Mehr als 100 Gäste feiern Begegnungsfest in Kalk-Humboldt

Draußen regnete es Bindfäden aus grauen Wolken, drinnen hätte es bunter und fröhlicher kaum sein können – über 100 Gemeindeglieder und Gäste waren beim Begegnungsfest der Gemeinde Kalk-Humboldt in der Jesus-Christus-Kirche dabei. Die vielen Angebote für Kinder wurden einfach in den hinteren Bereich der Kirche verlegt, im Vorraum lockte ein kulinarisches Angebot, das von syrischem Kuchen über kongolesische Speisen der afrikanischen Gemeinde bis zu Fleisch vom Grill reichte, der gerade noch unter dem Vordach Platz fand.

Buntes Begegnungsfest trotz Dauerregen

„Kurz vor Beginn unseres Festes hatten wir schon Sorge, ob überhaupt jemand kommt, denn fast alle Angebote waren für draußen geplant“, sagte Pfarrerin Selma Thiesbonenkamp. „Aber dann waren schon zum Familiengottesdienst um 10.30 Uhr viele Besucher da, und über den Tag kamen immer wieder neue dazu, darunter auch Menschen, die wir bisher noch nicht kannten. Das hat uns sehr gefreut, denn genau das ist unser Anliegen als offene und vielgestaltige Gemeinde mitten im Veedel.“

Eröffnet wurde das Begegnungsfest mit einem Familiengottesdienst, den Thiesbonenkamp gemeinsam mit Pfarrerin Christiane Averbeck und zahlreichen Gemeindegliedern gestaltete. Da hielt es einen kleinen FC-Fan im Mini-Trikot nicht die ganze Zeit auf den Bänken, statt einer Predigt gab es die Geschichte vom Wal Wendelin. Unterdessen durften die Kinder in kleinen Gruppen auf bunte Pappen malen, was sie an der Unterwasserwelt des Wals faszinierte, und ihre kleinen Kunstwerke dann stolz präsentieren.

Ein Wal erzählt von Freundschaft und Gemeinschaft

Wendelin, ein einsamer und trauriger Wal, sammelt im Ozean alles, was glitzert und wertvoll aussieht: Muscheln, Gegenstände aus Schiffswracks und andere Schätze. Er glaubt, dass er irgendwann glücklich sein wird, wenn er noch mehr besitzt. Doch je mehr er anhäuft, desto größer wird seine innere Leere. Durch eine Begegnung mit anderen Meerestieren und der kleinen Krabbe Krissy erkennt er, dass er eigentlich nicht nach Gegenständen gesucht hat, sondern nach Nähe und Freundschaft. Er singt mit den anderen Meeresbewohnern ein Lied seiner Mutter, das er lange vergessen hatte, und erlebt, dass es ihn glücklich macht, zu einer Gemeinschaft zu gehören und zu teilen.

Taufe mitten im Begegnungsfest

Da passte es gut, dass Pfarrerin Christiane Averbeck während des Gottesdienstes den vierjährigen Majesty taufte, der mit seiner Mutter Victoria und seiner Schwester Manifest (6) zur Gemeinde gehört. „Gott ist auch in schwierigen Zeiten bei Dir. Wenn es einmal nicht weitergeht und du traurig bist, dann kannst du auf Gott zählen“, gab Averbeck dem Täufling unter anderem mit auf den Weg. „Wir haben hier sehr viel Hilfe bekommen, die Menschen hier sind unglaublich freundlich“, sagte seine Mutter, die sich selbst in die Gemeinde einbringt. „Ich freue mich sehr, dass die Taufe am Tag des Begegnungsfestes möglich war. So können alle unsere Freunde in der Gemeinde mit uns feiern.“

Mitmachen, experimentieren und gemeinsam singen

Nach dem Gottesdienst wurde dann auch gleich weiter gefeiert. Sofort belagert war der Stand mit Klebetattoos und Perlen, später konnten die Kinder Zirkustricks lernen oder unter Anleitung Experimente mit Wasser gestalten. Dem Regen trotzten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Kalk. Sie waren mit einem großen Löschfahrzeug gekommen, zeigten den Kindern, wie sie Feuer bekämpfen, ließen sie in der Fahrerkabine sitzen und beantworteten geduldig Fragen.

Für die Erwachsenen gab es am Nachmittag gleich zwei Chor-Workshops. Der Chor für junge Menschen stellte sich ebenso vor wie der Nachbarschaftschor aus Humboldt – beide luden alle, die Lust hatten, vor Ort zum gemeinsamen Singen ein.

Gemeinde als offener Ort im Veedel

„Das Besondere hier ist, dass die Menschen so unglaublich leicht miteinander in Kontakt kommen und dass unkompliziert und unprätentiös gemacht wird, was nötig ist“, sagte Presbyter Michael Ehlscheid. Das sei für ihn auch der Grund gewesen, sich als Presbyter zu engagieren und daran mitzuarbeiten, eine offene Gemeinde zu gestalten. Dazu blickte er auf eine ganz persönliche Erfahrung zurück. „Als wir in den Stadtteil zogen, habe ich gerade meine Doktorarbeit geschrieben und hatte keinen ruhigen Ort in unserer Wohnung, wo ich arbeiten konnte“, erzählte der Familienvater. „Im Kirchencafé habe ich damals das Angebot bekommen, einen der Räume der Gemeinde kostenlos zu nutzen. Das hat mir unglaublich geholfen.“

„Unsere Gemeinderäume werden auch von der afrikanischen und der bosnischen Gemeinde genutzt. Oder vom internationalen Müttercafé, das sich mit einem Stand am Begegnungsfest beteiligt“, sagte Thiesbonenkamp. „Es ist gerade in einem Viertel wie Kalk so wichtig, dass Begegnungsräume für die Menschen geschaffen werden, die nahezu kostenfrei genutzt werden können.“ Deshalb dürfe auch die Initiative „Solidarische Landwirtschaft“ ihre Waren einmal in der Woche im Zelt des Kirchengartens ausgeben, der Verein „Rosa Rot“ im Dezember einen veganen Weihnachtsmarkt auf dem Vorplatz der Kirche veranstalten, schilderte die Pfarrerin.

Musik zum Abschluss eines bunten Tages

Unterdessen freuten sich die Gemeindeglieder, Freunde und Gäste beim Begegnungsfest, das bis in den späten Nachmittag dauerte, über die Musik von kalkbrass und dem Singer-Songwriter Mischa Vernov. Unbestrittener Höhepunkt war der Auftritt des „Kunstorchesters Kwaggawerk“.

„Wir haben unglaublich viele positive Rückmeldungen bekommen“, freute sich Pfarrerin Selma Thiesbonenkamp, dies zeige auch, dass das Team der Gemeinde auf einem guten Weg sei. „Wir versuchen, hier Menschen verschiedener Kulturen und verschiedener Milieus zusammenzubringen, zu zeigen, dass unsere Gesellschaft bunt und vielfältig ist. Und ein lebendiges Christentum zu leben.“

Text: Gabi Bossler
Foto(s): Gabi Bossler

Der Beitrag Mehr als 100 Gäste feiern Begegnungsfest in Kalk-Humboldt erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.