Unsere Wochentipps: Weihnachtsoratorium und Konzert mit „The Trailriders“

Unsere Wochentipps werden adventlich: Entdecken Sie festliche Veranstaltungen, besinnliche Gottesdienste und kreative Aktivitäten, die Ihnen helfen, die Vorfreude auf Weihnachten zu genießen und gemeinsam mit anderen die besinnliche Zeit zu erleben. Lassen Sie sich inspirieren und stimmen Sie sich auf die wunderbare Adventszeit ein!

29.11.2024
Evangelische Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen
Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz 2, 51519 Odenthal-Altenberg
Festakt zur Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels
Am Freitag, 29. November, wird im Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz 2, in einem Festakt das Europäische Kulturerbe-Siegel an die Altenberger Klosterlandschaft verliehen. Mit dabei sind Ministerin Ina Scharrenbach, Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau- u. Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen; Stephan Santelmann, Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises; Bürgermeister Robert Lennerts, Bürgermeister der Gemeinde Odenthal; Pfarrerin Claudia Posche, Evangelische Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen; Pfarrer Thomas Taxacher, Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Odenthal/Altenberg sowie die Domorganisten Kirchenmusikdirektor Andreas Meisner und Rolf Müller.

29.11.2024, 18:00
Evangelischer Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch
Friedenskirche, Wallstraße 70, 51063 Köln
Nein zu Gewalt an Frauen und Mädchen
Gottesdienst im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch
Im Rahmen der Orange Days beteiligen sich Frauen aus dem Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch mit einem Gottesdienst am Freitag, 29. November, 18 Uhr, in der Friedenskirche, Wallstraße 70, an den Aktionstagen. Die Orange Days setzen weltweit mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Der kreiskirchliche Gottesdienst richtet sich an alle, die ihr Nein zur Gewalt gemeinsam aussprechen und vor Gott bringen wollen und dies im Gebet beklagen und biblisch bedenken möchten.

29.11.2024, 19:00
Evangelische Kirchengemeinde Kerpen
Johann-Bugenhagen-Kirche, Domkauler Weg 36, 50171 Kerpen-Blatzheim
Konzert mit „The Trailriders“
“Songs for a winter’s night”
Mit “Songs for a winter’s night” präsentieren „The Trailriders“ in der evangelischen Johann-Bugenhagen-Kirche, Domkauler Weg 36, am Freitag, 29. November, 19 Uhr, ihr neues Programm zur Advents- und Weihnachtszeit. Mit Gitarren und Gesang werden zunächst eher romantische und melancholische Klänge angestimmt. Im zweiten Teil des Konzerts erklingt dann eine Mischung aus meist fröhlichen und schwungvollen Arrangements bekannter Weihnachtsklassiker. Mit ihrem typischen Akustik-Gitarrensound haben Ulf Below, Sandra und Uwe van Egdom amerikanische Weihnachtshits wie „Jingle Bells“, „Here comes Santa Claus“, „Silver bells“, „Mary did you know“ und vieles mehr vorbereitet. Wie immer verzichten die Künstler auf technische Hilfsmittel und Verstärkung und so erlebt der Besucher handgemachten Gitarrensound und unverfälschten Live-Gesang. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.
www.evangelisch-in-kerpen.de

30.11.2024, 16:00
Evangelische Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld
Evangelische Clarenbachkirche Braunsfeld, Aachener Straße 458, 50933 Köln
Weihnachtsoratorium nach Johann Sebastian Bach
Aufführung der Kantaten IV – VI
Das Weihnachtsoratorium, komponiert von Johann Sebastian Bach, kommt am Samstag, 30. November, 16 Uhr, in der Clarenbachkirche Braunsfeld, Aachener Straße 458, zur Aufführung. Ausführende sind Rebecca Hagen (Sopran), Alina Göke (Alt), Fabian Strotmann (Tenor) sowie Leo Bögeholz Gründer (Bass) sowie das Neue Rheinische Kammerorchester und die Clarenbachkantorei unter der Leitung von Hanna Wolf-Bohlen. Zu Gehör kommen die Kantaten IV-VI. Der Eintritt kostet 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Tickets gibt es in der Klarenbachbuchhandlung, Aachener Str. 458, und im Gemeindebüro, Peter-von-Fliesteden-Straße 2. Der Kartenvorverkauf startet am Freitag, 1. November. Das Konzert kommt auch am Sonntag, 1. Dezember, 16 Uhr, am gleichen Ort zur Aufführung.
www.clarenbachgemeinde.de

30.11.2024, 18:00
Evangelisches Jugendreferat Köln und Region
Evangelisches Jugendreferat, Vor den Siebenburgen 2, 50676 Köln
1. Konsolennacht im Jugendreferat
Für Jugendliche im Alter von 14 bis 27 Jahren
In der Nacht von Samstag, 30. November, 18 Uhr auf Sonntag, 1. Dezember, 10 Uhr, lädt das Evangelische Jugendreferat Köln und Region junge Menschen im Alter zwischen 14 und 27 Jahren zu einer Konsolennacht in das Jugendreferat, Vor den Siebenburgen 2,ein. Interessierte tauchen in dieser Nacht ein, in spannende EAFC-Matches auf der Playstation oder liefern sich actiongeladene Mario Kart-Rennen auf der Nintendo Switch; die Möglichkeiten sind vielfältig und der Spaß ist garantiert. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, sich auszuruhen. Es werden Ruheräume eingerichtet, in denen die Jugendlichen mit Isomatte und Schlafsack entspannen können. Für das leibliche Wohl ist gesorgt: Es gibt sowohl Abendessen als auch Frühstück.
www.juref-koeln.de

01.12.2024, 17:00
Trinitatiskirche
Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln
Weihnachtsoratorium mit dem reger chor köln
Die Kantaten I bis III kommen zur Aufführung
Der reger chor köln unter der Leitung von Wolf-Rüdiger Spieler, Programm- und Organisationsleiter der Trinitatiskirche, bringt am Sonntag, 1. Dezember, 17 Uhr, das Weihnachtsoratorium (BWV 248) von Johann Sebastian Bach zur Aufführung. In der Trinitatiskirche, Filzengraben 4, sind die Kantaten I bis III zu hören. Solistinnen und Solisten sind Melanie Spitau (Sopran), Soyeon Lee (Alt), Wolfgang Klose (Tenor) und Sebastian Seitz (Bass). Außerdem musiziert das Ensemble spielWerk mit Konzertmeister Sebastian Soete. Der reger chor köln widmet sich dem Vortrag geistlicher Werke vom Frühbarock bis in die Gegenwart. Das Ensemble spielWERK wird von Sebastian Soete geleitet und führt seit 2012 Kammer- und Orchestermusik in unterschiedlichen Besetzungen und Stilen auf. Es musiziert regelmäßig mit dem reger chor köln. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.
www.trinitatiskirche-koeln.de

Text: APK
Foto(s): Canva/APK

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Telefonseelsorge Köln: Anonyme Hilfe und Unterstützung in Krisenzeiten

„Ich habe niemanden, der mir wirklich zuhört!“ Wer dieses Gefühl hat, kann bereits seit 1953 zum Telefon (und mittlerweile auch zu Smartphone oder Laptop) greifen und Kontakt mit der Telefonseelsorge aufnehmen. Damals nahm in London die Erfolgsgeschichte einer ebenso einfachen wie segensreichen Idee ihren Anfang. In Köln riefen im Jahr 2023 26.450 Personen bei der Evangelischen und Katholischen Telefonseelsorge an, ca. 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht etwa 73 Anrufen pro Tag. Bis zum 30. Oktober dieses Jahres waren es bereits 19.900 telefonische Kontakte. Offensichtlich besteht ein großer Bedarf an einem „offenen Ohr“.

„Wir nehmen wahr, dass es gerade nicht das eine Thema gibt“, stellte Dr. Dorit Felsch, Leiterin der Evangelischen Telefonseelsorge, fest. Sie nehme eine „Grunderschöpfung“ wahr: „Die Hoffnung ist aufgebraucht und die Menschen haben einfach keine Puffer mehr!“ Am häufigsten waren es Beziehungsprobleme, Konflikte in Partnerschaft, Familie oder Alltagsbeziehungen, die Menschen die Nummer der Telefonseelsorge wählen ließen, gefolgt von Ängsten, Stress und Erschöpfung, depressiven Stimmungen sowie Einsamkeit und Isolation. Erst an sechster Stelle der „Themen-Rangliste“ stand das körperliche Befinden der Anrufende, also konkrete Beschwerden, Erkrankungen oder Behinderungen. „Scherzanrufe“ – früher ein recht häufiges Phänomen – gebe es kaum noch, bestätigten beide Leiterinnen.

„Rettungsanker“ in akuten Krisen und „Lebensbegleiterin“

In etwa 9% der Telefonate – also verhältnismäßig selten – spielt das Thema Suizid eine Rolle, während der Gedanke, seinem Leben selbst ein Ende setzen zu wollen, in der Mailseelsorge (26%) und im Chat (28%) weit häufiger zur Sprache kommt. Die Telefonseelsorge sieht sich allerdings nicht nur als kommunikativer „Rettungsanker“ in akuten Krisen, sondern auch als „Lebensbegleiterin“. In diesem Zusammenhang betonte Dorit Felsch die „Überbrückungsfunktion“ der Telefonseelsorge, die aus ihrer 24-stündigen Erreichbarkeit resultiere.

Aktuell sind bei der Evangelischen Telefonseelsorge 90 und bei der Katholischen Telefonseelsorge 70 ehrenamtliche Mitarbeitende aktiv. Die Altersspanne liegt zwischen 29 und über 70 Jahren. Wer sich bei der Telefonseelsorge engagiert, verpflichtet sich zu einem ehrenamtlichen Einsatz von 15 Stunden im Monat (einschließlich einer regelmäßigen obligatorischen Supervision und Fortbildung). Nur etwa ein Drittel der Bewerbende sei geeignet, erklärte Annelie Bracke, Leiterin der Katholischen Telefonseelsorge. Dorit Felsch betonte, wie wichtig eine ausgeprägte Teamfähigkeit als Voraussetzung für dieses Ehrenamt sei.

Jedes Jahr werden bei der Katholischen Telefonseelsorge etwa 10 bis 12 Teilnehmende ausgebildet. Für die evangelische Schwesterorganisation gelten ähnliche Zahlen, allerdings hören pro Jahr auch circa 8 bis 9 Mitarbeitende auf. Während die Evangelische Telefonseelsorge bereits im Januar 2025 mit einer neuen Ausbildungsrunde startet, müssen sich Interessenten und Interessentinnen bei der Katholischen Telefonseelsorge noch bis zum Sommer gedulden. Die Ausbildungsgruppen werden von jeweils zwei hauptamtlichen Fachkräften (z.B. einer Psychologin) geleitet.

Absolute Niedrigschwelligkeit

Anders als andere Hilfs- und Beratungsangebote hat die Telefonseelsorge „kein Veränderungsanliegen“. Ihr größter Vorteil, da waren sich Dorit Felsch und Annelie Bracke einig, sei die „absolute Niedrigschwelligkeit“. Der Kontakt ist anonym möglich und die Nummer der Telefonseelsorge erscheint, dank einer Vereinbarung mit der Telekom, auch nicht auf dem Einzelverbindungsnachweis.

Auch wenn sich die Kommunikationsformen wandeln, das Bedürfnis, in Not und Verzweiflung nicht alleine zu sein und menschliche Nähe zu spüren, bleibt. Was diese „Zuwendung auf Distanz“ für Betroffene bedeuten kann, wird am Dank eines/einer Hilfesuchenden an alle Mitarbeitenden der Telefonseelsorge deutlich: „Über Jahre habe ich mich in mehr oder weniger großen Schwierigkeiten immer wieder an Sie gewendet. Die große Hilfe bestand darin, dass der Mensch am Ende der Leitung so anonym unparteiisch und wie ein klarer Spiegel zuhörte – die innere Stimme und die Sehnsüchte reflektierte. Die Telefonseelsorge war mir eine große Hilfe und ich möchte mich ganz „unanonym“ bedanken bei allen Zuhörern, Ratgebern und Beratern.“

Fundierte 10-monatige Ausbildung

Wer sich vorstellen kann, Menschen in Krisensituationen durch einfühlsames Zuhören und hilfreiche Worte beizustehen und neugierig darauf ist, in einer fundierten 10-monatigen Ausbildung zunächst sich selbst besser kennenzulernen und dann Schritt für Schritt in die Kunst der Gesprächsführung eingeführt und mit den zentralen Problemfeldern der Anrufenden vertraut gemacht zu werden, kann mit Pfarrerin Dr. Dorit Felsch (telefonseelsorge.kirche-koeln@ekir.de oder Telefon 0221/ 317159) oder Annelie Bracke (mail@telefonseelsorge-koeln.de, Telefon 0221/  2570184) Kontakt aufnehmen.

www.telefonseelsorge.koeln

Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke

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Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage…! Vorweihnachtliches Chorkonzert in der Trinitatiskirche am 1. Dezember

„Für viele gehört der Konzertbesuch des berühmten Weihnachtsoratoriums fest ins Programm der Vorweihnachtszeit“, sagt Wolf-Rüdiger Spieler, der nicht nur die Trinitatiskirche, sondern auch den reger chor köln leitet.  Am ersten Adventssonntag, der in diesem Jahr auf den 1. Dezember fällt, führt der reger chor köln die ersten drei Teile des Weihnachtsoratoriums in der Kölner Trinitatiskirche, Filzengraben 4, auf. Konzertbeginn ist um 17 Uhr.

„Kaum ein anderes Chorstück wird heute so mit dem Weihnachtsfest verbunden, wie Bachs 290 Jahre alte Musik. Dabei ist das Weihnachtsoratorium BWV 248 genau genommen weder konzertantes Stück noch ein Oratorium: Bach schrieb seine berühmte Weihnachtsmusik, indem er sechs eigenständige Kantaten für die sechs Gottesdienste zwischen dem Weihnachtsfest 1734 und dem Epiphaniastag 1735 in Leipzig zusammenfasste“, so Spieler weiter, der 1. Dezember selbst am Pult steht.

Dass das imposante und klangvolle Werk heute fast nur noch in Konzerten zu hören ist, hat vornehmlich drei Gründe. Einerseits ist die Besetzung mit großem Barockorchester, sechs Holzbläsern, drei Trompeten und Pauken sehr groß und die hohen Kosten für Musiker und vier Solisten lassen sich in der Regel nur über Eintrittsgelder refinanzieren. Andererseits sind zahlreiche Passagen der Chorpartitur kompliziert zu singen, dass dem nur ein versierter Chor gewachsen ist. Schließlich bedarf es auch eines großen Raumes, um das Werk mit rund 70 Mitwirkenden wirkungsvoll zum Klingen zu bringen.

„Sehr bewusst habe ich mich für die Aufführung der ersten drei Kantaten entschieden, erzählen diese doch die Geburt Christi chronologisch und im Zusammenhang“, sagt Wolf-Rüdiger Spieler. Der biblische Bericht wird, ähnlich wie bei den Passionsvertonungen Bachs, vom Tenor rezitiert, die übrigen drei Solisten singen Arien, die die Handlung vertiefen. Dem Chor sind auf der einen Seite kunstvolle, frei komponierte Chöre zugeordnet, auf der anderen Seite stehen zahlreiche Choralstrophen. Schließlich bin ich der IMHOFF-Stiftung sehr dankbar, dass sie unser Konzert mit einem namhaften Betrag unterstützt“

Ein leistungsfähiger Konzertchor

Der reger chor köln wurde 1982 von Wolf-Rüdiger Spieler gegründet. Über die Jahre entwickelte sich ein leistungsfähiger Konzertchor, der sich in den letzten 42 Jahren vor allem in der Region Köln und Umgebung einen Namen gemacht hat und mittlerweile zu den renommierten Chören in NRW zählt. Der Name „reger chor köln“ wurde mit Bedacht gewählt und hat – insbesondere durch die Kleinschreibung – durchaus eine doppelte Bedeutung. Spieler dazu: „Wir sind gerne rege und singen gerne Musik von Reger“. So haben sich die rund 55 Sängerinnen und Sänger des Chores 2016 anlässlich des 100. Todestages ausgiebig der Musik Max Regers gewidmet. Aber auch die großen Werke des Barock, die Musik des gesamten 19. Jahrhunderts bis hin zu Kompositionen des 20. Jahrhunderts zählen zum Repertoire des Chores, der zwar vorwiegend im Rheinland aktiv ist, der aber auch bereits in Hamburg, Hannover, Wien, Leipzig oder Dresden, Essen, Dortmund und am Niederrhein gesungen hat. Zum 500. Reformationsjubiläum 2017 hat der reger chor köln auch an der CD-Produktion „Klänge der Reformation“ mitgewirkt, die in der Trinitatiskirche angenommen wurde.

Als Solisten sind am ersten Advent die Sopranistin Melanie Spitau und die Altistin Soyeon Lee, beide aus Münster, zu hören. Die Tenor- und Evangelistenpartie betreut der Düsseldorfer Tenor Wolfgang Klose und als Bass konnte Sebastian Seitz verpflichtet werden.

Sebastian Soete ist Konzertmeister und künstlerischer Leiter des Ensembles spielWERK, das als Orchester am 1. Advent mitwirkt. Soete, der in Dortmund und Düsseldorf studierte und Mitglied bei den Bielefelder Philharmonikern ist, konzertiert mit vielen renommierten Orchestern und lehrt an der Universität Bielefeld. 2021 gründete er auf Anregung von Wolf-Rüdiger Spieler das spielWerk ensemble, das seitdem regelmäßig gemeinsam mit dem reger chor köln musiziert.

Eintrittskarten kosten 25, ermäßigt 19 Euro und sind im Vorverkauf über die E-Mail-Adresse vorverkauf@reger-chor-koeln.de sowie über die Hotline 0171 78 91 554 zu erhalten.

Text: APK/WRS
Foto(s): reger chor köln

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Altenberger Forum 2024: „Fundament erschüttert? Extremismus in unserer Gesellschaft“

Rund 200 interessierte Bürgerinnen und Bürger haben sich am Abend des 29. Altenberger Forums im Martin-Luther-Haus eingefunden, um über das Thema „Fundament erschüttert? Extremismus in unserer Gesellschaft“ zu diskutieren. Aufgrund des großen Andrangs mussten sogar noch zusätzliche Stühle organisiert werden, um allen Anwesenden Platz zu bieten. Die Veranstaltung, die im Altenberger Dom mit einem ökumenischen Gottesdienst begonnen, setzte sich mit der wachsenden Polarisierung und den Herausforderungen für Demokratie und Gesellschaft auseinander. „Tatsächlich erleben wir gerade, wie groß die Sorge in weiten Teilen der Gesellschaft ist, dass die freiheitlich, demokratischen Grundfeste auch in unserem Land ins Wanken geraten“, sagte Superintendentin Kerstin Herrenbrück zu Beginn des Gottesdienstes. „Dass wir heute gemeinsam, in ökumenischer Verbundenheit, bekräftigen, dass Extremismus und Diskriminierung in unserer Gesellschaft nicht zu dulden ist, das ist ein starkes Zeichen.“

„70 Prozent der Menschen in Deutschland können mit dem Staat nichts mehr anfangen“, sagte Innenminister Herbert Reul zu Beginn der anschließenden Podiumsdiskussion. Diese Zahl, die ihn seit Monaten beschäftigt, sei ein alarmierendes Zeichen. „Das ist mehr als nur Unzufriedenheit mit einzelnen Parteien oder Politikern – es ist ein fundamentales Problem.“ Moderator und Journalist Wolfgang Meyer führte daraufhin aus, dass dieses Gefühl der Entfremdung auch in den Ergebnissen der Landtagswahlen in den neuen Bundesländern sichtbar wurde. Prof. Dr. Sabrina Krauss, Psychologin an der SRH Hochschule Nordrhein-Westfalen, erklärte, dass es oft die „gefühlten Wahrheiten“ seien, die stärker wirken als Fakten. „Extremistische Ideologien bieten einfache Lösungen und sprechen das Bedürfnis nach Identität, Kontrolle und Zugehörigkeit an. Das macht sie für viele Menschen so attraktiv.“ Sie betonte, dass Frustration und Angst durch Krisen wie die Pandemie, den Ukrainekrieg und wirtschaftliche Unsicherheiten zusätzlich verstärkt würden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Rolle der Medien und sozialen Netzwerke. Prof. Dr. Marc Ziegele, Kommunikations- und Medienwissenschaftler an der Universität Düsseldorf, erklärte: „Die Mechanismen sozialer Medien fördern Fragmentierung und Polarisierung. Kontroverse und emotional aufgeladene Inhalte haben einen hohen Nachrichtenwert und verstärken dadurch Extremismen.“ Ziegele hob hervor, dass Parteien wie die AfD besonders geschickt mit sozialen Medien umgingen. „Die AfD hat auf TikTok mehr Follower als alle anderen Parteien zusammen“, sagte er. „Sie nutzt die Plattform gezielt, um junge Menschen zu erreichen.“ Gleichzeitig bemängelte er, dass andere Parteien in diesem Bereich oft zurückhaltend agieren: „Es fehlt nicht nur an Präsenz, sondern auch an professionellen Strategien.“

Prälat Dr. Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros in Berlin, plädierte dafür, soziale Medien offensiv zu nutzen, um positive Botschaften zu verbreiten: „Die Demokratie ist auf Menschen angewiesen, die sich für sie einsetzen. Wir müssen das Engagement sichtbar machen und Werte wie Menschenwürde und Respekt in den Mittelpunkt rücken.“ Ein zentraler Diskussionspunkt war die Frage, wie die Gesellschaft radikalen Strömungen entgegentreten kann. „Wir müssen mit den Menschen reden, bevor sie sich abwenden“, sagte er weiter. Jüsten betonte, wie wichtig es sei, den Dialog mit enttäuschten Bürgerinnen und Bürgern aufrechtzuerhalten. Auch Innenminister Reul schloss sich diesem Appell an: „Probleme müssen klar benannt und Lösungen geliefert werden. Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass sich die Dinge von allein verbessern.“

Aus dem Publikum kamen Vorschläge zur Förderung politischer Bildung und Prävention, besonders bei Jugendlichen. Eine Teilnehmerin regte an, politische Veranstaltungen stärker in Schulen zu verankern. Prof. Ziegele ergänzte, dass es zahlreiche Bildungsprogramme gebe, wie etwa die Initiative Demokratie leben. „Das Problem ist weniger das Angebot, sondern die Reichweite. Viele Jugendliche kennen diese Programme schlicht nicht.“ Ein Teilnehmer stellte die Frage: „Wer erzählt mit einfachen Worten, was ohne Demokratie nicht klappt?“ Herbert Reul griff diesen Gedanken auf: „Warum feiern wir nicht die Demokratie? Warum machen wir nicht sichtbar, wie wichtig Rechtsstaatlichkeit und die Achtung von Grundrechten sind?“ Er verwies darauf, dass viele Menschen die Errungenschaften der Demokratie als selbstverständlich hinnähmen, ohne ihren Wert wirklich zu schätzen. Prälat Karl Jüsten betonte abschließend, dass die Kirche hier ebenfalls Verantwortung trage: „Es geht an die Fundamente unseres Glaubens und unserer Demokratie. Wir müssen Haltung zeigen und die Menschen erreichen – auch in Bereichen, in denen wir vielleicht nicht mehr so präsent sind wie früher.“

Insgesamt zeigte das 29. Altenberger Forum eindrücklich, wie vielschichtig die Herausforderungen im Umgang mit Extremismus sind. Vor den rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörern wurde deutlich, dass es einer breiten gesellschaftlichen Anstrengung bedarf, um demokratische Werte zu stärken und die Menschen für die Demokratie zu begeistern. Der Austausch zwischen Politik, Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft bleibt dabei unverzichtbar. Veranstalter waren der Ökumene Ausschuss im Rheinisch-Bergischen Kreis und der Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Text: APK
Foto(s): APK

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Unsere Archivale für November: Evangelische Insel in der Südstadt

Ein reges bauliches Treiben fand Ende der 1950er/Anfang 1960er Jahre in der Südstadt auf dem ehemaligen Kartäuser-Kloster-Gelände statt. Nicht nur das im Jahr 1960 das Haus der Evangelischen Kirche auf der Kartäusergasse eingeweiht wurde und die Verwaltung des Gesamtverbandes der evangelischen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Köln (Vorgänger des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region) ihre Arbeit am neuen Standort aufnehmen konnte, auch am Kartäuserwall wurde tatkräftig an der Umsetzung eines dreigliedrigen Baus gearbeitet.

Es sollte ein Gebäudekomplex entstehen, der an einem Ort sowohl soziale als bildungsorientierte evangelische Einrichtungen wie das Sozialwerk, die Mütterschule und Berufsschule vereinigte. Architekt Werner Haupt wurde mit der Planung und Umsetzung beauftragt.

Die erste feierliche Grundsteinlegung fand am 08.07.1960 statt. Ein bewegendes Zeugnis stellen die zwei Urkunden da, die sich in zwei Zeitkapseln auf dem Kartäuserwall befunden haben.

Das Haus der ev. Jugend wurde als erstes Gebäude fertig gestellt (14.10.1961). Ziel war es einen zentralen Ort zu schaffen, an dem Vernetzung sowohl zwischen den Jugendlichen, zwischen den Jugendmitarbeitern der Gemeinden als auch eine bessere Kontaktaufnahme zwischen Jugendlichen und Mitarbeitenden der Gemeinden für Jugendarbeit stattfinden konnte. Ferner sollten die jungen Menschen in ihrer Entwicklung, freien Meinungsbildung und Religiosität unterstützt werden. Das neue Haus sollte zudem Räumlichkeiten für die Beratung und Koordination der Jugendarbeit sowie Organisation von Ferienfreizeiten bieten. Ein Blick in das erste überlieferte Programmheft aus dem Jahr 1962-1963 zeigt ein vielfältiges Angebot, das neben Film- und Tanzabenden, Seminare zu religiösen, gesellschaftlichen und politischen Themen (auch in Fremdsprachen) sowie musikalische und sportliche Veranstaltungen, aufwies. Ferner gehörte ein regelmäßiger Austausch von Jugendgruppenleitern aus Ost und West dazu. Für auswärtige Gäste bot das Haus der ev. Jugend auch Übernachtungsmöglichkeiten.

Zwei Jahre später wurde auch das zweite Gebäude, die Mütterschule, feierlich eröffnet (18.02.1963). Die Mütterschule, die vom evangelischen Frauenbildungswerk e.V. betrieben wurde, konnte durch das neue Gebäude ihr Kursangebot ausbauen und zu einem Zentrum für die ganze Familie werden. In der Urkunde wird der Anspruch noch wie folgt beschrieben: „Wir leben in einer Zeit, in der Familie als Hort rechter Gottesfurcht und wahrer Frömmigkeit durch die Hast des Berufslebens und Angst vor der Zukunft vielfach gefährdet ist. Darum sieht es die Synode Köln als ihre Aufgabe an, durch die Errichtung dieses Hauses Gelegenheit zu schaffen, daß Frauen und Mädchen in ihren mütterlichen Gaben und Aufgaben so gefördert werden, daß sie im Geiste Jesu Christi zum Segen für alles ihnen anvertraute Leben wirken können.“ Auch wenn hier noch der Fokus auf den Bedürfnissen von Frauen nach Orientierung, besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf und in gewisser Weise auch Selbstfindung liegt, so wird das Angebot bereits wenige Jahre nach der Eröffnung bereits erweitert. Für junge Väter werden spezielle Kurse angeboten. Damit waren die ersten Schritte, ein Ort für die gesamte Familie zu werden, getan. Namentlich wurde dieser Entwicklung mit Verabschiedung des Weiterbildungsgesetzes (1975) auch Rechnung getragen. Die Mütterschule hieß von nun an Evangelische Eltern- und Familienbildungsstätte.

Wer Interesse hat sich die Urkunden anzusehen und mehr über die Geschichte der beiden Einrichtungen erfahren möchte, kann sich gerne an das Team des Archivs des evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region wenden.

Die Urkunden werden im November im Haus der ev. Kirche ausgestellt.

Eine Übersicht der vergangenen Artikel finden Sie hier:

Text: Stefanie Sternemann
Foto(s): Stefanie Sternemann

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Bernhard Seiger mit großer Mehrheit im Amt als Stadtsuperintendent bestätigt – Nachrichten von der Verbandsvertretung im Herbst 2024

Die Verbandsvertretung des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region hat Bernhard Seiger mit großer Mehrheit in seinem Amt als Stadtsuperintendent bestätigt. Das Leitungsgremium wählte auch die Superintendentinnen und Superintendenten der anderen drei Kirchenkreise wieder in die Stellvertretungen des Stadtsuperintendenten. So ist Markus Zimmermann erster Stellvertreter und Susanne Beuth dritte Stellvertreterin. Die personelle Besetzung der zweiten Stellvertretung wird vom Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch festgelegt. Hier wird entschieden, ob Superintendent Torsten Krall oder Superintendentin Kerstin Herrenbrück das Amt übernehmen wird.

Nach einer kurzen Andacht des alten und neuen Stadtsuperintendenten mit Gedanken zu dem Kirchenlied „Der Himmel geht über allen auf“ und dem Song „Himmel auf“ von Silbermond begann die Tagung im Haus der Evangelischen Kirche mit zwei Grußworten.

Oberkirchenrätin Dr. Wibke Janssen

Oberkirchenrätin Dr. Wibke Janssen als Vertreterin der Evangelischen Kirche im Rheinland wies darauf hin, dass sich in der Tagesordnung „vielfältige Prozesse widerspiegeln, die alle miteinander zusammenhängen“. Bei der Diskussion über Gebäude, die klimaneutral sein sollen, gehe es nicht nur um Steine und Ziegel. „Die Kirche im Dorf betrifft ganze Stadtviertel“, sagte sie. 30 Prozent aller evangelischen Gebäude seien denkmalgeschützt. „Wie können wir die mit anderen gemeinsam nutzen? Und finanzieren? Auf welches Dach setzen wir Solaranlagen?“ Die Presbyterien müssten bei diesen Fragen entlastet werden. Außerdem sollten die Mitglieder in der Kirche intensiver angesprochen werden, wie dies in Köln und Region jetzt in einem Pilotprojekt geschehe. Außerdem sei mehr Werbung für kirchliche Berufe nötig. „Welche Strategie verfolgen wir? Mitgliederorientierung oder Sozialraumkoordinierung? Meiner Meinung nach geht nur beides zusammen. Wer mir christlich Nächster ist, ist keine geographische Dimension.“ Jesus habe „Netzwerkkompetente“ um sich geschart – „Also Fischer, die brauchen wir jetzt auch.“

Stadtdechant Msgr. Robert Kleine

Der katholische Stadtdechant Robert Kleine war ebenfalls zu Gast bei der Verbandsvertretung und erinnerte an die zahlreichen Termine, die er mit seinem evangelischen „Kollegen“ Bernhard Seiger wahrnimmt. Der Schweigegang nach dem Angriff der Hamas auf Israel als Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Menschen, die gemeinsame Rede bei der Gedenkfeier für die Pogromnacht 1938 und die Grundsteinlegung für den Campus Kartause nannte Msgr. Kleine als Beispiele. Feste Termine gebe es auch: Der Gottesdienst vor der Proklamation des Kölner Dreigestirns, vor dem ersten Heimspiel des FC und ein Gottesdienst während der Dreikönigswallfahrt. Darüber hinaus treffe man sich regelmäßig im „Scharnierkreis“, Dort arbeite man an der Idee, dass in jedem Viertel mindestens eine christliche Kirche erhalten bleibt.

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger

Im anschließenden Geschäftsbericht des Verbandsvorstandes erinnerte Bernhard Seiger an den nicht leichten Start des amtierenden Vorstands im Dezember 2020. Die ersten Sitzungen liefen digital, gesehen habe man sich erstmals neun Monate später. Der Stadtsuperintendent lobte den „wirklich guten Geist des Miteinanders“. „Wir waren uns einig, dass wir Veränderung, also das notwendige Schrumpfen, gestalten wollen und müssen und nicht abwarten oder uns Illusionen über eine bessere Zukunft machen.“ Man habe mit Augenmaß Stellen abgebaut, aber eben auch in die Zukunft der Kirche investiert. Bernhard Seiger nannte die Einrichtung des Segensbüros und das Projekt Mitgliederbindung mit zehntausenden Briefen von Pilotgemeinden an Menschen im Alter von 15 bis 35 Jahren. Die neu eingerichtete Kasualagentur trägt den Namen „Hätzjeföhl – Segensbüro Köln und Region“. Der Stadtsuperintendent freute sich auch über den steten Ausbau der Ökumene. „Es fühlt sich so an, dass wir gemeinsam am Lagerfeuer sitzen und uns die Geschichten erzählen, die wir Kirche in Gesellschaft und Politik erleben und beraten, welchen Reim wir uns darauf machen.“ Zusammen setze man sich zum Beispiel ein für den Ausbau von St. Alban als zentralen Gedenkort auf der Via Culturalis. Ein sehr gutes Miteinander gebe es im Arbeitskreis Christlicher Kirchen in Köln und bei Statements zu aktuellen Fragen wie Antisemitismus und in Hospizfragen. Msgr. Kleine und Bernhard Seiger erhalten auch immer wieder Rückmeldungen aus der Stadtgesellschaft: „Es mag in Köln manches im Wandel sein. Auf Sie beide und Ihr Miteinander kann man sich verlassen.“ Zum zweiten Mal gehörte auch ein Klimabericht zum Geschäftsbericht. An jedem Gebäude des Kirchenverbandes habe man Optimierungen vorgenommen: „Genaues Monitoring, genaueres Einstellen der Heizungen, Dämmmaßnahmen wo möglich.“ Die CO2-Emissionen seien so seit 2019 von 617 auf 350 Tonnen reduziert worden. „Man merkt, man kann Fortschritte erzielen. Und am Ende wird es nicht nur dem Klima, sondern auch der wirtschaftlichen Lage helfen. Das macht Mut, sich auch hohe Ziele zu setzen.“

Lothar Ebert

Dann war Lothar Ebert mit den Zahlen für die Haushalte an der Reihe. Zunächst entlastete die Verbandsvertretung alle an der Ausführung des Haushalts 2022 Beteiligten. Der Jahresabschluss für das Jahr 2023 wurde mit einem negativen Bilanzergebnis von 216.938 Euro festgestellt. Der Jahresfehlbetrag wurde mit einer Entnahme aus der Allgemeinen Ausgleichsrücklage ausgeglichen. Die Bilanzsumme des Verbands lag im Jahr 2023 bei 112.334.665 Euro. Ebert machte deutlich, dass wegen des Rückgangs der Gemeindegliederzahlen im Kirchenverband um 3,57 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 234.956 die Kirchensteuererträge spürbar gesunken seien. Auch die Umlagen, die zum Beispiel für finanzielle Gerechtigkeit zwischen den Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche im Rheinland sorgen, seien deutlich höher ausgefallen als geplant. Für den Haushalt 2025 rechnet Ebert mit einem Gesamtbetrag der Erträge in Höhe von 120.532.517 Euro. Dem stehen Aufwendungen von 122.632.517 Euro entgegen. Den Fehlbetrag in Höhe von 2,1 Millionen Euro gleicht man durch Rücklagenentnahmen aus. Ebert und die Finanzabteilung des Kirchenverbandes rechnen für das kommende Jahr mit Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 111.723.246 Euro. Am Ende verbleiben nach Abzug aller Umlagen 57.453.359 Euro im Verband, für dessen Aufgaben 11.490.672 Euro zur Verfügung gestellt werden. Für die Gemeinden stehen schließlich 44.496.453 Euro zur Verfügung. Pro Kopf erhält jede Gemeinde 189 Euro.

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger dankte Lothar Ebert für seine Arbeit im Verbandsvorstand.

Es war das letzte Mal, dass Lothar Ebert die Zahlen vorstellte. Bernhard Seiger dankte ihm für seine jahrzehntelange Arbeit. Seit Juni 1996 ist Ebert Mitglied in der Verbandsvertretung, im November des gleichen Jahres wurde er in den Verbandsvorstand gewählt. Seit 2013 ist er Vorsitzender des Haushaltsausschusses. „Lothar Ebert hat in 29 Jahren nur eine Sitzung der Verbandsvertretung verpasst und insgesamt an 320 Vorstandssitzungen teilgenommen“, erklärte der Stadtsuperintendent. Ebert war an der Einführung des Neuen Kirchlichen Finanzwesens im Jahr 2011 beteiligt, das im Kölner Kirchenverband viel schneller umgesetzt worden sei als in vielen anderen Kirchenkreisen. Ein Erfolg sei die Änderung der Finanzzuweisungen des Verbands an die Gemeinden gewesen. „Die Verteilung pro Kopf ist viel gerechter als vorher nach angemeldeten Vorhaben.“ Bernhard Seiger dankte ihm auch mit persönlichen Worten: „Sie gehen die Dinge auf allen Ebenen sehr nüchtern an. Sie denken von der Gemeinde aus, wo Kirche mit Menschen arbeitet. 2021 haben Sie für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Es ist schön, dass die Politik anerkennt, dass ehrenamtliche Arbeit in den Gemeinden auch Dienst an der Gesellschaft ist.“

Der Stadtsuperintendent berichtete auch über die Arbeiten am Campus Kartause. Diese sind im Zeit- und Kostenplan. Am Reformationstag habe man den Grundstein gelegt. Die Besucherinnen und Besucher hätten in der Baugrube gestanden und erstmals die Dimensionen des Vorhabens wahrgenommen. In einem Jahr wolle man Richtfest feiern, ein Jahr später werde der Campus eröffnet. „Wir sind mit der Diakonie Michaelshoven und dem Studierendenwerk als Mieter in guten Gesprächen“, erklärte Bernhard Seiger. Kirche baue gegen den Trend. „Warum tun wir das? Weil wir an die Zukunft glauben. An die Zukunft unserer Arbeit, an die Menschen, die auf dem Campus leben und lernen und arbeiten werden, und an die Zukunft unserer Kirche. Der Campus knüpft an eine Wurzel der Reformation an: Das große Vertrauen in Bildung. Unser Bauprojekt ist ein Zeugnis dafür, dass wir an den Auftrag der Erneuerung glauben. Wir setzen in unserem Tun auf die nächste Generation und auf die Arbeit unserer Bildungseinrichtungen und ihr Zusammenwirken.“

Zwei Projekte stellte der Stadtsuperintendent vor, zum einen den Brunnen, der in der Mitte des Campus sprudeln wird. Bei zwei Workshops hätten sich alle Beteiligten für die größere Alternative ausgesprochen. Das sprenge den Rahmen des Budgets. Seiger wird daher im nächsten Jahr eine Fundraising-Aktion anstoßen, um den Brunnen mit Spendengeldern zu finanzieren. Zum anderen sollen rund um den Brunnen Sitzbänke stehen. Die werden aus dem Holz der Bäume hergestellt, die für den Campus gefällt werden mussten. Die Bänke werden gebaut in Zusammenarbeit mit Handwerksklassen des Berufskollegs Ulrepforte. „Das ist dann eine sinnvolle lokale Wiederverwendung des Holzes“, lobte Bernhard Seiger die Idee von Dorothee Schaper.

Superintendent Torsten Krall

„Einen sehr großen Schatz unseres Kirchenverbandes“ nannte Torsten Krall, Superintendent im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch, die ehrenamtlichen Mitarbeitenden in der Notfall-, Krankenhaus-, Telefon- und Gefängnisseelsorge. Deren Ausbildung will man weiter verbessern. Dafür stimmte die Verbandsvertretung der Einrichtung einer Pfarrstelle zu. Im Gegenzug fallen zwei halbe Stellen in der Telefon- und der Krankenhausseelsorge weg. „Wir fassen die Ausbildungen zusammen und erzielen Synergie-Effekte. Es soll eine Basis-Ausbildung mit 100 Stunden Umfang geben. Dann spezialisieren wir“, beschrieb Torsten Krall die Idee hinter dem Vorhaben.

Auch der Vorstand des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region wurde neu gewählt. Ihm gehören neben den Superintendentinnen und Superintendenten folgende Personen an: Pfarrerin Miriam Haseleu aus Nippes, Diana Zulfoghari aus der Evangelischen Gemeinde Köln, Silke Schmidt aus Lindenthal, Gabriele Orbach aus Pesch, Karola Mischak-Struckmann aus Weiden/Lövenich, Dr. Alfred Paulick aus Pulheim, Christoph Stappert aus Bergisch Gladbach, Hartmut Melenk aus Höhenhaus, Joachim Ruppersberg aus Rath-Ostheim, Pfarrer Jan Ehlert aus Hürth, Christoph Riethmüller aus Bayenthal und Burchard von Spankeren aus Brühl. Alle Personen wurden bis zum 31. Dezember 2025 in ihre Ämter des Verbandsvorstandes gewählt, da durch die Fusion der linksrheinischen Kirchenkreise zum 1.1.2026 voraussichtlich weitere Amtswechsel anstehen werden.

Ausgeschieden aus dem Vorstand des Kirchenverbandes sind Pfarrerin Dagmar Schwirschke aus der Gehörlosenseelsorge, Pfarrer Klaus Völkl aus Dellbrück/Holweide, Heide Manscheff aus Nippes, Dr. Bernhard Hausberg aus Altenberg/Schildgen, Professor Dr. Udo Bühler aus Sindorf, Artur Broch aus Nippes und Lothar Ebert aus Hürth.

In den Beirat der Geschäftsführung der Melanchthon-Akademie wurde Claudia Heidkamp als Nachfolgerin von Antje Rinecker berufen. Lea Kröll und Myesser Ildem wurden als fachkundige Mitglieder in den Beirat der Geschäftsführung der Melanchthon-Akademie berufen.

Die Verbandsvertretung ist das Leitungsorgan des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region mit Gemeindegliedern im Rhein-Erft-Kreis, in Köln, im Rheinisch-Bergischen Kreis und im Oberbergischen Kreis in den vier Kölner Kirchenkreisen. Zu den Aufgaben der Delegierten gehören beispielsweise der Beschluss des Haushalts und die Wahl des Stadtsuperintendenten. Die Verbandsvertretung tagt zweimal im Jahr und wird von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger geleitet. Die nächste Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region findet am Samstag, 28. Juni 2025, um 8:30 Uhr statt.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann / APK

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Ewigkeitssonntag: Trauer als Teil des Lebens – im WDR 4

Am Ewigkeitssonntag: Trauer als Teil des Lebens – WDR 4 mit Pfarrerin Miriam Haseleu

Am Ewigkeitssonntag, dem 24. November, spricht Pfarrerin Miriam Haseleu auf WDR 4 über die Bedeutung von Trauer und Erinnerung in unserem Alltag. In ihrem Beitrag „Stark wie der Tod“ schildert sie eindrücklich, wie wichtig Orte sind, an denen Trauer Raum bekommen kann – wie etwa ein Trauercafé mitten im Viertel, wo sich Menschen begegnen, die einen geliebten Menschen verloren haben.

Haseleu zeigt, wie unterschiedlich Trauer empfunden wird und wie wertvoll es sein kann, diese Gefühle in einer Gemeinschaft zu teilen. Ob bei einem Geburtstag ohne den Vater, dem ersten Urlaub ohne die Partnerin oder bei Erinnerungen, die uns plötzlich überwältigen – Trauer gehört zum Leben. Doch genauso wie sie schmerzt, kann sie auch Kraft schenken, wenn wir sie teilen und die Liebe bewahren, die uns mit den Verstorbenen verbindet.

Der Beitrag lädt ein, darüber nachzudenken, wie wir uns mit Trauer auseinandersetzen und wie Erinnerungen weiterleben können.

Zu hören ist die Sendung am Sonntagmorgen um 8:55 Uhr auf WDR 4. Wer den Beitrag verpasst, findet ihn später auch in der WDR 4 Mediathek als Podcast.

Text: APK
Foto(s): AI

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86. Jahrestag der Novemberpogrome 1938: Gedenkfeier mit Zeitzeugin Renate Friedländer an der Kölner Kindergedenkstätte Löwenbrunnen

86 Jahre nach den Novemberpogromen hat Dr. Rainer Lemaire namens des Arbeitskreises Lern- und Gedenkort Jawne zu einer Gedenkstunde an der Kindergedenkstätte Löwenbrunnen begrüßt. Dort wird erinnert an mehr als 1.100 jüdische Kinder und Jugendliche aus Köln und Umgebung, die während des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden. Der achteckige Brunnen steht in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Areal des einstigen jüdischen Reform-Realgymnasium Jawne. Der evangelische Schulreferent hieß auf dem Erich-Klibansky-Platz auch Schülerinnen und Schüler des Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasiums und Schiller-Gymnasiums willkommen. Sie setzten die bedeutsame Tradition fort, in Lernort-Workshops beziehungsweise im Schulunterricht erarbeitete Beiträge über Biografien ermordeter oder überlebender jüdischer Kinder und Jugendlicher vorzutragen. Lemaire nannte es eine besondere Freude und Ehre, die 95-jährige gebürtige Berlinerin und Wahlkölnerin Renate Friedländer als Zeitzeugin der Kindertransporte begrüßen zu dürfen.

Man komme hier am Vortag des 9. November zusammen, um die Ereignisse in 1938 nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, so Lemaire. Damit wir schauten, „was an diesem Ort, an dem sich die Jawne und andere jüdische Einrichtungen befunden haben, ganz konkret passiert ist“. Zugleich gehe es – mit Blick auf das Geschehene – darum, zu fragen, wie friedlich oder nicht friedlich uns das Zusammenleben in unserer Stadt gegenwärtig gelinge. Dabei sei mitzubedenken, dass Jüdinnen und Juden in Köln „auch heute von Feindschaft betroffen sind“. Lemaire dankte den Anwesenden, dass sie, parallel zu einer Gedenkstunde in der Synagoge Roonstraße, hier und heute ein Zeichen gegen diese Feindschaft setzten.

Zentrale Bedeutung für die Erinnerungskultur

Bürgermeisterin Brigitta von Bülow (Grüne) überbrachte Grüße von Rat und Verwaltung der Stadt Köln sowie Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Froh zeigte sich die Repräsentantin über die Existenz des an Aktivitäten reichen Lern- und Gedenkortes Jawne. Wie dem städtischen NS-Dokumentationszentrum attestierte sie ihm eine zentrale Bedeutung für die Erinnerungskultur. „Solche Orte erwecken Geschichte zum Leben und ermöglichen direkte Begegnungen“, betonte sie die hervorragende Arbeit der dort ehrenamtlichen Tätigen.

Die Geschehnisse in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hätten einen der Anfangspunkte der systematischen Verfolgung und Ermordung europäischer Juden durch die Nationalsozialisten markiert, so von Bülow. Sie ging ein auf die Ermordung und Inhaftierung jüdischer Menschen in den Novemberpogromen. Auf die deutschlandweit 1400 niedergebrannten Synagogen, auf zerstörte, geplünderte Geschäfte und verwüstete Wohnungen jüdischer Inhaber und Bewohner. „Das Ausmaß der Verbrechen, die auf unseren Straßen und Plätzen verübt wurden, bleibt nach wie vor erschütternd. Es geschah auch mitten in Köln, mitten in den Veedeln.“

Die Frage nach dem Warum

Jüdinnen und Juden hierzulande hätten erfahren müssen, dass „viele Menschen nichts unternahmen, um ihre Mitbürger zu schützen und grundlegende ethische wie moralische Werte völlig verloren“. Erich Klibansky, der letzte Direktor der Jawne, habe es 1939 geschafft, über 130 Schülerinnen und Schüler mittels Kindertransporten nach Großbritannien in Sicherheit zu bringen. Es sei von großer Bedeutung für uns alle, so die Bürgermeisterin, „dass wir die schrecklichen  Ereignisse und Verbrechen gegen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht in Vergessenheit geraten lassen und stets die Frage nach dem Warum stellen“. Laut Jahresbericht 2023 der Meldestelle für antisemitische Vorfälle im städtischen NS-DOK hätten sich die dokumentierten antisemitischen Vorfälle im Vergleich zu 2022 nicht nur verdoppelt. „Sie waren auch deutlich gewalttätiger.“ Dies zeige, wie Antisemitismus „anwächst auch hier in Köln“.

Besonders vor dem Hintergrund der zunehmend wieder offen agierenden rechtsradikalen und auch antisemitischen Strömungen setzten Schülerinnen und Schüler mit ihrer aktiven Teilnahme und Beschäftigung mit dem Thema ein wichtiges Zeichen in unserer Stadtgesellschaft, dankte von Bülow. Damals hätten sich zu wenige Menschen für ihre verfolgten Nachbarn, Freunde und Mitschüler eingesetzt, warnte sie vor einer Wiederholung dieses kollektiven Wegsehens. „Stattdessen müssen wir alle, egal wo wir stehen, egal wer wir sind, mutig gegen jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Menschenverachtung eintreten“, appellierte die Bürgermeisterin. „Eintreten gegen Hass und Gewalt. Eintreten für gesellschaftliche Vielfalt, unsere Demokratie und die Menschenrechte.“ Das sei eine riesige Aufgabe für uns alle. „Aber sie ist absolut wichtig, denn ´Nie wieder´ ist jetzt.“

Biografie des 1923 geborenen Heinz Grünebaum

Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs des Schiller-Gymnasiums in Köln-Sülz hatten sich unmittelbar vor der Gedenkstunde am Lernort unter anderem mit der Geschichte der Jawne von deren Gründung 1919 bis zur Schließung 1942 befasst. Die Ergebnisse flossen ebenso in ihren mehrteiligen Vortrag ein, wie die Beschäftigung mit der Biografie des 1923 geborenen Heinz Grünebaum. Der Schüler erlebte den Pogrom im Stadtteil Ehrenfeld, gelangte 1939 mit einem No­ten­buch von Bach als ein­zi­g erhaltenem Erinnerungsstück mit einem Kindertransport nach England, später in die USA. 1971 kehrte Henry Gruen ins Rheinland zu­rück­. Bedrückend gestaltete sich ebenso die Aufzählung der die Juden betreffenden Verbote seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Anhand eines beispielhaften „Tagesablaufs der Jawne-Schüler:innen“ verdeutlichten die Referierenden, wie das Leben der Betroffenen durch die Anordnungen systematisch immer weiter eingeschränkt wurde.

Der ehemalige Jawne-Schüler Manfred Simon

Schüler und Schülerinnen des Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasiums in Köln-Bayenthal trugen Ergebnisse ihrer Recherche zur Biografie von Manfred Simon vor. Der ehemalige Jawne-Schüler erblickte am 8. Februar 1928 in Köln das Licht der Welt. Nach den Novemberpogromen konnte er mit seiner Familie 1939 per Schiff über England in die USA fliehen, wo er noch heute lebt. In ihrem Beitrag bezogen sich die Zehntklässler auf einen sehr eindrücklichen Erfahrungsbericht von Simon. So habe er die Reise nach Übersee als angsteinflößend und lebensverändernd beschrieben. Zuvor habe der jüdische Junge früh erfahren müssen, dass er „nicht mehr als Teil der deutschen Gesellschaft gesehen wurde“. In einer Tonaufnahme waren Simons eindrückliche Erinnerungen an den Morgen des 10. November zu vernehmen.

„Gegenseitiges Verständnis und Solidarität“

Da antisemitische Stimmen wieder lauter geworden seien, stellte ein Schüler fest, sei es heute so wichtig wie noch nie, sich an Schicksale wie das von Manfred Simon zu erinnern. „Wir möchten uns gegen antisemitische Stimmen stellen, damit sich die Ereignisse der Novemberpogrome nie wiederholen.“ Antisemitismus habe in einer offenen und gerechten Gesellschaft keinen Platz,  „Jede Form von Hass, Vorurteil oder Diskriminierung gegen jüdische Menschen verletzt die Werte von Respekt, Toleranz und Menschlichkeit, die für unser Zusammenleben unerlässlich sind.“ Wir alle trügen die Verantwortung, antisemitische Einstellungen zu erkennen, zu hinterfragen und ihnen entschieden entgegenzutreten, so der Gymnasiast. „Nur durch gegenseitiges Verständnis und Solidarität können wir eine Gesellschaft aufbauen, in der jeder Mensch sicher und respektiert lebt.“

Zeitzeugin Renate Friedländer: Synagoge stand in Flammen

„Ich war neun Jahre alt. Ich entsinne mich, wie eine Synagoge, an der ich vorbeiging, in Flammen stand. Meine Tante holte mich von der Schule ab, weil sie nicht wollte, dass ich alleine nach Hause ging“, richtete sich Renate Friedländer an die Umstehenden. „Es war eben eine beängstigende Zeit,“ so die 95-Jährige. Als Kind habe sie die ganze Sache nicht wirklich verstanden. Aber sie dachte, „dass irgendetwas mit uns als Juden nicht stimmen konnte“. Sie sei sehr froh, „dass ich jetzt im Alter doch glücklich bin, dass ich jüdisch bin“, sprach sie von einem uralten Volk mit einer langen Geschichte. Von dieser wisse sie „viel zu wenig, weil ich inzwischen christlich getauft wurde (…) Aber ich habe nie vergessen, dass ich jüdisch bin und das auch der Gründer meiner heutigen Religion ein Jude war. Jesus war ein Jude, und ist als Jude auch später gestorben.“

Friedländer erinnerte, wie sie mit ihrer vierjährigen Schwester Susanne mit einem Kindertransport nach England gefahren sei. Ihre Mutter habe beide nach Hamburg auf „ein riesiges Schiff“ gebracht. In Southampton seien sie vom ein Jahr zuvor ausgewanderten Vater, Ingenieur bei Siemens, abgeholt worden. „Siemens hat ihn sehr anständig behandelt. Ich finde, dass muss auch gesagt werden.“ Auf die Frage einer Schülerin nach ihrer Eingewöhnung ging Friedländer auf die anfänglichen Sprachschwierigkeiten ein. „Aber ich besinne mich nicht mehr, wie ich Englisch gelernt habe. Es ist irgendwie gekommen.“

Zuvor in Berlin besuchte Friedländer eine Rudolf-Steiner-Schule. Deren Lehrer seien durchweg nicht antisemitisch gewesen, berichtete die Seniorin. „Sie haben uns Juden genauso angenommen wie die anderen Schüler“, denke sie dankbar an diese Schulzeit zurück. Noch heute verfüge sie teilweise über den damals erlernten bestimmten Malstil, so die Künstlerin. „Das war das Schraffieren der Farben. Man hat nicht einfach einen blauen Himmel gemalt und grüne Erde, sondern man hat den ganzen Himmel blau schraffiert und die Erde mit dem Himmel grün. Es war eine ganz andere Malweise.“ Als spätere Kunsterzieherin habe sie ihren Schülern dieselbe Art von Schattieren beigebracht. „So dass sie das Bild als Farbe betrachteten und nicht lauter Umrisse. Umrisse sind wie eine Gefängnismauer für die Farbe. Die Farbe will fließen, die Farbe will sich mischen mit anderen Farben. Und das war das Große, was ich gelernt habe in der Rudolf-Steiner-Schule“, schloss Friedländer. Lemaire dankte ihr ausdrücklich für das Teilen ihrer persönlichen Erfahrungen.

Ausstellung „´Mein Leben muss irgendwo eine Wurzel haben.´ Renate Friedländer – Kindertransportkind und Künstlerin“

Die Ausstellung „´Mein Leben muss irgendwo eine Wurzel haben.´ Renate Friedländer – Kindertransportkind und Künstlerin“ im Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstraße 26/Erich-Klibanksky-Platz, ist bei freiem Eintritt geöffnet bis einschließlich 2. Februar 2025: dienstags und mittwochs von 11 bis 14, donnerstags von 11 bis 14 und 16 bis 19 sowie sonntags von 12 bis 16 Uhr.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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Ein „Stiftungsurgestein“: Walter Fuchs-Stratmann wurde aus dem Vorstand der Gemeinschaftsstiftung Diakonie verabschiedet

Nach mehr als 25 Jahren wurde Walter Fuchs-Stratmann nun aus dem Vorstand der Gemeinschaftsstiftung Diakonie verabschiedet. Von 1998 bis 2016 war Walter Fuchs-Stratmann geschäftsführendes Vorstandsmitglied, seit 2017 dann ehrenamtliches Vorstandsmitglied.  Das war eine „sehr sinnvolle und segensreiche Tätigkeit“, würdigte Stadtsuperintendent Bernhard Seiger das „Stiftungsurgestein“. Fuchs-Stratmann habe „nicht nur verwaltet, sondern sich auch um Zustiftungen gekümmert.“ Dazu seien so manche „Sofagespräche“ notwendig gewesen und viel „persönlicher Einsatz“.

Im Jahr 1997 hatte Walter Fuchs-Stratmann, damals Mitarbeiter des Sozialwerks, die Idee zu einer Stiftung für den Stadtkirchenverband Köln. Seine Überzeugung: Der Auftrag der Kirche zur Verkündung gilt unabhängig von den finanziellen Ressourcen. Aus den Jahresüberschüssen sollte ein Kapitalstock aufgebaut werden, um der Gefahr entgegenzuwirken, diakonische Aufgaben nicht mehr erfüllen zu können. Am 12. Mai 1997 wurde – mit einem Startkapital von 5 Millionen D-Mark – die Gemeinschaftsstiftung Diakonie von der Bezirksregierung Köln genehmigt, in deren Satzung die Förderung des friedlichen Zusammenlebens aller Generationen und Milderung sozialer Konflikte festgeschrieben ist. Dies solle insbesondere durch die berufliche Qualifikation Jugendlicher und benachteiligter Personen, die Bekämpfung von Obdachlosigkeit, die Integration behinderter Menschen sowie die Begleitung des Lebens im Alter geschehen. Seit 1997 konnten 1,5 Mio. Euro an diakonische Projekte ausgeschüttet werden. Gefördert wurden unter anderem das Jugendhaus TREFFER, das Jugendwerk Köln, die Überlebensstation Gulliver mit dem Projekt „Aus Gästen werden Mitarbeiter“, die Stadtteilmütter in Mülheim, verschiedene ambulante Hospizdienste und das Evangelische Beratungszentrum.

„Ich habe das immer gerne gemacht“

Von vielen Gesprächen wusste Walter Fuchs-Stratmann sehr unterhaltsam zu berichten. Nicht immer waren die Hausbesuche von kulinarischen Highlights begleitet. So erinnerte sich Fuchs-Stratmann an so manchen misslungenen Backversuch und Kuchen vom Vortag. Besonders lebhaft war ihm die Begegnung mit Erna Niemann im Gedächtnis geblieben. Eine resolute ältere Dame, die wirkte wie „aus einem Agatha Christie-Film“ und zu allem Überfluss noch „etwas mit Steuern zu tun hatte“. Den damals bereits über 40-jährigen Fuchs-Stratmann ließ die doppelt promovierte Steuerberaterin mit den Worten „Junger Mann, dann wollen wir mal sehen, was die Literatur dazu sagt“ und einem Griff in das Regal mit dem „Steuerberaterjahrbuch“, dessen Herausgeberin sie war, relativ alt aussehen.

„Ich habe das immer gerne gemacht“, betonte Walter Fuchs-Stratmann, aber die schönsten Momente seien immer gewesen, wenn die Stifter sagten: „Die Entscheidung ist gefallen. Sie können einen Termin beim Notar machen.“ Dabei war Walter Fuchs-Stratmann immer auch ein Team-Player. „Ich habe immer gut mit Martina Schönhals zusammengearbeitet“, erklärte das scheidende Vorstandsmitglied und lobte außerdem die „gute Übergabe“.

Der neue Vorstand der Stiftung besteht aus Martina Schönhals, Stephan Neugebauer und Jochen Schmieter als Nachfolger von Walter Fuchs-Stratmann sowie im Stiftungsrat Dr. Udo Völligs, Dr. Ulrich Gröschel und Hella Juliane Plewe, Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger, Superintendent Markus Zimmermann, Superintendent Torsten Krall und Superintendentin Susanne Beuth.

Nachdem der Abschied mit Sekt und Törtchen etwas versüßt worden war, gab es noch ein Geschenk für den passionierten Radfahrer Walter Fuchs-Stratmann: einen Gutschein für einen Fahrradhändler sowie ein Erste-Hilfe-Päckchen für Biker.

Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke

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Unsere Wochentipps: Orange Days und Kunstspuren in der Friedenskirche

Bei unseren Wochentipps ist für jeden etwas dabei: Die Orange Days, Kunstspuren in der Friedenskirche, moderne und zeitgenössische Kunst im Martin-Luther-Haus und ein Friedenskonzert in der Andreaskirche Schildgen laden Sie ein!

21.11.2024, 19:00
Evangelische Kirchengemeinde Ehrenfeld
Friedenskirche, Rothehausstraße 54a, 50823 Köln
Kunstspuren in der Friedenskirche
Konzert: „Wo gehen wir denn hin?“
Ein Konzert mit intuitiver Musik von Susanna Bozzetti (Violine) und Ulrich Kisters (Keyboards, Percussion und Gesang) umrahmt von Gedichten von Rainer Maria Rilke und Gebeten und Texten aus verschiedenen spirituellen Traditionen sind am Donnerstag, 21. November, 19 Uhr, in der Friedenskirche Ehrenfeld, Rothehausstraße zu hören. Es ist der Versuch, musikalisch und literarisch die Frage „Wo gehen wir denn hin?“, auf dem Lebensweg, der alle menschlichen Höhen und Tiefen bereithält und zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Schmerz und Glück, hin und her schwankt, zu beantworten. Es ist die Frage, die der Dichter Novalis einst gestellt hat. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
www.evangelisch-ehrenfeld.de

22.11.2024, 00:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Bayenthal
Martin-Luther-Haus, Mehlemer Straße 7, 50968 Köln
Moderne und Zeitgenössische Kunst – Kunstausstellung im Martin-Luther-Haus
Benefizverkauf für den Verein Deutsch-Ukrainisches Blau-Gelbes Kreuz
Von Freitag, 22. November, bis Sonntag, 1. Dezember, findet in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Bayenthal wieder eine Kunstausstellung statt, die von Kurator Uwe Holl zusammengestellt wurde. Die Werke stammen aus privaten Kunstsammlungen und können erworben werden. Der Verkauf erfolgt von privat zu privat. Der Erlös geht an den Deutsch-Ukrainischen e. V. Blau-Gelbes Kreuz. Die Vernissage findet am Freitag, 22. November, 19 Uhr, im Martin-Luther-Haus, Mehlemer Straße 7, statt. Die Ausstellung ist anschließend von Montag bis Samstag, jeweils 16 bis 19 Uhr, und sonntags von 11.30 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.
www.kirche-bayenthal.de

23.11.2024, 17:00
Evangelische Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen
Andreaskirche Schildgen, Voiswinkler Straße 40, 51467 Bergisch Gladbach-Schildgen
Musik und Lyrik – Momente des Friedens
Jüdische, arabische und slawische Musik und Gedichte
Zu einem Friedenskonzert in der Andreaskirche Schildgen, Voiswinkler Straße 40, am Samstag, 23. November, 17 Uhr, lädt die Evangelische Kirchengemeinde Altenberg-Schildgen ein. Zu hören sind jüdische, arabische und slawische Musik und Gedichte. Es musizieren Ulrike Mütze (Laute und Querflöte) sowie Holger Koslowski (Klavier und Bassflöte). Bettina Sonnenschein rezitiert Gedichte. Der Eintritt ist frei, am Ausgang wird um eine Spende für einen sozialen Zweck gebeten.
www.andreaskirche-schildgen.de

25.11.2024, 17:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln Niehl-Riehl
Stephanuskirche, Brehmstraße 4-6, 50735 Köln
Orange Days: Die Stephanuskirche leuchtet orange
Ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen
Das interreligiöse Gebet am ersten Tag der Orange Days findet in diesem Jahr am Montag, 25. November, 17 Uhr, in der griechisch-orthodoxen Gemeinde in der Kirche Alt St. Heribert, Urbanstraße 1, statt. Im Mittelpunkt des Gebets steht das Thema Gewalt in Ehe und Partnerschaft. Die Orange Days setzen weltweit mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Am „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ am Montag, 25. November, 17 Uhr, macht auch die Evangelische Kirchengemeinde Köln Niehl-Riehl auf das Thema Gewalt an Frauen aufmerksam, indem die Stephanuskirche, Brehmstraße 4-6, von 17 bis 22 Uhr in Orange angestrahlt wird. Sie beteiligt sich damit an einer weltweiten Kampagne, die jedes Jahr vom 25. November bis zum 10. Dezember mit orange leuchtenden Gebäuden und vielfältigen Aktionen auf das Problem und seine verheerenden Auswirkungen aufmerksam. In diesen Zeitraum fällt auch der „Tag der Menschenrechte“ (10. Dezember). 1991 hat das Women’s Global Leadership Institute die Kampagne „16 days of activism against gender violence“ ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Orange The World“ hat UN Women 2008 den Ball aufgenommen. Seither ist „Orange The World“ Teil der „UNiTE to End Violence against Women“-Kampagne des Generalsekretärs der Vereinten Nationen und zielt auf die Umsetzung der UN-Frauenrechtskonvention CEDAW (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women). In Köln hatten 2019 die beiden Kölner Zonta Clubs die erste Beleuchtungsaktion zum 25. November unter dem Motto „Orange Your City“ initiiert. Seit 2020 finden der Aufruf und die Aktionen koordiniert vom Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern der Stadt Köln statt, in Kooperation mit den Kölner Zonta Clubs, den Kölner Soroptimistinnen und den Mitgliedern des Arbeitskreises „Gegen Gewalt an Frauen“.
www.ev-kirche-niehl-riehl.de

Text: APK
Foto(s): APK

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