Podcast von Studio Eck: Ausbildung für ehrenamtliche Seelsorge

Was ist eigentlich im Ehrenamt möglich? Die Antwort: fast alles, auch Seelsorge. Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region bietet hier die Mitarbeit als qualifiziertes Ehrenamt an, natürlich nach einer entsprechenden Ausbildung für ein Themengebiet. Studio Eck, die Radiowerkstatt des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region, hat zu diesem Thema kürzlich einen Podcast veröffentlicht:

Pfarrerin Dorit Felsch leitet die Ausbildung ehrenamtlicher Seelsorgender. Sie sagt: „Das Ziel der Ausbildung ist, die Leute zu befähigen und zu qualifizieren, dass sie dann wiederum seelsorglich für andere da sein können in diesen verschiedenen Bereichen und einerseits natürlich wirklich gut für die anderen da sein können, für die Menschen, die Seelsorge in Anspruch nehmen, und andererseits dabei aber auch für sich selber gut sorgen können und eben auch gut können: Wo sind meine Grenzen und wie komme ich selber wieder klar mit etwas, was belastend ist.“

Dorit Felsch ist Pfarrerin im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region und ihr Auftrag in ihrer Pfarrstelle ist die Begleitung Ehrenamtlicher in Seelsorge. Es gibt keine formalen Voraussetzungen für die Ausbildung, man muss auch keine Vorkenntnisse oder eine Kirchenzugehörigkeit mitbringen. Es gibt natürlich ein paar Kriterien, die erfüllt sein sollten: Man sollte zum Beispiel die Zeit mitbringen, die man für die kostenlose Ausbildung einsetzt, und sich im Gegenzug dazu verpflichten, mindestens drei Jahre lang 15 Stunden im Monat ehrenamtlich tätig zu sein.

Darüber hinaus brauche man „ein Interesse an Menschen, Offenheit für andere Menschen, für ganz andere Lebensweisen, Lebensentwürfe, Lebenssituationen, eine Grundfähigkeit beziehungsweise auch eine Grundfreude an Kommunikation und eine gewisse Belastbarkeit oder eben die Bereitschaft, auch schwere Dinge mit auszuhalten“, erklärt Dorit Felsch.

Wie die Einsatzstunden verteilt sind, ist sehr unterschiedlich und kann individuell verabredet werden, je nach Einsatzgebiet, zum Beispiel drei Stunden in der Woche oder längere Termine alle zwei Wochen.

Neue Seelsorgefelder

Die Tätigkeitsbereiche oder Seelsorgefelder umfassen zum Beispiel gemeindliche Seelsorge. Darunter fällt Trauerbegleitung, Notfall-, Krankenhaus- und Altenheimseelsorge, aber auch Telefon- und Gefängnisseelsorge. „Es gibt auch unsere neuen Seelsorgefelder, die es erst seit kurzem gibt, wie die Pop-up-Seelsorge und auch die queere Peer-to-Peer-Seelsorge. Das sind alles die Felder, für die wir ausbilden“, sagt Dorit Felsch.

Die Ausbildung besteht aus der großen Basisausbildung mit 110 Unterrichtsstunden über acht bis neun Monate und dem Spezialisierungsmodul mit 40 Unterrichtsstunden. Der erste Teil ist gemeinsam für alle, egal in welchen Bereich der Seelsorge man geht. Der zweite kürzere ist dann speziell für das ausgesuchte Seelsorgefeld.

Im Basismodul gibt es einen kleinen theoretischen Teil zu Themen wie Tod, Krankheiten und Beziehungen. Im zweiten Teil gibt es viele Übungen zur Gesprächsführung sowie Wahrnehmungs- und Dialogübungen. Der dritte Teil besteht aus Selbsterfahrung. Dorit Felsch sagt: „Da geht es einfach viel auch darum, sich selber wahrzunehmen und wahrzunehmen, wie gehe ich selber mit Krisen um, mit wunden Punkten, mit schwierigen Themen in meinem Leben, weil das einfach auch eine große Voraussetzung dafür ist, dann für andere da sein zu können, ohne dass immer das eigene da mit reinspielt.“

Im Spezialisierungsmodul geht es dann darum, die Besonderheiten im ausgesuchten Seelsorgefeld zu vertiefen. Wenn man ins Krankenhaus geht, muss man zum Beispiel mehr über Krankheit und das System „Krankenhaus und Krankenversorgung“ wissen. Im Seniorenheim spielt das Thema Demenz eine größere Rolle und in der Telefonseelsorge ist der Einsatz der Stimme von großer Wirkung.

In der Mitte der Ausbildung geht man dann in die Praxis, um Erfahrungen zu sammeln, so Dorit Felsch: „Es gibt nach Abschluss der Ausbildung dann eine regelmäßige Supervision, ungefähr einmal im Monat in einer festen Supervisionsgruppe. Es gibt darüber hinaus natürlich auch eine Ansprechbarkeit. Falls irgendwas kurzfristig ganz belastend ist, sind wir Hauptamtlichen genau dafür auch ansprechbar und es gibt ein laufendes Fortbildungsangebot und ein Sommerfest und gemeinsame Aktivitäten, dass neben dem Dienst, den man dann tut, man auch immer noch mal was in der Gruppe bekommt.“

Zur Seelsorge können Menschen mit allen Lebensthemen kommen, egal worum es geht, egal welche Krise, welche Problematik, Trauer, Ängste, was auch immer. Zur neuen Pop-up-Seelsorge, die immer freitags von 16 bis 18 Uhr in der Severinstraße in Köln mit voll ausgebildeten, qualifizierten Ehrenamtlichen stattfindet, kann man ohne Voranmeldung einfach vorbeikommen, egal mit welchem Thema.

„Seelsorge kurz zu beschreiben, ist gar nicht so ganz einfach, aber wenn ich es kurz auf den Punkt bringen soll, dann sage ich immer: Seelsorge ist da sein, aushalten und dableiben und Raum geben“, erläutert Dorit Felsch.

Die Ausbildung findet alle halbe Jahre aufs Neue statt. Der Kurs hat gerade im September begonnen und ist natürlich schon voll belegt und die nächste Ausbildung startet im Februar 2027.

Mehr Informationen erhalten Sie auf:

www.lebenswege-begleiten.koeln

Text: Studio Eck/APK: Verschriftlichung
Foto(s): APK-Archiv

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