Mehr Raum für mehr Hilfe: Evangelische Beratungsstelle Frechen eröffnet neuen Standort an der Elisabethstraße
Sessel in Sonnengelb und leuchtendem Orange, helle Zimmer mit großen Fenstern, bunte Bilder an den Wänden und ganz viel Platz. Wenn Räume gute Laune machen können, dann sind die der Evangelischen Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien in Frechen an ihrem neuen Standort, der jetzt mit einem „Meet & Greet“ offiziell eingeweiht wurde, ganz vorne mit dabei. Und genauso soll es sein. „Wer in einer schwierigen Lebenssituation zu uns kommt und mit unserer Unterstützung an bestehenden Problemen arbeiten möchte, soll das in einer freundlichen Umgebung tun können“, sagte Christian Gröger, Geschäftsführer der evangelischen Beratungsstellen in Bensberg, Köln und Frechen. „Die liebevoll gestalteten Beratungsräume bringen unsere Wertschätzung der Klienten zum Ausdruck.“
Gefeiert wurde die Einweihung des neuen Standortes Elisabethstraße 2, an dem schon seit Januar gearbeitet wird, mit zahlreichen Kooperationspartnern und Kollegen. Dabei waren auch Ulrike Grave-Herkenrath als langjährige Vorsitzende des Beirats der drei Standorte und Pfarrerin Miriam Haseleu, stellvertretende Vorsitzende des Bevollmächtigtenausschusses des Kirchenkreises Köln-Linksrheinisch.
Schwerpunkte der Arbeit in der Beratungsstelle sind die Unterstützung von Jugendlichen, die Familien- und Erziehungsberatung sowie die fachkundige Begleitung während und nach Trennungsprozessen. 346 „Fälle“ ratsuchender Einzelpersonen oder Familien haben die Sozialpädagoginnen, Sozialarbeitenden und Psychologinnen im vergangenen Jahr begleitet, 286 davon wurden in diesem Zeitraum abgeschlossen, wobei Beratungs- und Unterstützungsprozesse teils auch länger als ein Jahr dauern.
Doppelt so viel Platz: Ein neuer Standort, der endlich Raum für die Arbeit schafft

Bis Dezember 2025 hatte das Team der seit Anfang der 1990er Jahre in Frechen verwurzelten Evangelischen Beratungsstelle 150 Quadratmeter große Räumlichkeiten am Ende der Fußgängerzone in der Frechener City genutzt. „Die waren schon länger deutlich zu klein für unsere Arbeit“, so die Sozialarbeiterin und Leiterin der Einrichtung, Sandra Latour. „Es gab dort nur einen Raum, der groß genug war, um mit Familien zu arbeiten – obwohl das einer unserer Schwerpunkte ist. Das war von der Terminplanung her nicht immer einfach.“ Man sei am alten Standort schon an Grenzen gekommen, ergänzte Gröger. „Denn auch Paare in Konfliktsituationen kann man ja nicht direkt nebeneinander platzieren.“
Jetzt stehen dem Team auf der zweiten Etage des Gebäudekomplexes 300 Quadratmeter zur Verfügung, die Arbeit mit Familien ist in jedem der mit Schreibtisch, PC und individuell gestalteter Sitzecke ausgestatteten vier Beratungsräume möglich. Je nach therapeutischer Ausrichtung ist eine Ecke des Raumes mit einem Sandspielbereich, Tier- und Menschenfiguren und Spielen für Kinder gestaltet. Eine Küche, die auch als Aufenthaltsraum genutzt wird, ein Gruppenraum für Teambesprechungen und ein offener Empfangsbereich erleichtern die Arbeit ebenso wie ein großer Raum, in dem unter anderem Spieltherapie für Kinder durchgeführt wird. Ein weiterer „echter Gewinn“ am neuen Ort sei auch die Couch-Ecke im Gruppenraum, sagte Latour. „Unsere Jugendlichen haben sie für sich entdeckt. Viele Beratungsgespräche mit ihnen finden in dieser gemütlichen Ecke direkt am Fenster statt.“ Und auch viele andere Klienten seien nach dem Ortswechsel begeistert und positiv überrascht gewesen, ergänzte die Sozialarbeiterin Victoria Klassen.
Begonnen hatte die Suche nach einem größeren Standort bereits vor zwei Jahren. „Einfach war sie nicht, denn er muss in Frechen-Stadt liegen, damit er für Menschen aus dem gesamten Einzugsgebiet gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist“, schilderte Gröger. Barrierefreiheit sei eine weitere Voraussetzung gewesen. „Und weil ein Drittel unserer Klienten Jugendliche sind, kamen auch Räume in einem Gewerbegebiet nicht infrage“, sagte Ulrike Grave-Herkenrath. „Die Jugendlichen kommen oft alleine. Und dann muss der Weg so sein, dass die Eltern das Vertrauen haben, dass es funktioniert. Ein längerer Fußweg durch ein wenig belebtes Gebiet wäre nicht vertretbar gewesen.“ Der neue Standort ist mit fünf Minuten Fußweg vom Bahnhof aus erreichbar, ein Bus hält direkt vor der Einrichtung.
Steigende Nachfrage: Warum immer mehr Familien Unterstützung suchen
Vermittelt werden die Klienten oft von den Verantwortlichen in Schulen und Kindertagesstätten und teils auch vom Jugendamt der Stadt Frechen. „Manche Jugendliche kommen aber auch auf Empfehlung von Freunden, die sich bei uns gut unterstützt gefühlt haben. Das freut uns immer ganz besonders“, sagte Sandra Latour. Der Bedarf an Unterstützung steige stetig, so Grave-Herkenrath. Ein Grund seien weiterhin die Nachwirkungen der Corona-Jahre, in denen Kinder und Jugendliche ohne Kontakt zu Gleichaltrigen die altersgemäßen Entwicklungsphasen nicht durchlaufen konnten. „Ablösungsprozesse haben sich verändert, Phasen müssen nachgeholt werden, das kann Jugendliche ebenso belasten wie ihre Familien“, schilderte Grave-Herkenrath weiter.
Zugenommen habe auch die Zahl der Themen, die Eltern beschäftigen und zu Problemen führen. „Der richtige Umgang mit Medien in den verschiedenen Lebensaltern bleibt weiterhin wichtig“, so Grave-Herkenrath. Ein weiteres sei die Bandbreite an Erziehungshaltungen und der Wunsch von Eltern, immer alles perfekt machen zu wollen oder partizipativ zu agieren. „Doch damit überfordern sie ihre Kinder nicht selten“, sagte Latour. Jugendliche und auch Eltern seien durch die multiplen Krisen und die überall präsente mediale Aufbereitung dieser Themen deutlich stärker belastet als früher. Parallel dazu gebe es immer mehr Familien, in denen beide Elternteile teils auch aus wirtschaftlichen Gründen Vollzeit arbeiten müssten.
Niedrigschwellig und wirksam: Die Angebote der Beratungsstelle im Überblick

Im Schwerpunkt Beratung in Konfliktsituationen und nach Scheidung bietet das Frechener Team mit dem Angebot „Kinder in Trennungssituationen“ (KIT) eine Unterstützung an, die noch nicht sehr weit verbreitet ist. „Jeweils vier bis sechs von Scheidung betroffene Kinder können bei uns in zehn Gruppenstunden über ihre Gefühle sprechen, oder darüber, was sich für sie gerade alles verändert. Sie merken dabei, dass sie nicht alleine sind und andere Kinder gerade das Gleiche erleben.“ Ein sehr niedrigschwelliges Angebot machen die Fachkräfte in den Familienzentren der Frechener Sozialräume. „Dort gibt es Termine vor Ort, sodass die Menschen für einen ersten Kontakt nicht in die Einrichtung kommen müssen“, schildert Grave-Herkenrath. Daraus ergäben sich nicht selten längerfristige Begleitungen in der Beratungsstelle.
„Auf den steigenden Unterstützungsbedarf hat die Stadt Frechen mit der Finanzierung einer weiteren halben Stelle ab November 2024 reagiert. Und uns jetzt bei der Anmietung der neuen Räume unterstützt, wofür wir sehr dankbar sind“, sagte Christian Gröger. Trotz großen Bedarfs müsse man zum Glück bislang keine langen Wartelisten führen, so Einrichtungsleiterin Sandra Latour. „Erwachsene bekommen in der Regel nach vier Wochen ihr Erstgespräch, Kinder und Jugendliche müssen allerhöchstens zwei Wochen warten.“
Text: Gabi Bossler
Foto(s): Gabi Bossler
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Die Entpflichtung geriet – nun ja – ein wenig ungewöhnlich. Und passte zu dem Pfarrer, der verabschiedet wurde. Thomas Diederichs predigte 36 Jahre in der Lutherkirche in Nippes und geht am 1. September in den Ruhestand. In Erinnerung bleiben wird er vor allem wegen der Kulturkirche, die er initiierte. Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen lockten immer wieder Publikum aus der ganzen Stadt und darüber hinaus an. Und welcher Veranstaltungsort außer der Lanxess-Arena könnte sich rühmen, Weltstars wie Sting und Ed Sheeran zu Gast gehabt zu haben?
Für den Abend war seine Prognose eindeutig: „Es wird laut. Aber wir werden auch leise Töne hören. Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreifaltigen Gottes. Ich hoffe vor allem, dass ihr ihn miteinander feiern könnt. So unterschiedlich ihr auch seid.“ Laut wurde es in der Tat. Eine Allstar-Band der Gemeinde spielte in verschiedenen Besetzungen auf. Für die leisen Töne sorgte nicht zuletzt Diederichs selbst. Er erinnerte an das Jahr 1977, als er sich „halblegal“ den Zugang zu einem Fernseher verschaffte und die Wiederholung eines Interviews sah, das Günter Gaus mit der Philosophin Hannah Arendt 1964 geführt hatte. „Danach wusste ich Bescheid. Die Nazis waren immer noch da.“ Der Pfarrer zitierte Arendt: „Dass die Nazis unsere Feinde sind – mein Gott, wir brauchten doch, bitteschön, nicht Hitlers Machtergreifung, um das zu wissen! Das war doch seit mindestens vier Jahren jedem Menschen, der nicht schwachsinnig war, völlig evident. Dass ein großer Teil des deutschen Volkes dahinterstand, das wussten wir ja auch. Davon konnten wir doch nicht ’33 schockartig überrascht sein. Das Problem, das persönliche Problem war doch nicht etwa, was unsere Feinde taten, sondern was unsere Freunde taten. Was damals in der Welle von Gleichschaltung, die ja ziemlich freiwillig war, jedenfalls noch nicht unter dem Druck des Terrors, vorging: Das war, als ob sich ein leerer Raum um einen bildete.“ Auch heute gebe es Menschen mit grotesken Ansichten zu Adolf Hitler.
Gemeinsam war ein gutes Stichwort. Aus allen drei früheren Kirchenkreisen waren Musikanten, Sängerinnen und Sänger in die Trinitatiskirche gekommen. Großen Applaus erhielt die Junge Kantorei, das neue Jugendprojekt im Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch. Sie zog zu Beginn des Konzertes durch den Mittelgang in die Trinitatiskirche ein und begeisterte mit dem „Jubilate Deo“. Die Jugendlichen kommen aus sechs Chören des Kirchenkreises, in denen sie für das gemeinsame Repertoire proben. Nach zwei gemeinsamen Chorfahrten 2024 nach London und 2025 nach Dresden ist für den Herbst dieses Jahres ein Probenwochenende in Trier geplant. Die Jugendkantorei wird bei der zentralen Reformationsfeier des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region in der Trinitatiskirche singen. Auch ein Auftritt beim nächsten Deutschen Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf im kommenden Jahr ist geplant.
Stadtsuperintendent Bernhard Seiger begrüßte die Mitwirkenden. „Heute sind hier 240 Musikerinnen und Musiker versammelt. Wir feiern in dem Wissen, dass zusammen viel mehr geht als allein.“ 60 Jahre hätten die drei Kirchenkreise bestanden. Es sei gut, „viele verschiedene Stimmen zusammenzubringen“. Dann rief der Stadtsuperintendent die Chöre einzeln auf, die jeweils lautstark auf sich aufmerksam machten. Die Junge Kantorei bestand aus Mitgliedern des Kinder- und Jugendchors Braunsfeld, des Evangelischen Kinder- und Jugendchors Brühl, des Ehrenfelder Jugendchors, der Rondorfer Kurrende, des Kinderchors An der Erft aus Bergheim und des Evangelischen Jugendchors Bayenthal.
Ein gemeinsames Repertoire hat in den vergangenen Monaten auch ein „Chor der Kantoreien“ einstudiert. Folgende Chöre führten dieses Repertoire beim Mitsingkonzert auf: die Johanneskantorei Köln-Klettenberg, die Evangelische Kantorei Brühl, der Lutherchor der Evangelischen Gemeinde Köln, die Kantorei Rodenkirchen, die Evangelische Kantorei Frechen, die Evangelische Kantorei Hürth, der Chor Königsdorf der Evangelischen Christusgemeinde an der Glessener Höhe, der Melanchthon-Gospelchor Köln-Zollstock und das Vokalensemble an der Reformationskirche in Bayenthal. Für die musikalische Begleitung sorgen der Evangelische Posaunenchor Hürth, der Posaunen-Projektchor Köln-Linksrheinisch, David Andres am Kontrabass, Carl Zinsius am Schlagzeug, Felix Zimmermann am Cello sowie Johannes Quack und Wolf-Rüdiger Spieler an der Orgel. Zum Schluss noch einmal Kreiskantor Samuel Dobernecker: „Wer singt, betet doppelt. Im Singen werden wir hörbar zu einer Gemeinschaft, die trägt, die Nähe schafft und einfach gut tut.“