YOGAundKREBS: Aus dem Gedankenkarussell aussteigen

Der Kurs „YOGAundKREBS“ der Melanchthon-Akademie geht speziell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen ein, die von Krebs betroffen sind und berücksichtigt dabei ihre aktuelle Situation. Es spielt keine Rolle, ob die Frauen die Krebs-Diagnose gerade erst erfahren haben, noch in Behandlung sind oder nach Abschluss der Therapie wieder mehr zu Kräften kommen möchten. In einem geschützten Rahmen bieten die Yoga-Einheiten die Möglichkeit, Beschwerden zu lindern, Gelassenheit und Selbstvertrauen zu fördern sowie sich allgemein wieder wohler im eigenen Körper zu fühlen. Das sanfte Online-Yoga für Frauen mit Krebserfahrungen läuft mitt-wochs 16.30 bis 18 Uhr. Ein Gespräch mit der Yogalehrerin Susanne Tepe:

Was erwartet die Teilnehmerinnen der YOGAundKREBS-Stunde?

Susanne Tepe: Es erwartet sie eine Yogastunde, die an die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen angepasst ist und einem speziellen Konzept folgt. Jede Stunde hat ein Überthema, welches ich am Anfang vorstelle. Sie beinhaltet Meditation, Konzentrations- und Wahrnehmungsübungen und Pranayama, also Atemübungen, es folgt ein Warm-Up-Vinayasa im Sitzen, bei der wir die Wirbelsäule in alle Richtungen bewegen. Die Asana-Praxis (Stellungen im Yoga) sieht etwas anders als in „normalen“ Stunden aus, wir vermeiden zum Beispiel die Bauchlage oder den herabschauenden Hund. Die Bauchlage kann aufgrund der Operationen im Brustbereich sehr unangenehm sein und armgestützte Umkehrhaltungen, wie der herabschauende Hund, sind oft viel zu anstrengend. Es gibt aber durchaus Standhaltungen, wie die Krieger-Positionen in vielen kreativen Variationen. Die Stunde endet immer mit ein oder zwei Yin-Haltungen, bei denen total losgelassen werden darf, die Endentspannung am Schluß einer Yogastunde wird oft von einer Geschichte oder einem Body-Scan begleitet. So oder so ähnlich sieht eine YOGAundKREBS Stunde aus. Die Themen variieren immer.

Welche Themen sind das beispielsweise?

Susanne Tepe: Zum Beispiel biete ich Yogastunden an, die die unterschiedlichen Nebenwirkungen der Therapien lindern können. Viele Frauen leiden unter starker Müdigkeit, dem Fatique Syndrom, ich biete dann eine spezielle Yogastunde an, um den Energiefluss wieder anzuheben oder bei geschwollenen Armen den Lymphabfluss zu fördern. In meiner YOGAundKREBS-Ausbildung habe ich gelernt, dass es wirklich für fast alle Nebenwirkungen lindernde Yogaübungen gibt. Es gibt auch aktuelle Themen, wie Herbstanfang und Loslassen, generell Jahreszeiten und Mondphasen wie Neumond oder Vollmond. Oder eine Yogastunde für den besseren Schlaf. Es gibt eigentlich unendlich viele Themen, oft geht es auch um Emotionen, viele Frauen tragen zu viel auf ihren Schultern, auch das kann Thema einer YOGAundKREBS Stunde sein.

Was ist das Besondere an YOGAundKREBS?

Susanne Tepe: Die Ganzheitlichkeit. Die Yogastunden wirken auf mehreren Ebenen, sowohl körperlich als auch emotional. Emotional steigen die Frauen aus dem Gedankenkarussell aus. Sie sind oft in ihrem Therapieplan gefangen, beschäftigten sich zum Teil nur noch damit und sind voller Angst. Die Patientinnen sind in dieser „Mühle“ sehr fremdbestimmt – was daher enorm wichtig ist, ist in die Selbstwirksamkeit zu kommen. Nicht behandelt zu werden, sondern zu handeln: „Ich kann aktiv etwas für mein Wohlbefinden und meine Gesundheit tun.“ Beim Yoga bekommen sie den Kopf frei, Ängste werden gelindert und Zuversicht gefördert. Die Situation besser anzunehmen wird gelehrt, die Akzeptanz der derzeitigen Situation. Der Krebs, diese Krise, kann zum Teil auch als eine Chance für eine Veränderung gesehen werden. Auch Selbstakzeptanz spielt dabei eine Rolle: sich selbst wieder mehr zu akzeptieren und zu lieben – manche Frauen hassen ihren Körper, der nicht mehr funktioniert, oder auch einzelne Körperteile. Sie können beim Yoga besser die eigenen Bedürfnisse erkennen und merken, was ihnen guttut. Sie lernen, etwas für sich tun. Wir gehen nicht über die Grenzen hinaus, aber manchmal verschieben sich Grenzen weiter nach oben. Die Frauen können beim Yoga ihren eigenen Körper besser wahrnehmen: „Wie geht es mir, was brauche ich?“ Was auch schön ist, es ist ein absolut geschützter Raum, in dem wir uns da befinden. Die Frauen sind unter Gleichgesinnten und werden mit ihren Sorgen und Problemen sofort verstanden. Am Anfang gibt es immer eine Viertelstunde Zeit für den persönlichen Austausch untereinander. Die Teilnehmerinnen können dabei ihr Herz ausschütten, wenn sie das Bedürfnis danach haben. Oft lachen wir aber auch miteinander und erzählen uns einfach, wie die Woche so war. Wir unterstützen uns auch gegenseitig. Eine Teilnehmerin konnte zum Beispiel schlecht einschlafen und eine andere hat ihr dann das eigene Mantra mit an die Hand gegeben: „Beim Einatmen schla – beim Ausatmen fen im Kopf vorsagen.“

Und auf der körperlichen Ebene?

Susanne Tepe: Die Übungen fördern auf jeden Fall die Beweglichkeit und stärken das Immunsystem, die Schlafqualität kann sich stark verbessern, Schmerzen können reduziert werden und durch die bewusste Atmung wird das Atemvolumen erweitert. Der Gleichgewichtssinn wird trainiert und die Teilnehmerinnen bauen nach und nach wieder mehr Kraft und vor allem Vertrauen in ihren Körper auf. Der Kreislauf wird angeregt, sie kommen wieder mehr in ihre eigene Energie. Egal, in welchem Stadium die Teilnehmerinnen sich befinden. Ob sie gerade die Diagnose erhalten haben, gerade operiert worden sind oder sich in ihrem Behandlungsplan befinden. Die Teilnehmerinnen können im Rahmen ihrer Möglichkeiten alle mitmachen. Die Yogastunden können, wie schon gesagt, die Nebenwirkungen der Therapien lindern. Es gibt zahlreiche Studien, die dies belegen.

Merken Sie dies den Teilnehmerinnen auch an?

Susanne Tepe: Ja! Die, die bei mir mitmachen freuen sich immer sehr auf ihren Yoga-Mittwoch. Der Termin ist ihnen sehr wichtig und nach der Stunde geht es ihnen wirklich immer besser als vorher. Sie fühlen sich einfach wohler. Das ist generell etwas, was ich mit meinem Yoga-Unterricht bewirken möchte: Das Wohlbefinden steigern – und das funktioniert wirklich einfach immer und wirkt auch nach.

Das heißt, die Teilnehmerinnen nehmen das mit in den Alltag?

Susanne Tepe: Ja, die Selbstwirksamkeit zieht sich durchaus weiter. Die Teilnehmerinnen können zum Beispiel Mudras (Handhaltungen) auch im Alltag anwenden, sie kennen Mantren (Affirmationen und Lieder), die ihnen helfen. Wenn man auf eine Therapie wartet, kann man z.B. ein Mantra im Kopf aufsagen sich die Hände im Schutzmantra auf den Herzraum legen und sich so selbst beruhigen. Das, was wir auf der Matte üben, wollen wir auch mit in unser Leben außerhalb der Matte nehmen. Geduld und mentale Stärke, um für die nächste Phase oder einfach für den oft stressigen Alltag gewappnet zu sein. In meinem Unterricht gibt es auch oft Tipps für Zuhause. Das beste Beispiel: Ich krabble gerne mal mit meinen Teilnehmerinnen – das, was Babys machen, bevor sie laufen. Dies vernetzt die Hirnhälften miteinander und stärkt den ganzen Körper. Im Alltag könnte das dann so aussehen: morgens aus dem Bett ins Badezimmer zu krabbeln. Vielleicht sogar mit dem Partner oder der Partnerin, so etwas kann auch sehr lustig sein und lachen ist ja bekanntlich eine sehr gute Medizin. Oder sich nicht aufs Sofa zu fläzen, sondern auf den Boden zu setzen und die Wirbelsäule bewusst aufzurichten. Was auch immer geht und absolut wirksam ist, wenn man aufgeregt ist: einfach länger aus- als einatmen. Dadurch verlangsamt sich der Herzschlag und der Parasympathikus, unser Ruhe-Nerv, wird angeregt. Einfach ausprobieren bei der nächsten stressigen Situation

Kann man jederzeit einsteigen?

Susanne Tepe: Ja, sehr gerne! Zur Zeit sind wir eine reine Frauengruppe. Die Männer scheinen noch nicht so weit zu sein, aber da tut sich sicher auch noch sehr viel in nächster Zeit. Der Kurs findet online statt. Das bietet den riesigen Vorteil, dass man gemütlich in seinem eigenen Zuhause bleiben und praktizieren kann und auch zum Beispiel vor der Erkältungszeit geschützt ist. Viele sind auch noch von OP oder Therapie geschwächt und froh, Zuhause die Matte ausrollen zu können. Obwohl jede für sich übt. sind wir trotzdem eine Gemeinschaft. Wir haben die Kamera an, von daher kann ich die Teilnehmer auch korrigieren oder Tipps geben. Man spürt die Energie der Verbundenheit, obwohl wir nur über den Computer miteinander verbunden sind. Das hätte ich mir nie vorstellen können, aber es funktioniert. Ein weiter Vorteil am Online-Yoga ist natürlich auch der, dass die Teilnehmerinnen nicht unbedingt aus Köln kommen müssen, in meinem Kurs sind aktuell Frauen aus Göttingen und Süddeutschland dabei. Das finde ich großartig.

Weiteführende Links

www.melanchthon-akademie.de

www.herzens-zeit.de

Text: Frauke Komander
Foto(s): Susanne Tepe/APK

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Jubiläumsfeier: 40 Jahre Grüne Damen am EVK Köln Weyertal

Ein besonderes Jubiläum feiern die Grünen Damen am EVK Köln Weyertal: Seit bereits 40 Jahren (1980 – 2020) gibt es diesen Krankenhausservice im Haus. Pandemiebedingt musste die für das Jubiläumsjahr 2020 geplante Feier auf dieses Jahr verschoben werden und wurde jetzt nachgeholt. Im Jahr 2021 besteht das Team aus neun Frauen im Alter von 51 bis 80 Jahren. Grundsätzlich sind selbstverständlich auch Männer als Grüne Herren willkommen. Die Bezeichnung „Grüne Damen“ stammt von den hellgrünen Kitteln, welche als Erkennungsmerkmal fungieren.

Voraussetzung für dieses Ehrenamt sind freie Zeit und ein ausgeglichener Charakter. Pro Woche sollte man mindestens ca. drei bis vier Stunden zur Verfügung stehen können. Bevor jemand im Klinikum mit Patientinnen und Patienten in Kontakt tritt, gibt es eine Vorbereitungsphase. In dieser begleitet man über einen Zeitraum von einigen Wochen erfahrene Grüne Damen ans Krankenbett, lernt den Umgang mit Erkrankten und ihre individuellen Anliegen kennen.

Je nach Situation und Verfassung der einzelnen Personen können die Aufgaben ganz unterschiedlich sein. Mal braucht jemand einfach einen Menschen, der zuhört, mal sind Dinge zu besorgen wie frische Wäsche aus der Kleiderkammer, Hygieneartikel oder ein Buch. Falls jemand aber keinerlei Zuwendung möchte, muss man auch das wahrnehmen und respektieren können. Des Weiteren vermitteln die Grünen Damen Gespräche mit Mitgliedern des Seelsorgeteams.

Begleitung, Unterstützung und das Gespräch mit kranken und alten Menschen

In einem zweiten Schritt nehmen angehende Grüne Damen oder Herren an Kursen teil, welche die Krankenhausseelsorge anbietet. Pfarrer Karsten Leverenz bildet die Interessierten in 50 Stunden aus, in es denen u.a. um persönliche Fähigkeiten wie das Zuhören und den Umgang mit menschlichen Schicksalen geht.

Im Jahr 1980 gründete Ulrike Andreae die Grünen Damen am EVK Köln Weyertal. In dieser Zeit gab es mehr als 30 Mitglieder. Sie verstarb im Alter von 88 Jahren am 05.08.2021.

Die Idee stammt aus den USA. Dort gibt es den Volunteer Service. 1969 gründete Brigitte Schröder in Düsseldorf den ersten Dienst. Im Jahr 1976 schlossen sich die in der Bundesrepublik Deutschland bestehenden Gruppen zur Arbeitsgemeinschaft Evangelische Krankenhaus-Hilfe zusammen. Diese wurde 2004 in einen eingetragenen, gemeinnützigen Verein (eKH e.V.) überführt. Die Grünen Damen gehören heute zur Evangelischen Krankenhaus- und Altenheim-Hilfe.

Zu den Aufgaben der Grünen Damen und Herren gehören auch außerhalb von Krankenhäusern die Begleitung, Unterstützung und das Gespräch mit kranken und alten Menschen.

Text: EVK Köln Weyertal/APK
Foto(s): EVK Köln Weyertal/APK

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Kirche2go fragt: Was bedeutet das Wort „heilig“?

Was bedeutet das Wort „heilig“? Kirche2go ist diesem wichtigen Wort nachgegangen und erklärt, wo der Begriff her kommt und welche Bedeutung „heilig“ hat. Was Martin Luther zu der Verehrung von Heiligen gesagt hat und was unter der „Gemeinschaft der Heiligen“ verstanden wird, das erfahren Sie bei Kirche2go in diesem kleinen Film.

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Hier der Beitrag zum Nachlesen:

Das Wort „heilig“ stammt von dem altdeutschen Wort „helgen“ ab und bedeutet so viel wie „zueigen“ oder auch „zugehörig“. Das Wort bezeichnete einen abgegrenzten Bereich, wie zum Beispiel den inneren Bereich des Tempels in Jerusalem in der Zeit des Alten Testamentes. Hier hatten nur Priester oder Gläubige Zugang. Wenn etwas heilig ist, dann meinen wir damit etwas, das zu Gott gehört.

Geistliche, Märtyrer und Menschen, die ein vorbildliches Leben geführt oder Wunder gewirkt haben, wurden in der Geschichte der Kirche häufig „heiliggesprochen“. Sie nahmen in der Vorstellung der Menschen auch eine Vermittlerrolle zu Gott ein. Aus der Sicht von Martin Luther gibt es keinen anderen Mittler zwischen Gott und den Menschen als Jesus Christus. Luther sprach sich gegen die Anrufung von Heiligen aus. Für ihn waren sie vielmehr Vorbilder im Glauben. An ihnen können sich Christinnen und Christen aus seiner Sicht ein Vorbild nehmen.

So ist aus evangelischer Sicht nur Gott heilig und das, was zu ihm gehört. Er ist heilig und damit ganz anders als alles, was Menschen in dieser Welt kennen. In Jesus Christus ist Gott auf die Erde gekommen und hat die Distanz zwischen sich und den Menschen überwunden. Durch ihn haben die Menschen ihren Anteil an Gottes Heiligkeit erhalten. Der Heilige Geist verbindet sie in ihrem Leben mit Gott. Alle Menschen, die an Jesus Christus glauben, sind so Teil der „Gemeinschaft der Heiligen“.

 

Text: APK
Foto(s): APK

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Der jüdische Friedhof Mülheim: Ausstellungseröffnung in der Friedenskirche

Der jüdische Friedhof in Köln-Mülheim kann eine lange Tradition vorweisen. Angelegt wurde er im Jahr 1774, das letzte Begräbnis fand 1942 statt. Bis heute erinnern dort 160 Grabstätten an die jüdische Gemeinde Mülheim. Diesem Thema haben sich Dietrich Grütjen und Hartmut Schloemann zusammen mit der Mülheimer Geschichtswerkstatt gewidmet. Was dabei herausgekommen ist, kann man sich jetzt in einer Ausstellung in der Mülheimer Friedenskirche anschauen.

Vernissage mit Erinnerungen an die jüdische Gemeinde

Alle Plätze waren besetzt, als Dr. Christiane von Scheven von der Kirchengemeinde die interessierten Gäste begrüßte, um mit einer Vernissage die Ausstellung zu eröffnen: „Ich bedanke mich sehr, dass gerade die Friedenskirche für diese Ausstellung gewählt wurde.“ Besonders beeindruckend war ein Grußwort des 101-jährigen Rabbi Erwin Schild aus Toronto, der selber lange in Mülheim gelebt hat und immer wieder zurückgekommen war, um die Erinnerung an die dortige jüdische Gemeinde hochzuhalten. „Ich habe die ersten 20 Jahre meines Lebens hier verbracht, auf dem Friedhof ist das Grab meiner Großmutter.“ An die jüdische Gemeinde erinnerten nur noch die Toten auf dem Friedhof. „Darum ist die Pflege des jüdischen Friedhofs eine wahre Wohltätigkeit.“ Dafür sprach der Rabbi allen Beteiligten seinen Dank und seiner Bewunderung aus.

Erinnerungen an die Geschichte

Dietrich Grütjen und Hartmut Schloemann haben die freie Zeit in ihrem Ruhestand genutzt, um sich intensiv mit der jüdischen Geschichte in Mülheim auseinanderzusetzen. Besonders wurde an die Eisflut 1783 erinnert, die ganz Mülheim in den Rhein spülte. Dank großer Solidarität aus ganz Europa konnten Kirche und Synagoge wieder aufgebaut werden. „Schon damals fiel in Mülheim kein böses Wort gegen die Juden, obwohl sich Luther inzwischen zu einem glühenden Antisemiten entwickelt hatte“, erläuterte Dietrich Grütjen. Der zweite große Einschnitt kam während der Schreckensherrschaft der Nazis, 1944 war Mülheim wieder dem Erdboden gleichgemacht, die Juden vertrieben oder getötet. „Die Kirchen haben weitgehend geschwiegen, die Synagoge wurde abgerissen, lange tat sich nichts in Sachen Aufarbeitung der Geschichte.“ 1978 fand in der Friedenskirche zum Gedenken an die Reichsprogromnacht ein Gedenkgottesdienst statt. „Das war die Initialzündung für Erinnerungsarbeit hier in Mülheim.“ Wie ein roter Faden zieht sich der Zusammenhalt zwischen der Friedenskirche und der jüdischen Synagoge durch die Geschichte Mülheims.

Ausstellung dokumentiert Aufarbeitung der Geschichte

Die Mülheimer Geschichtswerkstatt, vertreten durch Helmut Goldau, begann zusammen mit dem NS-Dokumentationszentrum systematisch, die Erinnerung an die Vergangenheit wieder zu beleben. Das jüdische Leben in Mülheim wurde dokumentiert, der Friedhof restauriert, umgestürzte und beschädigte Grabsteine wieder instand gesetzt. Die Gräber wurden erfasst, fotografiert und die Inschriften übersetzt. Demnächst soll eine Datenbank über den Friedhof in Betrieb gehen.

Die Ausstellung dokumentiert in verschiedenen Fotos und einem Video umfangreiches Material zum Friedhof, zur Eisflut, zum jüdischen Leben in Mülheim, eine Darstellung der zerstörten Synagoge und natürlich zu Rabbi Schild. Annette Maye und Andreas Heuser schafften mit jüdischer Musik auf Klarinette, Saxophon und Gitarre eine stimmungsvolle und nachdenkliche Atmosphäre während der Vernissage. Daniel Lemberg, Friedhofsverwalter der Kölner Synagogengemeinde, bedankte sich für das Engagement und die Unterstützung, dass das jüdische Leben in Mülheim nicht vergessen wird.

Die Ausstellung ist Samstags und Sonntags von 15 bis 17 Uhr in der Friedenskirche, Wallstrasse 70 oder nach Absprache unter 0221/9625020 zu besichtigen. Der Film kann zusätzlich auf YouTube unter https://youtu.be/7_nj5QLQyho abgerufen werden.

Text: Dr. Klemens Surmann/APK
Foto(s): Dr. Klemens Surmann/APK

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Wochentipps mit „Salomonisches“: Bibellesung, Musik und Gesang

Die Veranstaltung „Salomonisches“ bietet Bibellesung, Musik und Gesang in einem und findet im Rahmen des Jubiläums 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland am 7. November ab 15 Uhr in der Paul-Gerhardt-Kirche statt. „Es gibt drei Gründe, warum wir das seit knapp zehn Jahren immer wieder machen. Erstens um einen Gesamttext aus der Bibel vorzustellen, denn sonst hört man ja immer nur Ausschnitte im Gottesdienst – wir haben schon mal die gesamte Genesesis gelesen, das dauerte sechs Stunden“, erklärt Organisator Richard Weber. Es gehe darum, dass Menschen wieder mit dem gesamten Bibeltext in Verbindung kommen und nicht nur einzelne Sprichwörter übernehmen. „Die zweite Sache ist, dass wir möglichst viele Menschen aus der Gemeinde sich beteiligen lassen möchten. An der Genesis-Veranstaltung haben beispielsweise 70 Menschen teilgenommen. Es geht hier um kulturelle und religiöse Bildung – aber eben auch um Partizipation.“

Altes Testament

Es werden hauptsächlich Texte des alten Testaments vorgestellt, die auch oft unbekannter sind als das neue Testament. Die Menschen werden außerdem nicht nur Lutherübersetzungen präsentieren. „Hier geht es um ein Kennenlernen von anderen Übersetzungen. Es gibt eben nicht nur die Lutherübersetzung, die sicherlich die bekannteste ist, sondern zum Beispiel auch Zunz, Tur-Sinai, Buber/Rosenzweig“, sagt Weber. „Es sind immer sehr viele Menschen, die daran mitwirken und sich beteiligen und etwas gemeinsam machen und erschaffen – auch viele junge Menschen. Es ist ein Querschnitt durch die Gemeinde. Das ist schon eine wichtige und schöne Erfahrung für jeden – es kommt nicht darauf an, dass jeder brilliant vorliest. Darum geht es nicht. Die Menschen aus der Gemeinde präsentieren die Texte auf ihre eigene Art und Weise.“ Wie sie die Texte lesen und welche Akzente sie setzen, das ist ganz individuell.

Musik setzt Akzente

Orgel, Shrutibox, Violine, Blockflöte und Oboe werden zu hören sein – nicht als Orchester, sondern die Instrumente sind zum Teil begleitend, oder setzen Akzente bei den Lesungen. Am Anfang und in den Pausen singt der Chor. „Der Text wird strukturiert durch musikalischen Einlagen, so dass es nicht nur ein Textblock wird, sondern es gibt Einspielungen“, erklärt Weber. Es lesen: Pfarrer und Pfarrerinnen, Menschen aus der evangelischen Kirchengemeinde, die katholische Partnergemeinde Pfarrei St. Stephan macht mit und die Evangelische Studierenden Gemeinde (ESG).

Das Projekt „Salomisches“ ist ein Projekt des Presbyteriums. „Die Themen der Lesungen sind sehr vielfältig und auch für die heutige Gesellschaft sehr relevant. Auch wenn manche Texte uns vielleicht antiquiert erscheinen, sind sie doch modellhaft für die jetzige Zeit und die Vielfalt des Lebens“, freut sich Weber.

Angesetzt ist die Veranstaltung bis etwa 19 Uhr. „Man kann nicht genau sagen, wie lange es dauern wird, weil man ja nicht die Lesegeschwindigkeit von jedem kennt“, sagt Weber schmunzelnd. „Es ist freier Einlass zu jeder Zeit. Die Menschen können kommen und gehen, wann sie mögen. Das Konzept hat sich in den letzten Jahren bewährt.“ Für die Veranstaltung gilt die 3-G-Regel. Der Eintritt ist kostenlos.

Weitere Wochentipps ab dem 4. November:

04.11.2021, 19:30
Evangelische Kirchengemeinde Porz
Pauluskirche, Zündorf, Houdainer Straße 32, 51143 Porz
„Der ewige Judenhass – vom Antijudaismus zum Antiisraelismus“
Vortrag im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“
Der Vortrag von Monika Möller „Der ewige Judenhass – vom Antijudaismus zum Antiisraelismus, geht auf die wesentlichen Motive und Diskriminierungsformen ein sowie auf die aktuelle israelbezogene Form des Antisemitismus. Die Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln/Tel Aviv-Yafo, spricht am Donnerstag, 4. November, 19.30 Uhr, in der Pauluskirche Zündorf, Houdainer Straße 32. Der Eintritt ist frei. Die aktuellen Corona-Regeln wie etwa die „3-G-Regel“ sind zu beachten.

www.kirche-porz.de

04.11.2021, 19:30
Ev. Familienbildungsstätte Köln
Evangelische Familienbildungsstätte Köln (fbs), Kartäuserwall 24b, 50678 Köln
Konflikte in Patchwork-Familien
„familylab“-Workshop in der Evangelischen Familienbildungsstätte
Ein Elternabend am Donnerstag, 4. November, 19.30 Uhr bis 21.45 Uhr, in der Evangelischen Familienbildungsstätte Köln, Kartäuserwall 24b, beleuchtet Chancen und Stolperfallen, die das Leben in Patchwork-Familien mit sich bringen. Immer mehr Kinder und Eltern leben heutzutage in einer Patchwork-Familie und kennen die Herausforderungen und Konflikte dieser Familienform. So kommen häufig mehrere Familienwelten in diesem bunten Beziehungsgeflecht zusammen. Gegensätzliche Interessen, unterschiedliche Lebensstile und Werte führen dabei zu schwierigen Alltagssituationen. Unter Anleitung einer erfahrenen „familylab“-Seminarleiterin erhalten die Teilnehmenden Anregungen, um eigene Lösungen zu finden und Konflikte gemeinsam zu überwinden. Die Teilnahme kostet 7 Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich.

www.fbs-koeln.org

05.11.2021, 18:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Brück-Merheim
Johanneskirche, Am Schildchen 15, 51109 Köln
Hebräische und jiddische Lieder und Modern Klezmer
Konzert mit Ekaterina Margolin und dem Duo Doyna
Ekaterina Margolin studierte in Moskau Dirigieren, Gesang und Klavier. Sie kam 1997 nach Köln. In der Synagogengemeinde Köln gründete sie im Jahr 2000 den Erwachsenenchor “Schalom” und mehrere Kinder- und Jugendchöre, die sie seitdem leitet. Zusammen mit dem Duo Doyna gibt sie am Freitag, 5. November, 18 Uhr, in der Johanneskirche Brück, Am Schildchen 15, ein Konzert mit alten und neuen hebräischen und jiddischen Liedern sowie Modern Klezmer. Das Duo mit Annette Maye (Klarinette, Bassklarinette) und Martin Schulte (Jazzgitarre) verbindet in seinen Improvisationen berührende und mitreißende Klezmer Melodien mit Anklängen aus der Jazz-, Pop- und Punk-Musik. Ekaterina Margolin singt, spielt Klavier und führt durch das Konzert. Damit möglichst viele Interessierte teilnehmen können, wird das Konzert um 20 Uhr wiederholt. Eine Anmeldung mit Angabe von Namen, Kontaktdaten, Anzahl der Karten und die gewünschte Uhrzeit, per E-Mail an jane.dunker@ekir.de, ist erforderlich. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

www.ekir.de/brueck-merheim/kulturelle-veranstaltungen-572.php

05.11.2021, 19:00 / 08.11.2021, 19:00
Evangelische Kirchengemeinde Vingst-Neubrück-Höhenberg / Evangelische Kirchengemeinde Köln-Buchforst-Buchheim
Erlöserkirche, Burgstraße 75, 51103 Köln / Kreuzkirche-Buchheim, Wuppertaler Straße 21, 51067 Köln
Roman „Helenes Versprechen“ – zwei Lesungen
Die Autorin Beate Rösler liest am Freitag, 5. November, 19 Uhr, in der Erlöserkirche Höhenberg, Burgstraße 75, aus ihrem Roman „Helenes Versprechen“ vor. Darin wird die Geschichte der Kinderärztin Helene Bornstein erzählt, die während der Nazi-Diktatur um das Leben jüdischer Waisenkinder kämpft. Das Buch beruht auf wahren Begebenheiten. Christine Winterhoff moderiert den Abend. Tanya Rösler begleitet die Lesung am Saxophon. Um eine Anmeldung per E-Mail an andrea.kraska@ekir.de oder per Telefon 0221/9337662 wird gebeten. Es gilt die „3-G-Regel“. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Und die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Buchforst-Buchheim lädt am Montag, 8. November, 19 Uhr, zu einer Lesung des Buchs in die Kreuzkirche, Wuppertaler Straße 21, ein. Sebastian Kopplin und Bernd Spehl werden die Lesung musikalisch mit Musik jüdischer Komponisten begleiten. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Eine Anmeldung per E-Mail an g.klame@ekibubu.de oder per Telefon 0221/691888 ist erforderlich. Der Einlass erfolgt gemäß der „3-G-Regel“.
www.vingstneubrueckhoehenberg.de

www.ekibubu.de

07.11.2021, 17:00
Trinitatiskirche
Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln
„The Promise of Living“
Erlebnisabend mit dem Gürzenich-Chor Köln und dem Thusnelda-Gymnasium
Die Abschlussveranstaltung des gemeinsamen Projektes „The Promise of Living” des Gürzenich-Chors Köln und des Thusnelda-Gymnasiums Köln-Deutz findet am Sonntag, 7. November, 17 Uhr, in der Trinitatiskirche, Filzengraben 4, statt. Es erklingen Werke von Salmone Rossi, Franz Schubert, Max Bruch, Jacques Offenbach, Kurt Weill, Aaron Copeland und Eric Whitacre. Im Foyer wird eine Ausstellung mit Arbeiten der Schülerinnen und Schüler gezeigt. Guido Schiefen (Violoncello), Gereon Krahforst (Orgel) sowie der Gürzenich Chor musizieren unter der Leitung von Christian Jeub. Nach dem Konzert wird zu einem Umtrunk geladen. Eine Teilnahme ist nach den „3-G-Regeln“ möglich. Der Eintritt kostet im Vorverkauf 12 Euro, 6 Euro ermäßigt. Eintrittskarten gibt es im Internet über www.guerzenich-chor.de und eine Stunde vor Konzertbeginn an der Tageskasse in der Trinitatiskirche.

www.trinitatiskirche-koeln.de

07.11.2021, 17:00
Evangelische Kirchengemeinde Ichthys
Gemeindehaus Unter Gottes Gnaden, Zum Dammfelde 37, 50859 Köln-Widdersdorf
Benefiz-Orgelkonzert
Höhepunkte der französischen Orgelromantik
Die Evangelische Kirchengemeinde Ichthys veranstaltet am Sonntag, 7. November, 17 Uhr, im Evangelischen Gemeindehaus Widdersdorf „Unter Gottes Gnaden“, Zum Dammfelde 37, ein Benefiz-Orgelkonzert mit Stefan Heep. Der Organist trägt Höhepunkte der französischen Orgelromantik zugunsten von Lifegate vor. Die Organisation Lifegate unterstützt Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Beit Jala im Westjordanland. Der Eintritt ist frei, um Spenden für Lifegate wird gebeten.

www.ichthys.de

07.11.2021, 17:00
Evangelische Kirchengemeinde Brühl
Christuskirche, Mayersweg 10, 50321 Brühl
Musik und Märchen vom Meer
Eine „verzauberte“ Stunde in der Christuskirche
Von Wind und Wellen, Seefahrern und Abenteuern sowie Walen und Meerjungfrauen handeln Musik und Texte, die am Sonntag, 7. November, 17 Uhr, in der Christuskirche Brühl, Mayersweg 10, vorgetragen werden. Pfarrerin Renate Gerhard liest aus Märchen vor und Marion Köhler spielt dazu an der Orgel. Der Eintritt ist frei.

www.kirche-bruehl.de

Text: APK
Foto(s): Weber/APK

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Solidarität und Berührbarkeit in der Corona-Krise – Die Medizin-Ethikerin Prof. Dr. Christiane Woopen sprach bei der Reformationsfeier in der Trinitatiskirche

Was trägt uns in Krisen?“, lautete die zentrale Frage bei der zentralen Reformationsfeier des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region in der Trinitatiskirche 2021. Und da stand natürlich der persönliche und gesellschaftliche Umgang mit der Corona-Pandemie im Mittelpunkt.

Zusammen feiern im evangelischen Dom

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger begrüßte die zahlreichen Gäste im „evangelischen Dom“, darunter Stadtdechant Robert Kleine, und freute sich, „dass wir hier zusammen sein und feiern können“. Man habe erlebt, dass nichts selbstverständlich sei: „Weil wir unsere Verwundbarkeit gespürt haben. Weil wir die Bedrohung der Gesundheit unseres Landes und aller Nationen gesehen und verstanden haben.“

Der Reformationstag sei immer auch eine Zeitansage, die Antworten suche auf die Frage „Wo stehen wir?“ Die Ansprache bei der Feier hielt Prof. Dr. Christiane Woopen, Professorin für Medizin und Medizinethik. Bis vor einem Monat war Christiane Woopen an der Universität zu Köln tätig und seit Oktober lehrt sie an der Universität Bonn. Sie war Vorsitzende des Deutschen Ethikrates. Und sie ist Vorsitzende des europäischen Ethikrates.


Videoaufzeichnung – Reformationsfeier 2021

Die Reformationsfeier 2021 wurde live auf YouTube übertragen. Hier können Sie sich die Veranstaltung noch einmal in Ruhe ansehen.

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„Was trägt uns in Krisen? – Entdeckungen im Dialog“

Frau Woopen hat in Bonn die erste Hertz-Professur inne. Das Thema: Interdisziplinäre Erforschung des Lebens. Dazu gehört der Dialog der Medizin mit Ökonomie, Kulturwissenschaften, Soziologie und Theologie. Sie hatte ihrer Ansprache den Titel „Was trägt uns in Krisen? Entdeckungen im Dialog“ gegeben. „Aussichtslosigkeit und Unsicherheit, enttäuschte Hoffnung, Traurigkeit – alles Kennzeichen für etwas, das wir Krise nennen. Das Gewohnte und Vertraute wird infrage gestellt, das Normale wird zum Außergewöhnlichen, der Boden, auf dem man steht, wackelt und bricht weg“, führte sie ein und nannte vier Krisen, die die heutige Zeit prägen: Corona-Pandemie, die europäische Flüchtlingskrise von 2015/16, die globale Finanzkrise von 2006/07 und nicht zuletzt die ebenfalls globale Klimakrise.

„Manche halten das Krisenhafte sogar für DAS konstitutive Charakteristikum der Spätmoderne, die durch den Verlust traditioneller Verankerungen gekennzeichnet sei.“ Nun gehe es darum, mit diesen Krisen umzugehen. „Kraft kann aus Gesprächen und aus den Geschichten anderer entstehen, aus dem Sprechen mit Gott, aus dem Sein in der Natur, aus Musik, aus der Nähe zum Haustier, zu Familie und zu Freunden, ja selbst aus dem Mit-sich-selbst-allein-Sein“, erklärte die Professorin.

Lebendige Beziehung

All diese Quellen der Kraft hätten eines gemeinsam. Es gehe um eine Beziehung, die als lebendig erfahren werde. Es gehe laut dem Jenaer Soziologen Hartmut Rosa um Resonanz. Es gehe um „einen Modus des in die Welt gestellt Seins, in dem die so verschiedenartigen Beziehungen schwingen und ein Verhältnis des gegenseitigen Antwortens besteht, was auch ein nichtsprachliches Antworten sein kann. Das Gegenteil von Resonanz ist die Entfremdung, eine leblose Beziehung, etwas Stummes und Starres.“

Wer in resonanten Beziehungen lebe, empfinde sein Leben als sinnvoll und gelingend. Um in einer resonanten Beziehung ein Gegenüber sein zu können, der eine eigene Stimme habe und der die Stimme des anderen wahrnehmen und verstehen könne, brauche man eine Haltung dazu, was einem besonders wichtig und was unwichtig sei. Dazu seien Werte nötig.

Solidarität

Woopen nannte zwei, die ihr besonders wichtig erscheinen: Solidarität und Berührbarkeit. Für die Professorin ist Solidarität die entscheidende Grundlage, um eine weltweite Krise vom Ausmaß und der Komplexität von Corona bewältigen zu können. Zu Beginn sei es um Solidarität mit den Älteren gegangen, im Moment würden Ungeimpfte aufgerufen, sich impfen zu lassen. Auch das Krankenhauspersonal erfahre Solidarität. An Solidarität mit jungen Menschen habe es in der Krise gefehlt. Das sei deutlich geworden an den Statements die von Mitgliedern der Evangelischen Studierendengemeinde während der Reformationsfeier über ihre Befindlichkeiten unter Corona vorgetragen worden seien. In vielen Schulen fehle es immer noch an Kompetenzen der Lehrkräfte und an Digital-Konzepten, um den Schülerinnen und Schülern das mitzugeben, was ihr Leben in so vielen Hinsichten prägen werde: Bildung.

Solidarität ist eine barmherzige Gerechtigkeit, oder wenn man das wie ich finde sehr schöne, aber für manche altertümlich klingende Wort Barmherzigkeit vermeiden möchte, eine wohltätige Gerechtigkeit. Solidarität beruht auf einem Gefühl der Zusammengehörigkeit und fördert dies, und sie umfasst die Bereitschaft zur Hilfe für diejenigen, die sie benötigen, auch unter Inkaufnahme eigener Opfer“, fasste Woopen zusammen. Solidarität sei emotional,  institutionell, kulturell und intellektuell ein Beziehungsgeschehen und ein Ausdruck von Resonanz. Das gelte für zwei Menschen wie für den Umgang etwa mit Impfstoffen innerhalb der Weltgemeinschaft.

Berührbarkeit

Der zweite Wert, der für resonante Beziehungen im Sinne Hartmut Rosas eine geradezu unverzichtbare Voraussetzung ist, ist die Berührbarkeit“, fuhr die Medizin-Ethikerin fort und erläuterte: „Bin ich berührbar, so spricht das Wahrgenommene zu mir, dann kann und werde ich darauf eine Antwort geben, auch wenn die Antwort zunächst Ratlosigkeit sein kann, ich aber zumindest auf der Suche nach meiner Stimme bin.“

Berührbar und empfänglich zu sein, habe eine Voraussetzung. Man müsse für sich selbst berührbar sein, eine lebendige Beziehung mit sich selbst führen. Damit hätten viele ein Problem, weil sie in sich nichts finden würden, aus dem heraus sie sich selbst etwas sagen könnten und das eine positive Bedeutung für sie habe. „Dabei gibt es doch in einem selbst das Größte und Wunderbarste schlechthin: nämlich Gott.

Gott ist uns nicht äußerlich, vielmehr hat er jede und jeden von uns von Beginn an in seine Liebe hineingenommen – in seine Liebe zu sich selbst als Liebe zu Jesus im Heiligen Geist.  Diese Zusage und Gewissheit ewiger, unverbrüchlicher Liebe ist es, die wir in uns finden können.“ Die könne man aber nur finden, wenn einem andere vom Glauben und von den Geschichten aus der Bibel erzählten. Wen diese Geschichten berührten, der könne die Gewissheit wachsen spüren, von der Liebe Gottes getragen zu sein und die Angst vor der eigenen Verletzlichkeit und Endlichkeit zu verlieren. „Geh Deinem Gott entgegen – bis zu Dir selbst!“ Die Ansprache von Christiane Woopen können Sie hier nachlesen. 

Grußwort Bürgermeister Wolter

Bürgermeister Andreas Wolter überbrachte die Grüße von Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Er warf einen Blick zurück auf die vergangenen eineinhalb von der Pandemie geprägten Jahre. Wie so viele hat er den Keller aufgeräumt, aber auch schnell erfahren, wie sehr ihm die sozialen Kontakte gefehlt haben. Wolter hat viele Wanderungen in der Eifel unternommen und das Warten auf die erste Impfung als Tortur wahrgenommen. Dann kam die Flut. „Ich habe erfahren, dass die Grundrechte und ein sicheres Zuhause alles andere als selbstverständlich sind.“ Er appellierte wie Woopen an die internationale Solidarität: „Die Pandemie ist erst vorbei, wenn auch die wirtschaftlich schwächeren Länder genug Impfstoff haben.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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Stadtsuperintendent Bernhard Seiger hat Leonie Stein ordiniert

Sie verlässt die Gemeinde, bleibt aber dem Kirchenkreis erhalten. Doch vor dem Abschied gab es noch mal was zu feiern: die Ordination. Stadtsuperintendent Bernhard Seiger hat Leonie Stein in einem Gottesdienst in der Bayenthaler Reformationskirche ordiniert. Nach ihrem Vikariat in der Gemeinde im Kölner Süden wird die frisch gekürte Pfarrerin in der nächsten Zeit in Sindorf ihren Dienst tun und dort vornehmlich in der Konfirmanden-Arbeit tätig sein. Seiger freute sich über die unter Corona-Bedingungen voll besetzte Kirche: „Schön, dass wir wieder zusammen feiern können. Wir hatten ja für längere Zeit nur spärlich miteinander zu tun.“ Corona überschattete auch das Vikariat von Leonie Stein. „Aber Sie haben die Lage ganz pragmatisch angenommen“, warf der Superintendent des Kirchenkreises Köln-Süd einen Blick zurück. Sie habe eine ganze Reihe von reinen Wortgottesdiensten ohne Gesang geleitet. Und sie habe das Format der Audio-Gottesdienste eingeführt. Überhaupt hat Seiger bei der Vikarin eine gewisse „Nüchternheit in der Beobachtung von Menschen“ wahrgenommen. „Aber es gab immer klare Ansagen von ihr.“

„Was lassen wir los, was bringt uns zum Strahlen?“

Zur Übernahme eines Amtes gehöre Haltung, sagte der Superintendent. Und Anpassungsfähigkeit: „Man muss den Wandel der Fragen immer mitbedenken. Und man muss Kritik an der Kirche zulassen können und damit umgehen.“ Wie die Kirche in Köln 2030 aussehe, könne noch niemand verlässlich sagen. Sicher sei wohl, dass weniger Geld und weniger Personal zur Verfügung stehen werden. „Wie kann man die frohe Botschaft dann attraktiv erlebbar machen?“, sei eine der Fragen, die dann beantwortet werden müssten. Und: „Was lassen wir los, was bringt uns zum Strahlen?“

Seiger erinnerte an die großen Zusammenhänge: „Wer ordiniert wird, steht in der Reihe der Propheten des Alten und des Neuen Testaments.“ Er nannte die Predigt-Arbeit „eine Quelle des Glücks, weil wir dann im Eigentlichen unterwegs sind“. Er appellierte an Leonie Stein aber auch, ihre Grenzen einzuhalten. „Sie sind nicht für alles verantwortlich. Sie leben in einer Gemeinschaft. Sie leben unter Menschen, die Ihnen den Rücken stärken.“ Der Superintendent verwies auf das Paulus-Wort „Ihr seid zur Freiheit berufen“. Und an Leonie Stein gewandt: „Die Füße, die Sie nach vorn setzen, führen in die Weite.“ Schließlich bescheinigte er der Vikarin einen „langen Atem“. Leonie Stein ist gewissermaßen auf einem Umweg ins Pfarramt gekommen.

Kindheit in Brühl und Studium in Bonn

In Hamburg wurde sie am 1. September 1978 als Tochter kölscher Eltern geboren. Nach ihrer Kindheit in Brühl und dem Studium in Bonn hat sie zunächst wissenschaftlich an der dortigen Universität im Fachbereich Neues Testament gearbeitet. Nach der Geburt ihres erstes Kindes folgte eine längere Familienphase mit zwei weiteren Kindern. Seit damals wohnt sie mir ihrer Familie in Hürth und hat sich während der Familienphase ehrenamtlich engagiert: In Schulpflegschaften, im Elternrat des Kindergartens, auf musikalischem Gebiet und in der Ökumene. Aber der Wunsch blieb, die Ausbildung zur Pfarrerin zu beenden und den Beruf auch auszuüben. Darüber hinaus mag sie ostfriesische Inseln und die Dolomiten in Südtirol, radelt und wandert gern und macht Musik.

In ihrer Predigt erinnerte sie an die Faszination, die von Jesus auf die Menschen ausging. „Sie kamen, um ihn zu hören. Manche verlassen ihre Eltern und folgen ihm nach. Obwohl das Eintreten für ihn für sie damals eine akute Gefahr bedeutete.“ Irritierend sei, was bei Matthäus, Kapitel 10, 34 – 39 zu lesen sei. Demnach habe Jesus gesagt: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, um Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“ „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.“ Drastische Sätze, die auf den ersten Blick nicht recht passen zu der Botschaft der Bergpredigt, die jene selig nennt, die Frieden stiften. Oder an die Szene bei Jesu Verhaftung: „Wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen.“ Leonie Stein deutete das Schwert als Sinnbild für die Spaltung, die die Botschaft von Jesus Christus hervorrufe, für die Entzweiung zwischen Vater und Sohn, Mutter und Tochter. Jakobus und Johannes hätten nicht ein Mal zurückgeschaut, als sie ihre Eltern verließen, um Jesus zu folgen.  Das widerspreche eigentlich dem Gebot der Nächstenliebe. Aber es sei eben der Anspruch von Jesus gewesen, Position zu beziehen.

Gott, wo willst du mich haben?

Das gelte bis heute. Ein Leben voller Herausforderungen sei auch ein Tauziehen mit Gott. „Die Spaltung ist oft da, wo alle größten Wert auf Harmonie legen. Lebensentscheidungen können Kraft geben. Sie können aber auch belastend sein.“ Gott, wo willst du mich haben? So laute die Frage, auf die man eine Antwort finden müsse. Und da könne es sein, dass man die eigene Komfort-Zone verlassen müsse. Zum Schluss machte die neue Pfarrerin deutlich, wie sie ihre Aufgabe angehen möchte: „Wir können natürlich beklagen, dass wir als Kirche von vielem Abschied nehmen müssen. Ich bin dafür, dass wir für etwas konkurrenzlos Großartiges werben.“

Text: Stefan Rahmann/APK
Foto(s): Stefan Rahmann/APK

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Zwölf Stationen evangelischer Geschichte – Via Reformata in der Kölner Innenstadt eröffnet – Spaziergang auf den Spuren der Protestanten

Kaiserwetter herrschte an diesem lauen Herbsttag: Das perfekte Wetter für einen Spaziergang. Und zwei Männer wussten, wo es lang gehen könnte. Einen Geschichtspfad zur Reformation und ihren Folgen in der Kölner Innenstadt stellten Stadtsuperintendent Bernhard Seiger und Stadtdechant Monsignore Robert Kleine im Schatten der Antoniterkirche vor.

Evangelischer Stadtweg

Vier Jahre nachdem sich der Thesenanschlag von Martin Luther an der Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal gejährt hat, werden auf der „Via Reformata“ Orte und Persönlichkeiten der evangelischen Geschichte erlebbar. „Bei den Feiern zum Reformationsjubiläum entstand die Idee eines evangelischen Stadtweges mitten im über Jahrhunderte katholisch geprägten Köln, das durch manche Verwerfungen hindurch seinen Weg zu Toleranz und Vielfalt gefunden hat“, sagte Bernhard Seiger bei der Eröffnung.

Zwölf Stationen hat der Weg. Auf Stelen, Wand- und Bodenplatten kann man lesen, welche Bedeutung die Orte für die Geschichte des Protestantismus in Köln hatten. Eine Broschüre, die in den Gemeinden ausliegen wird, bietet erhellende Informationen zu den Stationen. Und man kann mit einem Smartphone über einen QR-Code weitere Auskünfte zu den einzelnen Standorten im Internet aufrufen. „Das ist der Hauptgrund für die Via Reformata: Menschen sichtbar und dauerhaft vor Augen zu stellen, welchen Weg unsere Stadt  gegangen ist und wie es mit den religiösen Minderheiten vor 500 oder 250 Jahren war. Und wo wir heute stehen“, beschrieb Seiger die Idee, Vergangenheit zu verknüpfen. Neben den historischen Passagen in der Broschüre gibt es immer wieder aktuelle Querverweise.

4,5 Kilometer Weg

Die endgültige Errichtung des Weges wird zwar noch noch ein bisschen dauern. Genehmigungen für die Nutzung des öffentlichen Raums können dauern. Seiger rechnet mit der Fertigstellung im kommenden Jahr. „Es stehen zwei Stelen an der Kartause in der Südstadt und einer hier an der Antoniterkirche. Es folgt die Stele an der Trinitatiskirche. Und bald folgen die Domplatte, der Rathausplatz, der Gürzenich und der Heumarkt“, so Seiger. Am Ende steht ein 4,5 Kilometer langer Weg mit einer reinen Laufzeit von gut einer Stunde. Die verdoppelt sich, wenn man an jeder Station fünf Minuten verweilt.

Stationen sind die Alte Universität, an der bedeutende evangelische Theologen wie Adolf Clarenbach und Theoder Fabricius studierten. Weiter geht es zum Roncalliplatz, wo 1520 die Schriften Luthers verbrannt wurden. Im Rathaus wurden zwischen 1523 und 1530 16 Beschlüsse gegen den Besitz und Verkauf lutherischer Schriften gefasst. In der Antoniterkirche feierten die Protestanten am 23. Mai 1802 ihren ersten erlaubten Gottesdienst auf Kölner Stadtgebiet. Martin Luther hat in Köln 1512 das Generalkapitel des Augustiner-Eremiten-Ordens besucht. Die Eremiten waren ein Hort der „Lutherei“, der erst 1533 „gezähmt“ wurde. Aus dem Gürzenich, der „guten Stube der Stadt“, wurde zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein Ort öffentlicher protestantischer Streitkultur. Dort wird an den liberalen Theologen Carl Jatho erinnert, der dort mitreißende Reden gehalten hat.

Station ist auch die Trinitatiskirche, der evangelische Dom von Köln. Sie ist die erste eigens für die Evangelische Gemeinde Köln erbaute Kirche. Heute dient sie dem Evangelischen Kirchenverband Köln und Region als überregionale Kulturkirche. Sie ist Ort für besondere Gottesdienste, Konzerte, Inszenierungen, Bildungsangebote und viele Kulturveranstaltungen. Der Weg endet an der Kartäuserkirche und dem Haus der Evangelischen Kirche in Köln. Auf dem ehemaligen Gelände des Kartäuserordens sind seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Ämter und Einrichtungen des Evangelischen Kirchenverbands angesiedelt.

Auf unterschiedlichen Wegen zum selben Ziel – Ökumene

Uns ist wichtig, dass dieser Weg zur Reformation aus ökumenischer Perspektive gestaltet wird. Die Kontroversen früherer Jahrhunderte sind an vielen Stellen überwunden, und es gibt inzwischen einen gemeinsamen wertschätzenden Blick auf den Beitrag der reformatorischen Gedanken und Initiativen in Mitteleuropa und der Protestanten zum Gedeihen unserer Stadt“, erklärte Stadtsuperintendent Seiger.

Monsignore Kleine sagte, dass die Kirchen seit der Reformation auf unterschiedlichen Wegen unterwegs seien, das Ziel aber das gleiche sei. „Und das Fundament der Wege ist auch das gleiche: Die Heilige Schrift.“ Und überhaupt sei der Weg ein Bild, das in den Konfessionen immer wieder auftauche. „Schon Jesus Christus hat gesagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Die Stadt Köln ist dankbar

Brigitta von Bülow, Bürgermeisterin der Stadt, würdigte den ökumenischen Ansatz: „In diesem Geist, so verstehe ich das, ist die Idee zur Via Reformata entstanden. Nicht um zu spalten, sondern um zusammenzuführen. Daher blickt die Stadt Köln dankbar auf diesen neuen Geschichtspfad. Es ist  gut, dass der Protestantismus über 200 Jahre nach seiner Anerkennung in Köln sichtbar und erkennbar wird als gestaltender Akteur in der Stadt.“

Die Bürgermeisterin kennt sich aus in der Geschichte der Stadt: „Auch Martin Luther kannte Köln. In einer Tischrede von 1538 kritisierte er den Dom aufgrund der Akustik als zum Predigen ungeeignet. Und auch der Dom stellt letztlich, was vielen Kölnerinnen und Kölnern nicht so klar ist, ein Symbol gelebter Ökumene dar. Wurde er doch nach vier Jahrhunderten des Stillstands durch das evangelische Preußen fertiggestellt. Vor allem Friedrich Wilhelm IV. unterstützte die Fertigstellung des Kölner Doms. Die große Begeisterung des Preußenkönigs ließ in katholischen Kreisen die Befürchtung entstehen, er könnte als Bauherr das Recht beanspruchen, den Dom zur Simultankirche umzuwandeln.“ Die Geschichte verlief anders.

www.via-reformata.de

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann/APK

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Gedenken 9.11.: Erinnerung an deportierte und ermordete jüdische Menschen

Rund um den 9. November gibt es viele Veranstaltungen in Erinnerung an deportierte und ermordete jüdische Menschen – es wird in Köln unter anderem einen Rundgang, eine Gedenkstunde, Gottesdienst, Lesung und Gedenkfeier geben. Die Zusammenfassung in der Übersicht:

09.11.2021, 12:00 Uhr
Evangelisch Leben in Köln und Region
Löwenbrunnen am Lern- und Gedenkort Jawne, Erich-Klibansky-Platz, 50667 Köln
Gedenkstunde am Löwenbrunnen: Schülerinnen und Schüler erinnern an die Shoa

Eine Gedenkstunde in Erinnerung an deportierte und ermordete jüdische Kinder und Jugendliche aus Köln findet am Dienstag, 9. November, 12 bis 13 Uhr, am Löwenbrunnen, Erich-Klibansky-Platz, statt. Auf dem Rand des Brunnens vor dem Lern- und Gedenkort Jawne stehen die rund 1.160 Namen dieser Kinder und Jugendlichen. Hier befand sich von 1884 bis 1942 ein Zentrum jüdischen Lebens in Köln unter anderem mit dem Jüdischen Gymnasium Jawne. Am Gedenktag tragen Schülerinnen und Schüler des Montessori-Gymnasiums Köln-Nippes die Ergebnisse eines Workshops „Erinnern an die Shoa“ vor. Zur Einführung spricht Pfarrer Rainer Lemaire, Schulreferat und Pfarramt für Berufskollegs im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region und Lern- und Gedenkort Jawne. Andreas Wolter, Bürgermeister der Stadt Köln, spricht ein Grußwort.

www.reli-koeln.de

09.11.2021, 17:30
Evangelisch Leben in Köln und Region
Synagogen-Gemeinde, Roonstraße 50, 50674 Köln
Mit Anmeldung bis 2.11.: Gedenkveranstaltung zum 83. Jahrestag Reichspogromnacht 1938
„Verschwörungstheorien gestern und heute“

Am Dienstag, 9. November, beginnt um 17.30 Uhr, in der Synagoge, Roonstraße 50, die Gedenkveranstaltung zum 83. Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938. Vor 83 Jahren, vom 9. auf den 10. November brannten die Synagogen im gesamten Deutschen Reich, in Österreich und in der Tschechoslowakei. Der 9. November ist der Tag, an dem organisierte Schlägertrupps jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand setzten, Privatwohnungen plünderten und verwüsteten sowie tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Spätestens an diesem Tag konnte jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden war. Ein Anschlag in Paris diente als Vorwand für diese Taten. Er diente als Vorwand für das vehemente Aufflammen von Verschwörungstheorien, die in einem Völkermord enden sollten. Für die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung ist eine Anmeldung per E-Mail an event@sgk.de bis Dienstag, 2. November, erforderlich. Es gilt die „3-G-Regel“. Beim Einlass müssen ein entsprechender Nachweis sowie ein gültiger Personalausweis vorgelegt werden.

09.11.2021, 18:00
Evangelische Kirchengemeinde Lechenich
Alter Jüdischer Friedhof, An der Weltersmühle, 50374 Erftstadt
Schweigegang zur Reichspogromnacht
Der Ökumene-Ausschuss lädt ein

Um der Gräuel der November-Pogrome nationalsozialistischer Gewaltherrschaft zu gedenken, lädt der Ökumene-Ausschuss der Evangelischen Kirchengemeinde Lechenich und des Pfarrverbandes St. Kilian am Dienstag, 9. November, 18 Uhr, zu einem Schweigegang ein. Beginn ist am alten Jüdischen Friedhof, An der Weltersmühle, mit Begrüßung der Teilnehmenden und Einführung in die Veranstaltung. Der Gang führt dann über den Marktplatz, wo Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Lechenich Texte vortragen. An der ehemaligen Synagoge, Judenstraße, wird der 29 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Lechenich gedacht, die Opfer des Holocaust wurden. Der Schweigegang endet am Neuen Jüdischen Friedhof, Am Römerhofweg. Anschließend gibt es im Evangelischen Gemeindezentrum, An der Vogelrute 8, ein Beisammensein.

www.kirche-lechenich.de

09.11.2021, 18:00
Evangelische Kirchengemeinde Wesseling
Apostelkirche, Antoniusstraße 8, 50389 Wesseling
„Mit-gehen – Mit-gedenken“
Christliche Kirchen laden zur Erinnerung an die Reichspogromnacht ein

Am Dienstag, 9. November, laden die christlichen Kirchen in Wesseling, der Verein für Orts- und Heimatkunde Wesseling e.V. und die Stadt Wesseling zum „Gang des Gedenkens“ ein. Um 18 Uhr startet die Veranstaltung in der Apostelkirche, Antoniusstraße 8. Der Weg führt weiter zum Synagogen-Mahnmal ,,Am Mark“ und endet am alten jüdischen Friedhof an der Römerstraße. In ganz Deutschland wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 Synagogen angezündet, jüdisches Eigentum zerstört und jüdische Bürger misshandelt und ermordet. Auch in Wesseling wurden die Synagoge, jüdische Ladenlokale und Wohnhäuser in Brand gesteckt und zerstört.

www.evangelisch-wesseling.de

09.11.2021, 18:00
Evangelische Gemeinde Köln
AntoniterCityKirche, Schildergasse 57, 50667 Köln
„Gottesdienst gegen das Vergessen“
Gedenken an die Pogromnacht

Einen Gottesdienst im Gedenken an die Schrecken und die Folgen der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 veranstaltet die Evangelische Gemeinde Köln am Dienstag, 9. November, 18 Uhr, in der Antoniterkirche, Schildergasse 57. Der „Gottesdienst gegen das Vergessen“ mit musikalischem Rahmenprogramm wird von Aaron Proujanski (Gesang) und Johannes Quack (Orgel) sowie Pfarrer Markus Herzberg (Liturgie) gestaltet.

www.antonitercitykirche.de

09.11.2021, 19:00
Evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Junkersdorf
Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Junkersdorf, Birkenallee 20, 50858 Köln
„Tehillim/Psalmen“: Konzert in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche Junkersdorf
Crossover-Musikprojekt zum Gedenken an den Holocaust

Zum Gedenken an den Holocaust und die Pogromnacht von 1938 lädt die Evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Köln-Junkersdorf am Dienstag, 9. November, 19 Uhr, in die Dietrich-Bonhoeffer-Kirch, Birkenallee 20, ein. „Tehillim/Psalmen“ ist ein Crossover-Musikprojekt mit neuen Kompositionen und Vertonungen von Psalmen in Hebräisch, Latein, und Deutsch für Stimme, Akkordeon und Violine von Bella Liebermann, Frank Stanzl und anderen. Zwischen jüdischer Tradition und Neuer Musik bewegt sich das musikalische Spektrum der Kompositionen. Dazu gehören Vokal- und Instrumentalensembles mit elektronischer und klassischer Musik sowie experimenteller und traditioneller Gesang. Ausführende, unter der Leitung von Frank Stanzl (Konzertorganist, Komponist und Kirchenmusiker), sind Bella Liebermann, das Ensemble „ColKolé“, Ulrich Cordes (Tenor), das Kölner Vokalensemble und das Ensemble für Neue Musik. Der Eintritt kostet 15 Euro.

www.junkersdorf.ekir.de

Weitere Veranstaltungen:

07.11.2021, 12:00
AntoniterCityTours
WDR Funkhaus, Wallrafplatz 5, 50667 Köln
Stadtführung „Jüdisches Köln“
Historische Führung mit Manfred Höffken

Am Sonntag, 7. November, 12 Uhr, laden die AntoniterCityTours zu einem Rundgang durch das (ehemalige) jüdische Köln ein. Referent Manfred Höffken erinnert dabei auch an die Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. Die jüdischen Mitbürger Kölns wurden nach der Machtergreifung Hitlers systematisch entrechtet. Nach den Maßnahmen gegen jüdische Geschäfte, den Nürnberger Rassegesetzen und der Reichspogromnacht vom November 1938 sahen viele Kölner Juden nur noch die eine Möglichkeit, ihr Leben durch eine Flucht ins benachbarte Ausland zu retten. Insgesamt etwa 12.000 Juden wurden sogar noch bis in die letzten Kriegstage im Februar 1945 vom Bahnhof Köln-Deutz Tief mit Güterwaggons in die Todeslager im Osten transportiert und dort ermordet. Nur wenige überlebten den Holocaust. Der Treffpunkt für den Rundgang ist am WDR Funkhaus, Wallrafplatz 5. Die Teilnahme kostet 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung über die Internetseite www.antonitercitytours.de oder über KölnTicket ist erforderlich.

www.antonitercitytours.de

07.11.2021, 15:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Lindenthal
Paul-Gerhardt-Kirche, Gleueler Straße 106, 50935 Köln
„Salomonisches“ – Lesung, Musik, Gesang
Veranstaltung im Rahmen des Jubiläums „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

Wer am Sonntag, 7. November, zwischen 15 und 20 Uhr, in die Paul-Gerhardt-Kirche Lindenthalgürtel/Ecke Gleueler Straße zu Besuch kommt, kann an dem gemeindeübergreifenden Projekt „Salomonisches“ teilnehmen. Menschen aus der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Lindenthal, der Pfarrei St. Stephan sowie der Evangelischen Studierenden Gemeinde (ESG) lesen in diesen fünf Stunden aus dem Alten Testament (Prediger-Sprüche und Hoheslied) vor. Auch musikalisch wird das Thema „Salomonisches“ unter der Leitung von Ursula Döll, Kirchenmusikerin der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Lindenthal, umgesetzt. Es musizieren Arnd Sartor (Oboe), David Johnson (Violine) sowie Michael lrion (Shrutibox) und es singen Eva Bacher, Anja Barth, Ursula Döll, Ann-Katrin Gödde, Hedwig Groß-Bölting, Silvia Kuhn und Ela Thimme. Einlass ist jederzeit möglich. In den Pausen werden Getränke und Snacks angeboten. Es gilt die „3-G-Regel“ und Maskenpflicht. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

www.evangelisch-in-lindenthal.de

08.11.2021, 19:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Buchforst-Buchheim
Kreuzkirche-Buchheim, Wuppertaler Straße 21, 51067 Köln
Lesung aus dem Roman „Helenes Versprechen“
Autorinnenlesung in der Kreuzkirche

Die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Buchforst-Buchheim lädt am Montag, 8. November, 19 Uhr, zu einer Lesung in die Kreuzkirche, Wuppertaler Straße 21, ein. Der 3. Roman von Beate Rösler erzählt von der jüdischen Kinderärztin Helene Bornstein, die während der Nazi-Diktatur um das Leben jüdischer Weisenkinder kämpft. Das Buch beruht auf wahren Begebenheiten. Sebastian Kopplin und Bernd Spehl werden die Lesung musikalisch mit Musik jüdischer Komponisten begleiten. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Eine Anmeldung per E-Mail an g.klame@ekibubu.de oder per Telefon 0221/691888 ist erforderlich. Der Einlass erfolgt gemäß der „3-G-Regel“.

www.ekibubu.de

10.11.2021, 19:00
Evangelische Kirchengemeinde Porz
Lukaskirche, Porz-Mitte, Mühlenstraße 2, 51143 Köln
Gedenken an die Reichspogromnacht
Arbeitskreis „Kinder Abrahams“ lädt ein

An die menschliche Katastrophe der Reichspogromnacht im Jahr 1938 wird am Mittwoch, 10. November, 19 Uhr, in der Lukaskirche Porz, Mühlenstraße 2, gedacht. Zu der Gedenkfeier lädt der Arbeitskreis „Kinder Abrahams“ ein, in dem sich mehrere Religionsgemeinschaften zusammengeschlossen haben. Die Gedenkfeier findet unter dem Vorbehalt der dann gültigen Corona-Verordnung statt.

www.kirche-porz.de

Text: APK
Foto(s): APK

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Kirche2go fragt: Wofür gibt es Pfarrerinnen und Pfarrer?

„Jeder von uns ist eigentlich ein Priester oder eine Priesterin. Warum dann eigentlich Pfarrerinnen und Pfarrer? Wofür braucht man die eigentlich?“, fragt Pfarrer Nico Ballmann in „Kirche2go“. „Ich glaube, die große Erkenntnis aus der Reformation ist, dass wir Christinnen und Christen keinen Person brauchen, die uns vorsteht, dass wir keine Personen brauchen als Mittler zwischen Gott und uns, sondern dass jeder Mensch eine ganz eigene Beziehung zu Gott haben kann.“ Warum Pfarrerinnen und Pfarrer trotzdem wichtig sind, erklärt er in dieser Folge von „Kirche2go“.

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Der gesamte Text zum Nachlesen

Wofür braucht man eigentlich Pfarrerinnen und Pfarrer? Tja, die Bibel ist ein Buch – so einfach, dass es jedes Kind versteht, und so kompliziert, dass sich große Theologinnen und Theologen darüber streiten können: Das stimmt erst mal. Und ich glaube, die große Erkenntnis aus der Reformation ist, dass wir Christinnen und Christen keinen Person brauchen, die uns vorsteht, dass wir keine Personen brauchen als Mittler zwischen Gott und uns, sondern dass jeder Mensch eine ganz eigene Beziehung zu Gott haben kann und dass Gott auch diese Beziehung will zu jedem einzelnen Menschen. Das ist gut und richtig. Im Christentum spricht man da auch ganz häufig vom Priestertum aller Gläubigen. Jeder von uns ist eigentlich ein Priester oder eine Priesterin. Warum dann eigentlich Pfarrerinnen und Pfarrer? Wofür braucht man die eigentlich? Vielleicht ist es ab und zu ganz gut in seiner eigenen Gottesbeziehung sich Rat zu holen, dann wenn Texte vielleicht in der Bibel sehr kompliziert sind oder nicht so eindeutig. Die Tatsache, dass wir unglaublich viele Bibelübersetzungen haben im Deutschen, wo bestimmte Textpassagen plötzlich ganz anders klingen und eine ganz andere Richtung haben, deutet darauf hin, dass dieses Buch doch etwas komplexer ist, als wir uns das vielleicht gewünscht hatten. Daher ist es vielleicht ganz gut, dass es Menschen gibt, die sich im Studium lange damit beschäftigt haben diese Texte vernünftig auszulegen. Die Weggefährten sein können, auf einer Suche nach einer guten Gottesbeziehung und vor allen Dingen, die neben ihrem ganzen theologischen Wissen auch seelsorgerisch da sind, bereit stehen, ansprechbar sind, um wirklich in Situationen der Not, aber auch in Situationen des Zweifels da zu sein, als ein Vorbild im Glauben: Und das heißt nicht, dass Pfarrerinnen und Pfarrer plötzlich heiliger werden oder perfekte Menschen werden – um Gottes Willen, das sind wir natürlich nicht! Aber dass sie versuchen, das was Gott uns gelehrt hat, tatsächlich in ihrem Leben scheinen zu lassen und das heißt, dass wir Menschen fehlbar sind. Das heißt, dass es okay ist, wenn wir auch mal daneben treten und das heißt vor allen Dingen, dass wir transportieren sollen, was es heißt, angenommen zu sein. Deswegen sind, glaube ich, Pfarrerinnen und Pfarrer sehr wichtig, als Leitung mit einer Gemeinde, die eine Gemeinde auf den Weg führt, als theologische Beratung in schwierigen Fragen – und vor allen Dingen als Seelsorgerinnen und Seelsorger.

Nico Ballmanns Instagram-Account: @einschpunk // https://www.instagram.com/einschpunk/?hl=de

Text: APK
Foto(s): APK

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