Köln, lass uns reden Ökumenischer Gottesdienst im Kölner Dom – Göring-Eckardt und Diemert im Dialog

Katrin Göring-Eckardt bei der Dialogpredigt: „Wir hören nicht auf, gemeinsam nach dem Guten zu suchen.“ Foto: Stefan Rahmann

„Suchet der Stadt Bestes.“ Diese Aufforderung zum Handeln stand im Zentrum des ökumenischen Gottesdienstes der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Köln (ACK) im Kölner Dom. Er fand im Rahmen der viertägigen „Dreikönigswallfahrt“ statt. In ihrer Dialogpredigt nahmen die Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) und Dörte Diemert, Kölner Stadtdirektorin und Stadtkämmerin, Bezug auf das Bibelwort des Propheten Jeremia: „Suchet der Stadt Bestes.“ Was können wir tun, damit das Zusammenleben aller Menschen in unserer Stadt gelingt? Auf diese Frage suchten die katholische Stadtdirektorin und die evangelische Bundestagsabgeordnete Antworten.

Musikalisch begleitet wurde die Feier vom Kölner Jugendchor St. Stephan und dem Kinderchor Lucky Kids unter der Leitung von Michael Kokott.

Gemeinsam nach dem Besten für die Stadt suchen

Mit einführenden Worten begrüßte Martin Bock, einer der Vorsitzenden der ACK Köln, die Gläubigen in der nahezu voll besetzten Kathedrale zum Gottesdienst unter dem Motto „Zum Frieden verpflichtet – Köln, lass uns reden“. Gestaltet wurde er von Mitgliedern der in der ACK vertretenen Glaubensgemeinschaften und dem Kölner Rat der Religionen. Sie zitierten aus der „Kölner Friedensverpflichtung“ und der „allgemeinen Chorweiler Friedenserklärung“.

Was aber sei für die Menschen in dieser Stadt das Beste? Jeremia sage dazu: suchet! Wer sucht, sei nicht festgelegt, und Offenheit sei eine Voraussetzung dafür, andere Meinungen zu respektieren. „Gemeinwohl heißt nicht, dass es keine Konflikte gibt. Es geht darum, zu handeln und auszuhandeln“, so Göring-Eckardt. Das unterscheide Demokratinnen und Demokraten von Autokraten. „Es sind die Finsternisbewirtschafter dieses Landes, die versuchen, genau das zu ändern. Was verloren geht, ist das Schöne, das Wissen um das Gute, das Streben nach dem Besten für alle und nicht nur für einen oder eine“, kritisierte die Bundestagsabgeordnete. „Wir hören nicht auf, gemeinsam nach dem Guten zu suchen.“

„Und dann: Wenn wir gemeinsam glauben, das Beste gefunden zu haben. Wer bringt es dann zum Leben? Wer setzt es um?“, fragte Dörte Diemert. Die Menschen bräuchten Schulen und Kitas, sichere Wege, Straßen, Brücken, soziale Unterstützung und Wohnraum, Energie, Kultur, Sportangebote und Freiräume für Begegnungen. Politik und Verwaltung könnten uns unsere Verantwortung füreinander aber nicht abnehmen.

„Hier zu sein, so verstehe ich Jeremia, heißt auch, sich jeden Tag aufs Neue zu fragen: Was gebe ich diesem Ort? Wo lebe ich das Wir? Wo werde ich von einer Bewohnerin zur Mitgestalterin?“, sagte Diemert. Gemeinschaft entstehe dort, wo Menschen bereit seien, Zeit, Ideen, Arbeit und Aufmerksamkeit beizutragen. Das eigene Wohl und das Wohl der Gemeinschaft seien keine Gegensätze. Gemeinschaft und Heimat gemeinsam zu gestalten, bedeute auch, selbst anzufangen, die Balken im eigenen Auge zu sehen und die Türen offenzulassen für die, die ganz anders denken und fühlen als wir selbst.

Denn wer angekommen sei wie die Menschen im Lied „Stammbaum“, der bekomme nicht nur einen Ort, sondern auch eine Aufgabe. „Eine Aufgabe, die uns alle verbindet, auch katholische oder evangelische Christen“, so Katrin Göring-Eckardt. Dörte Diemert beendete die gemeinsame Predigt mit einer Forderung: „Mit Frauen hier vorne. Und gerne auch überall in meiner Kirche.“ Zum Abschluss des Gottesdienstes spendeten Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, Stadtdechant Robert Kleine und Erzpriester Merawi Tebege von der Äthiopischen Gemeinde Köln den Schlusssegen.

Ein Abend des Dialogs im Domforum

Carolin Hostert-Hack, Rolly Brings, Dörte Diemert, Serap Güler, Katrin Göring-Eckardt, Norbert Bauer (v.l.)

Nach dem Gottesdienst lud die ACK zu einer Soirée ins Domforum. Neben Diemert und Göring-Eckardt saßen dort Serap Güler (CDU) und der Kölner Liedermacher Rolly Brings auf dem Podium. Sie stellten sich den Fragen von Carolin Hostert-Hack (Katholisches Bildungswerk Köln) und Norbert Bauer (Karl-Rahner-Akademie).

Was Köln zusammenhält

Auf die Frage „Was ist für Sie der Stadt Bestes?“ gab Rolly Brings eine persönliche Antwort. Er sprach davon, was seine Mutter ihm vorgelebt hatte: „Sie hatte ein großes Herz und hat die Menschen aufgefangen, denen es schlechter ging als uns.“ Heute seien es die vielen Ehrenamtlichen mit ihrer stillen und unermüdlichen Arbeit. Ohne sie wäre unsere Stadt eine kalte, hässliche Stadt.

Serap Güler stellte die Ängste und Sorgen der Menschen in den Mittelpunkt. Viele hätten in Zeiten globaler, internationaler und nationaler Krisen Angst, ihren Wohlstand oder ihre vertraute Umgebung zu verlieren. Sie fragte, ob jede Angst und Sorge wirklich so berechtigt sei.

Moderatorin Carolin Hostert-Hack fragte, wie sich Köln verändert habe. „Köln hat eine Vision davon, wie diese Stadt leben will. Und die ist nach wie vor sehr bunt und sehr freiheitlich und sehr offen, auch wenn das in Teilen unter Druck gerät“, sagte Dörte Diemert. Doch auch Köln sei nicht immun gegen negative Veränderungen. Auch hier gebe es Stadtteile mit über 30 Prozent Stimmenanteil für die AfD.

„Wie gelingt es, die gesellschaftliche Mitte zu stärken?“, fragte Moderator Norbert Bauer. Dafür gebe es kein Patentrezept, sagte Göring-Eckardt. „Aber miteinander sprechen ist wichtig.“ Sie erzählte von einem Handwerker, der keinen Nachfolger für seinen Betrieb finde. In einer Geflüchteten-Unterkunft gebe es zwei Männer, die dort die Elektrik installiert hätten. Er sei zwar nicht hingegangen, habe aber wenigstens zugehört. Entscheidend sei, dass sich die demokratischen Parteien von Inhalten der AfD fernhielten und „dass wir das Gift nicht in unsere Parteien hineinlassen“. Ebenso wichtig sei, dass sie weiter um Kompromisse und Konsens ringen würden. Auch die Kirchen hätten eine wichtige Funktion, ergänzte Dörte Diemert. Sie müssten sich daran beteiligen, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu bewahren.

Wie jeder dazu beitragen könne, Menschen näher zusammenzubringen, brachte Rolly Brings auf den Punkt: „Wenn Sie gleich nach Hause gehen und da liegt wieder ein Mensch auf dem Boden, sehen Sie ihn. Schenken Sie ihm ein Lächeln. Und einen Euro. Das ist ganz einfach.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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