Kartäuserkirche: Pfarrerin Charlotte Horn als Leiterin der Evangelischen TelefonSeelsorge Köln eingeführt

Ein Vierteljahrhundert war Charlotte Horn Pfarrerin im Schuldienst, davon 23 Jahre an der Erzbischöflichen Liebfrauenschule in Köln. Gleichzeitig engagierte sie sich die letzten acht Jahre ehrenamtlich in der Evangelischen TelefonSeelsorge Köln. Seit dem 1. Mai leitet sie diese Einrichtung hauptamtlich in der Nachfolge von Pfarrerin Dr. Dorit Felsch. Nun wurde Horn in der Kartäuserkirche von Superintendent Torsten Krall in ihr Amt eingeführt.

Krall sprach in seiner Begrüßung von einem wunderschönen Ereignis. Denn in dem von Kirchenmusikdirektor Johannes Quack musikalisch gestalteten Gottesdienst führte ihrerseits Horn Philipp Heinicke, zuletzt Lehrer für Mathematik und Evangelische Religionslehre, als Stellvertretenden Leiter ein. Ebenso wurden zehn frisch in der TelefonSeelsorge ausgebildete Ehrenamtliche eingeführt und mit Dankesworten drei langjährige Mitarbeitende aus dem großen Team der Ehrenamtlichen verabschiedet.

Bei Gott bedeutet reden immer auch machen

Superintendent Torsten Krall führt Charlotte Horn in die Leitung ein.
Superintendent Torsten Krall führt Charlotte Horn in die Leitung ein.

In seiner Vorrede zur Einführung Horns ging Krall auf die gehörte Lesung Jesaja (Kapitel 55) ein. Jesaja verdeutliche, dass bei Gott reden immer auch machen bedeute. „Gott sprach, es werde Licht und es ward Licht.“ Klar, wenn Gott rede, passiere etwas. Jesaja spreche vom Wort Gottes, das kein hohles sei, sondern wirklich etwas bewirke. „Ich bin nicht Gott. Meine Worte sind oft leer und hohl“, bekannte der Superintendent, dass Jesajas Wort auch eine große Sehnsucht in ihm wecke. Danach, dass das, was Krall sage, wovon er erzähle, nicht ohne Wirkung bleibe. „Das wünsche ich mir sehr.“

Mitfühlen, vor dem inneren Auge mitsehen, welche Geschichte jemand zu erzählen hat

Krall sehnt sich danach, dass jemand, der seine Worte höre und durch sie in seine Welt ein Stück weit hineinkomme, sich einladen lasse und sich hineinbewege mit Kopf, Geist und vor allem Herz. Dass jemand mitfühle und mitspüre und mitsehe vor dem inneren Auge, was ihn, Krall, gerade umtreibe. „Was bewegt mich, was ist wirklich innendrin in mir, welche Geschichte habe ich zu erzählen?“

Dem anderen ein Stück weit Ebenbild Gottes werden

„Diese Sehnsucht wird am Telefon oft erfüllt“, stellte Krall fest. „Menschen erzählen von sich, erzählen Geschichten, malen Bilder, finden starke Worte dafür, wie es ihnen gerade geht. Und es gibt euch, die dem Bedeutung verleihen und die Sehnsucht wahrmachen. Die dem anderen ein Stück weit Ebenbild Gottes werden.“ Am Telefon könne das Gegenüber ein Stück weit Ebenbild Gottes werden, so wie es im Anfang uns versprochen worden sei. „Weil eine Welt lebendig wird beim anderen und wirklich wird, wenn ich sie ausspreche. Wenn jemand anders mir deutlich macht, ich verstehe. Es ist nicht meine Welt, aber ich gehe ein Stück mit hinein.“

Krall findet es schön, dass Horn diese Aufgabe jetzt übernehme: zu leiten, zu begleiten, nach vorne zu bringen. Horn bringe viel mit in ihrer Biografie, damit das wahr werden könne. Zu solchem Zuhören gehöre manches dazu. Als einen Faktor, der Menschen zur TelefonSeelsorge bringe, nannte Krall „dass man selber auch schon mal in den Abgrund geguckt und gleichzeitig erlebt hat, es gibt etwas, was trägt. Es gibt mindestens etwas, was mich das aushalten lässt. Diese Erfahrung bringe ich mit, um mit anderen am Telefon zu weinen. Oder, noch wichtiger, um andere Menschen zu ermutigen, ans Telefon sich zu setzen.“

„Sie müssen es nicht glauben. Aber ich glaube es.“

Karola Mischak-Struckmann (v.l.), Superintendent Torsten Krall, Charlotte Horn und Philipp Heinicke.
Karola Mischak-Struckmann (v.l.), Superintendent Torsten Krall, Charlotte Horn und Philipp Heinicke.

Krall erinnerte an einen Film über eine Partnervermittlung, in dem er zumindest interessant fand, was die Rolle der Hauptdarstellerin ausgemacht habe. Diese ermutige in einer Szene eine hoffnungslose Klientin, dass auch sie einen Mann finden werde. „Das kann ich ihnen nicht glauben“, antwortet die Suchende. Die Vermittlerin erwidert: „Das verstehe ich. Aber ich glaube es. Sie müssen es nicht glauben.“ Für ihn, so Krall, „hat das viel mit Seelsorge zu tun“.

„,Ich glaube es‘ – in der TelefonSeelsorge ist es oft so, und ich habe es erlebt, dass sie das verkörpern und mitbringen“, richtete der Pfarrer sich nicht nur an die Einzuführenden. „Dass sie gleichzeitig viel mitbringen an Lebenserfahrung und Lust darauf haben, Neues auf die Beine zu stellen und Dingen auf den Grund zu gehen. Wir sind dankbar, dass wir sie hier haben.“

„Die Welt braucht Achtung vor dem Mitgefühl.“

Bevor Karola Mischak-Struckmann, Mitglied im EKV-Vorstand und in dieser Funktion dem Arbeitskreis TelefonSeelsorge angehörend, die Lesung Lukas 10,25-37 (Gleichnis vom barmherzigen Samariter) vortrug, wies Horn kritisch auf eine Äußerung des Unternehmers/Politikers Elon Musk im Frühjahr hin: „Die grundlegende Schwäche der westlichen Zivilisation ist Empathie.“ Nicht wenige hätten ihn dafür bejubelt. „Mitgefühl zu zeigen“, so Horn, „kann bedeuten, dass wir dafür verachtet werden.“ Die Welt brauche Achtung vor dem Mitgefühl.

Wir sind „vielleicht die Herberge für diese Minuten am Telefon“.

In ihrer Predigt berichtete Horn, wie sie in den ersten Wochen im Amt unverhofft in eine Geschichte verwickelt worden sei, an deren Ende sie sich „in allen Rollen“ wiedergefunden habe. Diese begann mit der Frage eines Teilnehmers einer von Horn geleiteten Infoveranstaltung für am Ehrenamt in der TelefonSeelsorge Interessierte: „Ich habe einen Bekannten, der macht TelefonSeelsorge. Er hat mir gesagt, wir sind so etwas wie Samariter. Wir tragen die Leute bis zur nächsten Herberge.“ Horn erwiderte: „Wenn es zur Begegnung kommt, sind wir vielleicht die Herberge für diese Minuten am Telefon.“

Auf ihrem Weg nach Hause erreichte die Leiterin auf ihrem Diensthandy der Anruf einer jungen Frau. Horn sei doch Pfarrerin und müsse ihr helfen. Sie sei ohne Papiere und Aufenthaltstitel, müsse Deutschland bald verlassen, zudem wohnungslos und ohne Essen. „Ich sage ihr alle möglichen Notfallstellen in Köln, die in diesen Fällen in Frage kommen, aber das lehnt sie ab, und das Gespräch gewinnt eine verzweifelnde Tiefe“, so Horn. Schließlich sagt die Anruferin: „Man gibt mir hier das Gefühl, dass ich überflüssig bin.“

Gefühl der Ohnmacht

Nach dem Gespräch empfand Horn ein Gefühl der Ohnmacht, „was viele in der TelefonSeelsorge kennen“. Und sie habe sich gefragt, ob sie die Herausforderung angenommen und sich der Verantwortung gestellt habe oder, wie in der Bibelgeschichte, eine Vorübergehende sei. „Wollte ich genug tun, habe ich genug getan?“, mit dieser Frage habe sie die Anruferin zurückgelassen.

„Mich lässt das nicht los“, erinnert Horn. Zuhause habe sie eine gute Freundin angerufen. Die in der Flüchtlingsarbeit erfahrene Sozialarbeiterin ihr zwei Dinge gesagt, die sie entlasteten: „Viele Menschen ohne festen Aufenthaltstitel haben genau dieses Gefühl, überflüssig zu sein.“ Zweitens: „Ich glaube, du hast getan, was du konntest.“ In diesem Moment sei ihr die Freundin in der Geschichte des Samariters die Herberge gewesen. „Sie hat mir Obdach gegeben für diese Geschichte.“

In der TelefonSeelsorge bei der Herberge anfangen

Horn beließ es nicht bei der Rekapitulation dieser Geschichte, sondern nahm die Arbeit der Ehrenamtlichen, ja die Grundlage der Tätigkeit in der TelefonSeelsorge in den Blick. „Ich empfehle, dass wir in der TelefonSeelsorge bei diesem Evangelium, bei der Herberge anfangen. Wir sind nicht die Samariter, die sofort auf die Straße rennen und Leuten helfen. Das Geheimnis guter Seelsorge liegt darin, dass ich selber einen Ort habe oder schon einmal gehabt habe, an dem ich Obdach hatte, an dem ich sein durfte. An dem etwas offenbart wurde von der Liebe, die uns trägt. Wo ich getröstet wurde.“

„Seelsorge heißt, am Anfang immer einen Ort zu haben, wo ich getragen bin.“

Die Menschen in der TelefonSeelsorge seien keine Samariterinnen, keine Samariter. „Wir beginnen woanders, hier an diesem Ort. Und wer war eurer Wirt, eure Wirtin, wer in eurem Leben eure Herberge? An diesem Abend war es meine Freundin“, erklärte Horn. „Seelsorge heißt, am Anfang immer einen Ort zu haben, wo ich getragen bin.“ Von dort her rolle sich die Geschichte erst auf, auf der Straße zu sein. Horn wünschte allen, „dass wir diesen Ort haben, wo wir sein dürfen. Und ich habe erfahren, dass auch die Gemeinschaft der TelefonSeelsorge so ein Ort werden kann“.

Das anschließende Sommerfest brachte im Refektorium Ehren- und Hauptamtliche zusammen. Dabei begeisterten Horns Freundin, die Kontra-Altistin Birgit Breidenbach, und der Pianist Thomas Greifenberg mit Liedern aus den 1920er Jahren.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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Diaspora als Chance: 250 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach

Zumindest die ältesten Steine der Gnadenkirche müssten sich noch an den Einweihungsgottesdienst vor zweieinhalb Jahrhunderten erinnern können. Nun durften sie den Festgottesdienst zum 250-jährigen Bestehen der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach „miterleben“. Pfarrer Carsten Bierei begrüßte die Gäste und erinnerte daran, wie diese Geschichte damals angefangen hatte, nämlich im Jahr 1775 mit einem Schreiben einer Gruppe Katholiken an den preußischen König Friedrich den Großen, mit der Bitte, im Herzogtum Kleve eine Gemeinde gründen zu dürfen. Der in Religionsdingen aufklärerisch-moderat eingestellte Monarch knüpfte seine Zusage an eine Bedingung: Im Gegenzug musste auch eine evangelische Gemeinde im Herzogtum Berg gegründet werden.

Nach erfolgter Genehmigung gingen die fünf Papiermühlenbesitzer Heinrich Schnabel (1706 – 1796), Gerhard Martin Fues, Abraham Fues, Peter Käsmann, Franz Heinrich Fauth und Gerhard Jakob Fues ans Werk und bereits 1777 wurde die Gnadenkirche fertiggestellt. Nachzulesen ist die wechselvolle Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach in der von dem Autorenteam Peter Lückerath, Irmtraud Schumacher, Michael Werling und Jo Wittner als hochwertiger Text-Bildband gestalteten Festschrift (ISBN 978-3-947779-53-6), die nach dem Gottesdienst am Büchertisch erworben werden konnte.

„Suchet der Stadt Bestes!“

Präses Dr. Thorsten Latzel hatte seine Festpredigt unter das Leitwort „Suchet der Stadt Bestes“ gestellt und erinnerte zunächst daran, dass, allem kühnen Unternehmergeist zum Trotz, am Anfang kein Gebäude, sondern der Geist Gottes stand.

Die erste Predigt in den insgesamt 17.531 Gottesdiensten, die seitdem in der Gnadenkirche gefeiert worden seien, habe Epheser 1,2 („Gnade sei mit euch und Friede von Gott und unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“) zum Gegenstand gehabt, einen der sogenannten „Kanzelsegen“. Heute werde jedoch mehr über Kriegsfähigkeit als über Friedensfähigkeit gesprochen. Die Gnadenkirche sei „ein Ort der Einkehr, wo jeder Mensch willkommen ist“. Die Geschichte der Stadt Bergisch Gladbach sei verbunden mit der Papierindustrie und dem reformierten Glauben.

„Baut Häuser und wohnt darin!“

Dann ordnete Latzel den Predigttext „Suchet der Stadt Bestes!“ in seinen historischen Kontext ein: Der Prophet Jeremia verkündet dem Volk Israel im 70-jährigen Exil eine Verheißung, die „innere Freiheit des Glaubens“. Thorsten Latzel forderte angesichts der sinkenden Mitgliederzahlen und einer säkularisierten Gesellschaft „Diasporafähigkeit“ und ging auf die vier Ratschläge des Propheten Jeremia an seine Landsleute im Exil ein: „Baut Häuser und wohnt darin!“ Latzel bezog diesen Appell auf die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach als Bauherrin und Vermieterin.

„Pflanzt Gärten und esst ihre Früchte!“

Die Aufforderung „Pflanzt Gärten und esst ihre Früchte!“ interpretierte der Präses  zum einen sehr konkret in Hinblick auf die Arbeit der knapp 1.000 Essenstafeln in Deutschland mit ihren über 1,5 Millionen Gästen und ging zum anderen auf die Rolle von Grünflächen für den Hitzeschutz ein, vor dem Hintergrund von zehntausenden Hitzetoten jährlich in Europa.

„Lebt Beziehungen!“

Wenn es bei Jeremia heißt „Lebt Beziehungen!“, könnte dies auch ein Lösungsansatz für aktuelle Integrationsprobleme sein. Thorsten Latzel führte aus, dass es drei Strategien des Umgangs mit dem Fremdsein gebe: Abschottung, Anpassung oder den kreativen Austausch. Das etwas anachronistisch anmutende „Mehrt euch, damit ihr nicht weniger werdet!“ brachte Latzel auf die Formel „Fröhlich kleiner werden und dabei wachsen wollen“. Gott verheiße uns Frieden und Zukunft, ermutigte er die Festgemeinde und setzte der verbreiteten Krisenstimmung einen Perspektivwechsel entgegen: „Der Horizont der Ewigkeit Gottes ist heilsam gegen unsere Kurzsichtigkeit. Es wäre schlicht  unrealistisch, nicht an Wunder zu glauben!“

Die Erste stellvertretende Bürgermeisterin Anna Maria Scheerer lobte den Beitrag der Gemeinde zu Daseinsvorsorge und Gemeinwohl.
Die Erste stellvertretende Bürgermeisterin Anna Maria Scheerer lobte den Beitrag der Gemeinde zu Daseinsvorsorge und Gemeinwohl.

Nach dem Gottesdienst wurde auf einem Empfang im „Engel am Dom“ weitergefeiert. Dort konnte zunächst Kreisdechant Norbert Hörter seine Glückwünsche überbringen. Die Evangelische Kirchengemeinde habe 250 Jahre Stadtgeschichte mitgestaltet. Kirche sei für viele Menschen heute nur noch eine Institution, beklagte Hörter, aber das Haus Gottes bestehe „nicht aus toten Steinen“, betonte er, sondern Christen sollten „lebendige Steine“ sein. Und: „Diese Aufforderung ist zeitlos!“

Heimat, Zugehörigkeit und Identität

Die Erste stellvertretende Bürgermeisterin Anna Maria Scheerer richtete die Grüße von Bürgermeister Frank Stein aus und beschrieb die Gnadenkirche  als „wichtigen Ankerpunkt für alle Menschen in der Gemeinde“, oder – protestantisch gesprochen – eine „feste Burg“. Die Gemeinde sei der Ort, wo Menschen nach Antworten auf das Wohin, Woher und Warum ihres Lebens suchen würden. Die Gemeinde leiste mit ihren Kitas und ihrer Seniorenarbeit einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge. Sie sei ein Ort, der Menschen zusammenbringe, ein „Stück Heimat, Zugehörigkeit und Identität“.

Von der engen Verbindung zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde und dem Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach wusste Personalleiter Otmar Hahn zu berichten.
Von der engen Verbindung zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde und dem Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach wusste Personalleiter Otmar Hahn zu berichten.

Statt des verhinderten Geschäftsführers des Evangelischen Krankenhauses Sebastian Haeger, war Personalleiter Otmar Hahn unter den Gratulanten und Gratulantinnen und erinnerte zunächst daran, dass das Jahr 1777 auch weltgeschichtlich betrachtet ein sehr ereignisreiches Jahr war. Die Gnadenkirche am Fuße des Quirlsbergs verglich er mit einer „Quelle lebendigen Wassers, die bis heute sprudelt und in diesem Falle auch bergauf fließt“. Bis 1970 war die Klinik Teil der Evangelischen Kirchengemeinde und bis heute stehen dieser zwei Sitze im Aufsichtsrat zu. Dort geschähen „Werke der christlichen Nächstenliebe“ – in Verbindung mit modernster Medizin. Zudem sei der Gesundheitscampus auf dem Quirlsberg „ein Ort der Ausbildung und der pädagogischen Begleitung“, mit „einem Auftrag, der über das eigene Interesse hinausgeht“. Eine Mitarbeiterin habe dies einmal in die Worte gefasst: „Wir helfen, das Leben schöner zu gestalten.“

Als „Botschafterin“ der benachbarten Kirchengemeinde Altenberg/ Schildgen war Presbyterin Andrea Grafenschäfer angereist. Sie fragte sich: „Wovon würden wohl die Mauern berichten, die Zeuge so vieler menschlicher Schicksale waren, so viel gesehen und erlebt haben?“ Für die Zukunft wünschte sie der Gemeinde „Offenheit für das Füreinander und Miteinander“.

Bevor die Gäste sich ganz dem Fingerfood widmen durften, hatten noch die Delegierten aus den beiden Partnergemeinden Bourgoin Jallieu (Frankreich) und dem Kirchensprengel Lugau, Eichholz, Fischwasser (Brandenburg), das Wort und wenn es stimmt, dass Martin Luther gesagt hat: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, ich würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, dann könnte es wohl kaum ein passenderes und hoffnungsvolleres Geburtstagsgeschenk geben als ein Bäumchen einer uralten Apfelsorte aus der Niederlausitz.

Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke

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Unsere Wochentipps: „Farbenspiel der Natur“, Goethe und „Tag des offenen Denkmals“

Unsere Wochentipps bieten einen Überblick über das vielfältige kirchliche und kulturelle Programm im Raum Köln. Heino Falcke stellt in der Kulturkirche sein neues Buch vor, in Mülheim eröffnet eine Fotoausstellung, in Ehrenfeld gibt es einen Workshop zum Ruhestand, und gleich mehrere Gemeinden feiern besondere Anlässe – darunter eine Ordination, ein Gemeindejubiläum und ein musikalisch-literarischer Salon. Die Melanchthon-Akademie lädt zur Semestereröffnung ein. Und last but noch least: der Tag des offenen Denkmals!

Heino Falcke in der Kulturkirche Köln

Am Donnerstag, 11. September, 20 Uhr (Einlass 19 Uhr), stellt der renommierte Astrophysiker Heino Falcke in der Kulturkirche Köln, Siebachstraße 85, erstmals sein neues Buch „Zwischen Urknall und Apokalypse. Die große Geschichte unseres Planeten vor“. In einer spannenden Mischung aus Lesung, Gespräch und Konzert geht es um nicht weniger als die großen Fragen des Daseins: „Woher kommen wir? „, „Was ist der Mensch?“ und „Welche Rolle spielt Gott im Universum?“. Frank Arnold, vielfach ausgezeichneter Hörbuchsprecher, liest aus dem Buch. Im Gespräch mit Moderator Joachim Frank (Kölner Stadt-Anzeiger) vertieft Falcke zentrale Gedanken des Werks. Musikalisch begleitet wird der Abend von FALCKE, dem Sohn des Autors, mit einer Mischung aus Hip-Hop, Filmmusik und spirituellen Klangräumen. Der Eintritt kostet 18 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr. Tickets sind unter www.kvstickets.com oder an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.
www.kulturkirche-koeln.de

Fotoausstellung in der Friedenskirche

Die Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein lädt am Freitag, 12. September, 19 Uhr, zur Vernissage der Fotoausstellung „Farbenspiel der Natur, Einblicke in eigenwillige Ausschnitte“ in die Friedenskirche, Wallstraße 70, ein. Gezeigt werden Fotografien von Edmund Lichtenfels, die Naturmotive aus ungewöhnlichen Blickwinkeln inszenieren. Bei der Eröffnung stellen Edmund Lichtenfels und Jens Olensen die Werke in einem Gespräch vor. Die musikalische Begleitung übernimmt Roman Kushniarou am Saxophon. Die Ausstellung ist anschließend von Samstag, 13. September bis Mittwoch, 5. November, jeweils samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Der Eintritt ist frei.
www.muelheim.kirchekoeln.de

Mit Anmeldung bis 12.09.: Workshop: „Wenn der Wecker nicht mehr klingelt“

Mit dem Eintritt in den Ruhestand beginnt ein neuer Lebensabschnitt. In einem Abendworkshop am Freitag, 19. September, 19 Uhr, im Ernst-Flatow-Haus, Vogelsanger Straße 153, lädt die Evangelische Kirchengemeinde Ehrenfeld dazu ein, die eigene Lebensgeschichte in den Blick zu nehmen und neue Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Der Workshop richtet sich an Menschen, die am Übergang in den Ruhestand stehen oder ihn gerade erlebt haben. In gemeinsamer Reflexion sollen Erfahrungen gewürdigt und Kraftquellen sichtbar gemacht werden. Ziel ist es, Mut und Orientierung zu gewinnen, um die kommenden Jahre bewusst und erfüllt zu gestalten. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung bis Freitag, 12. September, per E-Mail an ehrenfeld@ekir.de ist erforderlich.
www.kirche-ehrenfeld.de

Ordination von Oliver Klempel

Superintendentin Kerstin Herrenbrück ordiniert Prädikant Oliver Klempel in einem Gottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach am Sonntag, 14. September, 10 Uhr, in der Kirche zum Heilsbrunnen, Im Kleefeld 23. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
www.heilsbrunnen.de

450 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Frechen

Vor 450 Jahren, im Jahr 1575, gaben sich die Evangelischen in Frechen erstmals eine Ordnung als reformierte Gemeinde. Dieses historische Jubiläum wird am Sonntag, 14. September, mit einem Festgottesdienst, der um 10.30 Uhr in der Evangelischen Kirche Frechen, Hauptstraße 209, beginnt, gefeiert. Die Predigt hält Pfarrer Bernhard Seiger, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Parallel dazu findet ein Kinder- und Familiengottesdienst unter dem Titel „Minimax“ statt. Im Anschluss an den Gottesdienst lädt die Gemeinde zu einem Beisammensein mit Musik, Essen, Trinken, historischen Bezügen und einem Kinderprogramm ein. Das Fest endet gegen 15 Uhr. Am 14. September ist „Tag des offenen Denkmals“. Aus diesem bietet die Kirchengemeinde eine Kirchenführung an, die um 14 Uhr beginnt. Die Kirche ist anschließend bis 18 Uhr geöffnet, vor Ort gibt es Informationen zur Geschichte der Kirche und der Gemeinde sowie eine Auswahl an Broschüren und Ansprechpartnern für Rückfragen.
www.kirche-frechen.de

Musikalisch-literarischer Salon – Goethe und Beethoven

Literatur und Musik treten in einen außergewöhnlichen Dialog, wenn die Evangelische Kirchengemeinde Rodenkirchen erstmals zu einem Musikalisch-literarischen Salon einlädt. Am Sonntag, 14. September, 17.30 Uhr, öffnet der große Saal neben der Erlöserkirche, Sürther Straße 34, seine Türen für ein Programm, das Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven in den Mittelpunkt stellt. Professor Manfred Osten, international renommierter Goetheforscher, gibt Einblicke in die Aktualität von Goethes Beethoven-Bild unter dem Leitgedanken „Energischer, inniger, zusammengeraffter habe ich noch keinen Künstler gesehen“. Den musikalischen Teil gestaltet Professor Ilja Scheps mit Beethovens Klaviersonaten „Sonata quasi una Fantasia“ (Opus 27 Nr. 2) und „Grande Sonate Pathétique“ (Opus 13). Der Abend wird in Zusammenarbeit mit dem Lions-Hilfswerk Köln-Caligula e. V. veranstaltet. Der Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 5 Euro. Karten sind an der Tageskasse erhältlich.
www.erloeserkirche-rodenkirchen.de

„Brot & Buch & Innenhof“ – Semestereröffnung der Melanchthon-Akademie

Mit der Veranstaltung „Brot & Buch & Innenhof“ eröffnet die Melanchthon-Akademie am Mittwoch, 17. September, 18 bis 20 Uhr, das neue Semester in den Innenhöfen des Hauses der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11. Das Semester steht unter dem Thema „Raum für Risse“ – eine Einladung, Worte in Räume zu stellen, die selbst Geschichten von Brüchen und Spuren erzählen. Die Akademie richtet den Blick auf das Spannungsverhältnis zwischen Klang, Resonanz und Mitwelt. Nach der Vorstellung ausgewählter Bücher durch bietet der Abend Gelegenheit, bei Brot und Wein miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Teilnahme ist kostenfrei, um Anmeldung unter www.melanchthon-akademie.de wird gebeten.
www.melanchthon-akademie.de

 

Text: APK
Foto(s): APK/AI

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Künstliche Schwalbennester und NABU-Plakette: So engagiert sich die ASG für den Artenschutz

Im Rahmen des Projekts ‚Grüne Oase‘ hat eine ASG-Wohnanlage nun die NABU-Plakette ‚Schwalbenfreundliches Haus‘ erhalten – ein weiterer Schritt im Einsatz für eine naturnahe Umgebung.

Im Jahr 2021 startete Sven Berkowicz sein Projekt „Grüne Oase – Renaturierungsflächen“  in den Gärten der ASG-Wohnanlagen und bot damit unzähligen Insekten die perfekte Oase zum Leben. Er ist Teamleiter des Baum- und Gartenpflegeteams der Grube & Räther GmbH (G&R) – eine Tochtergesellschaft der Antoniter Siedlungsgesellschaft (ASG) im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region.

Naturnah gestalteten Flächen

Die naturnah gestalteten Flächen bieten zahlreichen Insekten geeigneten Lebensraum. Die naturnahen Flächen sind dabei nicht nur ein Paradies für Krabbeltiere, sondern auch ein Erlebnis für Groß und Klein: Für Anwohnende, insbesondere Kinder, entsteht so die Möglichkeit, Natur aus nächster Nähe zu beobachten und ökologische Zusammenhänge unmittelbar zu erleben.

Seit kurzem wurde nun genau diese Umgebung um eine weitere Plakette erweitert: Die NABU-Plakette für ein „Schwalbenfreundliches Haus“ wurde von Jana Romero und Lukas Steck an Sven Berkowicz überreicht. Zukünftig sollen in der Anlage Schwalben ein neues Zuhause finden, indem künstliche Schwalbennester und Nistkästen angebracht werden. In enger Zusammenarbeit mit der NABU will die Grube & Räther GmbH (G&R) den Schwalben eine Chance bieten, sich wieder zu erholen.

Artenschutz am Gebäude: So kann der Mensch helfen

In Deutschland gelten mehrere Schwalbenarten – wie etwa die Rauchschwalbe oder die Mehlschwalbe – als gefährdet. Sie stehen auf der sogenannten „Roten Liste“, einem Verzeichnis bedrohter Tierarten, das aufzeigt, welche Arten im Bestand zurückgehen oder vom Aussterben bedroht sind. Der Verlust von Lebensräumen, fehlende Nistmöglichkeiten und ein Rückgang an Insekten als Nahrungsquelle machen den Tieren zu schaffen. Daher sind sie auf gezielte Unterstützung durch den Menschen angewiesen – etwa durch das Anbringen von künstlichen Nestern, den Schutz bestehender Brutplätze oder durch eine insektenfreundliche Gestaltung der Umgebung.

Sollten auch Sie Schwalben am Haus oder am Stall haben, können Sie sich ebenfalls beim NABU für die Plakette „Schwalbenfreundliche Haus“ bewerben.

Grube & Räther GmbH (G&R) – eine Tochtergesellschaft der Antoniter Siedlungsgesellschaft (ASG)

Die Grube & Räther GmbH (G&R) ist eine Tochtergesellschaft der Antoniter Siedlungsgesellschaft (ASG) und bietet seit 2009 umfassende Dienstleistungen rund um die Immobilie an – darunter Garten- und Baumpflege, Hausmeisterservice, Handwerkerdienste und Gebäudereinigung. Ihr Hauptsitz befindet sich in Köln-Rath, wo ein professionelles Team aus Gärtnern, Handwerkern und Reinigungskräften tätig ist. G&R arbeitet nicht nur für die ASG, sondern bietet ihre Leistungen auch externen Partnern wie Kirchengemeinden an.

Text: Sebastian Emer/APK
Foto(s): Joyce Seide

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Du hast die Wahl! – Der Kölner Jugendring begleitet die Kommunalwahl mit zwei Aktionen

Fernsehtalkshows, Flyer und Broschüren, Interviews und Podiumsdiskussionen sind gängige Kommunikationsformen zwischen Politikern und Politikerinnen und Bürger und Bürgerinnen. Das Problem: Jugendliche und junge Erwachsene werden so nur selten erreicht. Der Kölner Jugendring, zu dessen 22 Mitgliedsverbänden auch die Evangelische Jugend in Köln und Umgebung gehört, möchte die anstehende Kommunalwahl am 14. September zum Anlass nehmen, neugierig auf Politik zu machen, politische Bildung stärken und nicht zuletzt die Anliegen junger Menschen hörbar und sichtbar werden lassen. Dazu gehören Klimagerechtigkeit, Sicherheit im öffentlichen Raum, (Im)Mobilität, mentale Gesundheit, wachsender Leistungsdruck und – ganz generell – das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Zunächst organisiert der Kölner Jugendring vom 1. bis zum 5. September in Köln die U-16-Kommunalwahl, d.h. alle jungen Kölner und Kölnerinnen, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und daher bei den „echten“ Wahlen noch keine Stimme hätten, dürfen in angemeldeten Wahllokalen in Einrichtungen wie Schulen, Jugendzentren oder Räumlichkeiten von Jugendverbänden ihr Votum abgeben. Der Kölner Jugendring sammelt die Stimmen und führt die Ergebnisse zusammen. Da die verfügbaren Tools die Anliegen junger Menschen oft zu wenig berücksichtigen, hat sich der Kölner Jugendring auch am Jugend-Wahl-O-Mat beteiligt –  ein interaktives, jugendgerechtes Tool, entwickelt von der JUGZ gemeinsam mit jungen Menschen.

Wie die zukünftigen Wahlberechtigten entschieden haben, wird dann im Rahmen des, ebenfalls vom Kölner Jugendring organisierten, heutigen Demokratiefestivals „Turn Up in CGN“ präsentiert, das in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindet. Die Idee kam von den Jugendlichen, die sich vor allem eine Kommunikation „auf derselben Ebene“ (also keine erhöhte Bühne, kein Podium!) und Interaktion wünschten. Auf dem Gelände des Kulturhof Kalk (Dillenburger Straße 65) gibt es einiges zu entdecken. Auf der Bühne sind Acts wie Retrogott, KET, Future of Battlerap, Johannes Zeijl oder No Limits zu erleben. Kreativstationen, Sportaktionen, Chillout-Areas und natürlich leckeres Essen und kühle Getränke sorgen für echtes Festival Feeling.

Mit Politikern und Politikerinnen ins Gespräch

Außerdem haben junge Menschen die Möglichkeit, direkt mit Politikern und Politikerinnen ins Gespräch zu kommen, die ihren Wahlkreis in Köln haben. Das geschieht in Diskussionsrunden, in einer spielerischen Challenge zwischen Jugend und Politik oder einfach im informellen Austausch zwischendurch. Angekündigt haben sich nicht nur die Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge (Bündnis 90/ Die Grünen), die Bundestagsabgeordneten Lea Reisner (Die Linke), Sanae Abdi (SPD) und Nyke Slawik (Bündnis 90/ Die Grünen), sondern auch der Abgeordnete des Europaparlaments Kai Tegethoff (Volt) und Landtagsabgeordnete wie Florian Braun (CDU),  Yvonne Gebauer (FDP), Jochen Ott (SPD) und Carolin Kirsch (SPD) sowie zahlreiche Kommunalpolitiker und Kommunalpolitikerinnen. Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat ihr Kommen zugesagt und darf von 15 bis 16 Uhr nach Herzenslust mit Fragen „gelöchert“ werden.

Das Highlight des Festivals ist die Wahlarena mit allen neun Bürgermeister-Kandidaten und Kandidatinnen. Ab 18 Uhr müssen sie sich 11:11 Minuten lang den Fragen aus dem Publikum stellen.

„Turn Up in CGN – das Jugendfestival“ wird von Jugendlichen mitgeplant und vom Bundeministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Demokratie leben!“ gefördert.

Jugendbeteiligung, Diskussionen und Mitmachaktionen

„Turn Up in CGN“ bringt junge Menschen in Köln zusammen, um Demokratie aktiv erlebbar zu machen. Im Kulturhof Kalk, Dillenburger Straße 65/Eingang Kalk-Mülheimer Straße 58, treffen sich am Freitag, 5. September, 14 Uhr, Jugendliche, Engagierte sowie politische Akteure. Die Evangelische Jugend Köln und Region ist mit einem Mitmachstand vor Ort und lädt ein, vorbeizuschauen. Das Programm startet am Nachmittag mit Live-Auftritten von Künstlerinnen und Künstlern wie Retrogott, Ket und No Limits.

Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke

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„Brot & Buch & Innenhof“: Semestereröffnung der Melanchthon-Akademie am 17. September

Mit der Veranstaltung „Brot & Buch & Innenhof“ eröffnet die Melanchthon-Akademie am Mittwoch, 17. September, 18 bis 20 Uhr, das neue Semester in den Innenhöfen des Hauses der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11. Das Semester steht unter dem Thema „Raum für Risse“ – eine Einladung, Worte in Räume zu stellen, die selbst Geschichten von Brüchen und Spuren erzählen.

Die Akademie richtet den Blick auf das Spannungsverhältnis zwischen Klang, Resonanz und Mitwelt. Nach der Vorstellung ausgewählter Bücher durch bietet der Abend Gelegenheit, bei Brot und Wein miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Teilnahme ist kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten.

Studienleiterin Lea Braun spricht über Risse, Unvollkommenheit und Verletzlichkeit:

Das Semester steht unter dem Motto ‚Raum für Risse‘. Was bedeutet dieses Bild für die Arbeit der Akademie – und warum halten Sie es gerade jetzt für wichtig, Worte und Geschichten in Räume voller Brüche zu stellen?

Lea Braun.
Lea Braun.

Lea Braun: Zu diesem Bild wurden wir durch Kintsugi inspiriert. Das ist eine japanische Reparaturkunst, in dem der Raum zwischen zerbrochenen Scherben in einem aufwändigen Prozess mit Gold sichtbar wieder zusammengefügt wird. Wir folgen in diesem Semester biografischen, aber auch gesellschaftlichen Rissen. Wir stellen uns dem Unvollkommenen und unserer Verletzlichkeit. Wir wollen die Mehrdimensionalität der Risse entdecken. Hier ist Platz für Schmerz und Schönheit, für Aushalten, für Trost, für Hoffnung und für Prozess.

„Brot & Buch & Innenhof“ verbindet Literatur mit Begegnung und Austausch. Was macht für Sie den Reiz dieses Formats aus – und was unterscheidet es von einer klassischen Semestereröffnung?

Lea Braun: Für mich liegt der Reiz des Formats in der Verbindung von Literatur, unserem neuen Programm und der konkreten Umgebung in den Innenhöfen. Buch&Brot&Innenhöfe gibt uns Studienleitenden die Möglichkeit das Gelesene in den Kontext unserer Ideen zu setzen, die wir in die Veranstaltungen haben einfließen lassen. Daher ist die Literatur für mich oft ein Spiegel der Themen, die uns in der Akademie beschäftigen. Außerdem kann ich das Kommen allen empfehlen, die auf der Suche nach Buchtipps sind!

www.melanchthon-akademie.de

Text: APK
Foto(s): Melanchthon-Akademie

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Gedenkstättenfahrt für Jugendliche ab 16 Jahren: Auschwitz und Krakau vom 5. bis 10. Oktober

Ge[h]denken 2025: Gedenkstättenfahrten gehören zum Profil der Evangelischen Jugend im Kontext historisch-politischer Bildung. Im Rahmen der politischen Bildungsarbeit und zur sozialen Bildung als Beitrag zur Auseinandersetzung mit den Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft führt das Evangelische Jugendreferat Köln und Region jedes Jahr Gedenkstättenfahrten zu unterschiedlichen Orten durch. Damit soll das Interesse an politischer Beteiligung gestärkt, die Fähigkeit zu kritischer Beurteilung politischer Vorgänge und Konflikte weiterentwickelt und durch aktive Mitgestaltung politischer Vorgänge zur Persönlichkeitsentwicklung beigetragen werden. Dabei spielt auch die Auseinandersetzung mit neuen Formen des Rechtsextremismus eine besondere Rolle.

Auschwitz/Birkenau

Das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz ist der bekannteste Ort der Welt, der von menschlichem Leid und Vernichtung gekennzeichnet ist. Dieses Konzentrationslager wurde zum Symbol des Holocaust, Völkermord und Terror, zum Symbol des Bruchs mit allen grundlegenden Menschenrechten. Es ist ein schreckliches Beispiel dafür, wozu Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz führen können. Im Zentrum der Fahrt steht der Besuch der KZ-Gedenkstätten Auschwitz I (Stammlager) und Auschwitz II (Birkenau). Auf dem Programm der Fahrt stehen geführte Rundgänge durch die Gedenkstätten, Gespräche mit Historikern und Historikerinnen und Pädagogen und Pädagoginnen sowie Workshops zur gemeinsamen Reflexion.

Krakau

Ergänzt wird die Fahrt durch den Besuch der Stadt Krakau – eine der ältesten und schönsten Städte Polens. Bei einem Rundgang durch das jüdische Viertel Kazimierz tauchen die Jugendlichen ein in die vielfältige jüdische Geschichte der Stadt. Dabei geht es auch um die Frage: Was bedeutet Erinnerung und Verantwortung für uns heute?

Die Fahrt richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren. Sie bietet nicht nur historisches Lernen, sondern auch die Möglichkeit zum Austausch in der Gruppe und zur persönlichen Weiterentwicklung.

Erinnern – Verstehen – Verantwortung übernehmen: Unter diesem Motto lädt das Evangelische Jugendreferat Köln und Region Jugendliche ein, sich auf den Weg zu machen. Die Teilnahme ist ein starkes Zeichen gegen das Vergessen und für eine menschenwürdige, gerechte Gesellschaft.

Weitere Informationen sowie Anmeldemöglichkeiten gibt es unter https://www.evangelische-jugend.koeln/aktionen/gedenkstaettenfahrten/

Text: Claudia Klein-Adorf
Foto(s): Evangelisches Jugendreferat Köln und Region

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Unsere Wochentipps: Flamenco-Konzert, künstlerische Orgelklänge und Demokratiefestival

Eine Vielfalt kirchlicher Veranstaltungen lädt dazu ein, Gemeinschaft, Kultur und demokratisches Engagement zu erleben – von jugendlicher Mitbestimmung und Musikgenuss über politische Diskussionen bis hin zu spirituellen Feierlichkeiten. Unsere Wochentipps bieten ein besonders facettenreiches Programm, das sowohl Austausch als auch Besinnung ermöglicht.

„Turn Up in CGN“ – Demokratiefestival in Köln Kalk

„Turn Up in CGN“ bringt junge Menschen in Köln zusammen, um Demokratie aktiv erlebbar zu machen. Im Kulturhof Kalk, Dillenburger Straße 65/Eingang Kalk-Mülheimer Straße 58, treffen sich am Freitag, 5. September, 14 Uhr, Jugendliche, Engagierte sowie politische Akteure. Die Evangelische Jugend Köln und Region ist mit einem Mitmachstand vor Ort und lädt ein, vorbeizuschauen. Das Programm startet am Nachmittag mit Live-Auftritten von Künstlerinnen und Künstlern wie Retrogott, Ket und No Limits. Dazu kommen Rap-Battles, Tanzperformances, Kurz-Challenges, kreative Workshops, ein Food-Corner sowie eine Tombola. Ein besonderes Highlight ist die Wahlarena: Ab 18 Uhr stellen sich neun Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters den Fragen des Publikums. In kurzen Runden von genau 11 Minuten und 11 Sekunden, entsteht ein direkter, ehrlicher und ungeschönter Dialog. „Turn Up in CGN – Demokratie in Köln“ ist Teil des Jugendbeteiligungsprojekts zur Förderung demokratischer Mitbestimmung und politischer Teilhabe junger Menschen. Der Eintritt ist frei.
www.evangelische-jugend.koeln

Flamenco-Konzert in Delling

Die Evangelische Kirchengemeinde Delling lädt am Samstag, 6. September, 19 Uhr, in die Kirche Delling, Delling 1, zu einem besonderen Flamenco-Abend ein. Der Gitarrist Roger Tristao Adao und die Tänzerin Carmen Rodriguez Castillo gestalten ein Programm, das traditionelle Flamencostile wie die mitreißende Farruca mit komponierter spanischer Gitarrenmusik verbindet. Während Adao zeigt, wie Komponisten überlieferte Melodien und Rhythmen kunstvoll verarbeiten, übersetzt Rodriguez Castillo den emotionalen Gehalt der Musik in Tanz. Ihre Choreographien sind tief in der spanischen Tradition verwurzelt und zugleich von modernen Tanztechniken inspiriert. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
www.kirche-delling.de

FÄLLT AUS: Orgelwanderung durch die Kölner Innenstadt

Eine musikalische Entdeckungstour erwartet Interessierte am Samstag, 6. September, 11 Uhr: Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region lädt zur Orgelwanderung mit dem Kölner Kirchenmusiker und Orgelspezialisten Wolf-Rüdiger Spieler ein. Treffpunkt ist die Trinitatiskirche, Filzengraben 4. Auf dem rund zweieinhalb Kilometer langen Rundweg werden fünf ausgewählte Kirchen besucht – St. Kunibert, St. Andreas, St. Aposteln, Antoniterkirche und die Trinitatiskirche. An jeder Station gibt es Wissenswertes zur jeweiligen Orgel, Einblicke in Klangvielfalt und Technik sowie kurze musikalische Kostproben. Die Führung bietet einen Querschnitt durch moderne Orgelbaukunst. Eine Teilnahme ist sowohl zu Fuß als auch mit dem Fahrrad möglich. Die Teilnahme kostet 39 Euro pro Person, für Paare 65 Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich unter www.trinitatiskirche-koeln.de.
www.trinitatiskirche-koeln.de

Gleichstellungspolitik in Köln – Podiumsdiskussion mit Kommunalwahl-Kandidatinnen

Am Samstag, 6. September, lädt der Arbeitskreis Kölner Frauenvereinigungen (AKF) von 11 bis 13 Uhr zur Podiumsdiskussion ins Haus der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11, ein. Im Vorfeld der Kommunalwahl 2025 hat der AKF allen Parteien 28 konkrete Fragen zur Gleichstellungspolitik gestellt – von fairer Bezahlung bis zu geschlechtergerechter Stadtplanung. Die Antworten sind unter https://kommunal.akf.koeln veröffentlicht. An diesem Vormittag stellen sich Kandidatinnen für den Kölner Stadtrat den Fragen des Publikums und diskutieren ihre politischen Vorhaben. Dr. Marita Alami moderiert die Veranstaltung. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung unter Telefon 02217931803-0 oder per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.
Anmeldung erforderlich, Tel: 0221 931 803 0, anmeldung@melanchthon-akademie.de
www.melanchthon-akademie.de

Gemeindefest in Weiden/Lövenich

Mit einem festlichen Familiengottesdienst beginnt am Sonntag, 7. September, 11 Uhr, das Gemeindefest der Evangelischen Kirchengemeinde Weiden/Lövenich in der Evangelischen Kirche Weiden, Aachener Straße 1208. Im Anschluss erwartet die Besucherinnen und Besucher ein buntes Programm mit Spiel und Spaß für Kinder, kulinarischen Angeboten und vielen Gelegenheiten zur Begegnung und zum Gespräch.
www.ev-kirche-weiden.de

Verabschiedung von Christoph Spering

Nach über vier Jahrzehnten im Dienst der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein wird Kantor Christoph Spering am Sonntag, 7. September, 15 Uhr, in der Friedenskirche, Wallstraße 70, im Rahmen eines musikalisch gestalteten Festgottesdienstes mit anschließendem Empfang verabschiedet. Christoph Spering prägte über 42 Jahre hinweg das kirchenmusikalische Leben der Gemeinde mit großem künstlerischem Engagement und vielfältigen Projekten. Zu seinen besonderen Verdiensten zählt unter anderem der Einsatz für die neue Woehl-Orgel in der Friedenskirche, die er bis zuletzt mit Leben erfüllte. Als leidenschaftlicher Musiker, geschätzter Organist und profilierter Chorleiter hinterlässt er eine spürbare Lücke – und eine musikalische Handschrift, die bleibt.
www.muelheim.kirchekoeln.de

Künstliche Intelligenz trifft künstlerische Orgelklänge

Am Sonntag, 7. September, 18 Uhr, lädt die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Bayenthal zu einem besonderen Konzert- und Vortragsabend in die Reformationskirche, Mehlemer Straße 29/Ecke Goethestraße, ein. Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland, beleuchtet in einem Vortrag die gesellschaftlichen und technischen Dimensionen von künstlicher Intelligenz. Samuel Dobernecker, Organist und Kreiskantor, zeigt an der Peters-/Späth-Orgel die musikalischen Möglichkeiten von menschengemachter und KI-gesteuerter Musik und schafft überraschende Klangräume. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
www.kirche-bayenthal.de

Text: APK
Foto(s): APK/AI

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Erklärung des Sprechers des Kölner Runden Tisches für Integration und der Ombudsleute für das Fairnessabkommen mit den Parteien zum Kommunalwahlkampf 2025

Angesichts der bundesweiten Berichterstattung über das Kölner Fairnessabkommen nehmen wir zur medialen Debatte Stellung.

Alle Themen, die die Menschen vor Ort bewegen und zu denen sich politische Akteure verhalten, gehören in den Wahlkampf. Der Streit um Meinungen und Konzepte ist eine Stärke der Demokratie.

Das Fairnessabkommen, das die demokratischen Parteien Kölns seit 25 Jahren zu Wahlen aus Überzeugung abschließen, trägt Sorge dafür, dass bei dieser Auseinandersetzung die Menschenrechte und die Menschenwürde aller Betroffener gewahrt werden. Die Ombudsleute sind dabei seit jeher eine Werteinstanz. Sie mahnen zur Einhaltung der vereinbarten Werte. Für die Einhaltung dieser Werte sind die Parteien selbst verantwortlich.

Über einen möglichen Verstoß gegen das Abkommen wird zuerst intern beraten und die Klärung mit denen, denen ein Verstoß vorgeworfen wird, gesucht. Die Bewertung erfolgt durch die unabhängigen Ombudsleute. Ein etwaiger festgestellter Verstoß gegen das Abkommen kann zusammen mit dem Runden Tisch öffentlich gemacht werden.

Wir widersprechen klar und eindeutig den rechtspopulistischen in Medien wahrheitswidrig verbreiteten Behauptungen, das Fairnessabkommen tabuisiere die Debatte über die Themen Flucht und Migration im Kommunalwahlkampf:

Die Stellungnahme der Ombudsleute vom 22.8.25 belegt das Gegenteil zur aktuellen Anfrage.

„Uns ist es ein wichtiges Anliegen, bei einer sehr hitzig geführten Debatte rund um die Großunterkunft für Geflüchtete im Agnesviertel, mit Ruhe und Sorgfalt zu prüfen, ob es Verstöße gegen das vom Runden Tisch für Integration initiierte Fairnessabkommen gegeben hat, zu dem sich die demokratischen Parteien Kölns verpflichtet haben. Sie haben zugesagt, nicht auf Kosten von Menschen mit Migrationshintergrund Wahlkampf zu betreiben, also mit den Themen Migration und Umgang mit Geflüchteten sachlich und respektvoll umzugehen. Das bedeutet, im Diskurs würdevoll von Migrantinnen und Migranten zu sprechen.  

Es bedeutet nach unserer Auffassung nicht, dass über die Gestaltung und den Ort der Unterbringung Geflüchteter in unserer Stadt keine politische Auseinandersetzung stattfinden darf. Das Thema beschäftigt Bürgerinnen und Bürger, und es findet dazu seit langer Zeit insbesondere im betroffenen Stadtteil eine kritische Auseinandersetzung statt. Es gehört zur demokratischen Auseinandersetzung, dass sachbasiert Lösungswege für strittige Themen diskutiert werden, dazu dient auch der Wahlkampf. Wenn demokratische Parteien hierzu unterschiedliche Positionen haben, dann ist das Ausdruck der Meinungsvielfalt, die unsere Demokratie auszeichnet.

Nach der Fairnessverpflichtung ist im Wahlkampf darauf zu achten, dass der Streit nicht auf Kosten geflüchteter Menschen erfolgt. Eine Herabwürdigung geflüchteter Menschen findet sich im fraglichen Flyer nach unserer Einschätzung an keiner Stelle. Die Aufgabe, in unserer Stadt eine würdige Unterbringung geflüchteter Menschen in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu gewährleisten, wird zudem nicht infrage gestellt. Insofern liegt nach unserer Auffassung kein Verstoß gegen das Fairnessabkommen vor.

Intern hat uns die CDU Köln auf Nachfrage ausführlich, nachvollziehbar und glaubwürdig erläutert, wie es ihr in der politischen Auseinandersetzung um die Strukturen der Aufgabenbewältigung geht, nicht um Personen. Die Partei möchte zum Wohle geflüchteter Menschen eine andere, dezentrale Art der Unterbringung erreichen. Man kann kritisieren, dass dies im fraglichen Flyer nicht klar genug wird, dass keine ausreichende Transparenz über die Rahmenbedingungen, die Trägerschaft und die Interimsaufgabe der geplanten Einrichtung im Gebäude am Reichensberger Platz hergestellt wird und manche Formulierungen missverständlich sind. Das haben wir den Verantwortlichen auch so mitgeteilt.

Wir bitten alle Parteien darum, dass bei der weiteren politischen Auseinandersetzung möglichst differenziert argumentiert und kommuniziert wird und der Grundsatz stets beachtet wird, dass dabei die Würde geflüchteter Menschen nicht gefährdet werden darf.“

Wolfgang Uellenberg van Dawen, Sprecher Runder Tisch       

Bernhard Seiger, Stadtsuperintendent                                               

Gregor Stiels, Vorsitzender Katholikenausschuss Köln

Ferner hat der Sprecher des Runden Tisches für Integration aufgrund der vielen Nachfragen eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen erstellt. Diese veröffentlichen wir hier:

Das Fairnessabkommen des Kölner Runden Tisches für Integration mit den demokratischen Parteien

Ist das Fairness Abkommen ein Kartell der Alt Parteien, um die Diskussion über Migranten und Flüchtlinge zu verhindern?

Nein! Das Gegenteil ist der Fall: CDU, SPD, Die Linke, FDP, Grüne und Volt nehmen in ihren Wahlprogrammen zu Fragen von Flucht und Migration Stellung. Sie schließen das Fairness Abkommen mit dem Kölner Runden Tisch ab, um dafür im Wahlkampf einen Rahmen zu haben, der ermöglicht, dass alle Themen fair angesprochen werden können. Das Grundgesetz schützt die Würde aller Menschen ob mit oder ohne deutschen Pass. Wenn über Eingewanderte und Geflüchtete diskutiert wird, müssen sie auch respektiert werden.

Gibt es im Fairness Abkommen Diskussionsverbote?

Nein! Die Parteien verpflichten sich nur, nicht auf Kosten der unter uns lebenden Menschen mit Migrationshintergrund Wahlkampf zu betreiben und inhaltlich fair zu bleiben. Parteien kämpfen um die Macht und stellen die Weichen für das Leben der Menschen in Köln. Darum haben sie auch die Verpflichtung die tatsächlichen Sorgen und Probleme der Bevölkerung zu nennen.

Zu wenig Kita Plätze, zu lange Wartezeiten auf die KVB. Kürzungen zu Lasten des Sozial- Bildungs- und Kulturhaushaltes, aber besonders der Wohnungsmangel – das sind die Probleme der Menschen. Die Kommunen brauchen mehr Geld von Land und Bund. Wer für alles die Geflüchtete und Eingewanderte verantwortlich macht, schließt die Augen vor den tatsächlichen Ursachen von Problemen und Missständen.

Schreibt das Fairness Abkommen vor, wie Menschen über die Probleme mit „Ausländern“ reden dürfen?

Wie Menschen über die Menschen mit Migrationshintergrund reden, das steht nicht im Fairness Abkommen. Wer Vorurteile und Ängste hat oder einfach so redet, wie er oder ihr der Schnabel gewachsen ist, bleibt ihm überlassen. Aber zur Demokratie gehört Respekt und darum sollen Parteien Vorurteile auch nicht in den eigenen Reihen dulden. Schon 42 Prozent aller Menschen in Köln kommen aus Familien, die hier eingewandert sind. Wir alle gemeinsam sind Köln.

Werden die Sorgen und die Ängste der Menschen ausgeklammert?

Nein! Im Abkommen werden negative gesellschaftliche Entwicklungen wie die Arbeitslosigkeit oder die Gefährdung der inneren Sicherheit ausdrücklich genannt:

Dass Migrantinnen und Migranten den Deutschen die Arbeit wegnehmen- davon spricht heute keiner mehr. Im Gegenteil ohne die Arbeit von Migrantinnen und Migranten könnten die Krankenhäuser und Pflegeheime keine Patienten aufnehmen, viele Betriebe stünden still, Onlinebestellungen wären nicht mehr möglich, weil niemand sie ausliefert. Parteiübergreifend wird die Einwanderung von Fachkräften gefordert. Aber wenn weiter Stimmung gegen Eingewanderte und Geflüchtete gemacht wird, werden nur wenige kommen.

Wie ist das mit der Kriminalität und der Sicherheit? Ducken sich die Parteien dabei weg, obwohl die Menschen Angst haben, auf die Straße zu gehen.

Wenn alle „Ausländer“„kriminell“ wären, gehörten 40 Prozent der Einwohner Kölns dazu. Auch Menschen mit internationaler Familiengeschichte begehen Straftaten. Je mehr in Köln leben, desto höher ist auch ihr Anteil an Straftaten etwa bei jungen Männern. Aber oft werden Menschen häufiger verdächtigt, weil sie fremd aussehen. Darum sagt die Kriminalstatistik wenig aus, da sie nur die Strafanzeigen benennt, aber nicht die die Zahl der von den Gerichten verurteilten, Und die ist weit geringer. Ängste und Unsicherheit können die Parteien und auch der Runde Tisch niemand nehmen. Aber es ist eine Aufgabe der Politik präventiv für Sicherheit und sorgen. Darum muss man die gesellschaftlichen Ursachen von Kriminalität wie zerrüttete Familienverhältnisse, Gewalt, mangelnde Perspektiven usw. angehen.

Was geschieht bei Verstößen gegen das Abkommen?

Wenn sich jemand beim Runden Tisch beschwert, werden zwei Schiedspersonen mit der Beschwerde befasst. Die sollen darüber entscheiden, ob das Abkommen verletzt wurde. Die Parteien haben sich damit einverstanden erklärt, dass die Schiedsleute – derzeit von der katholischen und evangelischen Kirche – mit dem Runden Tisch dann einschreiten können. Sie können dazu auffordern, etwa einen Flyer nicht mehr zu verteilen oder ein Plakat abzuhängen. Aber das war bisher, also seit 1998, noch nicht der Fall.

Wird die AfD ausgegrenzt?  

Für den Kölner Runden Tisch sind Menschenwürde und Menschenrechte die Grundlage der Auseinandersetzung auf dem Boden des Grundgesetzes. Das Grundsatzprogramm der AfD und ihre aktuelle Forderung nach Remigration und massenhaften Abschiebungen (Björn Höcke) ist das Gegenteil von dem, wofür der Kölner Runde Tisch für Integration steht. Darum laden wir die AfD nicht ein, dem Fairnessabkommen beizutreten.

Dazu sagt der Spitzenkandidat der AfD in Köln Mathias Büschgens im Nachrichten Portal NIUS am 26. August: Die AfD würde „das Abkommen „niemals unterzeichnen“ – es würde „unseren Grundsätzen widersprechen und unsere Überzeugungen verraten“.

Was ist der Runde Tisch für Integration

Der Kölner Runde Tisch für Integration diskutiert seit 1991 viermal im Jahr auf seinen Plenen und zu den Wahlen in öffentlichen Veranstaltungen über alle Themen von Flucht und Migration. Von Aufenthalt bis zum Spracherwerb, von der Wohnungssuche bis zum Kita Platz, von den Regeln des Zusammenlebens bis zur sozialen Ungleichheit und natürlich auch über Sicherheit und Kriminalität. Unser Adressat sind Politik und Stadt sowie Parteien und gesellschaftliche Organisationen.  www.rundertischkoeln.de

Verantwortlich: Wolfgang Uellenberg van Dawen, Sprecher des Kölner Runden Tisches für Integration

c/o Kölner Flüchtlingsrat

Herwarthstr. 7

50672 Köln

Text: Erklärung des Sprechers des Kölner Runden Tisches für Integration und der Ombudsleute für das Fairnessabkommen mit den Parteien zum Kommunalwahlkampf 2025
Foto(s): APK/Archiv

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„Evangelisch. Für Vielfalt – gegen Hass“: Bildungseinrichtungen und Diakonie des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region beziehen Stellung

Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und rechtsextremer Strömungen haben die Bildungseinrichtungen und die Diakonie des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. Unter dem Titel „Evangelisch. Für Vielfalt – gegen Hass“ bekennen sie sich klar zu den Wurzeln des christlichen Glaubens – und setzen ein starkes Signal für Demokratie und Menschenwürde.

„Hass zerstört das friedliche Zusammenleben von Menschen. Er macht blind für den Mitmenschen und schadet der Seele“, heißt es gleich zu Beginn der Erklärung. Demgegenüber betonen die Verfasser:innen: „Vielfalt ist kein Problem, sondern ein Segen. Gottes Segen gilt nicht nur einigen – sondern allen.“

Klare Position gegen Menschenfeindlichkeit

Die Bildungseinrichtungen und die Diakonie Köln und Region benennen in ihrer Stellungnahme unmissverständlich die Bedrohungen, die sie für Demokratie und Zusammenhalt sehen: Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit, religiöser Fanatismus und insbesondere Rechtsextremismus. „Diese Ideologien widersprechen unseren christlichen Werten“, heißt es.

„Wir wollen nicht schweigen, wenn Menschenfeindlichkeit gesellschaftsfähig gemacht werden soll“, erklärt Daniel Drewes (Ev. Jugendreferat Köln und Region) „Unsere Botschaft ist klar: Wir treten ein für Respekt, für Solidarität und für eine offene Gesellschaft.“

Auftrag von Bildung und Kirche

In Schulen, Erwachsenenbildung und diakonischen Angeboten setzen die Einrichtungen auf Aufklärung, Dialog und Solidarität. Dazu gehört, Vorurteile zu benennen, Verschwörungserzählungen zu entlarven und dort Grenzen zu ziehen, wo demokratische Grundwerte angegriffen werden. Gleichzeitig entstehen Räume für Begegnung, politische Bildung und Unterstützung – offen auch für den Austausch mit anderen Religionen und Institutionen.

„Wir möchten Menschen ermutigen, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und für eine Gesellschaft einzutreten, die auf Würde und Respekt gründet“, so Lina Jakobs (Familienbildungsstätte).

Mut zum Aufbruch

Die Stellungnahme schließt mit einem biblischen Bild: „Lech lecha – Gehe!“, Gottes Aufforderung an Abraham, wird als Ansporn verstanden, mutig zu handeln – auch gegen Widerstände. „Das Christentum hat Menschen schon immer motiviert, aufzubrechen, Menschlichkeit zu suchen und das Gute zu wagen. In dieser Tradition wollen wir stehen.“

Begleitende Aktion bis zur Kommunalwahl

Bis zur Kommunalwahl am 14. September werden die Bildungseinrichtungen und die Diakonie Köln und Region täglich in den sozialen Medien kurze Zitate Rveröffentlichen. Damit soll die Haltung für Vielfalt und gegen Hass noch stärker sichtbar werden – innerhalb der evangelischen Kirche ebenso wie in der Öffentlichkeit.

Text: Claudia Klein-Adorf
Foto(s): Sammy Wintersohl

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