hagedorn fragte weiter, warum ein so distinguiert wirkender Mann wie Wolfgang Heuwinkel zur Axt greift, um Kunstwerke zu schaffen? „Sie ist einfach ein Werkzeug, das mir am gelegensten kam und Wucht hat, wenn man auf das Material schlägt.“ Bei allem Spalten, Zerlöchern und Verkohlen ist Heuwinkel aber nicht von Zerstörungswut getrieben, sondern eher von einem Forschergeist. Der 1938 in Detmold geborene Graphiker war lange Manager der Papierfabrik Zanders in Bergisch Gladbach und von Berufs wegen Papierfan. Er experimentiert mit der ursprünglichen Daseinsform des Materials, dem Naturprodukt Zellstoff, hergestellt aus den Fasern von Bäumen, und mit allen seinen Möglichkeiten, immer auf der Suche nach neuen Formsprachen und Kontexten. Er würde sich Fragen stellen, die über das rein Ästhetische – eher ins Organische hineingehen, sagte Heuwinkel, wie zuletzt die: „Weist dieses Material so viele Elemente auf, dass es Wachstum generieren kann?“ Das habe er ausprobiert, in einen Zellstoffblock mit einer Säge ein Loch hineingeschnitten und ein Bäumchen hineingepflanzt, eine Kiefer. Das Experiment habe funktioniert und würde einen Bezug zum Thema Nachhaltigkeit herstellen.

Wenn der Vorhang ein Eigenleben entwickelt

Bei der Ausstellungseröffnung gab es noch eine andere Form von künstlerischem Dialog: Heuwinkel hatte mit dem Klangkünstler und Meisterschüler von Rita McBride an der Düsseldorfer Kunstakademie Konstantinos Angelos Gavrias eine feine Kunst-Licht-Klanginstallation erarbeitet. Zu dessen wabernden Gong-Klängen begab sich ein von Heuwinkel gesteuerter Lichtstrahl auf die Suche im Raum, fiel auf die Objekte, schließlich auf den Papiervorhang, wo sich nun farbige Muster und Ornamente mit dem im Luftzug eines Ventilators wehenden Vorhang verwoben und ihm Eigenleben verpassten. Das war nicht ganz kontrollierbar: Ein Vorhangteil wickelte sich schließlich um den Kopf einer Besucherin.

Das Publikum war beeindruckt und freute sich auf das noch ausstehende Rahmenprogramm zur Ausstellung. https://begegnungsgemeinde.de/

 

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

Der Beitrag „Papier trifft Feuer, Licht und Klang“ –Wolfgang Heuwinkel eröffnet Ausstellung in der Erlöserkirche Weidenpesch erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Unsere Wochentipps: Lange Nacht der Kirchen, Buchvorstellung von Arnd Henze und Weltgebetstag

Abwechslungsreiche Wochentipps erwarten Köln und die Region: Den Auftakt macht am Freitag, 6. März, die Lange Nacht der Kirchen, die in der Kölner Innenstadt zum Innehalten und Entdecken einlädt – ebenfalls am Freitag liest der Autor Tilman Röhrig in der Martin-Luther-Kirche Gleuel aus seinem neuen Roman. Am Samstag, 7. März, lädt die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Dünnwald zur Lesenacht für Kinder ein. Der Sonntag, 8. März, steht ganz im Zeichen des Weltgebetstags und bietet zudem zwei weitere Highlights: ein Konzert der International School of Brussels in der Trinitatiskirche sowie das „Grusical“ der Kinder- und Jugendchöre in der Clarenbachkirche. Die Woche klingt am Dienstag, 10. März, mit der Buchvorstellung von Arnd Henze im Haus der Evangelischen Kirche aus, der dort über christlichen Nationalismus und seine Gefahren für die Demokratie spricht.

Lesung mit Tilman Röhrig

Ein literarischer Abend mit dem vielfach ausgezeichneten Autor Tilman Röhrig steht am Freitag, 6. März, 19.30 Uhr (Einlass 19 Uhr), in der Martin-Luther-Kirche Gleuel, Am Hofacker 41, auf dem Programm, wenn er aus seinem historischen Roman „Und ohne Tabu explodiert die Welt“ liest. In der Romanbiografie zeichnet Röhrig ein vielschichtiges Porträt Erich Kästners und gibt Einblick in Leben, Werk und Zeit eines der bedeutendsten deutschen Autoren. Der Eintritt kostet 13 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr. Tickets sind online und an der Abendkasse erhältlich.
www.evangelisch-in-huerth.de

Dünnwalder Lesenacht für Kinder

Zur Dünnwalder Lesenacht für Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren lädt die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Dünnwald am Samstag, 7. März, 18 bis 21 Uhr, ins Gemeindehaus der Tersteegenkirche, Amselstraße 22, ein. Ausgewählte Bücher werden zu Beginn kurz vorgestellt, bevor an unterschiedlichen Stationen in gemütlicher Atmosphäre vorgelesen wird. Dazu gibt es Snacks im Café und Bastelangebote am Basteltisch. Die Teilnahme kostet 3 Euro. Eine Anmeldung per E-Mail an astrid.krall-packbier.1@ekir.de wird erbeten, spontanes Kommen ist jedoch ebenfalls möglich.
www.evangelisch-in-duennwald.de

International School Brussels in Concert

Mit drei Ensembles gastiert die International School of Brussels am Sonntag, 8. März, 14 Uhr, in der Trinitatiskirche, Filzengraben 4. Die Symphonic Band unter der Leitung von Tony Passaro spielt Werke von John Philip Sousa, Daniel Bukvich, Robert Sheldon und anderen. Das Advanced Strings Ensemble unter Violeta Fernández Torres präsentiert ein vielseitiges Programm, das von Antonio Vivaldis „Sommer“ aus den Vier Jahreszeiten über Ludwig van Beethovens Allegretto aus der 7. Sinfonie bis hin zu Adeles „Skyfall“ reicht. Solistisch treten unter anderen Arnar Thornsteinsson (Kontrabass), Lillian Baxter (Gesang) und Nicolò Trezzi sowie Junwei Ni (beide Violine) auf. Der Hochschulchor unter der Leitung von Eric Delson rundet das Programm mit einem Repertoire ab, das von Franz Schuberts „Die Forelle“ bis zu traditionellen südafrikanischen Klängen reicht. Alle drei Ensembles setzen sich aus Oberstufenschülern aus mehr als 20 Nationen zusammen. Der Eintritt ist frei. Platzreservierungen sind unter www.eventbrite.nl möglich.
www.trinitatiskirche-koeln.de

Buchvorstellung „Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht“

„Welche Rolle spielt christlicher Nationalismus für die Demokratie – nicht nur in den USA, sondern weltweit?“ – Dieser Frage geht der Journalist und Publizist Arnd Henze am Dienstag, 10. März, 19.30 bis 21 Uhr, im Haus der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11, nach. Anlass ist die Vorstellung seines neuen Buches „Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht“, das am 11. März im Gütersloher Verlagshaus erscheint. In der Kooperationsveranstaltung von AmerikaHaus Nordrhein-Westfalen, Melanchthon-Akademie, Evangelischer Akademie im Rheinland und Karl Rahner Akademie analysiert Arnd Henze den wachsenden politischen Einfluss christlich-nationalistischer Bewegungen, ihre Strategien und Netzwerke sowie die Gefahren, die von ihnen für demokratische Gesellschaften ausgehen. Im anschließenden Gespräch diskutiert der Autor mit Philip Gorski, Yale University, Thomas Rachel, Mitglied des Deutschen Bundestages und Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, sowie Karen Georgia Thompson, Präsidentin der United Church of Christ und der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt; der Hauptteil wird auf Deutsch gestaltet, das Gespräch mit den Gästen aus den USA auf Englisch, mit einer inhaltlichen Zusammenfassung der englischen Beiträge auf Deutsch. Im Anschluss klingt der Abend bei einem Empfang aus. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung unter Telefon 0221/9318030 oder per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.
www.melanchthon-akademie.de

„Grusical“ in der Clarenbachkirche

Eine musikalische Geistergeschichte erwartet das Publikum am Sonntag, 8. März, 18 Uhr, in der Clarenbachkirche, Aachener Straße 458: Die Kinder- und Jugendchöre der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld präsentieren das „Grusical“ mit dem Titel „Geisterstunde auf Schloss Eulenstein“. In dem fantasievollen Musiktheater verbinden sich Gesang, Spielszenen und stimmungsvolle Bilder zu einer unterhaltsamen Aufführung für die ganze Familie. Das „Grusical“ erzählt von geheimnisvollen Gestalten, nächtlichen Abenteuern und einer Schlosskulisse, in der Spannung und Humor eng beieinanderliegen. Der Eintritt ist frei.
www.clarenbachgemeinde.de

Hier finden Sie alle Infos zum Weltgebetstag:

Hier finden Sie alle Infos zur Langen Nacht der Kirchen am Freitag:

 

Text: APK
Foto(s): APK

Der Beitrag Unsere Wochentipps: Lange Nacht der Kirchen, Buchvorstellung von Arnd Henze und Weltgebetstag erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Drei werden eins: Der Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch nimmt seine Arbeit auf

Nach rund 60 Jahren eigenständiger Geschichte ist es vollzogen: Die Kirchenkreise Köln-Nord, Köln-Mitte und Köln-Süd haben sich zum neuen Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch zusammengeschlossen . Im Bergheimer Medio kamen 158 Synodale zur konstituierenden Sitzung zusammen – ein historischer Moment für die evangelische Kirche in Köln. Mit einem Abendmahlsgottesdienst, einer bewegenden Dialogpredigt und einem eindringlichen Zwischenruf der jungen Generation setzte die Synode klare Zeichen für die Zukunft.

Was bedeutet dieser Neuanfang? Welche Stimmen prägten die erste Synode? Und welche Impulse nimmt der Kirchenkreis mit auf den Weg?

Unser Video zeigt die Höhepunkte – und macht deutlich: Hier entsteht etwas Neues.

Text: APK
Foto(s): APK

Der Beitrag Drei werden eins: Der Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch nimmt seine Arbeit auf erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Du bist kostbar!“ – Präses Latzel predigt in der Christuskirche

Es war ein besonderer Sonntag in der Christuskirche am Stadtgarten: Präses Thorsten Latzel kam ins Belgische Viertel, um zu predigen – und brachte gemeinsam mit Gemeindepfarrer Christoph Rollbücher Aufbruchsstimmung mit. Denn beide hatten bereits den Kirchentag im Mai 2027 in Düsseldorf im Blick. Rollbücher machte deutlich, was dieser für die evangelische Kirche bedeutet: „Der Kirchentag zeigt die evangelische Kirche nicht nur in einem lebendigen und innovativen Licht. Er hat auch eine politische Wirksamkeit, die sehr wohl wahrgenommen wird. Die Kirche bezieht Stellung, zeigt Haltung und ihre Stimme wird in unserem Land gehört.“ Sie äußere sich zu Themen, die ihr hochwichtig seien – wie Kirchenasyl, die Haltung gegen Rechts und die Aufdeckung sexualisierter Gewalt.

Die Ur-Botschaft der Bibel

Präses Thorsten Latzel predigte im Belgischen Viertel über die Kostbarkeit jedes Menschen – und stimmte auf den Kirchentag 2027 ein.

Unter dem Motto des anstehenden Kirchentages stand auch die Predigt von Latzel: „Du bist kostbar!“ Der Satz sei im Grunde die Ur-Botschaft der gesamten Bibel, sagte Latzel. Es sei das, was Jesus den Menschen gegenüber gelebt habe – ganz gleich, woher sie stammen, wer sie sind, ob reich oder arm, ob sie mehr oder weniger gerecht leben. Die Botschaft sei ein Gütesiegel, über das kein Mensch verfügen könne. Die Kostbarkeit des Menschen, seine Würde, zu achten und zu schützen, sei die Aufgabe aller. Jeder Mensch sei ein Kunstwerk. Man solle sich davor hüten, abschätzig von sich selbst oder von anderen zu denken.

Säen im Belgischen Viertel

Um diese Kostbarkeit gehe es auch in dem Gleichnis nach Lukas 8, in dem ein Sämann auf unvorbereiteten Boden sät und die Samen auf den Weg, auf Felsen, auf Disteln, aber auch auf fruchtbaren Boden fallen. Latzel fand die Christuskirche im Belgischen Viertel für dieses Gleichnis besonders passend: „Wie ich erfahren habe, sind Sie Spezialisten für diese Art des Gleichnisses. Ich habe gehört, im Viertel wird viel geerntet – es gibt immer wieder Urban-Gardening-Aktionen, Wanderbäume, den Stadtgarten. Hier im Viertel gibt es also Expertise, wenn es ums Säen geht.“ Das Gleichnis handele vom damaligen Vorgehen beim Säen, wobei hingenommen wurde, dass etwas verloren ging, weil der Gewinn alles wieder ausglich. Diese Sichtweise könne sehr entlasten – im eigenen Leben wie bei der eigenen Arbeit. Der Weg im Gleichnis stehe für die verhärteten Menschen, der Felsen für die Oberflächlichen, die Dornen für die Sorgenvollen und der gute Acker für die Glaubenden, erläuterte Latzel. „Meine Erfahrung ist jedoch: Weg, Fels und Dornen sind alles Teile von mir.“ Es gäbe sein hartes Wege-Ich – etwa in der Bahn, wenn er sich von der Umgebung abschottet, oder angesichts der Nachrichten über den Ukraine-Krieg. Da gäbe es die Oberflächlichkeit, wenn kostbare Momente sofort wieder verfliegen. Dorniges seien die Gedanken – „Quatschis“, wie ein Psychologe sie getauft habe, der Mann im Kopf, der immer dazwischen quatscht, mit ermahnenden Erinnerungen an die Steuererklärung und langen To-do-Listen. Aber dann gäbe es eben auch den fruchtbaren Teil, der offen sei für Gott und seinen Zuspruch „du bist kostbar“ – den Moment, wenn dieser wirklich ankommt. „Dann sehe ich auf einmal eine Welt und unser eigenes Leben und das der anderen in tausend Farben. Dann brauche ich mich selbst nicht größer und kleiner zu machen als ich bin, dann fühle ich mich kostbar.“

Aufbruchsstimmung in der Christuskirche am Stadtgarten: Die Gemeinde feierte einen besonderen Gottesdienst mit Blick auf den Kirchentag 2027.

Vom Misstrauen zum Zuhören

Zwei Dinge seien wichtig: ein feines und gutes Herz – und Geduld. Die Gesellschaft leide aktuell an einer Misstrauenskultur, befand Latzel. „Wir sind gut darin, bei den anderen immer genau zu sehen, was alles gar nicht geht, ob Impfen, Gendern, Sterben, Flüchtlinge, Migration und Klimapolitik, Gleichstellung oder Werte.“ Er hatte dazu eine Anregung in Gestalt einer Frage: „Wie würden sich eigentlich unsere Diskussionen ändern, wenn sie mit dem Satz begännen: ‚Du bist kostbar, denn du bist anders, und wenn ich zuhöre‘?“ Beim evangelischen Kirchentag wolle man mit über einhunderttausend Menschen diskutieren, beten und die Kostbarkeit des Lebens aller Menschen feiern. „Dann wollen wir als Rheinländer zeigen, was gute Gastfreundschaft ist und himmlisches Konfetti über alle Menschen streuen, die uns besuchen.“ Mit dem anschließenden Abendmahl gab Latzel einen Vorgeschmack auf das, was kommen soll: gemeinsam speisen, gemeinsam feiern – und einander als kostbar erkennen.

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

Der Beitrag „Du bist kostbar!“ – Präses Latzel predigt in der Christuskirche erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Zusammenhalt in Vielfalt“: Schulpolitischer Aschermittwoch im Haus der Evangelischen Kirche in Köln

Markus Zimmermann, stellvertretender Stadtsuperintendent bei der Begrüßung.
Markus Zimmermann, stellvertretender Stadtsuperintendent bei der Begrüßung.

„Zusammenhalt in Vielfalt“ lautete das zentrale Thema des Schulpolitischen Aschermittwochs im Haus der Evangelischen Kirche. Zum traditionellen Termin begrüßte der stellvertretende Stadtsuperintendent Markus Zimmermann mit Olaf Zimmermann, seit 1997 Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, auch in diesem Jahr einen beredten Kenner des komplexen Stoffes. Ausgerichtet vom Evangelischen Schulreferat Köln und Referat für Berufskollegs, führte die sehr gut besuchte Veranstaltung insbesondere Vertretende von Schulleitungen und Schulaufsichtsbehörden sowie Religionslehrende zusammen.

Gibt es noch einen gesellschaftlichen Konsens?

Einführend stellte Markus Zimmermann fest, dass uns über Jahrzehnte vertraute gesellschaftliche Fundamente, wie die Volksparteien, die Kirchenmitgliedschaft, vor allem die Demokratie, „zu bröseln scheinen“. Er fragte, ob es überhaupt noch einen inneren gemeinsamen gesellschaftlichen Konsens gebe, gerade auch angesichts der Bedrohungen von außen. Vor dem Hintergrund solcher Fragen und Szenarien sei man dankbar, mit seinem Namensvetter einen „ausgewiesenen Experten für Diskussionen rund um Fragen kulturellen Zusammenhalts“ gewonnen zu haben.

Der Titel des Vortrages „Zusammenhalt in Vielfalt“ sei schon Programm, stellte der Pfarrer fest. Dieser markiere auch, „wofür wir als Kirche stehen und arbeiten: für den inneren Zusammenhalt unserer Gesellschaft, für die Förderung des Zusammenlebens, für ein wertebasiertes Miteinander und nicht zuletzt für eine Kultur der Vielfalt“.

Zusammenhalt in Vielfalt ist eine dauerhafte Aufgabe

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Sprecher der Initiative kulturelle Intgration
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Sprecher der Initiative kulturelle Intgration

Olaf Zimmermann wählte mit seinem Hinweis auf die gerade abgelaufene Session, in der Menschen aus verschiedenen Kulturen und sozialen Schichten zusammen Karneval gefeiert haben, einen treffenden Einstieg ins Thema. „Zusammenhalt in Vielfalt“ sei jedoch nichts, „was es nur in der 5. Jahreszeit geben sollte“, betonte er. Vielmehr handele es sich um eine dauerhafte Aufgabe. Diese solle nicht nur als Pflicht, sondern auch als eine Chance des Zusammenlebens gesehen werden, ermutigte der Köln-Kenner.

Der Geschäftsführer des Spitzenverbandes der 285 Bundeskulturverbände versteht sich als Cheflobbyist des Kulturbereichs bei der Bundesregierung. In dieser herausfordernden Tätigkeit spiele das Thema „Zusammenhalt in Vielfalt“ eine sehr große Rolle. Der Publizist erinnerte an die Flüchtlingssituation 2015 hierzulande, an die damals breite Unterstützung für Migranten. „Als Erstes stand die Hilfsbereitschaft und hier im Evangelischen Kirchenverband die Nächstenliebe.“ Bei den Flüchtlingsgipfeln im Kanzleramt habe über allen Diskussionen stets das strittige Thema „deutsche Leitkultur“ geschwebt. Damit verbunden die Frage, ob sich die nach Deutschland kommenden Menschen an diese anpassen müssten.

Sei das politisch föderal geordnete Deutschland überhaupt ein so einheitliches Land, dass es hier so etwas wie eine Leitkultur gebe könne, widersprachen damals Olaf Zimmermann und viele andere. „Oder ging es eher um Benimmregeln?“, merkte er nun kritisch an. Aus dieser alle Beteiligten nervenden Situation der permanenten Uneinigkeit über die Leitbild-Problematik heraus „haben wir 2016 die Initiative kulturelle Integration gegründet“. Seitdem fungiert Olaf Zimmermann parallel als Sprecher des aus vielen Partnern mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen bestehenden breiten Bündnisses. 2017 legte die Initiative der Öffentlichkeit erstmals 15 Thesen zum „Zusammenhalt in Vielfalt“ vor. Olaf Zimmermann ist überzeugt, dass gerade die Idee, sich bei unterschiedlichen Interessen für ein Thema zusammenzuschließen und zusammenzuarbeiten, „eigentlich das ist, was es ausmacht“. Das eröffne die Chance, „in einer Gesellschaft letztendlich eine breitere Unterstützung zu haben“.

Für Olaf Zimmermann bedeuten die 15 Thesen das „Kernelement der Initiative“ und „das, was uns als Menschen in diesem Land letztendlich zusammenhält“. Mit der Nennung aller Thesen verband der Sprecher mehr oder weniger kurze Erläuterungen. Die 1.These lautet: „Die Grundrechte und Werte des Grundgesetzes sind Grundlage für das Zusammenleben und den Zusammenhalt in Deutschland.“ In den folgenden Thesen finden sich weitere grundsätzliche Themen behandelt, beispielsweise Geschlechtergerechtigkeit, freie Meinungsbildung, Kunstfreiheit, der Wert der Bildung und Erwerbsarbeit. Ebenso die Feststellungen, dass Deutschland ein Einwanderungsland und kulturelle Vielfalt eine Stärke ist sowie Religion in den öffentlichen Raum gehört.

Auf Grundlage dieser Thesen forderte der Referent auf, dem bundesweiten Aufruf der Initiative zum Internationalen Tag der kulturellen Vielfalt am 21. Mai zu folgen. Auch Schulen und Kirchengemeinden sollten sich mit dem Thema „Zusammenhalt in Vielfalt“ auseinandersetzen und am Aktionstag mit eigenen Beiträgen beteiligen.

Bildungseinrichtungen spielen besondere Rolle

„Diese Demokratie ist einfach verflucht anstrengend“, betonte Olaf Zimmermann. Wir müssten mit einem hohen Anteil von Rechtsextremen in vielen politischen Strukturen lernen zu leben, prognostizierte er. „Wir müssen uns diesen Debatten und der Auseinandersetzung stellen, so schwierig das auch ist.“ Rückzug hält er für einen Fehler. In Schulen und Kirchengemeinden könne man sich ebenso wenig zurückziehen. „Sie müssen dort stehen.“ Wir müssten uns bewusst machen, dass es eben keine Charakterschwäche sei, wenn man in diese Diskussionen hineingehe, „sondern die Notwendigkeit, wenn wir unsere Demokratie retten wollen“.

Entscheidende Orte seien diejenigen, wo Menschen aus allen unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten zusammenkämen. Die Schule charakterisierte Olaf Zimmermann als den einen wirklich zentralen Ort. Dort lerne man nicht nur Mathe, Chemie und Deutsch. Dort lerne man Zusammenhalt in Vielfalt, also letztendlich Demokratie. „Darauf müssen wir uns viel mehr konzentrieren, als wir das bisher tun.“

 

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

Der Beitrag „Zusammenhalt in Vielfalt“: Schulpolitischer Aschermittwoch im Haus der Evangelischen Kirche in Köln erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.