Getauft am großen Strom: Wie 15 Kölner Kinder den Rhein zu ihrer Taufkirche machen

Im Hintergrund schippert der Dampfer „Willi Ostermann“ den Rhein entlang. Das Wasser glitzert im Sonnenlicht. Der Dom bildet eine imposante Kulisse. Einige Gäste haben es sich in orangefarbenen Liegestühlen gemütlich gemacht. Hannes trägt eine hellgrüne Fliege sowie passende Shorts und blickt etwas misstrauisch. Nein, er möchte nicht am Arm seiner Mutter ins Wasser heruntergelassen werden. Das verdeutlicht er Pfarrer Mathias Bonhoeffer mit einem Kopfschütteln. Und so hebt er ihn mit den Händen zu dem Täufling empor und benetzt seinen Kopf. Das stört Hannes an dem heißen Tag nicht. Was das Ganze soll, versteht der 20 Monate alte Junge aber noch nicht. Er ist der Jüngste von 15 Täuflingen aus 13 Familien, die heute feierlich in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen werden – und zwar auf eine besonders kölsche Weise. Sie werden im Rhein getauft, am Stromkilometer 689,5.

Eine Familientradition, die im Wasser wurzelt

Hannes‘ Vater findet dieses Taufzeremoniell am großen Strom mit der Stadt im Hintergrund besonders sympathisch. Die Entscheidung, ihren Sprössling dort taufen zu lassen, fiel aber vor allem aus einem anderen Grund. „Das hat in der Familie Tradition“, sagt er. „Hannes‘ Bruder und sein Cousin sind ebenfalls im Rhein getauft worden.“ Die nächste, die der Pfarrer zu sich ins Wasser bittet, ist die elfjährige Maria. Sie hat ihre Eltern selbst dazu gedrängt, dass sie nun endlich getauft werden möge. Und die haben dann entschieden, dass es an diesem Tag im Rhein geschehen soll. Auch die neunjährige Emma und ihre kleine Schwester Frida, sechs Jahre alt, durften bei der Entscheidung mitreden. „Sie sollen ihren christlichen Glauben ja nicht einfach von ihren Eltern übernehmen“, erläutert ihre Mutter. So hätten sie und der Vater gewartet, bis die Töchter alt genug waren, mitzuentscheiden. Und nun werden beide mit einem Aufwasch im Rhein getauft.

Gottes Zuneigung kennt keine Bedingungen

Das Pfarrerteam Mathias Bonhoeffer, Nicola Thomas-Landgrebe, Markus Herzberg und Christoph Rollbühler beim Gottesdienst.

Mathias Bonhoeffer und die Mittaufenden Markus Herzberg, Christoph Rollbühler und Nicola Thomas-Landgrebe heißen alle gleichermaßen willkommen. Markus Herzberg verdeutlicht das den zahlreichen Gästen der großen Rheintaufe: „Wir leben in einer Welt, in der alles immer an Leistung geknüpft ist. Du bekommst, was Du Dir erarbeitet hast. Du bist, was Du leistest. Du gehörst dazu, wenn Du die richtigen Voraussetzungen hast, den richtigen Pass, das richtige Konto, die richtige Herkunft, die richtige Identität.“ Gott knüpfe seine Zuneigung aber nicht an Bedingungen. „Du gehörst nicht zu Gott, weil Du fromm oder stark genug, am wenigsten beirrbar bist, sondern schlicht, weil Gott Dich liebt“, sagt Herzberg. Das sei ein Geschenk, aber auch ein Trost. „Du bist wichtig, aber Du trägst nicht alles allein auf Deinen Schultern. Du musst nicht immer alles richtig machen, nicht perfekt sein.“ Durch die Taufe erhalte man eine Familie, die viel größer sei als die biologische.

Nicht allein – mit Gott und mehr als hunderttausend Engeln

Nicola Thomas-Landgrebe spricht über deren Pflichten: „Mit jedem neuen Tag erlebt ihr, dass Euer Kind in immer stärkerem Maß sein eigenes Leben führt und Anspruch auf seine ganz eigene Art und eigenes Wesen erhebt. Wir alle sind deshalb verpflichtet, es nicht nur mit unserer Liebe zu umgeben und zu begleiten, sondern es in der ihm eigenen Art zu achten und zur Freiheit zu verhelfen, die zum Sinn des Christenmenschen gehört.“ Christoph Rollbühler erinnert daran, dass es nicht immer einfach werden wird: „Unser Leben verläuft nicht ohne Beulen, ohne dass wir ins Schlingern kommen.“ Es sei wichtig, dabei nicht allein zu sein, sondern Freunde und Freundinnen zu haben, denen man erzählen könne, wenn man Mist gebaut hat, Familie, in die man sich verkriechen könne, Paten und Patinnen, jemanden, der einen Kakao macht und die Bettdecke glattstreicht. „Du bist nicht nur zu zweit oder dritt“, sagte er zu den Täuflingen, „sondern mit Gott, und das ist mehr, als sogar hunderttausend Engel sein können.“

Mathias Bonhoeffer tauft Frida während ihre große Schwester Emma, bereits getauft, zuschaut.

Über einen Engel freute sich am Ende die kleine Frida aber besonders. Zur Taufe gab es von der evangelischen Gemeinde Köln eine kleine goldglänzende Engelsfigur, die sie bewundernd in ihren Fingern hielt. Und so endete der Taufgottesdienst mit glücklichen Gesichtern und genauso beschwingt, wie er begonnen hatte: mit einem Gospelsong und einem gemeinsamen Wippen im Takt.

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

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Die Natur ist die beste Küche! Wildkräuter, Naturgarten & Apfelessig – neue FBS-Naturkurse für Groß & Klein im Herbst 2026

Wusstest du, dass Gänseblümchen im Salat eine Delikatesse sind – oder dass du aus Fallobst deinen eigenen Apfelessig herstellen kannst? Der Herbst ist die schönste Jahreszeit, um die Natur neu zu entdecken – und genau das machen wir bei der FBS Köln! Im wunderschönen Naturgarten des KGV Bellerstrasse in Hürth laden wir Groß & Klein ein, die Geheimnisse der Wildpflanzen zu lüften, saisonale Kräuter zu sammeln und daraus köstliche Schätze herzustellen. Ob du mit deinen Kindern auf Entdeckungstour gehst, als Erwachsener tiefer in die Welt der Wildpflanzen eintauchst oder aus Fallobst dein eigenes flüssiges Gold zauberst – unsere Naturkurse verbinden Wissen, Genuss und echtes Naturerlebnis auf wunderbare Weise und es ist für jede Altersgruppe etwas dabei – schaut rein und meldet euch an!

Alle Kurse sind einzeln buchbar. Anmeldung und weitere Informationen direkt über die verlinkten Kurse. Sicher dir jetzt deinen Platz:

Das Kräuter-ABC für Kids. Für (Groß-) Väter mit Kindern ab 5 Jahren.

Kursnr. 262F2305
Beginn So., 27.09.2026, 11:00 – 13:15 Uhr
Dauer 1 x 3
Gebühr 19,50 €
Von A wie Ampfer bis Z wie Zaunrübe – es gibt viel zu entdecken im Naturgarten des KGV Bellerstrasse! Gemeinsam gehen wir auf Entdeckungstour im Garten: Welche Pflanzen kann man essen, von welchen lasse ich besser die Finger und mit welchen kann man tolle Dinge basteln. Bei diesem kurzweiligen und spannenden Rundgang sammeln wir verschiedene Wild- und Gartenpflanzen, die wir anschließend zu einem leckeren Snack verarbeiten. Lasst Euch überraschen, wie leicht es ist, selbst Schüttelbutter herzustellen oder ein buntes Regenbogensalz. Zum Abschluss gestalten wir ein farbenfrohes Blütenmandala.
https://www.fbs-koeln.org/programm/kinder/kw/bereich/kursdetails/kurs/262F2305/kursname/Das%20Kraeuter-ABC%20fuer%20Kids%20Fuer%20Gross-%20Vaeter%20mit%20Kindern%20ab%205%20Jahren/kategorie-id/392/

Wildkräuterspaziergang für Erwachsene im Naturgarten Hürth

Kursnr. 262F597
Beginn Fr., 04.09.2026, 15:00 – 18:00 Uhr
Dauer 1 x 4
Gebühr 24,00 €
Was hat es mit den Samen der Knoblauchsrauke auf sich? Und was machen die Gänseblümchen im Salat? Bei einem Rundgang durch den Naturgarten im KGV Bellerstrasse werden diese Geheimnisse gelüftet und wir tauchen ein in die Vielfalt der Natur. Wir lernen verschiedene saisonale Wildpflanzen und ihre Verwendung kennen. Es gibt Tipps und Ideen für die Verwendung und wir verarbeiten sie anschließend gemeinsam zu einem köstlichen Snack. Zum Abschluss stellen wir ein Kräutersalz oder ein Fußbadesalz her.
https://www.fbs-koeln.org/programm/kw/bereich/kursdetails/kurs/262F597/kursname/Wildkraeuterspaziergang%20fuer%20Erwachsene%20im%20Naturgarten%20Huerth/

Wildkräuterspaziergang für Erwachsene im Naturgarten Hürth

Kursnr. 262F598
Beginn So., 15.11.2026, 11:00 – 13:15 Uhr
Dauer 1 x 3
Gebühr 19,50 €
https://www.fbs-koeln.org/programm/kw/bereich/kursdetails/kurs/262F598/kursname/Wildkraeuterspaziergang%20fuer%20Erwachsene%20im%20Naturgarten%20Huerth/

Alleskönner Apfelessig. – für Erwachsene im Naturgarten Hürth

Kursnr. 262F599
Beginn Fr., 09.10.2026, 11:00 – 14:00 Uhr
Dauer 1 x 4
Gebühr 24,00 €
Herbstzeit ist Apfelzeit. Außer den Klassikern wie Mus und Kuchen kann man aus Äpfeln und Fallobst auch Essig herstellen. Er wird als Würz- oder Putzmittel verwendet und bringt auch viele gesundheitliche Vorteile mit sich. Im Naturgarten des KGV Bellerstrasse erfährst Du Wissenswertes über die Historie des Essigs und welche verschiedenen Essigarten es gibt. Danach verarbeiten wir Fallobst zu einem Essigansatz und Du kannst auch einen eigenen Frucht-, Kräuter- oder Blütenessig herstellen.
https://www.fbs-koeln.org/programm/kw/bereich/kursdetails/kurs/262F599/kursname/Alleskoenner%20Apfelessig%20-%20fuer%20Erwachsene%20im%20Naturgarten%20Huerth/

Warum mitmachen?

Die Ferienwerkstätten der fbs sind mehr als nur Beschäftigung: Sie sind Orte für Begegnung, Lernen, Kreativität und gemeinsames Erleben. In kleinen Gruppen und unter fachkundiger Anleitung entsteht Raum für das, was im Alltag oft zu kurz kommt – echte Qualitätszeit miteinander.

Veranstalter:

Evangelische Familienbildungsstätte Köln
Kartäusergasse 9–11, 50678 Köln
www.fbs-koeln.org

Jetzt anmelden – die Wintermonate werden warm, kreativ und gemeinschaftlich!

Text: APK
Foto(s): APK

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Zuhören, da sein, aushalten – Queere Seelsorge für queere Menschen startet in Köln

Queere Menschen, die in Krisen Begleitung suchen, finden ab August ein neues Angebot bei der Queeren Kirche Köln: eine kostenlose Peer-to-Peer-Seelsorge, die von queeren Menschen für queere Menschen gestaltet wird – offen für alle, unabhängig von Herkunft, Alter oder Religionszugehörigkeit. Dr. Dorothea Ugi ist evangelische Pfarrerin und Theologin und eine der Initiatorinnen dieses Angebots. Im Interview erzählt Dr. Dorothea Ugi, wie die Idee zur Queeren Seelsorge entstanden ist, an wen sie sich richtet und was Menschen erwartet, die sich melden.

Im August startet die Queere Peer-to-Peer-Seelsorge und Beratung. Wie ist die Idee für dieses Angebot entstanden und warum wird es gerade jetzt gebraucht?

Schon seit längerer Zeit träume ich zusammen mit anderen queeren Seelsorger*innen und Berater*innen von Seelsorge von queeren Menschen für queere Menschen. Weil es so vieles gibt, was sich alleine schlechter verarbeiten lässt. Im Moment ist der Bedarf nach Begleitung und Gesprächen besonders spürbar, weil queere Menschen von Rechtsextremen zum Feindbild gemacht werden. Die zahlreichen Anfragen bei der Queeren Kirche Köln betonen die Dringlichkeit. Deshalb haben wir uns als Team zusammengesetzt und gemeinsam dieses Angebot entwickelt.

An wen richtet sich die Queere Seelsorge und mit welchen Anliegen können Menschen sich an Sie wenden?

Die Seelsorge richtet sich an alle Menschen, die sich selbst auf dem LGBTQIA+ Spektrum verorten. Alter, Herkunft, Wohnort, Kirchen- oder Religionszugehörigkeit spielen keine Rolle. Alles, was Menschen schwer auf dem Herzen liegt und worüber sie mit uns sprechen möchten, kann in den Gesprächen Thema sein. Und um ein paar Beispiele zu nennen: Identität, Coming Out, Sex und Beziehung, genauso wie Einsamkeit, Trauer, Krankheit, Sinn des Lebens oder Spiritualität. Die Menschen, die zu uns kommen, bestimmen, was in den Gesprächen passieren soll und was ihnen gut tut.

Wie funktioniert das Angebot ganz praktisch: Wer steht zur Verfügung? Wo findet die Seelsorge statt, wie kann man Kontakt aufnehmen und entstehen dabei Kosten?

Wir sind ein Team aus Menschen, die eine qualifizierte Seelsorge- oder Beratungsausbildung gemacht haben und wir sind alle selbst queer. Auf der Homepage der Queeren Kirche Köln bekommt man ein Gefühl, mit wem man es zu tun hat. Dort kann man Kontakt aufnehmen und einen Termin buchen. Wir haben einen schönen Raum in der St.-Johannes-Kirche in Köln Deutz und in der Melanchthon-Akademie Köln für Gespräche. Bevor man sich trifft, gibt es ein kurzes Erstgespräch am Telefon. Auch Onlinetreffen sind möglich. Die Seelsorgegespräche sind und bleiben kostenlos. Es gibt nach einem ersten Gespräch die Möglichkeit auch weitere Gespräche zu führen.

Was wünschen Sie sich, dass Menschen über die Queere Seelsorge wissen oder mit ihr verbinden?

Queere Seelsorge heißt: Gemeinsames Aushalten und miteinander da sein in Krisen und bei Problemen von Menschen, die queer sind. So wie es sich individuell richtig anfühlt. Wir wollen einen sicheren Raum schaffen, in dem alles besprechbar ist und in dem wir das Schwere miteinander da sein lassen. Es müssen keine queeren oder spirituellen Themen vorkommen, aber es ist möglich. Wichtig ist uns, dass bei uns nur Menschen Seelsorger*innen sind, die selbst queer sind. Das schafft einen sichereren Rahmen. Zudem ist auch wichtig, dass Seelsorge keine Psychotherapie ersetzt.

Welche Bedeutung hat das Angebot aus Ihrer Sicht für Köln und Region?

In Köln leben viele queere Menschen und es ist für viele schwierig, Begleitung in der Bewältigung von Krisen und Problemen zu finden. Für Seelsorge braucht es kein Rezept, kein Geld, und wir hoffen: keine Warteliste. Darüber hinaus erhoffen wir uns, dass das Online-Angebot auch Menschen aus ländlicheren Regionen erreicht. Wir träumen von weiteren Seelsorge-Standorten im ländlichen Raum.

Mehr Information bald auf:

https://www.queere-kirche-koeln.de/und https://www.hierundweiter.de/

Text: APK
Foto(s): APK/ Sasha Kisselkova

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Befreiungsschlag oder Eskapismus? Feministischer Buchclub diskutiert Miranda Julys „Auf allen vieren“

 

Lea Braun, Initiatorin und Moderatorin des „Feministischen Buchclubs“ (Mitte oben im Bild) hat sich einem Gesprächskreis angeschlossen.

Im Garten der Kartäuserkirche sitzen viele Frauen und ein Mann unter der sinkenden Sonne auf Liegestühlen mit einem Gläschen Sekt. Manche haben ein Buch neben dem Stuhl liegen: „Auf allen vieren“ von Miranda July. Um den Roman drehen sich die Gespräche an diesem Abend. Denn heute findet die „Sommeredition“ des „Feministischen Buchclubs“ statt, eine Veranstaltung des „Anderen Buchladens“ und des „Jungen Campus“. Die Bildungsplattform beruht auf einer Kooperation zwischen der Evangelischen Familienbildungsstätte, dem Evangelischen Jugendreferat und der Melanchthon-Akademie und richtet sich strenggenommen an junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren. Beim „Feministischen Buchclub“ sind auch einige ältere Frauen dabei. Frauenrechte kennen keine Altersgrenze. Die Moderatorin und Studienleiterin der Melanchthon-Akademie Lea Braun hat ihn ins Leben gerufen, und der Andere Buchladen steuert den passenden Lesestoff bei. Seit neun Monaten läuft der Buchclub – eigentlich im Buchladen. Doch im Sommer bietet der Kirchengarten einen besonders schönen Veranstaltungsort mit viel Platz: Braun hat drei Gesprächskreise gebildet, damit alle zu Wort kommen können. Daher moderiert sie auch ausnahmsweise nicht, sondern überlässt den Besucherinnen selbst das Gespräch – und einen Zettel mit Fragen als Inspiration. Die ist gar nicht nötig, denn die vergleichsweise schräge Lektüre heizt gleich die Diskussion an: Es handelt sich um einen „Roadtrip“, der unplanmäßig keiner wird – eher eine skurrile Reise ins Innenleben der Protagonistin, einer mittelmäßig bekannten Künstlerin. Sie schenkt sich selbst zum 45. Geburtstag einen Trip mit dem Auto von der Westküste der USA nach New York. Doch wenige Kilometer von ihrem Vorstadthaus entfernt verliebt sie sich vermeintlich in Davey, der ihre Autoscheibe an der Tankstelle saubermacht, mietet sich in einem billigen Motel ein und lässt sich von Daveys Frau das Motelzimmer für 20.000 Dollar umgestalten – während sie mit ihm eine eher seltsame Affäre hat.

Menopause, Identität und absurde Wendungen: Was der Roman aufwühlt

Am Fuß manches Liegestuhles liegt das Buch „Auf allen Vieren“ bereit.

Das Buch war als Lektüre für den Sommerleseclub vorgegeben. Selbst hätte sie es sich vermutlich nicht ausgesucht, sagt eine Besucherin. Das Thema Menopause habe sie nicht angesprochen. Aber dann habe die facettenreiche Persönlichkeit der Protagonistin sie gefesselt – und die Frage, welche absurden Geschehnisse sich eine Autorin ausdenken kann, oder ob sie vielleicht gar nicht ausgedacht sind. Kann Frau tatsächlich so unterwegs sein? Für viele sind ihre Handlungen schwer nachvollziehbar: „Ich hatte wirklich Schwierigkeiten, mich mit der Hauptperson zu identifizieren“, sagt eine Frau. Eine andere fand es „cool, in das Gehirn einer Person zu gucken, wenn sie – vielleicht – eine manische Phase hat.“ Mancher war das zu viel: „Ich bin ausgestiegen, als sie das Hotelzimmer umgestaltet hat“, meint eine. Über die Szene ist auch Lea Braun gestolpert. „Das ist ein Moment der Selbstbestimmung, aber eben gar nicht nachhaltig“, findet sie. Friederike Dobisch vom Anderen Buchladen sieht das anders: „Ist es nicht gut, im Leben einmal etwas Absurdes zu tun, einmal mit allen Regeln zu brechen?“ Die Sitznachbarin hat einen Grund dafür ausgemacht: „Vielleicht ist es eine Vermeidungsstrategie, um sich von sich selbst abzulenken.“

Patriarchale Prägungen und das Schweigen über Leid

Die Gespräche beim „Feministischen Buchclub“ im Garten der Kartäuserkirche finden in kleineren Kreisen statt.

Auch das Gespräch in der Nachbarrunde ist mittlerweile in tiefere Gefilde eingetaucht: Man kämpfe beim Lesen mit den patriarchalischen Vorstellungen von Sex, von denen alle geprägt sind, sagt eine Frau. Sie habe bei sich selbst bei der Lektüre Widerstand dagegen entdeckt – gegen das Aussteigen aus den Konventionen. Eine Gesprächspartnerin hat Verständnis dafür: „Die Frau ist in ihrer Ehe unzufrieden, muss ihrem Mann Sex geben, sonst ist er nicht glücklich. Er kümmert sich um das Kind und wird dafür gelobt, aber sie wird nicht gesehen.“ Eine Aussage des Romans sei: „Schau einmal, wie wenig reicht, um zu sagen, dass ein Mann ein guter ist.“ Im Nachbarkreis erinnert der Mann an die im Buch erwähnte schwierige Geburt der Protagonistin, bei der ihr Kind fast gestorben wäre. Man ist sich einig: Sie und ihr Mann seien spürbar traumatisiert, würden darüber aber nicht reden. Es würde viel verheimlicht – Leid, Bedürfnisse. Dafür würden spezielle Räume geschaffen: das Hotelzimmer für den Sex mit dem Fremden und heimliche Junkfood-Orgien mit den Freundinnen.

Das Fazit: Individueller Aufbruch oder feministischer Befreiungsschlag?

Das Fazit des Abends lautet: Der Roman beschreibt einen Befreiungsschlag. Aber ist es ein individueller oder ein feministischer? Während der Diskussion macht eine Frau eine Entdeckung: „Sagt mal, ist euch eigentlich aufgefallen, dass man an keiner Stelle im Roman erfährt, wie die Hauptfigur eigentlich heißt?“ Das hatte keine Leserin bemerkt.

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

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„So waren wir nie“ – Ordination von Dagny Weyermanns in der Martin-Luther-Kirche Porz-Wahnheide

„Du bist der Gott, der mich sieht.“ Aus dem 1. Buch Mose, 16,13 stammt der Spruch, den sich Dagny Weyermanns für ihre Ordination ausgesucht hat. Superintendentin Kerstin Herrenbrück war in die Martin-Luther-Kirche zu Porz-Wahnheide gekommen, um die Ordination vorzunehmen. Sie wandte sich direkt an die Pfarrerin, die ihre Stelle in der evangelischen Gemeinde im Südosten Kölns angetreten hat: „Es ist mir ein Fest, Sie zu ordinieren. Hier an diesem Ort. Und es ist für Sie ein Fest.“ Sprach es und warf zur Überraschung aller in der vollbesetzten Kirche eine Handvoll Konfetti in die Luft.

Konfetti als Symbol für bunte Vielfalt

Konfetti stehe beispielhaft für die Feststimmung, die bei der Ordination herrsche. „Für Feier und Leichtigkeit“, fuhr Herrenbrück fort. „Und die bunte Vielfalt, die Gott uns schenkt.“ Eine Hand voller Farbe allein bewirke wenig, Wirkung erziele die Buntheit. Jedes einzelne Konfetti-Element sei dafür verantwortlich. Im Pfarramt seien einige aller Gläubigen zu einem besonderen Dienst berufen. Nämlich zum Gottesdienst, zur Seelsorge, zur Unterrichtung über das Evangelium und zum Mitwirken beim Aufbau der Kirche in der Welt. Es gelte, die Geistkraft lebendig und spürbar werden zu lassen. „Ich wünsche Ihnen Mut und Zuversicht in Ihrem Reden, den großen und ewigen Frieden Gottes zu bezeugen.“

Vom Niederrhein nach Köln-Südost

Dagny Weyermanns wuchs am Niederrhein auf und studierte nach ihrem Abitur evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie predigte in dem Ordinationsgottesdienst über die Apostelgeschichte 4, 32–37. In der liest man Erstaunliches: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“ Und: „Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.“

Utopie gegen Dystopie – und das Ideal des Abgebens

Klingt, nun ja, einigermaßen paradiesisch. Oder wie eine Utopie, der Weyermanns zu Beginn ihrer Predigt das exakte Gegenteil gegenüberstellte: die Dystopie. Als Beispiel nannte sie die „Hungerspiele“ in „Die Tribute von Panem“ und das unerträgliche Leben der Untertanen in George Orwells Klassiker „1984″. Die Autoren dieser Dystopien hätten vor allem warnen wollen vor den Umständen, die sie beschrieben – in der jeder gegen jeden aufgehetzt wurde. In der Apostelgeschichte sehe das zunächst einmal ganz anders aus, so die Pfarrerin: „Die ganze Gemeinde ist ein Herz und eine Seele. Allen ist alles gemeinsam. Niemand in der Gemeinde musste Not leiden. Der Traum von einer Welt, nach der sich viele sehnen, ist wahr geworden. Die Menschen geben ihren Besitz auf.“ Aber leider zu schön, um wahr zu sein: „So waren die Christen nie“, goss Weyermanns reichlich Wasser in den Wein. Dieses Bild der besitzlosen Urgemeinde sei auch historisch nicht haltbar. Und auch das Modell der Täufer von Münster sei bei den Christen nicht auf Gegenliebe gestoßen. „So waren wir nie, die wir die verteufelt haben.“ Alles gemeinsam haben sei doch eher das Credo der Kommunisten gewesen. Und es sei bezeichnend, dass besagter Text aus der Apostelgeschichte lange nicht Teil der Predigtordnung gewesen sei. Trotzdem stelle Lukas dieses Modell der gemeinsamen Besitzlosigkeit in den Mittelpunkt der Passage 4, 32–37. „Wann lernen wir das mit dem Abgeben? Und damit ist nicht Ausmisten gemeint. Wann werden wir so gerecht, wie wir nie waren? Wir brauchen Idealbilder in unserer Gesellschaft und in unserem Leben.“ Das Positive als Gegenpol zur Realität zu sehen, könne viele Kräfte freisetzen. „Ich möchte mich ab heute mehr mit Utopien abgeben.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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Unsere Wochentipps: Kölner Kultband, Segenstore und Sommerklänge – 7 Tage voller Begegnungen

Die Sommerferien kommen, und mit ihnen eine Woche, die Sommer in jeder Pore atmet: Ob Sie Lust auf mitreißende Livemusik unter freiem Himmel haben, einen besonderen Moment des Innehaltens suchen oder einfach mit der ganzen Familie feiern möchten – die kommenden Tage halten für jeden etwas bereit. Vom Rheinufer bis in die Gemeindegärten, von Köln bis ins Bergische Land lädt die Kirche ein, gemeinsam zu feiern, zu staunen und den Sommer in vollen Zügen zu genießen. Lassen Sie sich inspirieren!

Benefiz-Open-Air-Konzert mit den Paveier in Michaelshoven

Die Kölner Kultband zu Gast beim Parkfest der Diakonie
Bei einem Parkfest und Benefiz-Open-Air-Konzert kommen Musikfans und Familien am Donnerstag, 16. Juli, 17 bis 22 Uhr, auf dem Campus der Diakonie Michaelshoven, Pfarrer-te-Reh-Straße, zum Feiern und Gutes tun zusammen. Höhepunkt des Abends ist der Auftritt der Kölner Mundartrock-Band „Paveier“, die für ausgelassene Stimmung sorgt; außerdem treten Auerbach, die TC KG Kapelle Jonge und Simon Schwieren auf, während ein DJ für Festival-Atmosphäre zwischen den Bühnenauftritten sorgt. Das Bühnenprogramm beginnt um 18 Uhr. Für Kinder und Familien hält die Kinder- und Jugendhilfe der Diakonie ein umfangreiches Programm bereit, darunter eine Spieleolympiade, Kinderschminken, Kicker und Kreativstationen. Kulinarisch versorgt das Restaurant CENA die Gäste – auch mit vegetarischen Angeboten –, dazu gibt es frisches Mühlenkölsch sowie einen Limoncello-Spritz-Stand der Karnevalsgesellschaft Köln Rodenkirchen. Alle Erlöse und Spenden fließen vollständig in die Kampagne „Du bist wertvoll“, die die kulturelle und soziale Teilhabe von benachteiligten und beeinträchtigten Menschen in der Diakonie Michaelshoven fördert. Spenden sind vor Ort per PayPal, EC-Karte oder als Pfandspende möglich. Die Veranstaltung ist barrierefrei. Der Eintritt ist frei.
www.diakonie-michaelshoven.de

Mehr-als-Noten-Segen vor St. Nikolaus

Segen, Seifenblasen und Eis am letzten Schultag in Köln-Klettenberg
Am letzten Schultag vor den Sommerferien steht Pfarrerin Mareike Maeggi von der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Klettenberg am Freitag, 17. Juli, 10.30 Uhr bis 13 Uhr, mit ihrem Team und dem Segenstor vor der katholischen Kirche St. Nikolaus, Nikolausplatz 17, bereit. Der Mehr-als-Noten-Segen richtet sich an Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern, die einen persönlichen Segen mit in die Ferien nehmen möchten – begleitet von Seifenblasen und Eis. Das Angebot ist Teil einer stadtweiten Aktion von „hier+weiter“, dem Segensbüro sowie verschiedenen Kirchengemeinden, bei der Teams an verschiedenen Orten in Köln Segenstore aufstellen.
www.kirche-klettenberg.de

Mehr-als-Noten-Segen am letzten Schultag

Evangelische Kirchengemeinde Köln Niehl-Riehl segnet Schülerinnen und Schüler
Am letzten Schultag vor den Sommerferien, Freitag, 17. Juli, 11 Uhr, sind Pfarrerin Anna-Maari Tölle und Diakon Dirk Küffen am Riehler Gürtel in Köln unterwegs, um Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte zu segnen. Der Mehr-als-Noten-Segen ist ein Format des kirchlichen Projekts hier+weiter und findet auf Schulhöfen und auf dem Nachhauseweg statt. Mit einem bunt geschmückten Rosenbogen als Segenstor, Seifenblasen und Segenskarten zum Mitnehmen wird ein Ort geschaffen, der über Noten und Leistung hinausweist. Die Segenskarten nehmen alle in den Blick, die ein weiteres Schuljahr durchgehalten haben – mit allem, was gut war, und mit allem, was schwer war.
www.ev-kirche-niehl-riehl.de

Zum Ferienbeginn: Sunset Evening in Pesch für Jugendliche

BBQ, Cocktails und Sommerkino im Gemeindegarten
Mit dem Sunset Evening startet die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Pesch gemeinsam mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter ab 14 Jahren im Evangelischen Gemeindezentrum Köln-Pesch, Montessoristraße 15, in die Sommerferien: Am Freitag, 17. Juli, 18 bis 24 Uhr, stehen ein BBQ-Abend mit alkoholfreien Cocktails und ein Sommerkino im Gemeindegarten auf dem Programm – dazu ein abwechslungsreiches Programm mit der ein oder anderen Überraschung. Eine Anmeldung ist erforderlich.
www.dem-himmel-so-nah.de

Sommerkonzert mit Kate Rena

Livemusik und Begegnung vor der Kreuzkirche
Mit dem Konzert von Kate Rena setzt die Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein am Freitag, 17. Juli, 19 bis 22 Uhr, die Reihe der Sommerkonzerte auf dem Platz an der Kreuzkirche, Wuppertaler Straße 21, fort. Kate Rena verbindet Pop, Folk und Country – reduziert auf das Wesentliche und kompromisslos handgemacht, ohne elektronische Beats. Ihre Songs erzählen von Begegnungen, Abschieden und allem, was dazwischen liegt, und werden getragen von einer außergewöhnlichen Stimmfarbe sowie selbst eingespielten Celloparts, die ihren Sound unverwechselbar machen. Die Sommerkonzerte laden auch zum Verweilen und zur Begegnung bei einem kühlen Getränk ein. Das Konzert findet von 20 bis 21 Uhr statt. Bei schlechtem Wetter zieht die Veranstaltung in die Kreuzkirche um. Der Eintritt ist frei.
www.kirche-koeln-muelheim.de

Orgelvesper in der Trinitatiskirche

Werke von Johann Sebastian Bach, Jean-Baptiste Robin und Ad Wammes
Pfarrer Bernhard Seiger, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, und Samuel Dobernecker, Kreiskantor im Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch, gestalten am Samstag, 18. Juli, 18 Uhr, eine Orgelvesper in der Trinitatiskirche, Filzengraben 4. Auf dem Programm stehen Werke aus der Clavierübung III. Teil von Johann Sebastian Bach, darunter „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ und „Vater unser im Himmelreich“, sowie „Trois Solos“ von Jean-Baptiste Robin und „Miroir“ von Ad Wammes. Der Eintritt ist frei.
www.trinitatiskirche-koeln.de

Gemeindefest auf dem Freigelände der Kita Volberg

Regionalgottesdienst und Fest unter dem Motto „Himmlisches Rösrath“
Mit einem Regionalgottesdienst (Beginn 11 Uhr) in der Evangelischen Kirche Volberg, Volberg 1, startet die Evangelische Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath am Sonntag, 19. Juli, in ihr Gemeindefest. Im Anschluss findet auf dem Freigelände der Kita Volberg neben der Kirche das Fest von 12 bis 16.30 Uhr unter dem Motto „Himmlisches Rösrath“ statt – mit geselligem Beisammensein, Spiel und Spaß für Jung und Alt sowie Leckerem für das leibliche Wohl.
www.evkirche-roesrath.de

Text: APK
Foto(s): APK/Canva

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Einfach Ja sagen: Pop-Up-Hochzeit in Hoffnungstal lädt Paare zum Segen im Grünen ein

Jessica und Matthias Büchel sind in Begleitung ihrer Söhne Anton und Sebastian zur Segnung gekommen.

Das Hochzeitskleid schimmert grün – passend zum Ort der Zeremonie auf der Wiese neben dem Flüsschen Sülz. Jessica Büchel trägt es nicht zum ersten Mal. Vor 16 Jahren hat sie ihren Mann Matthias in diesem Outfit standesamtlich geheiratet. Seitdem verstaubte es in ihrem Kleiderschrank. Nun kommt es bei einer zweiten Hochzeit im Grünen noch einmal zum Einsatz, wo das Paar sich den Segen von Pfarrer Hermann Kotthaus holt.

Die Braut hatte die Qual der Wahl: Sie hätten damals zwar auch bereits kirchlich geheiratet, erzählt sie. So habe sie überlegt, ob sie nicht vielleicht doch das weiße Kleid aus dem Schrank holen soll. Das grüne fand sie am Ende passender.

Denn die Pop-Up-Hochzeit, die das Segensbüro „Hätzjeföhl“ des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region heute an der Kirche am Volberg in Hoffnungstal allen Paaren anbietet, die sich einen kirchlichen Segen abholen möchten, ist schlicht. „Einfach heiraten“ – so der Titel des Angebotes. Und das Adjektiv „einfach“ bedeutet hier „unkompliziert“: ohne lange Planung, Gästeliste, Menü und Hochzeitstorte. Interessierte können vorher einen Termin machen oder auch spontan vorbeikommen. Sie können sich einen Trauspruch aussuchen und die passende musikalische Begleitung – einen Stehgeiger, eine Sängerin mit Gitarre oder Orgel. Vor der Segnung gibt es ein Kennenlerngespräch, hinterher ein Hochzeitsfoto und ein Glas Sekt.

So besinnt man sich auf das Wesentliche, sagt Büchel – auf das „Ja“, das man noch einmal zueinander sage. Die einzigen Hochzeitsgäste sind ihre Söhne Anton und Sebastian. Büchel hatte das Angebot des Segensbüros Hätzjeföhl in ihrer Heimatkirche in Porz-Zündorf entdeckt und fand es schön, sich ein zweites Mal trauen zu lassen. „Wir sind ja jetzt schon länger verheiratet und dann geht die Partnerschaft ein wenig unter“, erzählt sie. „Man ist Eltern und berufstätig. Auf diese Weise können wir einander noch einmal zeigen, dass wir uns wertschätzen und schön finden, dass wir zusammen sind.“ Ihrem Mann Matthias gefiel die Idee auch noch aus einem anderen Grund: „Ich komme aus Hoffnungstal und bin hier aufgewachsen“, sagt er.

Heiraten im Grünen: Wiese, Rotbuche und Platane als Trau-Orte

Brigitte Schnell und Heinz Loose kommen nach der Segnung aus der Sakristei.

An der kleinen Dorfkirche in seinem idyllischen Heimatort können Hochzeitspaare im Grünen heiraten – auf der Wiese direkt neben der Sülz, an der Rotbuche im Pfarrgarten oder an der großen Platane neben der Kirche, genauso aber in ihr selbst oder in der Sakristei. Dort spielen ein Cellist und ein Stehgeiger „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Brigitte Schnell und Heinz Loose halten sich bei der Hand und lauschen andächtig. Danach flechten sie ihr „Band der Liebe“, angeleitet von Pfarrerin Antonia Köpf. Das feierliche Ritual ist Teil der Pop-Up-Hochzeiten. Dazu dürfen die Paare drei Bänder auswählen, die sie zu einem Zopf verbinden. „Eines für Dich, Brigitte, eines für Dich, Heinz, und eines für Gott, den Ursprung der Liebe“, sagt die Pfarrerin. Das Ende solle offenbleiben, so wie sie sich weiter wandeln. Doch Brigitte hat das Band bereits fertig geflochten und möchte lieber einen Knoten machen.

Tausend Mal berührt: Zwei Über-80-Jährige sagen noch einmal Ja

Braut und Bräutigam sind bereits über 80 Jahre alt und haben einen langen Weg hinter sich. „Wir kennen uns bereits über 40 Jahre“, sagt Schnell. „Tausend Mal berührt, tausend Mal ist nichts passiert“ – so fasst sie ihre gemeinsame Geschichte zusammen. Beide waren mit anderen Menschen verheiratet und gehörten zum gleichen Freundeskreis. Als ihr Mann und seine Frau verstarben und sie sich gegenseitig unterstützten, hat es dann gefunkt – vor zehn Jahren. Schnell trägt ein weißes Kleid, ganz schlicht, aus Leinen, aber auch das hat Geschichte: „Ich habe es vor 20 Jahren bei einem Sommerfest von Heinz getragen“, schildert sie.

Von der Doppelhochzeit bis zum ersten Jahrestag: Viele Wege zum Segen

An der Rotbuche im Pfarrgarten hat sich doch eine größere Hochzeitsgesellschaft versammelt. Lisa und Onur Kosal heiraten ebenfalls zum zweiten Mal kirchlich, nachdem sie sich 2022 in ihrer Heimat, dem Allgäu, haben trauen lassen. Jetzt wohnen sie in Köln, haben zwei kleine Kinder im Schlepptau und ihre Freunde. So feiern sie heute Doppelhochzeit: Ein Paar aus ihrem Freundeskreis nebst Kindern ist mitgekommen und lässt sich im Anschluss ebenfalls noch einmal segnen. Klassisch in der Dorfkirche heiraten an diesem Tag Julia und Guido Büscher. Er wolle keine Fragen beantworten und auch nicht fotografiert werden, sagt der Bräutigam. „Einfach heiraten“ passt bestens zu dem Paar. Eines muss er aber doch noch loswerden: „Heute ist unser erster Hochzeitstag“, sagt er. Vor einem Jahr hätten sie standesamtlich geheiratet. Der kirchliche Segen habe aber doch noch gefehlt.

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

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Ja-Wort auf dem Rhein: Wie die Fähre „Krokodil“ in Porz-Zündorf zur Kirche wurde

Pfarrerin i.R. Ingrid Kibilka führte mit Fabienne und Niklas ein kurzes Gespräch im Schatten, bevor es auch für die beiden zum Segen auf die Krokodil-Fähre ging. Foto: Mielke

Daten, die man sich leicht merken kann, sind als Hochzeitstermine sehr beliebt. Deshalb war der 26.06.2026 auch ein gutes Datum für die Aktion „Einfach heiraten“ der Evangelischen Kirche. An rund 350 Orten bundesweit konnten sich Paare Ende Juni unkompliziert kirchlich trauen oder segnen lassen. Einer davon war – dank der Unterstützung durch die KS Personenschifffahrt GmbH – die Anlegestelle der Personenfähre „Krokodil“ in Porz-Zündorf. Paare, die bereits standesamtlich verheiratet waren, konnten sich von 18 bis 22 Uhr auf einer kurzen Fahrt über den Rhein ganz spontan und unkompliziert trauen lassen. Paare, die (noch) nicht standesamtlich getraut waren, konnten die Gelegenheit nutzen, um ihre Beziehung in einem ganz besonderen Setting unter Gottes Segen zu stellen.

Eine Idee, die überzeugt – und ins Wasser führt

Um an der Aktion teilzunehmen, konnten sich die Gemeinden im Vorfeld anmelden. Pfarrer Peter Grafe überzeugte die Idee, und er beschloss: „Das möchte ich jetzt einfach mal selber erleben, indem ich es tue!“ Das Bild der Ehe als „Hafen“ gefällt dem Seelsorger gut. „Schließlich sind die Boote nicht zum Anlegen gemacht, sondern zum Loslegen“, meinte er. Außerdem passe diese spontane Aktion weniger in eine Kirche. Im Nachhinein lässt sich hinzufügen: Sicher war es bei mehr als 38 Grad auch keine schlechte Idee, einen Ort am Wasser zu wählen. Einige Paare wurden tatsächlich zufällig durch eines der kleinen Plakate rund um die Anlegestelle auf die Aktion aufmerksam und beschlossen spontan, sich segnen zu lassen.

Tanzen, Strahlen, Segen – Susanne und Robert auf der „Krokodil“

Susanne und Robert gingen mit einem Strahlen im Gesicht von der „Krokodil“ – gesegnet für ihren weiteren gemeinsamen Weg. Foto: P. Mielke

Bereits eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn waren Susanne und Robert vor Ort. Das ältere, gemischtkonfessionelle Paar hat über die gemeinsame Liebe zum Tanzen zueinander gefunden. Nach der Begrüßung durch das Seelsorger-Team und Aufnahme der Personalien – um später eine Urkunde ausstellen zu können – durften sich die beiden einen Bibelspruch auswählen, und nach einem kurzen persönlichen Gespräch ging es gemeinsam mit Prädikant Reinhard Voppel mit der extra für diesen Anlass dekorierten Fähre „Krokodil“ über den Rhein. Dass nebenan im Wasser einige Kinder und Jugendliche Abkühlung suchten, machte die kleine Zeremonie, während der sich die beiden tatsächlich wie Frischverliebte ansahen, nicht weniger feierlich, sondern hatte einen ganz eigenen sommerlichen Charme – in der Abendsonne glitzerndes Rheinwasser inklusive. Zurück an Land gab es nicht nur etwas zu trinken, sondern auch eine liebevoll gestaltete Tüte mit kleinen Aufmerksamkeiten als Erinnerung an den besonderen Moment. Susanne und Robert jedenfalls gingen mit einem Strahlen im Gesicht ihrer Wege – gesegnet für ihren weiteren gemeinsamen Weg.

Spontan und unverheiratet – Fabienne und Niklas wagen den Schritt

Auch das junge, noch unverheiratete Paar Fabienne und Niklas nutzte spontan die Gelegenheit, seine Beziehung segnen zu lassen. Die beiden wurden von Pfarrerin i.R. Ingrid Kibilka in Empfang genommen. Auch für sie ging es nach einem Kennenlerngespräch mit der Seelsorgerin auf die Personenfähre „Krokodil“ – die in ihrer mehr als 35-jährigen Dienstzeit wohl noch nie so viele glückliche Paare an einem Abend befördert hat.

Text: Priska Mielke
Foto(s): p

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Entscheidungen treffen: „kirche.me“ begleitet Menschen in Zeiten der Veränderung

Ob Schulabschluss, Studienbeginn, erster Job oder ein Neuanfang – das Leben hält immer wieder Momente bereit, in denen Entscheidungen anstehen. Mit der neuen Internetseite „Entscheidungen treffen“ erweitert die Kommunikationsplattform www.kirche.me ihr Angebot um ein Thema, das viele Menschen beschäftigt: Veränderungen, Unsicherheit und die Frage, wie es weitergeht. Die Kampagne richtet sich insbesondere an junge Erwachsene und zeigt, dass Kirche auch in Umbruchphasen ein verlässlicher Ansprechpartner sein kann.

Orientierung in bewegten Zeiten

Unter www.kirche.me/entscheidungen-treffen finden Interessierte Impulse, Informationen und konkrete Hilfsangebote für Lebenssituationen, die oft mit vielen Fragen verbunden sind. Im Mittelpunkt steht die Botschaft: Niemand muss wichtige Entscheidungen allein treffen. Die Kampagne macht Mut, neue Wege zu gehen, vermittelt Zuversicht und lädt dazu ein, sich Unterstützung zu holen – sei es in der Familie, im Freundeskreis, in der Kirchengemeinde, bei der Evangelischen Studierendengemeinde oder über die TelefonSeelsorge. Neben persönlichen Impulsen verweist die Seite auf praktische Angebote wie die Stellenbörse des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region, Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner vor Ort sowie Hilfen für Menschen, die sich beruflich oder persönlich neu orientieren möchten.

Glaube als Begleiter

Ein besonderer Bestandteil der Kampagne ist die persönliche Ansprache. Unter dem Abschnitt „Du“ werden Besucherinnen und Besucher ermutigt, auf das eigene Bauchgefühl zu hören, Entscheidungen als Chance zu begreifen und darauf zu vertrauen, dass Gott sie auf ihrem Weg begleitet. Ergänzt wird dies durch Fragen zur Selbstreflexion und Anregungen, wie sich Veränderungen besser bewältigen lassen.

Persönliche Nähe entsteht auch durch den Bereich „Ich“. Dort stellen sich Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die sogenannten (S)Innfluencer der Evangelischen Kirche vor. Sie laden dazu ein, über Instagram, per E-Mail oder telefonisch Kontakt aufzunehmen und zeigen: Hinter der Kirche stehen Menschen, die zuhören, begleiten und unterstützen.

Teil einer größeren Erzählung

Wie die bisherigen Kampagnenteile auf www.kirche.me greift auch „Entscheidungen treffen“ eine konkrete Lebensphase auf. Bereits veröffentlichte Themen wie „17,5. Geburtstag“, „22. Geburtstag“, „Freizeiten“, „Umzug“, „Woher – Wohin“, „Sinn42“ oder zuletzt „Mehr als gedacht“ über die Kirchensteuer erzählen aus unterschiedlichen Blickwinkeln davon, was Kirche heute bedeutet und wie sie Menschen in ihrem Alltag begleitet.

Mit dem neuen Schwerpunkt rückt nun die Erfahrung in den Mittelpunkt, dass Veränderungen zum Leben gehören – und dass gerade in diesen Momenten Orientierung, Gemeinschaft und offene Gesprächsangebote besonders wertvoll sein können. So setzt „Wenn das Leben wirbelt“ die Idee von www.kirche.me konsequent fort: Kirche dort sichtbar zu machen, wo Menschen mit ihren Fragen, Hoffnungen und Entscheidungen unterwegs sind – mitten im Leben.

Projekt der „Arbeitsgruppe Mitgliederbindung“

Es handelt sich um ein Projekt der „Arbeitsgruppe Mitgliederbindung“, die 2023 initiiert wurde, um Konzepte zur Stärkung der Bindung der Gemeindemitglieder zu entwickeln. Das Pilotprojekt konzentriert sich darauf, sowohl ländliche als auch städtische Gemeinden aus beiden Kirchenkreisen einzubeziehen. Dazu wurden gezielt Gemeinden aus verschiedenen Teilen der Region ausgewählt. Durch die breite Abdeckung möchte der EKV sicherstellen, dass Stimmen aus unterschiedlichsten Lebensrealitäten gehört werden.

Weitere Internetseiten im Rahmen des Projekts finden Sie hier:

 

Text: APK
Foto(s): APK/Screenshots

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Heute spontan „Ja“ sagen: „Einfach heiraten“ in Volberg!

Heute ist es so weit:  In Volberg bei Rösrath können Paare sich ganz unkompliziert kirchlich trauen oder segnen lassen. Unter dem Motto „Einfach heiraten“ sind Verliebte, Ehepaare und Jubelpaare eingeladen, ihre Liebe in einem feierlichen Rahmen unter Gottes Segen zu stellen.

Wer sich erst kurzfristig entscheidet, ist ebenfalls willkommen. Eine spontane Teilnahme ist möglich. Pfarrerinnen und Pfarrer nehmen sich Zeit für jedes Paar und gestalten eine persönliche Zeremonie – ganz ohne lange Vorbereitung.

Die Aktion findet heute in der Kirche in Volberg statt. Ob frisch verliebt, standesamtlich verheiratet oder nach vielen gemeinsamen Jahren: Alle Paare sind herzlich eingeladen, ihre Verbundenheit zu feiern und sich segnen zu lassen.

Weitere Informationen gibt es unter www.haetzjefoehl.de.

Text: APK
Foto(s): APK

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