Rein ins CSD Wochenende! Kirche und Diakonie sind dabei. Komm mit….

Evangelische Kirche und Diakonie sind zum vierten Mal beim Christopher Street Day (CSD) mit einer Fußgruppe vertreten. Dank  der Unterstützung der Queeren Kirche, der beiden Kölner Kirchenkreise, der Diakonie Michaelshoven, des Diakonischen Werks Köln und Region sowie zahlreicher Gemeinden in und um Köln können sie sogar mit einem eigenen Wagen teilnehmen.

Übermorgen ist es so weit! Der CSD Köln 2026 findet, am Sonntag, den 5. Juli 2026, mit seiner großen Demonstration in der Kölner Innenstadt statt – einem der größten Pride-Events in Europa. Rund um die Demo wird auf dem Heumarkt und Alten Markt gefeiert. „Wir laden alle Menschen aus unseren Kirchen und diakonischen Einrichtungen herzlich ein, Teil dieser kraftvollen Demonstration für Menschenrechte, Vielfalt und gelebte Nächstenliebe zu sein“, sagt Pfarrer Tim Lahr für das Team der Queeren Kirche Köln. „Gerade für queere Mitarbeitende ist diese Beteiligung ein starkes Zeichen der Wertschätzung. Ihre Sichtbarkeit zeigt: Unsere Kirche steht für eine offene, inklusive und menschenfreundliche Gesellschaft.“ Kommt vorbei, lauft mit, feiert mit uns – auf den Straßen Kölns!

Anmeldung zur Teilnahme unter folgendem Link: https://forms.churchdesk.com/f/lton8xxKVo 

Rückfragen gerne an: queere-kirche-koeln@ekir.de

Eine weitere Auswahl an Veranstaltungen:

03.07.2026, 19:00 Uhr, Queerer Gottesdienst zum CSD Köln

Als Auftakt ins Christopher-Street-Day-Wochenende feiern die queere Community und alle Allies am Freitag, 3. Juli, 19 Uhr, einen Gottesdienst in der St. Johannes-Kirche, Tempelstraße 31. Pfarrer Tim Lahr und sein Team feiern den Gottesdienst mit allen, die sich für das Pride-Wochenende gemeinsam segnen lassen möchten. Egal ob queer, homo, trans, nicht-binär oder questioning – alle sind willkommen. Im Anschluss an den Gottesdienst wird gefeiert: mit Kölsch, Gloria und queerer Freude. Der Eintritt ist frei.
www.evangelisch-deutzpoll.de

04.07.2026, 18:00 Uhr, Evangelische Messe zum Cologne-Pride

Am Vorabend der großen CSD-Demonstration feiern die queere Community, ihre Allies und ökumenische Gäste am Samstag, 4. Juli, 18 Uhr, gemeinsam eine Evangelische Messe in der Antoniterkirche, Schildergasse 57.  Pfarrer Markus Herzberg gestaltet die Messe gemeinsam mit Pfarrer Jürgen Wenge, Alt-Katholischen Pfarrgemeinde Christi Auferstehung. Der Gottesdienst ist ein ökumenisches Zeichen, das die Unterschiedlichkeit der Menschen dankbar als Geschenk Gottes bejaht. Für mitreißende Musik sorgen die Bordkapelle und der Shantychor der StattGarde Colonia Ahoj e. V. Im Anschluss an den Gottesdienst verwandelt sich der Kirchhof im AntoniterQuartier in einen bunten Ort der Begegnung mit Musik und Getränken (19 bis 22 Uhr). Ein Pop UP von „Love is schøn.“ präsentiert Selected House & Disco Music by Karlito & Friends und serviert leckere Drinks. Das erste Kölsch geht aufs Haus.
www.antonitercitykirche.de

05.07.2026, 11:00 Uhr, Pop Up mit „Love is schøn.“ auf dem Kirchhof des AntoniterQuartiers

Zum Abschluss des Cologne Pride wird der Kirchhof im AntoniterQuartier, Antoniterstraße 14–16, zum Treffpunkt für alle, die feiern und ein Zeichen für Toleranz, Offenheit und Respekt setzen wollen. Das Pop-Up-Format „Love is schøn.“ bespielt den Kirchhof an zwei Terminen: am Samstag, 4. Juli, 19 bis 22 Uhr, sowie am Sonntag, 5. Juli, 11 bis 22 Uhr. Karlito & Friends sorgen mit Selected House und Disco Music für die Stimmung, dazu gibt es Barbetrieb. Am Samstag startet das Pop-Up direkt im Anschluss an den CSD-Gottesdienst, der in der Antoniterkirche stattfindet. Alle Gottesdienstbesuchenden erhalten das erste Kölsch aufs Haus. Am Sonntag beginnt das Programm zur Einstimmung auf die große Demonstration des Christopher Street Days, die als eines der größten Pride-Events Europas gilt und an diesem Tag durch die Kölner Innenstadt zieht.
www.antonitercitykirche.de

Text: APK
Foto(s): APK/Canva

Der Beitrag Rein ins CSD Wochenende! Kirche und Diakonie sind dabei. Komm mit…. erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Einfach heiraten“ unter freiem Himmel mit dem Segensbüro: Pop-up-Hochzeit in Volberg lädt Paare am 11. Juli zum Segen ein

Am 11. Juli ist es soweit: Die Pop-up-Hochzeit in Volberg lädt Paare zu einem besonderen Tag ein.

Manchmal reichen ein besonderer Ort, ein gemeinsamer Moment und der Wunsch, sich Gottes Segen zusprechen zu lassen. Genau dazu lädt das Segensbüro Hätzjeföhl nach Volberg bei Rösrath ein. Bei der Aktion „Einfach heiraten“ können Paare spontan oder nach vorheriger Anmeldung ihre Liebe segnen lassen.

„Wir planen ein Hochzeitsfest, eine Hochzeit im Grünen“, sagt Pfarrer Sebastian Baer-Henney vom Segensbüro Hätzjeföhl. „Wir haben das vor ein paar Jahren schon einmal in der Stadt gemacht. Diesmal wollten wir bewusst einen Ort wählen, an den Menschen zur Erholung kommen – einen Ort, an dem sie ihr Glück finden, heiraten und als Paar gesegnet werden.“

Mit der historischen evangelischen Kirche Volberg wurde dafür ein besonderer Ort ausgewählt. Das kleine Dorfkirchlein liegt eingebettet in die Landschaft des Rheinisch-Bergischen Kreises und bietet eine außergewöhnliche Atmosphäre.

„Ich weiß nicht, wer die Kirche in Volberg kennt. Das ist ein kleines Dorfkirchlein mit irrsinnig langer Geschichte. Es ist eingebettet in eine wunderschöne Landschaft. Es ist eine Hochzeit, wie man sie sich eigentlich besser nicht erträumen kann. Und wer einmal in diesem Kirchlein gewesen ist, der wird das nicht vergessen. Es ist wie in einem kleinen verwunschenen Traum“, sagt Baer-Henney.

Das Angebot richtet sich bewusst an alle Menschen, die sich als Paar verstehen. Im Mittelpunkt stehen nicht große Feierlichkeiten oder formale Abläufe, sondern die persönliche Entscheidung füreinander.

„Segnen lassen können sich alle Menschen, die sich als Paar verstehen. Das heißt: Wer für sich beschließt, wir möchten dieses Leben oder die nächsten Jahre gemeinsam verbringen und dafür einen Marker setzen, der kann zu uns kommen und sich segnen lassen“, erklärt Baer-Henney.

„Einfach heiraten“ findet am 11. Juli ganztägig in Volberg bei Rösrath statt. Paare können spontan vorbeikommen oder sich vorab anmelden. Weitere Informationen gibt es unter www.haetzjefoehl.de.

Text: APK
Foto(s): APK/Canva

Der Beitrag „Einfach heiraten“ unter freiem Himmel mit dem Segensbüro: Pop-up-Hochzeit in Volberg lädt Paare am 11. Juli zum Segen ein erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

CSD und Erinnerungskultur: Ausstellung „gefährdet leben. Queere Menschen 1933-1945“ in der St. Johannes-Kirche ab 4. Juli

Ausstellung. Neue Station. Köln. 4. Juli - 16. August 2026. St.-Johannes-Kirche, Köln-Deutz.” Das Foto im Hintergrund zeigt eine Tafel der Wanderausstellung mit dem Titel “gefährdet leben. Queere Menschen 1933-1945”. Gestaltungselement: Icon der Skyline Kölns.
4. Juli – 16. August 2026 in der St.-Johannes-Kirche, Köln-Deutz: Das Foto im Hintergrund zeigt eine Tafel der Wanderausstellung mit dem Titel “gefährdet leben. Queere Menschen 1933-1945”. Gestaltungselement: Icon der Skyline Kölns.

Passend zum Christopher Street Day (CSD) in Köln setzt die Evangelische Kirchengemeinde Deutz/Poll ein Zeichen für Vielfalt, Erinnerung und Menschenwürde: Die Ausstellung „gefährdet leben. Queere Menschen 1933–1945″ der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ist ab Samstag, 4. Juli, bis Sonntag, 16. August, in der St. Johannes-Kirche, Tempelstraße 31, in Köln-Deutz zu sehen. Die historisch-dokumentarische Wanderausstellung, die bereits im Deutschen Bundestag gezeigt wurde, zeichnet anhand von Dokumenten, Fotografien und persönlichen Biografien die Lebensgeschichten queerer Menschen im Nationalsozialismus nach – darunter auch bislang unveröffentlichtes Material.

Die Ausstellung gliedert sich in fünf Themeninseln: Sie thematisiert die Zerstörung queerer Infrastrukturen, die Ausgrenzung aus der sogenannten Volksgemeinschaft und die Praktiken der Verfolgung, aber auch Wege der Selbstbehauptung und des Eigensinns. Weitere Schwerpunkte sind Haftgründe und Haftorte sowie die Situation queerer Menschen nach 1945 – zwischen Weiterverfolgung und emanzipatorischen Handlungsräumen. Die Ausstellung erzählt damit keineswegs nur Verfolgungsgeschichten, sondern gibt auch Einblick in widerständige Lebenswege in einer widrigen Lebensrealität.

Der Eintritt ist frei. Die Vernissage der Ausstellung „gefährdet leben – Queere Menschen 1933-1945“ findet am Donnerstag, 9. Juli 2026, um 18:30 Uhr in der St. Johanneskirche Köln-Deutz, Tempelstraße 31, 50679 Köln, statt. Hier finden Sie die Anmeldung.

Pfarrer Tim Lahr spricht im Interview über die Entstehung der Ausstellung, ihre Bedeutung für Köln und die Verantwortung von Kirche, Erinnerung wachzuhalten und sich heute gegen Ausgrenzung und Queerfeindlichkeit einzusetzen:

Wie ist die Idee entstanden, die Ausstellung „gefährdet leben. Queere Menschen 1933–1945“ nach Köln-Deutz zu holen?

Tim Lahr: Eigentlich war geplant, die Ausstellung in der VHS Köln zu zeigen. Nachdem das dort leider nicht möglich war, hat die Magnus-Hirschfeld-Stiftung nach einem neuen Ausstellungsort gesucht – und ist auf uns zugekommen. Für uns war sofort klar: Diese Ausstellung gehört nach Köln und sie passt in unsere Kirche.

Als Queere Kirche Köln erleben wir selbst, dass queere Menschen auch heute wieder verstärkt Anfeindungen ausgesetzt sind. Wir mussten bereits zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen bei Veranstaltungen organisieren und haben erlebt, wie queerfeindliche Demonstrationen direkt vor unseren Veranstaltungen stattfanden. Gerade deshalb wollten wir einen Ort schaffen, an dem Geschichte sichtbar wird und zum Nachdenken anregt.

Was erwartet Besuchende in der Ausstellung?

Tim Lahr: Die Ausstellung erzählt die lange verdrängte Geschichte queerer Menschen im Nationalsozialismus. Sie zeigt, wie homosexuelle, trans* und andere queere Menschen verfolgt, entrechtet und ermordet wurden – aber auch, wie sie gelebt, geliebt und Widerstand geleistet haben.

Besuchende erwarten persönliche Lebensgeschichten, historische Dokumente und Biografien, die deutlich machen: Hinter jeder Zahl stehen Menschen mit Hoffnungen, Beziehungen und Träumen. Gerade diese persönlichen Geschichten machen die Ausstellung so eindrücklich.

Was wünschen Sie sich, dass Besuchende nach dem Ausstellungsbesuch mit nach Hause nehmen?

Tim Lahr: Ich wünsche mir, dass Menschen erkennen, wie schnell Ausgrenzung beginnt. Sie beginnt selten mit Gewalt. Sie beginnt mit Sprache, mit Vorurteilen, mit dem Aberkennen von Menschlichkeit.

Und ich wünsche mir, dass Besuchende verstehen: Erinnerung ist nichts Vergangenes. Sie stellt uns immer die Frage, welche Verantwortung wir heute übernehmen. Geschichte wiederholt sich nicht eins zu eins – aber sie kann sich reimen. Deshalb ist Erinnern immer auch ein Auftrag für die Gegenwart.

Die Ausstellung war bereits im Deutschen Bundestag zu sehen. Welche Bedeutung hat es, dass sie nun in einer Kirchengemeinde gezeigt wird? Welche Bedeutung hat die Ausstellung für Köln als vielfältige und queere Stadt?

Tim Lahr: Dass diese Ausstellung nun in einer Kirche gezeigt wird, hat eine besondere Symbolkraft. Kirchen waren über Jahrhunderte nicht selten Orte, an denen queere Menschen Ablehnung erfahren haben. Umso wichtiger ist es, wenn Kirche heute Verantwortung übernimmt, Erinnerungsarbeit ermöglicht und deutlich macht: Menschenwürde ist unteilbar.

Für Köln ist die Ausstellung ebenfalls von großer Bedeutung. Köln gilt als eine der queeren Metropolen Europas. Gerade deshalb sollten wir nicht nur Vielfalt feiern, sondern auch die Geschichte kennen, auf der unsere heutigen Freiheiten aufbauen. Viele Rechte, die heute selbstverständlich erscheinen, mussten hart erkämpft werden – und sie sind nicht selbstverständlich für die Zukunft.

Warum sollten wir uns gerade jetzt mit der Verfolgung queerer Menschen im Nationalsozialismus beschäftigen?

Tim Lahr: Weil wir erleben, dass queerfeindliche Einstellungen wieder lauter werden. Hass im Internet nimmt zu, Angriffe auf queere Menschen steigen, und auch wir als Queere Kirche erleben Anfeindungen ganz konkret. Das macht deutlich: Die Geschichte ist nicht abgeschlossen.

Die Ausstellung erinnert daran, wohin es führen kann, wenn Menschen ausgegrenzt, entmenschlicht und zu Sündenböcken gemacht werden. Sie fordert uns auf, früh hinzusehen und Verantwortung zu übernehmen – nicht erst dann, wenn Diskriminierung in offene Gewalt umschlägt.

Gerade in einer Demokratie ist Erinnerungsarbeit kein Blick zurück, sondern eine Investition in die Zukunft. Sie stärkt unsere Wachsamkeit und erinnert uns daran, dass Freiheit, Menschenwürde und Demokratie jeden Tag neu verteidigt werden müssen.

Christopher Street Day

Der CSD Köln 2026 findet vom 19. Juni bis 5. Juli 2026 statt, wobei das Straßenfest vom 3. bis 5. Juli auf Heumarkt und Alter Markt gefeiert wird. Höhepunkt ist die große CSD-Demonstration am Sonntag, den 5. Juli 2026, in der Innenstadt, die als eines der größten Pride-Events in Europa gilt. Mehr Infos zum CSD finden Sie hier:

Text: APK
Foto(s): Foto: David Renz

Der Beitrag CSD und Erinnerungskultur: Ausstellung „gefährdet leben. Queere Menschen 1933-1945“ in der St. Johannes-Kirche ab 4. Juli erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

2,5 Jahre Segensbüro Hätzjeföhl: Überraschungen, Begegnungen und neue Wege der Kirche

Seit zweieinhalb Jahren bringt das Segensbüro Hätzjeföhl Menschen, Glauben und Kirche auf neue Weise zusammen. Mit kreativen Segensangeboten, ungewöhnlichen Orten und berührenden Begegnungen erreicht das Team Menschen weit über die klassischen kirchlichen Räume hinaus. Im Interview blicken Pfarrerin Inga Waschke und Pfarrer Sebastian Baer-Henney vom Segensbüro auf bewegende Momente, überraschende Erfahrungen und ihre Wünsche für die Zukunft:

Hätzjeföhl bringt Kirche an ungewöhnliche Orte und zu besonderen Lebensmomenten. Welche Veranstaltungen und Begegnungen sind Ihnen besonders im Kopf geblieben?

Sebastian Baer-Henney: Da denke ich, haben im Team alle ihre eigene Antwort drauf, weil wir uns die Dinge nach unseren Gaben aufteilen. Für mich persönlich sind die kleinen Rituale abseits der Massen bewegend: Der Segen einer Person nach einer langen Krankheit, das Ritual eines Menschen vor der geschlechtsangleichenden Operation, die Segnung eines Kindes mit Schulangst. Ich finde es aber auch bewegend, zu sehen, wie in den Gemeinden Dinge umgesetzt werden, für die wir angefragt wurden: Ein Tauffest in Bergisch-Gladbach, das Scheidungsritual, das zeitgleich an vielen Orten in Köln stattgefunden hat, der Sommersegen im Glas. All das sind Dinge, die Menschen ansprechen, die nicht so stark im kirchlichen Kerngeschäft vorkommen – zu sehen, dass das gelingt, erfüllt mich sehr.

Inga Waschke: Ja, das ist wirklich sehr vielfältig. Eigentlich ist jede Begegnung und jeder Segensmoment besonders berührend. Segen ist immer wieder eine neue Erfahrung, obwohl wir ja schon so oft gesegnet haben. Am meisten berührt mich, wenn unsere Segensrituale andere Menschen berühren. Wenn sie lächeln, eine Träne kullert, tief ausgeatmet wird vor Erleichterung. Wenn sie sich selbst einbringen. Wie bei einer Segnung auf einer Abschiedsparty, weil zwei Menschen aus Köln wegzogen. Jede*r hat was Eigenes beigetragen, ohne dass wir uns großartig abgestimmt haben und am Ende war es ein wundervolles Ritual.

Nach 2,5 Jahren Segensbüro: Was hat Sie selbst überrascht – über Menschen, Glauben oder Kirche?

Sebastian Baer-Henney: Mich überrascht immer wieder, wie religiös die Menschen sind. Wieviele Menschen haben ein Bedürfnis nach Segen? Wieviele Menschen sind auf der Suche nach Gutem? Andersherum aber auch: Wie viele Menschen sehen in der klassischen Kirchlichkeit kein Gegenüber für diese Anliegen? Ich denke, dass wir Brücken bauen zwischen der Welt der Menschen „da draußen“ und der Kirche – und es ist ein wunderbares Gefühl, wenn die Menschen hinterher zurückmelden, dass sie durch das Segensbüro ein Stück versöhnt mit der Kirche sind.

Inga Waschke: Dass viele Menschen eine „freie Trauung“ wollen, die am Ende ziemlich klassisch ist. Nur der Ort ist frei – auf einer Wiese, am Strand, in einer Location. Das hat mich echt überrascht. Kirche hat mich in den 2,5 Jahren überrascht, dass sie uns als Segensbüro viel Vertrauen entgegenbringt. Dass wir als „Segensprofis“ kontaktiert werden, nach 2,5 Jahren. Das überrascht mich positiv und gibt ordentlich Rückenwind.

Wenn Hätzjeföhl ein Gefühl wäre: Wie würde sich die erste Halbzeit von Hätzjeföhl anfühlen?

Sebastian Baer-Henney: Es ist ein Sprint, bei dem ich nach der Hälfte der Zeit merke, dass ich noch eine Schippe drauflegen möchte. Es ist intensiv und anstrengend und gleichzeitig schüttet es Botenstoffe aus, die mir mitteilen, dass ich am richtigen Ort arbeite: tiefe Erfüllung, aufregende Begegnungen, spannende Anfragen, an denen ich selber wachse. Immer wieder die eigene Komfortzone verlassen. Es ist ein tolles Rennen, und ich hoffe sehr, dass es nach dem Fünfjahres-Sprint für das Büro auf die Langstrecke gehen darf.

Inga Waschke: Langstrecke ist eine tolle Perspektive! Für mich fühlt es sich wie eine Achterbahnfahrt an: Am Anfang brauchte es ein bisschen Geduld, bis es lief und dann lief es, aber holla die Waldfee! Höhen, Tiefen, Kurven, Arme hoch und jubeln, manchmal langsamer und manchmal rasant und hoffentlich bleibt das Popcorn drin. Schnell und spaßig würde ich die erste Halbzeit beschreiben, auch wenn das jetzt kein richtiges Gefühl ist.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Sebastian Baer-Henney: Dass es weitergeht. Dass wir den Gemeinden weiter unter die Arme greifen dürfen, wo sie es erbitten. Dass das Büro weiter kreativ sein und schöne Dinge machen darf. Und dass das Büro das Seine dazu beiträgt, dass sich diese Kirche öffnet und noch anschlussfähiger wird. Und als Gemeindepfarrer gesprochen: Dass ich für meine Arbeit vor Ort Inspiration bekomme und Dinge umsetzen darf, die ich vielleicht vor drei Jahren so noch nicht hätte kommen sehen.

Inga Waschke: Mehr Segen für die Welt! Segen tut gut, schafft Erleichterung, Achtsamkeit, Loslassen, Vertrauen, Liebe, stärkt Hoffnung. Segen schafft Beziehung. Unter uns und mit Gott. Das ist ein großes Geschenk und das wünsche ich mir für jeden Menschen, der sich danach sehnt. Darum muss es auch unbedingt mit Hätzjeföhl weitergehen!

Die nächste Aktion des Segensbüros ist die Pop-up-Hochzeit. Paare, die ihre Beziehung segnen lassen möchten, sind am Samstag, 11. Juli, ab 10 Uhr an der Volberger Kirche, Volberg 1, in Rösrath willkommen. Mehr Infos:

Text: APK
Foto(s): Haetzjeföhl

Der Beitrag 2,5 Jahre Segensbüro Hätzjeföhl: Überraschungen, Begegnungen und neue Wege der Kirche erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Unsere Wochentipps: CSD, queere Ausstellung und sommerliches „White Dinner“

Diese Woche lädt die Kirche dazu ein, innezuhalten – und neu zu schauen. Ob beim Perspektivwechsel mit Lesung und Chor, beim sommerlichen White Dinner, einem bewegenden Konzert oder einer historischen Ausstellung: Die Termine dieser Woche haben eines gemeinsam – sie öffnen Türen. Zu anderen Menschen, anderen Blickwinkeln, anderen Klängen.

„PerspektivWechsel – MeinBlick? DeinBlick? wechselBLICK“

Der gemischte Chor „Ton im Takt“ unter der Leitung von Simon Pichol gestaltet am Donnerstag, 2. Juli, 20 Uhr, in der Pauluskirche, Dreisamweg 9, einen Abend mit Lesung und Musik, zu dem die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Höhenhaus einlädt. Im Mittelpunkt stehen Texte und Lieder, die aus verschiedenen Perspektiven auf heutige Zustände, die Welt und die Gesellschaft schauen. Der Abend greift damit die Idee auf, den eigenen Blickwinkel zu hinterfragen: Nur durch den konstruktiven Austausch von Sichtweisen und die innere Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, können festgefahrene Perspektiven ins Wanken geraten. Die Veranstaltung dauert etwa eine Stunde. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
www.kirche-hoehenhaus.de

„gefährdet leben. Queere Menschen 1933–1945″: Ausstellung in der St. Johannes-Kirche Köln-Deutz

Die Ausstellung „gefährdet leben. Queere Menschen 1933–1945″ der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ist ab Samstag, 4. Juli, bis Sonntag, 16. August, in der St. Johannes-Kirche, Tempelstraße 31, in Köln-Deutz zu sehen. Die historisch-dokumentarische Wanderausstellung, die bereits im Deutschen Bundestag gezeigt wurde, zeichnet anhand von Dokumenten, Fotografien und persönlichen Biografien die Lebensgeschichten queerer Menschen im Nationalsozialismus nach – darunter auch bislang unveröffentlichtes Material. Die Ausstellung gliedert sich in fünf Themeninseln: Sie thematisiert die Zerstörung queerer Infrastrukturen, die Ausgrenzung aus der sogenannten Volksgemeinschaft und die Praktiken der Verfolgung, aber auch Wege der Selbstbehauptung und des Eigensinns. Weitere Schwerpunkte sind Haftgründe und Haftorte sowie die Situation queerer Menschen nach 1945 – zwischen Weiterverfolgung und emanzipatorischen Handlungsräumen. Die Ausstellung erzählt damit keineswegs nur Verfolgungsgeschichten, sondern gibt auch Einblick in widerständige Lebenswege in einer widrigen Lebensrealität. Ein Begleitprogramm mit Führungen und Veranstaltungen ist in Vorbereitung; Termine werden zeitnah bekannt gegeben. Der Eintritt ist frei.
www.evangelisch-deutzpoll.de

Sommerliches White Dinner an der Christus-Kirche

Unter dem Motto „Alles in Weiß“ lädt die Evangelische Kirchengemeinde Sindorf am Samstag, 4. Juli, 19 Uhr, zum sommerlichen White Dinner an der Christus-Kirche, Carl-Schurz-Straße 2/Ecke Kerpener Straße, ein. Die Gäste bringen Speisen für ein gemeinsames Buffet mit und verbringen den Abend bei Essen, Begegnung und guten Gesprächen. Dresscode: ganz in Weiß.
www.evangelisch-in-sindorf.de

Abschied von Pfarrerin Almuth Koch-Torjuul

Nach 26 Jahren Dienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Frechen wird Pfarrerin Almuth Koch-Torjuul am Sonntag, 5. Juli, 10.30 Uhr, in der Evangelischen Kirche, Hauptstraße 209, in den Ruhestand verabschiedet. Die Entpflichtung nimmt Pfarrer Bernhard Seiger, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region, vor. Mit dem Ausscheiden von Pfarrerin Koch-Torjuul verändert sich auch die Pfarrstellenstruktur der Gemeinde: Die freiwerdende Stelle wird nicht wiederbesetzt, sodass künftig noch eineinhalb Pfarrstellen zur Verfügung stehen. Mit dem absehbaren Ruhestand von Pfarrer Sven Torjuul wird voraussichtlich nur noch eine Stelle besetzt sein. Hintergrund ist der Rahmenplan für Pfarrstellen im Kirchenkreis und in der Landeskirche, der künftig deutlich weniger Stellen vorsieht. Einige Arbeitsbereiche werden die beiden verbliebenen Pfarrer übernehmen, andere werden wegfallen oder ehrenamtlich weitergeführt werden.
www.kirche-frechen.de

„Ein Wunderding“ – Sommerserenade in der Christuskirche Brühl

Unter dem Motto „Ein Wunderding“ gestalten der Evangelische Kinder- und Jugendchor Brühl, die Evangelische Kantorei Brühl und der Evangelische Posaunenchor Brühl am Sonntag, 5. Juli, 16 Uhr, die Sommerserenade der Chöre in der Christuskirche, Mayersweg 10. Alle musikalischen Gruppen der Evangelischen Kirchengemeinde Brühl wirken mit – auch in verschiedenen Kombinationen miteinander. Zwei Kinder des Kinderchores führen charmant durch das Programm. Die musikalische Leitung hat Kirchenmusikerin Ruth Dobernecker. Im Anschluss lädt die Gemeinde bei trockenem Wetter zum Mitbringbuffet und Picknick auf der Kirchenwiese ein. Der Eintritt ist frei; Spenden kommen den kirchenmusikalischen Gruppen der Gemeinde zugute.
www.kirche-bruehl.de

„Von Tanz bis Trost“ – Archi di Colonia im Gustav-Adolf-Haus. Streichorchester mit osteuropäischen und jüdischen Bezügen

Das Streichorchester Archi di Colonia ist am Sonntag, 5. Juli, 19 Uhr, im Gustav-Adolf-Haus, Hachenburger Straße 3–5, mit einem Programm unter dem Titel „Von Tanz bis Trost“ zu Gast. Unter der Leitung von Reinmar Neuner widmet sich das Ensemble Werken mit osteuropäischen und jüdischen Bezügen: Felix Mendelssohn-Bartholdys erste Streichersinfonie, Béla Bartóks Rumänische Tänze, Ferenc Farkas‘ Serenade for Strings und Samuel Barbers Adagio for Strings stehen auf dem Programm. Höhepunkt ist Oedoen Partos‘ „Yizkor (In Memoriam)“ für Bratsche und Streichorchester, 1946 komponiert und einem jüdischen Trauergottesdienst nachempfunden – ein tragisches und zugleich kraftvolles Werk, das Tom Morrison, langjähriger Solobratschist des Aachener Sinfonieorchesters, als Solist aufführt. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
www.archidicolonia.de

Mehr Infos zum CSD finden Sie hier:

Text: APK
Foto(s): APK/AI

Der Beitrag Unsere Wochentipps: CSD, queere Ausstellung und sommerliches „White Dinner“ erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Kirche kann nur ökumenisch sein“: Stadtsuperintendent Bernhard Seiger zieht Bilanz bei Sommergespräch

Der Stadtsuperintendent zieht um. Klingt banal, hat aber weitreichende Folgen für den Evangelischen Kirchenverband Köln und Region. Bernhard Seiger verlagert seinen Lebensmittelpunkt nach Solingen und gibt seine Ämter als Stadtsuperintendent, Mitglied des Bevollmächtigtenausschusses für den Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch und Pfarrer in Bayenthal/Marienburg Ende des Jahres auf. 30 Jahre war er Pfarrer in den beiden Veedeln, 2008 wurde er zum Superintendenten des damaligen Kirchenkreises Köln-Süd gewählt, 2019 zum Stadtsuperintendenten. „Es ist genug“, sagte er beim Sommergespräch mit Kölner Journalisten im Garten hinter dem Refektorium im Haus der Evangelischen Kirche. „Ich habe sehr oft den Dienst vor das Private gestellt. Häufig zum Leidwesen meiner Frau. Das wird sich ändern.“ Die Seigers ziehen nach Solingen. Der Stadtsuperintendent hat dort familiäre Wurzeln. Er freut sich darauf, in der Schreinerei seiner Vorfahren ein wenig zu werkeln. Zum Beispiel an einer uralten Bandsäge, die immer noch funktioniert. Wandern und Radfahren steht nach dem Jahreswechsel verstärkt auf dem Programm. Und Joggen mit Zielvorgabe: „Fünf Kilo leichter.“ Weiterhin interessieren werden ihn die Iona-Bewegung und kirchengeschichtliche Themen. Chorgesang steht auf der Liste der Hobbys, die wieder aufleben. Seine Frau Christine hat Seiger im Chor kennengelernt. „Sie sehen, ich gebe Solingen eine echte Chance.“

Wirken in Köln

Seiger wurde am 26. September 1963 in Vorst bei Krefeld geboren und machte 1982 in Leverkusen sein Abitur. In jenen Jahren entdeckte er seine Liebe zum Fußball und wurde leidenschaftlicher Anhänger von Bayer Leverkusen. Als der Club 2024 die Meisterschaft gewann, erschien der Stadtsuperintendent am Tag darauf im Trikot im Büro. Seiger studierte in Bonn, Tübingen und Durham in den USA. Die zwei theologischen Examina legte er bei der Evangelischen Kirche im Rheinland ab. 1995 promovierte er an der Universität Bonn zu dem Thema „Versöhnung – Gabe und Aufgabe“.

Im Rückblick auf sein Wirken in Köln steht natürlich der Campus Kartause an erster Stelle. Den Bau des imposanten Gebäudeensembles am Kartäuserwall hat der Stadtsuperintendent maßgeblich unterstützt. Im nächsten Jahr ziehen dort die Bildungseinrichtungen des Kirchenverbandes ein. Zudem werden öffentlich geförderter und frei finanzierter Wohnraum sowie Studierendenwohnungen bereitgehalten. Ein Veranstaltungssaal wird auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. „Der Campus Kartause ist ein Leuchtturm in einer Zeit, in der wir schrumpfen“, sagt Seiger und verweist auf weitere evangelische Orte, die Strahlkraft haben, etwa die neue Erlöserkirche in Weidenpesch, die Christuskirche im Belgischen Viertel und die sanierte Stadtkirche in Chorweiler.

Zur Eröffnung des Campus Kartause haben Präses Torsten Latzel und Stadtdechant Robert Kleine ihr Kommen zugesagt. Mit dem ist Seiger per Du. Kein Wunder, liegt ihm die geschwisterliche Nähe zu den Katholikinnen und Katholiken sehr am Herzen. „Kirche kann nur ökumenisch sein“, stellt er fest. Gemeinsam mit den Katholikinnen und Katholiken habe man eine ökumenische Karte entwickelt, auf der die Kirchorte eingetragen wurden. „Unser gemeinsames Ziel ist, dass in Zukunft in jedem Veedel mindestens eine christliche Kirche steht“, sagt Seiger. In Erinnerung geblieben ist auch der ökumenische Schweigegang, zu dem er und Robert Kleine nach dem Überfall der Hamas auf Israel aufgerufen hatten. „Die evangelische Kirche steht immer auf der Seite ihrer jüdischen Geschwister.“

Unvergesslich für den Stadtsuperintendenten ist das Reformationsjubiläum 2017 mit dem wunderbaren Konzert in der Philharmonie, bei dem Mendelssohns „Lobgesang“ aufgeführt wurde, und der Gottesdienst mit Präses Rekowski und Kardinal Rainer Maria Woelki im Altenberger Dom. Die Abgrenzung zu den Katholikinnen und Katholiken bei den alljährlichen Reformationsfeiern gehöre schon lange der Vergangenheit. Katholische Gäste seien immer willkommen und in großer Zahl vertreten. Seiger lobte die interreligiös verbindende Kraft, die von dem Rat der Religionen in Köln ausgehe. „Wir haben dort ein festes Format, in dem wir sehr konstruktive Gespräche führen.“

Vor 20 Jahren wurde in Köln auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters die Kölner Friedensverpflichtung der Religionen unterschrieben. Darin heißt es: „Als jüdische, christliche und muslimische Frauen und Männer erklären wir, dass Gewalt und Terror um Gottes Willen nicht sein dürfen und dem authentischen Geist unserer Religionen widersprechen. Unsere Religionen zielen auf ein friedliches und konstruktives Zusammenleben aller Menschen gleich welcher Religionszugehörigkeit. Für uns gilt unverrückbar: Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar.“ Nun, 20 Jahre später, wird die Verpflichtung wieder unterschrieben. „Und es sind viel mehr Religionen dabei als damals“, verwies Seiger auf die Erfolgsgeschichte der Initiative.

Untrennbar mit der Ökumene verbunden sind die Gottesdienste im Dom, die der Stadtsuperintendent und der Stadtdechant zusammen feiern. Der eine ist im Januar für die Karnevalisten bestimmt, der andere zum Bundesliga-Saisonauftakt vor dem ersten Heimspiel für den 1. FC Köln. Dann schwenkt sogar der bekennende Bayer-Leverkusen-Fan einen bunten Schal inmitten der FC-Anhänger. Da muss man durch. Wenn sich Fans verschiedener Vereine zu einer gemeinsamen Sache zusammenschließen, gilt das Motto „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“. Könnte auch für die Ökumene gelten.

Große Stücke hält der Stadtsuperintendent auf die jungen Theologinnen und Theologen, die in den Gemeinden des Kirchenverbandes ihren Dienst aufgenommen haben. „Die brennen für die Sache, die haben alle ihre eigene spirituelle Mitte. Die begleiten andere in deren Spiritualität und bezeugen, dass die evangelische Kirche Orientierung bietet, Heimat ist und am Puls der Zeit ihren Weg geht.“ Die Fusion der linksrheinischen Kirchenkreise ist vollzogen und entwickelt sich sehr gut. Auch da sei der Nachwuchs im Pfarramt eine Zukunft.

Die Zahl derer, die evangelische Theologie studieren, gehe zurück. Das war mal anders. „Als ich 1996 meine Pfarrstelle antrat, hatte ich vorher 90 Konkurrentinnen und Konkurrenten“, erinnert sich Seiger. Heute werde allen, die ihr Studium abschließen, eine Stelle garantiert.

Soziale Ausgewogenheit

Seiger mahnte, die soziale Ausgewogenheit im Blick zu behalten. Die Kirche müsse darauf achten, dass soziale Aufgaben, die sie etwa durch die Diakonie wahrnehme, auskömmlich finanziert würden. „Ich mache den Politikern ausdrücklich keine Vorwürfe. Aber wenn Angebote nicht refinanziert werden, können sie auf Dauer nicht aufrecht erhalten werden.“ Die Diakonie stehe ganz praktisch für das christliche Menschenbild: „Jeder Einzelne zählt.“

Seiger hat in den vergangenen Jahren viele Gespräche mit Missbrauchsbetroffenen geführt. „Auch in der evangelischen Kirche haben Kinder und Jugendliche gelitten. Das hat uns die FORUM-Studie unmissverständlich vor Augen geführt. Mich haben die Ergebnisse erschüttert.“ Es habe eine Verantwortungsdiffusion gegeben, vieles sei unter den Teppich gekehrt worden. „Es ist Aufgabe unserer Generation, Strukturen zu schaffen, die Missbrauch verhindern.“ Seit dem 1. Juni ist auf der Ebene des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region  ein überarbeitetes Schutzkonzept in Kraft, das mit Begriffen der Kinderschutzgesetze arbeitet und in dem die Verfahren und Rollen der Prävention und Intervention in den Kölner Kirchenkreisen und im Verbandsbereich identisch beschrieben sind. Ehemalige Polizisten und Staatsanwälte haben Akten durchgesehen und auf Hinweise für Missbrauch untersucht. „Im ehemaligen Kirchenkreis Köln-Süd ist das Aktenscreening beendet, in Mitte so gut wie, Nord und Rechtsrheinisch läuft es gerade.“ In der Evangelischen Kirche im Rheinland gab es bei etwa 350 Fällen einen hinreichenden Verdacht, davon auch mehrere im Kölner Raum. Denen werde im Zuge der landeskirchlichen und kreiskirchlichen Aufarbeitung von Grenzverletzungen aktiv nachgegangen.

Die Mitgliederbindung ist für Bernhard Seiger ein wichtiges Thema. In dem Zusammenhang ist für 2027 wieder ein Tauffest geplant. Bei der ersten Auflage wurden rund 200 Menschen im Rheinpark getauft. Die Geschichte der kölschen Protestanten kann man auf der VIA REFORMATA erleben. An zwölf Stationen wird an bedeutende evangelische Ereignisse und Orte erinnert. Das Segensbüro „Hätzjeföhl“ in einem ehemaligen Ladenlokal an der Severinstraße vermittelt einen niedrigschwelligen Zugang zur evangelischen Kirche und ihren Angeboten. Das gilt auch für den Deutschen Evangelischen Kirchentag im kommenden Jahr in Düsseldorf. Auf den freut sich Bernhard Seiger sehr. Und wird garantiert teilnehmen. Vielleicht mit einem Chor aus Solingen?

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Archiv-Collage

Der Beitrag „Kirche kann nur ökumenisch sein“: Stadtsuperintendent Bernhard Seiger zieht Bilanz bei Sommergespräch erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Mit Herz, Verstand und bewegenden Geschichten: der Frauentag des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch

Beim Workshop „Herzensanliegen“ suchen die Teilnehmerinnen sich aus der Stuhlmitte einen Gegenstand aus und sprechen darüber, was sie bewegt.

Eine bunte „Babuschka“, eine Jesusfigur, ein Holz-Kästchen, ein Bergkristall, Muscheln und ein roter Spielzeugbus. Viele Dinge liegen in der Stuhlkreis-Mitte zur Auswahl, um die Teilnehmerinnen des Workshops mit dem Titel „Herzensanliegen“ zu inspirieren. Sie sollen sich einen Gegenstand nehmen, als Symbol für das, was ihr Herz bewegt, und darüber berichten. Der Workshop gehört zum Programm des sechsten Frauentags des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch im evangelischen Gemeindezentrum Markuskirche in Porz-Eil mit dem Titel „Mit Herz und Verstand.“ Eine Frau findet nichts Passendes für ihr Thema, wohl aber die Worte: „Ende 1944 war ich sechs Wochen alt, als meine Mutter auf der Flucht war. Alle sagten ihr, ich würde sowieso sterben. Da lagen ja schon so viele Kinder tot unter dem Schnee.“ Mutter und Tochter überlebten den Horrortrip, doch der Schrecken sitzt der Erzählerin noch immer im Nacken. Beim Workshop möchte sie ihn sich von der Seele reden. Dort haben die Teilnehmerinnen Raum, um mitzuteilen, was sie bewegt, es in Worte zu fassen und die eigenen Werte, Ideale, Sehnsüchte zu kommunizieren. Nicht jede hat sofort ein Thema parat. Daher hat die Workshop- und Studienleiterin der Melanchthon-Akademie, Antje Rinecker, unterschiedliche Gegenstände als Inspirationsquellen und Aufhänger mitgebracht. Eine Teilnehmerin greift zu dem Spielzeugbus. Er sei ein Symbol für das Reisen, was ihr so viel bedeute, erzählt sie, beispielsweise nach Israel, was ihr eine enge Verbindung zum Judentum ermöglicht und ihren Glauben gestärkt habe. Der Bergkristall wechselt im Kreis sogar die Besitzerin. Für eine Frau ist er ein Symbol für den Naturschutz, der ihr sehr am Herzen liegt, für die andere symbolisiert er ihr eigenes steiniges Leben, das aber doch glitzert, besonders seit einiger Zeit, seitdem ihre Gemeinde darin eine Rolle spielt. Im geschützten Raum der Markuskirche zeigen sich die Frauen authentisch und verletzlich, hören zu und nehmen Anteil.

Acht Workshops für Körper, Geist und Seele

Das Gesprächsformat ist nur einer von insgesamt acht zum Motto des Frauentags passenden Workshops, von denen die Teilnehmerinnen jeweils zwei aussuchen: So können die Frauen mit Manuele Lamp eine „Herzensbox“ basteln, mit Kantorin Joanna Lenk singen, mit Sonia Fontana tanzen oder sich von den Expertinnen Margaretha Bernards und Ulrike Bernhardt unter dem Titel „Herzgesundheit“ über Herz-Kreislauf-Krankheiten aufklären lassen. Auch ein Minipilgerweg mit dem Titel „Herzensorte“ gehört zum Angebot. Ein gemeinsames Mittagsmahl bietet die Möglichkeit zum lockeren Austausch, ein anschließendes Konzert sorgt für Entspannung.

Lydia als Vorbild für Herz und Verstand

Durch den Tag begleitete die Frauen der biblische Text aus der Apostelgeschichte über die Purpurwollhändlerin Lydia. Gisela Sam vom Orgateam erläutert in einem Impulsvortrag zur Eröffnung des Frauentages den Grund: Lydia sei eine Geschäftsfrau gewesen, sagt sie, eine unabhängige, vermögende Hausherrin. Als der Apostel Paulus sie bekehrte, habe sie ihr Herz für Gott geöffnet und als erste Person auf europäischem Boden die Botschaft des Christentums angenommen. „Sie ist also ein Vorbild für das Einsetzen von Herz und Verstand“, findet Sam.

Vernetzung und Ermutigung für Frauen im Kirchenkreis

Ute Verch begrüßt die Gäste sechsten Frauentages des Kirchenkreis rechtsrheinisch.

Ute Verch, Frauenreferentin im Kirchenkreis Köln rechtsrheinisch, erläutert, warum der Frauentag alle zwei Jahre stattfindet: „Es geht darum, Frauen im Kirchenkreis zu vernetzen und zu ermutigen, mit stärkenden Inhalten für ihr Selbstbewusstsein“, betont sie. Sie könnten an diesem Tag Dinge ausprobieren, für die sonst im Alltag kein Raum sei, den Blick über den Tellerrand werfen. Im Programm sei für jede Frau etwas dabei, unabhängig vom Bildungsgrad, von der Herkunft oder dem Interesse. Auch Almuth Voss, Pfarrerin im Ruhestand und Mitglied im Vorbereitungsteam, findet es wichtig, den Frauen einen Tag lang Raum zu geben, einfach sein zu können. Sie hält aber theoretisch durchaus auch einen „Männertag“ für sinnvoll: „Die Fragen der Identität werden ja immer komplexer“, sagt Voss. „Männer brauchen auch einmal eine Ermutigung, beispielsweise im Themenbereich Gewalt und Gewaltprävention.“ Das sei ein heftiges Thema für Frauen und Mädchen, aber eben auch ein Männerthema. An diesem Tag geht es nun aber um die Bedürfnisse der Frauen. Und so ist auch die Synodalbeauftragte für Frauenarbeit Ulrike Plath gekommen, um bei den Anwesenden nachzuhören, was die Frauen im Kirchenkreis benötigen, nicht nur heute, sondern auch in Zukunft.

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

Der Beitrag Mit Herz, Verstand und bewegenden Geschichten: der Frauentag des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Veggie-Burger und Musik: Junger Campus lädt zu „Beats & Burger“ am 9. Juli ein

Beats & Burger: Brutzeln, Schnippeln und Austauschen bei chilligen Klängen stehen am Donnerstag, 9. Juli, 18 bis 21 Uhr, im Casino des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region (fbs), Kartäusergasse 9–11, auf dem Programm. Im Rahmen der Sommernächte in der Reihe „Junger Campus“ und in Kooperation mit dem Ernährungsrat der Stadt Köln veranstaltet die Evangelische Familienbildungsstätte Köln eine Veggie-Burger-Kochsession. Anschließend wird auf der begrünten Terrasse gemeinsam gegessen und das After-Office-Event entspannt ausklingen gelassen. Die Teilnahme kostet 15 Euro, inklusive aller Lebensmittel und Getränke.

Katrin Przybilla, pädagogische Mitarbeiterin für Frauenleben, Kochen/Ernährung und Naturerleben bei der fbs, verrät, warum Veggie-Burger so lecker sind, was „Beats & Burger“ besonders macht und warum Gemeinschaft die wichtigste Zutat des Abends ist:

„Beats & Burger“: Wie groß ist die Gefahr, dass man nach diesem Abend plötzlich Veggie-Burger-Fan wird?

Katrin Przybilla (lacht): Oh ja, die Gefahr besteht und kann nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere, wenn folgende Risikofaktoren zusammentreffen:

  • frisch zubereitete Süßkartoffel-Buns,
  • Überraschungspatties,
  • knusprig geröstete Zwiebeln,
  • hausgemachte Sauce und Chutney,
  • entspannte Beats von DJ Maik,
  • nette Menschen am Tisch,
  • und ein kühles Feierabendgetränk in Reichweite.

Erste Symptome zeigen sich häufig bereits während des Kochens: überraschte Blicke, Sätze wie „Wow, das geht ohne Fleisch?“ oder der spontane Wunsch nach dem Essen, das Rezept zu Hause nachzukochen. Langzeitfolgen können eine erhöhte Offenheit gegenüber vegetarischer Küche und Besuche weiterer Kochveranstaltungen in der fbs sein. Eine vollständige Genesung ist nach aktuellem Forschungsstand nicht erforderlich.

Veggie-Burger, Musik und Sommerabend auf der Terrasse – was macht „Beats & Burger“ zu mehr als einem gewöhnlichen Kochkurs?

Katrin Przybilla: „Beats & Burger“ ist mehr als ein gewöhnlicher Kochkurs, es ist ein Event. Denn neben Schnippeln, Brutzeln und Genießen werden wir an diesem Sommerabend begleitet von den Beats von DJ Maik – eigentlich auf der Bühne des Gorilla-Ernährungstheaters und dann für den offenen Kochtopf im Einsatz. Feierabend-Feeling auf der Terrasse, leckere Veggie-Burger und die Gelegenheit, neue Menschen kennenzulernen und sich auszutauschen, kurz gesagt: Es gibt eine Mischung aus Kochsession, After-Work-Treff und Sommerabend-Event.

Wenn Sie den Abend in drei Worten beschreiben müssten – welche wären das?

Katrin Przybilla: Unbedingt dabei sein! Mitkochen, mitfeiern, genießen! Dein Feierabend-Upgrade!

Welche Zutat darf bei einem perfekten Sommerabend auf keinen Fall fehlen?

Katrin Przybilla: Die wichtigste Zutat ist die Gemeinsamkeit. Ganz im Sinne des Offenen Kochtopfs des Ernährungsrats: gemeinsam kochen, gemeinsam genießen und miteinander ins Gespräch kommen. Denn beim Konzept „Offenen Kochtopf“ des Kölner Ernährungsrats geht es nicht nur um Rezepte und regionale Bio-Zutaten, sondern darum, Menschen zusammenzubringen, Erfahrungen auszutauschen und zu zeigen, wie genussvoll und nachhaltig regionales Essen sein kann.  Die Veggie-Burger, die Beats und der Sommerabend schaffen den Rahmen – die eigentliche Zutat ist das Miteinander an Herd und Tisch.

Eine Anmeldung ist hier erforderlich.

Sommernächte des Jungen Campus – Zwei Events, die ihr nicht verpassen solltet!

Hier geht´s zum Video:

Text: APK
Foto(s): APK/Canva

Der Beitrag Veggie-Burger und Musik: Junger Campus lädt zu „Beats & Burger“ am 9. Juli ein erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

70 Jahre Jubilate-Kirche Lindlar: Ein Fest für Heimat, Generationen und Gemeinschaft

Heimat ist, was Menschen füreinander tun – Pfarrerin Jennifer Scheier beim Gottesdienst zum Kirchenjubiläum.

Die zahlreichen Fächer, die den Menschen Kühlung verschaffen sollen, bringen vielfarbige Tupfen in die Reihen der Stühle. Das Licht, das hell durch die bunten Fenster der Jubilate-Kirche in Lindlar scheint, verbreitet Fröhlichkeit. Schon an der Kirchentür lässt ein Schild die Gesichter aufleuchten: „Ab hier bitte lächeln“ steht darauf geschrieben. Die Reihen sind gut gefüllt mit den Menschen, die den Gottesdienst unter der Leitung von Pfarrerin Jennifer Scheier zum 70-jährigen Bestehen ihrer Kirche genießen möchten. Ein älterer Herr kommt etwas später, drei Jugendliche stehen auf, bieten ihm ihre Plätze an, er setzt sich lächelnd. Eine Geste, die viel von dem Geist erzählt, der diese Gemeinde prägt. Die Generationen begegnen sich, Tradition lässt sich hier mühelos mit Moderne verbinden. Darum passt es auch so gut, dass Pfarrerin Scheier nach den – mit viel Beifall bedachten – Auftritten der Jubilate-Singers und der Jubilate-Kids unter der Leitung von Laia Genc von Heimat erzählt. Einer Heimat in Gott, die im Grunde nicht am Gebäude hängt, sondern an dem, was die Menschen rund um das Gebäude verbindet. „Gott ist überall bei uns. Dass wir das gemeinsam erleben, ist ein Geschenk, das wir feiern dürfen. Gott macht uns die Kirche nicht zur Heimat. Das machen wir mit unserem Einsatz.“

Dennoch sei es wichtig, daran zu erinnern, dass Menschen, die vor rund 80 Jahren als Vertriebene ihre Wurzeln verloren hatten, in Lindlar eine Gemeinde aufbauten, in der Heimat erlebbar wurde. Einen Kirchenbau, der aber zugleich etwas von einem Zelt hat und so immer den möglichen Aufbruch im Hinterkopf behält. Vom Zelt Gottes erzählte auch die Lesung aus dem Buch Exodus, in der es um die Herrlichkeit des Herrn ging, die das Zelt erfüllte. Bilder aus der Entstehungszeit der Lindlarer Kirche ergänzten die Lesung.

Weltflüchtlingstag und Kirchenjubiläum: Ein Bogen, der zur heutigen Zeit passt

Und schließlich erinnerte Gemeindemitglied Rosemarie Fliegner daran, dass der 20. Juni, der Tag von Jubiläum und Gemeindefest, ebenso der offizielle Weltflüchtlingstag ist: „Das passt gut, denn hier haben Geflüchtete aus dem Osten sich eine Gemeinde geschaffen. Das schlägt einen guten Bogen zur heutigen Zeit.“ Rosemarie Fliegner erlebte die Entstehung der Kirchengemeinde als junges Mädchen, engagierte sich im Kindergottesdienst und ist heute im Team, das die besonderen Gottesdienste vorbereitet. Sie berichtete von Anfängen, Pfarrpersonen, Diskussionen und Veränderungen und davon, dass die Jubilate-Gemeinde einladend sei, sie den schönen Gesang, die vielen freundlichen Gesichter, den immer wieder neuen Blumenschmuck genieße. Pfarrer Torsten Krall, Superintendent im Kirchenkreis Köln-rechtsrheinisch, bezeichnete im Zuge des Gemeindefestes nach dem Gottesdienst die Jubilate-Kirche als „Ausrufezeichen im Ort!“. „Ich schätze die Vielfalt hier, das sich bewusst Beheimaten der Menschen, die aber dennoch nicht stehen bleiben, sondern immer wieder neue Ideen entwickeln.“ Bürgermeister Sven Engelmann, ehemaliger Presbyter, hielt ein augenzwinkerndes Grußwort: „Dank dieser Gemeinde ist es inzwischen normal, im eigentlich sehr katholischen Lindlar evangelisch zu sein!“ Er erinnerte daran, dass im Aufbau der Kirche und ihrer Gemeinde Großes von den Gründerinnen und Gründern geleistet wurde.

Posaunenchor, Hüpfburg und Kirchenführungen: Ein Gemeindefest für alle. 

Nach dem Gottesdienst gehörte der Vorplatz allen – Groß und Klein feierten gemeinsam 70 Jahre Jubilate-Kirche.

Und dann wurde ein buntes Gemeindefest gefeiert. Der Posaunenchor spielte, die Hüpfburg lud zum Toben ein, es wurde gebastelt, Kaffee und Kuchen begleiteten den Austausch vieler Erinnerungen, die beiden Kirchenführungen beleuchteten noch einmal ausführlich die 70-jährige Geschichte. Und natürlich stand Sonnencreme parat – denn in dieser Gemeinde achten die Mitglieder aufeinander.

Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl

Der Beitrag 70 Jahre Jubilate-Kirche Lindlar: Ein Fest für Heimat, Generationen und Gemeinschaft erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Beim Kirchentag setzt Düsseldorf auf Köln – Nachrichten von der Verbandsvertretung des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region

„Wir hätten gern ein paar Jugendliche dabeigehabt. Aber keine Chance, deshalb erfüllen wir hier unseren Auftrag, Jugendliche zu vertreten zu unchristlichen Zeiten.“ – Mit diesen Worten begrüßte Noël Braun zusammen mit Daniel Drewes, Claudia Klein-Adorf, Siggi Schneider, allesamt Mitarbeitende des Jugendreferates, die Delegierten und Besucherinnen und Besucher der Verbandsvertretung des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region in der Kartäuserkirche. Gemeinsam mit Stadtsuperintendent Bernhard Seiger feierten sie den Abendmahlsgottesdienst zum Auftakt der Verbandssynode. Zu Beginn und am Ende spielten sie Zitate von Jugendlichen ein, in denen diese Auskunft gaben, in welchen Situationen Kirche für sie mehr gewesen ist als nur ein Gebäude.

Jugendreferent Noël Braun

„Sie sind die Ultras des Kirchenverbandes“, sagte Jugendreferent Braun zu Beginn seiner Predigt und wertschätzte so die Delegierten, die trotz der hohen sommerlichen Temperaturen am frühen Samstagmorgen gekommen waren. Mit Blick auf die Zitate wies er darauf hin, dass Jugendgruppen Orte seien, an denen junge Menschen nicht einsam sind und authentisch sein könnten. Braun erinnerte an das Gleichnis vom „Sämann“. „Nicht alles in der Jugendarbeit trägt Früchte, manche Jugendliche ziehen weiter. Sie leben in schwierigen Zeiten. Sie haben Angst um den Frieden, befürchten, mit der Wehrpflicht Teil eines Krieges zu werden, und dass die AfD die Regierung übernimmt. Und sie sind enttäuscht, dass viele bei der Olympia-Bewerbung entscheiden durften, die bei der Austragung der Spiele wahrscheinlich nicht mehr leben“, fasste Braun die Probleme der Jugendlichen zusammen, mit denen evangelische Jugendarbeit konfrontiert sei. Daniel Drewes, Leiter des Jugendreferats, sagte, Jugendarbeit müsse diese Probleme angehen. „Wir müssen verlässliche Stütze sein. In Dankbarkeit, was da wächst und in der Gewissheit, dass Gottes Geist uns stets Neues weist.“

Oberkirchenrätin Dr. Wibke Janssen

Oberkirchenrätin Dr. Wibke Janssen ging auf der anschließenden Verbandsvertretung in ihrem Grußwort auf den Kirchentag in Düsseldorf im kommenden Jahr ein. „Wir aus Düsseldorf setzen auf Köln“, bemerkte die Leiterin der Abteilung Theologie der Landeskirche. Sie stehe noch ganz unter dem Eindruck des bundesweiten Projektes „Einfach heiraten“, bekannte Janssen, an dem auch das Kölner Segensbüro Hätzjeföhl teilnimmt. „So viel Zuwendung zu den Menschen und ihrer Liebe, so viel Freude an der eigenen Berufung. Das Einlösen dieses Formats ist natürlich nur möglich mit den Gemeinden vor Ort. So kann Kirche sein.“ Bei dem Besuch der Kirchenleitung im Ahrtal fünf Jahre nach der Flut habe sie erfahren, wie wichtig die Kirchen und Gemeindezentren als Orte der Ruhe gewesen seien und auch an die Angebote der Notfallseelsorge habe man sich dankbar erinnert. Von der Flutkatastrophe waren auch Köln und Teile der Region, wie zum Beispiel Erftstadt, betroffen. „Wie einfühlsam und solidarisch, so kann Kirche sein.“

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger wies in den Mitteilungen die Mitglieder der Verbandsvertretung darauf hin, dass das neue Schutzkonzept für den gesamten Verband am 1. Juni 2026 in Kraft getreten ist. Es könne online eingesehen werden, Druckfassungen würden zeitnah an die Gemeinden versandt. Der Stadtsuperintendent freute sich, dass es gelungen ist, für das Gäste- und Tagungshaus „Haus Wiesengrund“ in Nümbrecht einen Käufer zu finden. Es werde weiterhin als Tagungshaus betrieben und könne als solches von den Gemeinden weiterhin genutzt werden.

Die stellvertretende Stadtsuperintendentin Kerstin Herrenbrück fasste die geplanten Aktivitäten zusammen, die Köln für den Kirchentag in Düsseldorf plant. Sie erklärte, dass Düsseldorf mit viel Unterstützung aus Köln rechnen könne. Pfarrer Sebastian Baer-Henney vom Segensbüro „Hätzjeföhl“ berichtete zum Beispiel von seinen Vorbereitungen: „Die Segensbüros aus Essen und Köln werden zusammen mit Mitarbeitenden aus der evangelischen Kirche in Düsseldorf Popup-Taufen im Biergarten „Rheinstrand“ anbieten. Wir sind hier schon länger im Gespräch, und die Zusammenarbeit ist sehr fruchtbringend.“ Oder genauer: „Die vom Rheinstrand haben auf uns gewartet. Die haben gesagt, endlich kommt mal jemand und fragt uns, ob er beim Kirchentag etwas bei uns machen kann. Die Segensbüros müssen keine Miete für die Strandfläche zahlen.“ Daniel Drewes warb für den Kölner Treff, den es auch beim Kirchentag in Düsseldorf geben wird. Der sei wie immer in zwei Bereiche aufgeteilt. „Im Café werden jeden Tag 1.000 faire und nachhaltige Essen zu bezahlbaren Preisen ausgegeben. Und dann gibt es den Bereich für die Mitmachaktionen für Jugendliche.“ Kerstin Herrenbrück empfahl den Anwesenden die Teilnahme am „Abend der Begegnung“ am 7. Mai des kommenden Jahres beim Kirchentag.

Dr. Rainer Lemaire und Thomas vom Scheidt

Dr. Rainer Lemaire und Thomas vom Scheidt stellten den mündlichen Bericht ihrer Einrichtung der Verbandsvertretung vor. Nach einem Vorstellungsvideo warteten sie in ihrem Bericht über die Arbeit des Schulreferats mit eindrucksvollen Zahlen auf. 473 Schulen stehen auf dem Gebiet des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. 265 davon sind Grundschulen. 990 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten hier evangelische Religionslehre. „Es gibt immer weniger Menschen, die dieses Fach an der Uni studieren“, berichtete vom Scheidt. Ihm liegen die Zertifikatskurse am Herzen, die Lehrerinnen und Lehrer belegen müssen, wenn sie Religionslehre als drittes Unterrichtsfach unterrichten möchten. Am Ende dieser Ausbildung steht die notwendige kirchliche Lehrerlaubnis. Pro Jahr bildet das Schulreferat 15 bis 25 neue Lehrkräfte aus. An den 128 Fortbildungen nahmen im vergangenen Jahr insgesamt 1.069 Lehrerinnen und Lehrer teil. Als zentrale Aufgaben des Schulreferats nannten Lemaire und vom Scheidt die Unterstützung der Lehrkräfte, die Weiterentwicklung von Unterrichtsinhalten und die Stärkung der Zusammenarbeit von Schulen und Gemeinden. Große Hoffnungen setzen die beiden auf den Campus Kartause, das Zusammenwachsen der Bildungseinrichtungen und die vielen Kooperationsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben sollen.

Der Campus Kartause war ein wichtiges Stichwort für Bernhard Seiger. „Wir liegen voll im Zeitplan. Und die Kosten liegen wohl unter dem Budget-Ansatz“, berichtete er der Verbandsvertretung. Eröffnet wird der Campus am 27. November 2026, im Januar ziehen die ersten Mieter ein, der Umzug der Bildungseinrichtungen soll im Februar und März 2027 erfolgen. Die christliche Wohngemeinschaft wird es nicht geben. Es hätten sich 20 Personen für ein Appartement interessiert, aber letztendlich seien bis auf zwei alle zu der Einsicht gelangt, dass es für sie nicht passe. „Als Studierender fällt es einem leichter, in eine WG zu ziehen als mit 55 oder 65″, stellte Bernhard Seiger fest. Nun suche man Seniorengemeinschaften, die in einer WG leben möchten. Da sei man in aussichtsreichen Gesprächen. In Kürze werde eine Arbeitsgruppe überlegen, wie man den großen Saal des Campus in das öffentliche Leben einbinde. Zu klären seien Fragen über die Höhe der Miete und ob kirchliche Einrichtungen Ermäßigungen bekommen könnten. Eine Erfolgsgeschichte ist die Spendenaktion für den Brunnen. „Wir haben tatsächlich Privatpersonen gefunden, die 240.000 Euro für den Brunnen gespendet haben“, freute sich Bernhard Seiger.

Superintendent Torsten Krall stellte das überarbeitete Konzept der Krankenhausseelsorge vor. Herausragend sei die Rund-um-die-Uhr-Rufbereitschaft. Jederzeit stehe eine Pfarrerin oder ein Pfarrer bereit, Patienten und Angehörigen beizustehen. Dafür sollen in Zukunft auch Ehrenamtliche gewonnen werden. Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region arbeiten derzeit an der Uniklinik, den Städtischen Kliniken Köln, der LVR-Klinik und am Kinderkrankenhaus.

Als Nachfolger von Dr. Ulrich Gröschel wählte die Verbandsvertretung Pfarrer Michael Miehe, Mitglied des Bevollmächtigtenausschusses des Kirchenkreises Köln-Linksrheinisch, in den Stiftungsrat der Gemeinschaftsstiftung Diakonie. Außerdem beschlossen die Delegierten, die 5. Verbandspfarrstelle für die Gefängnisseelsorge und die 8. Verbandspfarrstelle für die Gehörlosenseelsorge aufzuheben.

Die nächste Sitzung der Verbandsvertretung findet am Freitag, dem 27. November 2026, um 16:00 Uhr statt.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann / APK

Der Beitrag Beim Kirchentag setzt Düsseldorf auf Köln – Nachrichten von der Verbandsvertretung des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.