Einführung von Pfarrerin Jennifer Scheier: Die Nähe Gottes als „besonderes Backup“

„Gott stattet uns mit dem aus, was wir gerade brauchen“, ist Superintendent Torsten Krall überzeugt und spricht damit auch Pfarrerin Jennifer Scheier aus der Seele. Die Theologin hielt zum vorigen Jahreswechsel Zwiesprache mit Gott, um herauszufinden, wo sie gebraucht wird, wo Gott sie, nach ihrem Probedienst im Bergisch Gladbacher Pfarrbezirk Heidkamp/Gronau, einsetzen möchte.

Ihr Weg führte sie nach dieser Zwiesprache Ende Mai zur evangelischen Kirchengemeinde Lindlar, wo sie nun offiziell mit einem Festgottesdienst in der Jubilate-Kirche in ihre Aufgaben als Pfarrerin eingeführt wurde. „Ich hatte mir den Frühsommer für den Wechsel gewünscht, um in Bergisch Gladbach noch die Konfirmation mitfeiern zu können. Ein sehr schöner Abschluss für meine Zeit dort“, berichtet die Theologin.

Pfarrer Torsten Krall erinnerte in seiner Ansprache an die Jugendzeiten von Jennifer Scheier, als der Heranwachsenden im Laufe ihres Konfirmandenunterrichts bewusst wurde, dass sie ihr Leben damit füllen möchte, etwas „für und mit den Menschen, aber auch für und mit Gott“ zu tun. Die Zuversicht auf die beständige Gegenwart Gottes sei lebensverändernd gewesen, blickt Jennifer Scheier selbst zurück.

2009, nachdem sie Abitur gemacht und ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem christlichen Tagungshaus in der Lüneburger Heide ableistet hatte, nahm sie schließlich ihr Theologie-Studium in Marburg, Berlin, Wuppertal, Bochum und Bonn auf. Ihr Vikariat führte sie zur Evangelischen Brückenschlag-Gemeinde Köln Flittard/Stammheim, ihr Probedienst nach Bergisch Gladbach zur „Kirche zum Frieden Gottes“. Nun wird sie in Lindlar ihren Dienst tun und hofft, mit ihrer Familie in der Gemeinde Wurzeln zu schlagen.

„Wir müssen es nicht alleine schaffen“

„Wir sind gespannt, wohin euer gemeinsamer Weg dich und die Gemeinde führen wird“, sagte Superintendent Torsten Krall. „Wir finden es als Kirche gut, dass nun hier dein Platz ist und werden dich nach Kräften unterstützen“, sicherte er ihr zu. Die Frage, wie ihre Aufgaben in der Lindlarer Gemeinde aussehen werden, findet auch Jennifer Scheier spannend: „Ich bin aktuell dabei, zu schauen, wo ich gebraucht werde, welchen Bedarf es gibt. Und ich beginne, Netzwerke zu knüpfen, um die Menschen in der Gemeinde kennenzulernen und Dinge gemeinsam auf den Weg zu bringen.“ So stellte sie sich bei vielen jungen Gemeindegliedern mit einer „School’s out“-Party vor den Sommerferien sowie einer Postkartenaktion vor. „Die Jugendlichen fanden diese persönliche Ansprache toll“, hat sie zu ihrer Freude als Rückmeldung bekommen.

„Diene der Gemeinde mit Liebe und Treue“ und „Achte auf die Herde Gottes“ – diese beiden Sätze gehörten zu den Voten und Segenswünschen, die Pfarrerin Scheier im Festgottesdienst mitgegeben wurden. Aufgaben und eine Berufung, der sich die Theologin gerne stellt. Jedoch mit einem realistischen Blick auf die eigene Person, wie sie in ihrer Predigt einräumte: „Ich werde sicherlich auch mal Erwartungen enttäuschen – nicht ich bin die Kraftquelle, sondern Gott. In solchen Situationen sollten wir darauf schauen, was wir miteinander bewegen können. Gott lebt und wirkt in der Gemeinschaft.“ Dieses „mit Gott“, ihr ganz besonderes „Backup“ im Leben, ist etwas, das ihr stets Halt gibt, betont die Pfarrerin und sagt: „Ich kann alles, auch alles aushalten. Aber nur durch den, der mich stark macht! Wir müssen es nicht alleine schaffen.“

Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl

Der Beitrag Einführung von Pfarrerin Jennifer Scheier: Die Nähe Gottes als „besonderes Backup“ erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Telefonseelsorge Köln: Ehrenamtler dringend gesucht

„Ich will so nicht mehr leben. Es hat keinen Zweck mehr. Wenn ich morgen nicht aufwachen würde, wäre endlich alles vorbei.“ Solche Gedanken können Menschen in den Sinn kommen, wenn sie sich in einer ausweglosen, quälenden Lage sehen. Nichts scheint sich ändern zu lassen. Dorit Felsch, Leiterin der Evangelischen Telefonseelsorge Köln, spricht von einem „Tunnelblick“. Damit sich der Blick wieder „weiten“ könne, helfe oft das Gespräch mit jemandem, mit dem sich ausführlich über das Problem „in seiner ganzen Schwere“ reden lasse.

In diesem Sinne wurde 1956 in Berlin die „Ärztliche Lebensmüdenbetreuung“ gegründet, aus der die Telefonseelsorge in Deutschland hervorging. Anlässlich des Welt-Suizid-Präventionstags (10. September) zogen Pfarrerin Dorit Felsch und Annelie Bracke, Leiterin der Katholischen Telefonseelsorge Köln, für dieses Jahr eine Zwischenbilanz der Arbeit beider Stellen, die eng kooperieren, und wiesen darauf hin, dass dringend neue ehrenamtliche Kräfte gesucht werden.

Telefonseelsorge wichtig als Teil der Suizidprävention

Im ersten Halbjahr seien insgesamt 13 000 Anrufe eingegangen, das heißt, so wie im Vorjahr etwa 70 pro Tag, teilten die Leiterinnen mit. In zehn Prozent der Gespräche sei das Thema Suizidalität zur Sprache gekommen. Allerdings seien es „absolute Einzelfälle“, wenn jemand gleichsam „schon auf der Brücke steht“, betonte Dorit Felsch. Meistens gehe es darum, dass Belastungen der Anrufer und Anruferinnen Suizidgedanken ausgelöst hätten. „In dieser Phase ist Telefonseelsorge wichtig als Teil der Suizidprävention.“

Es liege eine lange Zeitspanne zwischen den ersten Gedanken und dem „akuten Entschluss“ – eine Spanne, in der sich helfend eingreifen lasse. Zwar könnten verhinderte Suizide nicht statistisch erfasst werden, doch Rückmeldungen zeigten, dass die Gespräche am Telefon großen Nutzen hätten. Als Beispiel erwähnte Felsch eine Frau, die sich im Namen ihrer – inzwischen an einer Krankheit gestorbenen – Schwester gemeldet habe, um dafür zu danken, dass die jahrelange Begleitung durch die Telefonseelsorge diese vom Suizid abgehalten habe.

Ängste beherrschendes Thema der Gespräche

Nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs wurden Ängste zum beherrschenden Thema der Gespräche. „Ängste, die das eigene Leben betreffen, spielen weiterhin eine große Rolle, aber sie werden aktuell kaum noch im Zusammenhang mit dem Krieg benannt“, sagte Bracke. Deutlich zugenommen hätten auch Stress und emotionale Erschöpfung. Unter dem Einfluss der Corona-Pandemie dominierten im vorigen Jahr die Themen Einsamkeit und depressive Stimmungen; sie sind immer noch häufig Thema der Gespräche. Alles in allem sei zu beobachten, dass „die innere Anspannung steigt“, so Annelie Bracke. Felsch sprach davon, dass bei vielen Menschen „die Reserven aufgebraucht“ seien. Dies sei möglicherweise ein Grund, warum die Resonanz auf Aufrufe zur ehrenamtlichen Mitarbeit in diesem Jahr geringer als sonst ist. „Aber das ist Spekulation.“

Bei der katholischen Stelle nehmen 70 ehrenamtlichen Kräfte die Anrufe entgegen, bei der evangelischen sind es 20 mehr. Diese konnte 2021 zwei Ausbildungskurse parallel stattfinden lassen, weil sich besonders viele Interessenten gemeldet hatten. Seit einigen Monaten verfügt sie über zwei Leitungen, sodass die Dienste teilweise doppelt besetzt werden können. Damit wird die Erreichbarkeit gesteigert. Aus gutem Grund: Das telefonische Seelsorge-Angebot rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr ist so gefragt, dass die Anrufer und Anruferinnen damit rechnen müssen, erst nach mehreren Versuchen durchzukommen.

„Es ist ein großartiges Feld von Kirche“

Dorit Felsch leitet die Evangelische Telefonseelsorge seit fünfeinhalb Jahren. „Es ist ein großartiges Feld von Kirche“, sagt sie. Die Vielfalt von Menschen und Themen sei „riesig“. Im Umgang mit den ehrenamtlichen Kräften verstehe sie sich als „Seelsorgerin der Seelsorger“. Zwar seien die Telefonseelsorge-Stellen kirchliche Einrichtungen, doch mit ihrer psychosozialen Versorgung erfüllten sie eine „grundlegende gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.

Der nächste Ausbildungskurs der Evangelischen Telefonseelsorge Köln beginnt im Januar 2023. Es werden Männer und Frauen gesucht, die sich für andere Menschen interessieren und sich auf sie einstellen können. Sie sollten belastbar sein, ihre eigenen Grenzen kennen und in der Lage sein, mit Krisen umzugehen. Etwa ein Jahr lang werden sie ausgebildet und während ihrer folgenden Tätigkeit weiter begleitet und qualifiziert. Neben der fachlichen Weiterbildung spielen auch spirituelle Angebote und die Gemeinschaft der Mitarbeitenden eine wichtige Rolle. Der monatliche Einsatz beträgt etwa 15 Stunden; dazu gehören regelmäßige Nachtdienste.

Evangelische Telefonseelsorge Köln, Postfach 25 01 04, 50517 Köln, Tel. 0221/31 71 59, telefonseelsorge.kirche-koeln@ekir.de, www.telefonseelsorge.koeln

Text: Clemens Schminke
Foto(s): Clemens Schminke

Der Beitrag Telefonseelsorge Köln: Ehrenamtler dringend gesucht erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Fazit zum großen Tauffest am Rhein: Diversität, Gänsehautmomente und Festivalstimmung

„Vielfalt feiern“: 196 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben sich beim großen evangelischen Tauffest auf der Rheinwiese am Tanzbrunnen im August taufen lassen und zusammen mit rund 3.100 Gästen ihre Taufe gefeiert. Miriam Haseleu, Pfarrerin in Köln-Nippes und Initiatorin und Projektleitung des Tauffests am Rhein, und die Pfarrerinnen und Mit-Organisatorinnen Johanna Kalinna und Caroline Schnabel ziehen ein positives Fazit des Tauffests am Rhein:

Frau Haseleu, Frau Kalinna und Frau Schnabel, wie haben Sie das Tauffest erlebt?

Miriam Haseleu.

Miriam Haseleu: Ich habe das Tauffest wie ein Festival erlebt, bei dem alle gemeinsam gefeiert haben. Das Konzept hat gut funktioniert. Für mich war ein wichtiger Faktor, dass alle Gemeinden zusammengearbeitet haben. Alle, die das Tauffest mit vorbereitet haben, hatten ihre Rollle und ihren Part: Man kann sagen – die Zahnräder haben ineinander gegriffen.

Johanna Kalinna: Ich habe hinterher auch gedacht, dass wir es lieber Tauffestival als Tauffest genannt hätten (lacht). Wir haben im Vorhinein viel überlegt, wie es sein wird, wenn mehr als 3.000 Menschen zum Tauffest zusammen kommen. Es war dann eine unfassbare Atmosphäre und eine richtiggehend elektrisierende Stimmung. Die Menschen haben Wimpelketten aufgehängt, ihre Picknickdecken ausgepackt und es standen schöne Weingläser neben veganen Snacks. Ich kann es schwer in Worte fassen, aber das Tauffest wirkt immer noch in mir nach – mit seiner Vielfältigkeit, der Diversität auf der Bühne und vor der Bühne, mit den Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen, die sich in den Armen lagen, mit den Kindern, die getanzt haben. In die Gesichter der Menschen beim Tauffest zu sehen, war sehr bewegend.

Caroline Schnabel.

Caroline Schnabel: Ich fand es großartig, weil unsere Idee „Vielfalt feiern“ total aufgegangen ist. Es waren viele Menschen da, für die der Zugang zu Kirche aus den unterschiedlichsten Gründen schwieriger ist. Sie konnten Kirche als offenen Ort erleben. Auf den Fotos strahlen alle, und man sieht lauter fröhliche Menschen – lachende Kinder und Erwachsene. Das war total berührend.

Würden Sie das Tauffest als Erfolg bezeichnen?

Miriam Haseleu: Man kann es als Erfolg bezeichnen, weil mehrere Instanzen miteinander gearbeitet haben und wir die Ziele, die wir hatten, umgesetzt haben. Ich weiß, dass viele, die daran mitgewirkt haben, die Frage ähnlich beantworten würden. Es war ein gelungenes Fest, das wir gemeinschaftlich gefeiert haben. Insofern: Ja, es war ein Erfolg. Und so darf es auch weitergehen: Es darf etwas daraus folgen, es darf wachsen und es darf ganz deutlich werden, wofür wir als evangelische Kirche stehen: Wir sind eine offene Gemeinschaft.

Caroline Schnabel: Bei dem Fest wurden natürlich auch einzelne Entscheidungen gefällt, die man vielleicht auch anders hätte treffen können. Deswegen evaluieren wir auch intern und extern die Veranstaltung im Nachhinein. Wir haben sehr viel gelernt für ähnliche oder andere Veranstaltungen. Das, was wir uns erträumt haben – ein großes, miteinander verbundenes Team mit Verantwortungen über Gemeindegrenzen hinaus – hat genauso stattgefunden. Was wir von daher als Erfolg mitnehmen können: Wir, als evangelische Gemeinschaft in Köln, können so ein Fest auf die Beine stellen und gut zusammen arbeiten!

Johanna Kalinna.

Johanna Kalinna: Ein Fest dieser Größenordnung mit der Überschrift „Diversität“, bei dem fast 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit mehr als 3.000 Gästen getauft wurden – das hat nur funktioniert, weil viele Menschen für das Konzept eingestanden sind. Wir haben die Menschen angesprochen.
  
Miriam Haseleu: Dass wir die Organisation und Vorbereitung in einem großen Team gemacht haben, fand ich sehr besonders. Es wäre schön, so öfter zu arbeiten.

Wünschen Sie sich mehr Diversität in der Kirche?

Johanna Kalinna: Ich wünsche mir, nicht nur beim Tauffest Vielfalt abzubilden – Menschen mit Migrationshintergrund, eine sexuelle Vielfalt, Vielfalt der Milieus und des sozialen und finanziellen Status – sondern generell zu überlegen, wie können wir Kirche vielfältiger gestalten? Wo können wir kritisch hinschauen? Wer hat in der Organisation Kirche eine Stimme? Wer taucht dort wo auf? Wie gelangen wir auf allen Ebenen zu mehr Diversität?

Caroline Schnabel: Ich finde es ganz wichtig, dass sich Kinder mit den unterschiedlichsten Hintergründen in Kirche wiedererkennen können.

Miriam Haseleu: Für mich ist es auch wichtig, dass Diversität positiv besetzt ist. Auf der Bühne des Tauffests sind alle Lebensweisen und sexuellen Orientierungen usw. aufgetaucht und konnten so die gesellschaftliche Realität ein bisschen abbilden. Man kann sich hierbei natürlich auch fragen: Welche Zuschreibungen nutzen wir für wen? Können wir das aufbrechen? Vielleicht fängt wahre Diversität dann an, wenn wir die ganzen Zuschreibungen und damit auch Schubladen nicht mehr brauchen… Aber wir haben noch einen Weg vor uns, so dass wir vorerst Zuschreibungen benötigen. Ich möchte Vielfalt positiv stärken und ich denke, an der Stelle ist uns ein wichtiger Schritt gelungen.

Woran haben Sie das beim Tauffest festgemacht?

Miriam Haseleu: Vielleicht nur ein kleines Beispiel: Dass Gebärdensprache als eigene Sprache durchgängig auf der Bühne sichtbar war, und ganz selbstverständlich auch zur Musik gebärdet wurde.

Was haben Sie für Rückmeldungen von den Teilnehmenden bekommen?

Johanna Kalinna: Wir befinden uns derzeit noch in der Auswertungsumfrage. Ich denke beispielsweise gerne an meine Begegnung mit einem Taufvater, so Anfang 30, zurück, der gar nicht wusste, dass ich das Fest mitorganisiert habe, weil ich gerade am Aufräumen war. Er hat von der Atmosphäre geschwärmt und war total begeistert. Süß war auch das WDR5-Interview mit einem kleinen Jungen, der sagte: „An irgendwas muss man ja glauben, und das hier ist eine ziemlich gute Sache, an die man glauben kann!“

Caroline Schnabel: Viele haben gesagt, dass es sehr berührend war. Ich habe in den Gesichtern ganz viel Begeisterung wahrgenommen. Es war super heiß, trotzdem haben alle gestrahlt und waren super fröhlich.

Miriam Haseleu: Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran zurück denke, wie ich über den Platz gelaufen bin. Die Band war super, alle haben getanzt, es war eine leichte und fröhliche Ansprache, und die Stimmung backstage war auch toll. Die Lieblingsfotos der Menschen waren übrigens die Flaschen mit dem Rheinwasser (lacht). Ich bin froh, dass die Veranstaltung in der Form möglich war – mit den vorherigen Workshops, den Kontakten zu den Tauffamilien und der gesamten Projektstruktur.

Text: Frauke Komander
Foto(s): APK

Der Beitrag Fazit zum großen Tauffest am Rhein: Diversität, Gänsehautmomente und Festivalstimmung erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Büro Drei60“ berät bei Fragen in der Familie: Neues Angebot für Dellbrück und Holweide

Stress in der Familie? Wohin bei all den Schulden? Wie soll ich das noch schaffen? Mit diesen Fragen können sich Familien aus Köln-Holweide und Köln-Dellbrück ab sofort an das „Büro Drei60“ wenden. „Büro Drei60“ heißt es, weil wie bei einem 360-Grad-Rundumblick alle Themen in den Blick genommen werden: Erziehungsfragen und Beziehungsprobleme, Mediennutzung und Schulverweigerung, Schulden und Sucht und vieles mehr.

Beratung ist kostenlos und vertraulich

Das Diakonische Werk Köln und Region stellt das neue Angebot im Auftrag des Jugendamtes für Dellbrück und Holweide zur Verfügung. Das Projekt begleiten in wechselnder Besetzung drei erfahrene Fachkräfte des Fachdienstes „Kinder, Jugend und Familie“: Claudio Di Matteo Gareis, Meike Sauerbier und Stefan Häuser.

Die Beratung ist kostenlos und vertraulich. Sprechstunden sind jeden Dienstag von 15 bis 18 Uhr im Erdgeschoss der Gerhart-Hauptmann-Straße 41, Köln-Holweide.

Text: Martina Schönhals
Foto(s): Diakonisches Werk

Der Beitrag „Büro Drei60“ berät bei Fragen in der Familie: Neues Angebot für Dellbrück und Holweide erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Kirche2go fragt: Was steckt hinter dem Wort Kirche?

Kirche2go fragt: Was steckt hinter dem Wort Kirche? Woraus hat sich das Wort „Kirche“ entwickelt? Und was wird alles darunter verstanden? Pfarrerin Laura Kadur fängt bei der Bedeutung von verschiedenen altgriechischen Wörtern an – und kann so die Bedeutung des „Wortes“ Kirche herleiten. Alles über das Wort „Kirche“ und was das mit der „Kirche des Wortes“ zu tun hat, erfahren Sie in dieser Kirche2go-Folge.

Weitere Videos? Dann abonnieren Sie unseren Youtubekanal: www.youtube.com/kirchekoeln

Hier der Text zum Nachlesen:

Was bedeutet eigentlich Kirche? Die Kirche ist erst mal nur eine Organisation einer Glaubensgemeinschaft. Das Wort „Kirche“ kommt ursprünglich aus dem Altgriechischen von „Kyriakon“, das heißt Gotteshaus. Das ist dann in Mitteleuropa eingewandert, durch verschiedene Stadien unserer Sprache gerutscht und ist schlussendlich zu diesem letzten Wort „Kirche“ geworden: Kirche als Organisation einer Glaubensgemeinschaft. Davon zu unterscheiden allerdings ist: die glauben und die dem Glauben angehören, das würde man im Griechischen mit „Ecclesia“, also der Glaubensgemeinschaft übersetzen. Also Kirche und Glaubensgemeinschaft. Wir verbinden Kirche eigentlich nur mit dem Christentum, also römisch-katholisch, evangelisch, orthodox. Das ist das, was wir Kirche nennen. Und wir kennen natürlich auch die Gebäude, also die Kirchen. Wir haben irgendwann angefangen, uns zu versammeln und das in Häusern zu tun, die wir größer oder kleiner bauen, je nachdem. Kirche ist ein weltumfassender Begriff, würde ich sagen. Im Glaubensbekenntnis kommt es auch noch mal vor: „Ich glaube an die eine Heilige Christliche Kirche.“ Das heißt, dass sie heilig ist, dass sie mit zu dieser ganzen Gottesbeziehung gehört, dass sie eine Gemeinschaft ist, die ganze Welt umspannend und dass wir halt Christinnen und Christen sind. Im Evangelischen ist es so, dass wir, wir sagen das immer so ein bisschen salopp, eine „Kirche des Wortes“ sind. Das beruht darauf, dass wir uns verlassen auf das Wort von Jesus Christus, der uns zugesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“ Und es liegt auch daran, dass wir die Bekenntnisse haben in der Kirche, die uns quasi zusammen bringen, die uns verfassen miteinander, und das bringt uns eigentlich dazu zu sagen: Kirche, Geschöpf des Wortes, es bleibt, es dauert an. Jesus Christus ist derjenige – für uns Evangelische – der seine Kirche baut und auch erhält und das ist die Kirche.

Text: Frauke Komander
Foto(s): APK

Der Beitrag Kirche2go fragt: Was steckt hinter dem Wort Kirche? erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Unsere Wochentipps: Deutsch-ukrainisches Benefinzkonzert und „Ensemble for Future“

Es wird herbstlich, unsere Wochentipps laden ein: Es gibt die Revue über Beziehungskisten und andere Katastrophen „Liebe, Stress und Übermut“, ein deutsch-urkainisches Benefizkonzert mit Popsongs und traditionellen ukrainischen Liedern in der Stephanuskirche, ein Mitsingkonzert im Rahmen der Kölner Demenzwochen „Kölsche Lieder, auch mal hochdeutsch“. Außerdem finden die Amtseinführung von Pfarrer Johannes Vorländer und der Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Rüdiger Penczek statt. Das „Ensemble for Future“ widmet sich den emotionalen Auswirkungen der Klimakrise in der Trinitatiskirche und das Ökumenische Gespräch wird „Künstliche Intelligenz“ thematisieren.

Die Termine in der Übersicht:

24.09.2022, 19:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Deutz/Poll
Evangelischen Familien- und Gemeindezentrum „Mittendrin“ Deutz, Mathildenstraße 32-35, 50679 Köln
„Liebe, Stress und Übermut“
Eine Revue über Beziehungskisten und andere Katastrophen

Das Ensemble 1517 Köln präsentiert sein neues musikalisches Programm „Liebe, Stress und Übermut“ und feiert am Samstag, 24. September, 19 Uhr, Premiere im Evangelischen Familien- und Gemeindezentrum „Mittendrin“ Deutz, Mathildenstraße 32-35. Uwe Melchert und Gerrit Pleuger führen eine Revue über Beziehungskisten und andere Katastrophen auf. Der Eintritt kostet 16 Euro, ermäßigt 11 Euro. Kartenreservierungen können unter Telefon 0163/6696714 oder per E-Mail an uwe.melchert@web.de erfolgen.

24.09.2022, 19:30
Trinitatiskirche
Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln
Emotionale Auswirkungen der Klimakrise
Konzert mit dem „Ensemble for Future“

Das „Ensemble for Future“ widmet sich mit seinem Programm „Earthrise“ zum vierten Mal der komplexen Thematik des Klimawandels und beleuchtet musikalisch die emotionalen Auswirkungen auf den Einzelnen. Am Samstag, 24. September, 19.30 Uhr, bringt das Ensemble unter der Leitung von Nico Köhrs in der Trinitatiskirche, Filzengraben 4, von Alec Roth „Earthrise“ und von Wolfgang Amadeus Mozart (Requiem KV 626) zu Gehör. Ausführende sind Marina Schuchert (Sopran), Sarah-Léna Winterberg (Alt), Leon Wepner (Tenor) sowie Michael Krinner (Bass). Der Eintritt ist frei, das Programm „Neustart Kultur“ des Landes NRW gefördert.

www.trinitatiskirche-koeln.de

25.09.2022, 11:00
Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein
Kreuzkirche Buchheim, Wuppertaler Straße 21, 51067 Köln
Amtseinführung von Pfarrer Johannes Vorländer und Feier des Erntedankfestes
Gottesdienst mit Superintendent Torsten Krall in der Kreuzkirche Buchheim

Der Evangelische Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch lädt zur Einführung von Pfarrer Johannes Vorländer in sein Amt als Inhaber der 2. Pfarrstelle in der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein ein. Der Gottesdienst findet am Sonntag, 25. September, 11 Uhr, in der Kreuzkirche Buchheim, Wuppertaler Straße 21a, statt. 51067 Köln-Buchheim. Die Amtseinführung übernimmt Pfarrer Torsten Krall, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch. Im Gottesdienst wird auch das Erntedankfest, vorbereitet und gestaltet von Pfarrer Johannes Vorländer und der Kita „Kleine Arche“, gefeiert.

www.ekibubu.de

25.09.2022, 11:00
Evangelische Kirchengemeinde Wesseling
Apostelkirche, Antoniusstraße 8, 50389 Wesseling
Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Rüdiger Penczek
Wechsel von Wesseling an den Niederrhein

Ende September wird Pfarrer Rüdiger Penczek die Evangelische Kirchengemeinde Wesseling verlassen, um in der Evangelischen Kirchengemeinde Spellen-Friedrichsfeld neue Aufgaben zu übernehmen. Die Gemeinde verabschiedet Pfarrer Rüdiger Penczek in einem Gottesdienst am Sonntag, 25. September, 11 Uhr, in der Apostelkirche Wesseling, Antoniusstraße 8. lm Anschluss an den Gottesdienst sind alle zu Gespräch und Begegnung bei Kaffee, Tee und deftigen Happen, eingeladen.

www.evangelisch-wesseling.de

25.09.2022, 17:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln Niehl-Riehl
Stephanuskirche, Brehmstraße 6, 50735 Köln
Chorgipfel – ein deutsch-urkainisches Benefizkonzert
Popsongs und traditionelle ukrainische Lieder erklingen in der Stephanuskirche

Die Evangelische Kirchengemeinde Köln Niehl-Riehl lädt am Sonntag, 25. September, 17 Uhr, zu einem deutsch-urkainischen Benefizkonzert in die Stephanuskirche, Brehmstraße 6, ein. Die Chöre, die in der Gemeinde proben und aktiv sind geben gemeinsam mit dem Deutsch-Ukrainischen Chor Köln und Madame Kurasch präsentieren Ausschnitte aus ihren aktuellen Repertoires mit zeitgenössischen Kompositionen, Popsongs und Bearbeitungen traditioneller ukrainischer und deutscher Lieder. Der Eintritt zum Chorgipfel ist frei, um Spenden wird gebeten.

www.ev-kirche-niehl-riehl.de

26.09.2022, 14:30
Evangelische Hoffnungsgemeinde im Kölner Norden
Stadtkirche Chorweiler, Pariser Platz 32, 50765 Köln
Mitsingkonzert im Rahmen der Kölner Demenzwochen
„Kölsche Lieder, auch mal hochdeutsch“

„Kölsche Lieder, auch mal hochdeutsch“ ist der Titel eines Mitsingkonzerts mit Monika Kampmann und Ingrid Ittel-Fernau am Montag, 26. September, 14.30 Uhr bis 15.30 Uhr, in der Stadtkirche Chorweiler, Pariser Platz 32b. Das Konzert findet im Rahmen der Kölner Demenzwochen statt. Zum Ausklang gibt es Snacks und Infos vom Demenznetz Kölner Norden. Der Eintritt ist frei.

27.09.2022, 19:30
Evangelische Christusgemeinde Brauweiler-Königsdorf
Christuskirche Königsdorf, Pfeilstraße 40, 50226 Frechen-Königsdorf
„Künstliche Intelligenz“ ONLINE
Ökumenisches Gespräch in der Christuskirche

Das Ökumenische Gespräch am Dienstag, 27. September, 19.30 Uhr, im Gemeindezentrum Christuskirche, Pfeilstraße 40, lädt zu einem kritischen Diskurs über die Entwicklungen „Künstlicher Intelligenz“ und ihrer Bedeutung für das Zusammenleben ein. Die Veranstaltung in Form von Vorträgen finden in Präsenz statt. Auch eine Teilnahme per Zoom ist möglich. Die Einwahldaten finden sich auf der Webseite www.evangelische-christusgemeinde.de. Die Teilnahme kostet 5 Euro.

www.evangelische-christusgemeinde.de

Text: APK
Foto(s): APK

Der Beitrag Unsere Wochentipps: Deutsch-ukrainisches Benefinzkonzert und „Ensemble for Future“ erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Diakoniespende: Jugendhaus Treffer sagt Danke für mehr als 100.000 Euro Spenden

Dreirädrig, umweltfreundlich, kurz gesagt: ein Hingucker: Das Team des Buchheimer Jugendhauses TREFFER hatte sich schon länger ein E-Tuk  gewünscht, um auch die Jugendlichen im Stadtteil zu erreichen, die den TREFFER noch nicht kennen. Dank der Diakoniespende 2021/2022 konnte das elektrisch betriebene Gefährt nun angeschafft werden. Die Vorfreude war groß, die Freude nun sogar noch größer. Kristina Kilders und Lutz Gebhard vom Leitungsteam sind begeistert: „Das wird wunderbar!“ Sie haben große Pläne: Ist das E-Tuk da, wird es ausgebaut und dann, versehen mit dem TREFFER-Logo „Gut drauf – Love Life“, Teil der Arbeit im Stadtviertel sein.

Neues Inventar für die Räume

Volle Fahrt voraus: Denn die Diakoniespende hat noch deutlich mehr bewirkt. Mit der Anschaffung des E-Tuks für 16.000 Euro und dem Ausbau, der  rund 4.000 Euro kosten wird, ist der Spendenbetrag nämlich noch längst nicht ausgeschöpft. Insgesamt – dank der vielen spendenfreudigen Menschen –  sind 51.250 Euro zusammengekommen, die, verdoppelt durch den Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, die beindruckende Summe von  102.500 Euro ergeben.

„Wir sind sehr glücklich, dass die Diakoniespende so gut gelaufen ist. Mit dem Geld können wir einige unserer erfolgreichen Projekte weiterführen“, freut  sich Kristina Kilders. Es habe gutgetan, in den vergangenen Monaten so viel Wertschätzung zu spüren und auch noch einmal über Buchheim hinaus  stärker wahrgenommen zu werden, stimmt Lutz Gebhard zu.

Kristina Kilders erzählt begeistert: „Einen Teil des Geldes werden wir in unser Inventar stecken und neue Tische und Stühle anschaffen.“ Der Weg ist  geebnet: Sie können nun auch mit Vollgas die Hilfe zur Berufsorientierung fortführen, die seit einiger Zeit sehr erfolgreich in Kooperation mit den Schulen stattfindet. Zudem soll es weitere Projekte zur Demokratiearbeit mit Jugendlichen geben, denn Partizipation ist ein wichtiges Anliegen der Arbeit des  TREFFERS. „Und wir möchten Fachstunden externer pädagogischer Kräfte mit dem Geld finanzieren. Da sind wir aber noch in der Planung“, erklärt Kristina Kilders.

„Wir sind dankbar für Ihre und eure Unterstützung, das Netzwerk und die Ideen. Damit und durch die großartigen neuen Möglichkeiten, die das gut  gefüllte Spendenkonto bietet, gelingt es uns gemeinsam, den Jugendlichen wertvolle Erfahrungen, tolle Erlebnisse und eine großartige Zeit zu   ermöglichen“, bedanken sich Kristina Kilders und Lutz Gebhard für die Diakoniespende 2021/2022.

Text: Katja Pohl/APK
Foto(s): Matthias Pohl

Der Beitrag Diakoniespende: Jugendhaus Treffer sagt Danke für mehr als 100.000 Euro Spenden erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Die Kunst, ganz einfach da zu sein: Seelsorge-Ausbildungskurs für Ehrenamtliche

Bei dem Stichwort „Seelsorge“ denken wohl die meisten an Profis, also Pfarrerinnen und Pfarrer – doch auch ehrenamtlich Mitarbeitende können mit Grenzsituationen konfrontiert werden. Dann ist es gut, das nötige Handwerkszeug zu haben, um anderen beistehen zu können und dabei selbst an Leib und Seele gesund zu bleiben. Deshalb bot der Evangelische Kirchenverband Köln und Region für diese Zielgruppe in Kooperation mit der Melanchthon-Akademie einen Ausbildungskurs Seelsorge an. Dieser wurde von Pfarrerin Dagmar Schwirschke und Pfarrer Karsten Leverenz geleitet.

„Seit ich zurückdenken kann, werde ich immer wieder von Menschen angesprochen, werden mir Dinge anvertraut und mir Vertrauen entgegengebracht. Ich sehe das nicht als Bürde, sondern überlege immer, wie ich helfen kann. Viele Schicksale gehen mir aber auch deutlich unter die Haut. Um Gespräche besser leiten zu können und eigene Grenzen zu setzen, dabei sollte mir die Ausbildung helfen“, beschreibt Susanne Paust ihre Motivation, an dieser anspruchsvollen und zeitintensiven Weiterbildung teilzunehmen.

Grundlagen der Seelsorgearbeit

Zu den Unterrichtsgegenständen zählten neben der kommunikativen Kompetenz auch das Reflektieren der eigenen Werte, rechtliche und psychologische Grundlagen der Seelsorgearbeit sowie der Umgang mit Tod und Trauer, Leiderfahrung, Schuld und Vergebung.

Kursteilnehmerin Susanne Paust erklärt: „Ich musste mich auch mit mir und meiner eigenen Geschichte auseinandersetzen. Das führte zur Erkenntnis, dass ich mit meinem Lebensbrüchen genau dieser Mensch geworden bin, um Empathie zu empfinden.“ Sie wird ihre neu gewonnenen Kompetenzen in den Sozial-Betrieben Köln (SBK) Riehl einsetzen, wo sie mit demenzerkrankten älteren Menschen arbeiten wird.

Mit einem Gottesdienst in der Kartäuserkirche ging die intensive Zeit des gemeinsamen Lernens zu Ende. In seiner Predigt warf Karsten Leverenz einen Blick auf die bekannte Geschichte von Maria und Marta (Lukas 10, 38 – 42). Er lud dazu ein, diesen Text „ohne Wertung“ zu hören und stellte die Zuordnung aktiv (Marta) und passiv (Maria) in Frage. Aktives Zuhören beschrieb er als „leibliche Aufgabe“. Ein Wort brauche Hörer und Hörerinnen, um wirksam zu sein. Darum sei es wichtig, immer wieder „in Resonanz zu gehen“ und einfach da zu sein im Hier und Jetzt.

Gutes Verhältnis zwischen Empathie und Distanz

Sehr ähnlich sieht auch Frank Bertholt seine Aufgabe als ehrenamtlicher Gefängnisseelsorger: „Als Seelsorger möchte ich ‚Resonanzkörper‘ sein und die Bedürfnisse der Gefangenen erfahren. Im Gefängnis ist eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre leicht erreichbar, da die Begegnungen im 1:1-Format und ohne Aufpasser stattfinden. Empathie und angemessene Distanz – beim ,Sie‘ bleiben, Instrumentalisierungen nicht nachgeben – sollten in einem guten Verhältnis stehen. Die Äußerungen der Gefangenen werden nicht bewertet. Zuhören und Sensibilität entwickeln für die Botschaften der Gefangenen betrachte ich als meine Aufgaben.“ Manchmal braucht es allerdings gar keine Worte, um anderen Menschen beizustehen, so die Erfahrung von Alexandra Hortmann: „Ich bin viel im Seniorenbereich tätig, Berührungen habe ich da auch als sehr wichtig empfunden. Ein persönlicher Händedruck öffnet manchmal eine Tür und entlastet die Seele.“

Nach der Übergabe der Urkunden durch Superintendent Torsten Krall wartete noch ein Empfang auf die Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen, die sich nun gut gerüstet an die Arbeit in ihren verschiedenen Aufgabenbereichen machen können. Der nächste Ausbildungskurs Seelsorge beginnt im Februar 2023. Informationen gibt es unter www.ehrenamt.kirche-koeln.de

Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke

Der Beitrag Die Kunst, ganz einfach da zu sein: Seelsorge-Ausbildungskurs für Ehrenamtliche erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Ehrenamt ist eine Herzensangelegenheit“ – 22. Ehrenamtspreis „KölnEngagiert“ verliehen

Zum 22. Mal wurde jetzt der Ehrenamtspreis der Stadt Köln „KölnEngagiert“ verliehen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker und die diesjährige Ehrenamtspatin, die Moderatorin Laura Wontorra, zeichneten die Preisträgerinnen und Preisträger im Historischen Rathaus aus. Eingebettet war die Preisverleihung in den Ehrenamtstag 2022, der mit einem bunten Fest auf dem Kölner Heumarkt und auf dem benachbarten Alter Markt gefeiert wurde.

Zu den Preisträgern zählt der Kölner Künstler Cornel Wachter. Er gehört – neben weiterem Engagement – seit langem zu den Unterstützern des Vringstreff, Begegnungs- und Beratungsstelle sowie Restaurant für Wohnungslose, das sich direkt hinter der Kirche St. Severin befindet und von Hans Mörtter, bis vor kurzem Pfarrer an der Lutherkirche, mitinitiiert wurde. Mörtter und Pfarrer Mathias Bonhoeffer von der Kartäuserkirche sind auch im Vorstand des Vringstreff e.V. Wachter ist zudem Gründungsmitglied im „Club der offenen Herzen“, der sich seit 20 Jahren für Obdachlose in Köln engagiert.

Cornel Wachter sorgt immer wieder mit besonderen Aktionen für Aufmerksamkeit, die dem Vringstreff öffentliche Wahrnehmung und in der Folge oft neue Unterstützung bescheren. So lud er einmal den früheren Gitarristen der Band Genesis, Steve Hackett, zu einem Besuch ein. Er organisiert zudem immer wieder Lesungen mit prominenten Autoren wie Frank Schätzing und hat auch dafür gesorgt, dass seit 15 Jahren jedes Kölner Dreigestirn den Vringstreff während seiner Amtszeit besucht.

Motiviert zu seinem Engagement hat den 1961 Geborenen das Vorbild seines Vaters, der wie schon der Großvater Arzt am „Klösterchen“, dem Krankenhaus der Augustinerinnen in der Kölner Südstadt war. Der Vater habe immer einen „Heiermann“, ein Fünf-Mark-Stück, „für einen Burschen oder ein Mädel in der Tasche“ gehabt, „die diesen ganz, ganz nötig brauchten und dann aber am nächsten Tag dem Doktor zurückgaben und das Saufen dann auch aufgeben wollten“, erzählte Wachter einmal in einem Interview.

Miteinander-Preis für muslimische Notfallseelsorge

Ausgezeichnet wurde zudem die Christlich-Islamische Gesellschaft e.V. Sie erhielt den zum Dritten Mal verliehenen „Miteinander-Preis für Demokratie“ für die Muslimische Notfallbegleitung. Die Ehrenamtlichen stehen rund um die Uhr für muslimische Betroffene von Krisensituationen oder Notfällen bereit. Ein Grundkurs zur Qualifizierung muslimischer ehrenamtlicher Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger war vor mehr als zehn Jahren in Zusammenarbeit mit dem Landespfarramt für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland sowie weiteren Organisationen entwickelt worden.

Die ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger haben eine 27/7-Rufbereitschaft und leisten „Erste Hilfe für die Seele“, wo Musliminnen und Muslime von Unfällen, Todesfällen und Bränden oder auch von großen Schadensereignissen und Katastrophen betroffen sind.

OB Reker: Ehrenamt zentral für eine solidarische Gesellschaft

„Das Ehrenamt ist für eine solidarische, mitfühlende Gesellschaft wie ich sie mir vorstelle, ein ganz zentrales Element – und zwar zu jeder Zeit“, betonte Oberbürgermeisterin Henriette Reker in ihrer Ansprache. Es gebe aber Situationen, in denen die Bedeutung von Engagement nochmals zunehme. „Wir alle wissen allzu gut, in welcher schwierigen Lage Europa, Deutschland, unser Land und unsere Stadt derzeit sind“, so Reker. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine sei zu beobachten, dass vermeintliche Gewissheiten infrage stehen: „Steigender Wohlstand, günstige Energie, planbare Ausgaben für den Lebensunterhalt“, nannte die Oberbürgermeisterin Beispiele. „Oder um es auf den Punkt zu bringen: Unser sozialer Zusammenhalt wird auf die Probe gestellt. Dass ich dennoch zuversichtlich bin, dass Köln zusammensteht – das liegt auch und besonders an Ihnen – an den über 220.000 ehrenamtlich Tätigen in Köln. Es liegt an Ihnen, die Sie sich entschieden haben, Verantwortung für andere zu übernehmen, Mitmenschlichkeit walten zu lassen und Solidarität in konkretes Handeln umzusetzen.“ Bei Treffen wie dem Ehrenamtstag spüre sie „die ungeheure positive Stärke, die das Ehrenamt entfaltet“. Reker weiter: „Das Ehrenamt ist eine Herzensangelegenheit, es ist der Wille zur Selbstwirksamkeit, es ist die Überzeugung, Missstände nicht nur zu beklagen, sondern sie aus eigener Kraft zu mildern oder gar zu beseitigen.“

Weitere Preisträgerinnen und Preisträger

Aus mehr als 120 Einsendungen wählte die Jury die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger. Mit dazu gehören auch das Blau-Gelbe Kreuz e.V., das sich seit 2014 für eine freie und unabhängige Ukraine engagiert und sich seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine für Kriegsopfer und Geflüchtete einsetzt. Das Blaue Kreuz gehört nach Angaben der Stadt Köln zu den ersten Hilfsorganisationen, die vor Ort Unterstützung leisten und mit verschiedenen Maßnahmen den Ukrainerinnen und Ukrainern, insbesondere Kindern und Binnengeflüchteten, Verletzten und anderen stark bedürftigen Menschen aus den vom Krieg betroffenen Regionen Hilfe leisten.

Weitere Auszeichnungen gingen an Martina Böhmer, die 2010 den Verein Paula e.V. als Träger der 2012 eröffneten Beratungsstelle Paula e.V. gründete, eine Beratungsstelle für Frauen ab 60 Jahren, die in der Vergangenheit belastende Ereignisse bis hin zu traumatischer Gewalt erlebt haben, sowie EssensRetter e.V., die Bezirksschüler*innenvertretung Köln, Canan Durma und die BNP Paribas Leasing Solution.

Alle Informationen zu KölnEngagiert gibt es auf www.stadt-koeln.de

Text: Hildegard Mathies
Foto(s): Stadt Köln

Der Beitrag „Ehrenamt ist eine Herzensangelegenheit“ – 22. Ehrenamtspreis „KölnEngagiert“ verliehen erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen: „Spektrum der Christenheit spürbar“

„Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“ – das war das Leitwort der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen, die vom 31. August bis zum 8. September in Karlsruhe stattgefunden hat. Die Delegierten vertreten rund 580 Millionen Christinnen und Christen aus orthodoxen, anglikanischen, baptistischen, lutherischen, methodistischen und reformierten Kirchen weltweit. Es waren rund 4000 internationale Gäste aus den 352 Mitgliedskirchen des ÖRK zu Gast. Die Vollversammlung tritt in der Regel ungefähr alle acht Jahre zusammen. Pfarrerin Ulrike Graupner von der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld war dabei:

Inhaltlich dominierten laut EKD Themen wie der weltweite Klimawandel und der russische Angriffskrieg in der Ukraine die Vollversammlung. Zudem wurde die Forderung nach Frauen in geistlichen Führungspositionen laut. Wo gab es für Sie besondere Schwerpunkte?

Ulrike Graupner: Beim Dokument „Streben nach Gerechtigkeit und Frieden für alle im Nahen Osten“ gab es ein zähes Ringen um die Bewertung der israelischen Politik. Vor allem am Begriff der Apartheid schieden sich die Geister. Das Schlussdokument hat schließlich genau diesen Dissens auch zum Ausdruck gebracht – ein ermutigendes Zeichen, dass solche sensiblen Punkte nicht in Kampfabstimmungen gelöst werden können..

Woran haben Sie den ökumenischen Charakter und die Vielfalt der Veranstaltung vor Ort gemerkt?

Ulrike Graupner: Die ökumenische und globale Weite ist mir besonders in den Gebetszeiten bewusst geworden. Jeder Tag wurde von einer ausführlichen Morgen- und Abendandacht gerahmt, die von den verschiedenen Konfessionsfamilien gestaltet wurden. Von den uralten orthodoxen Liturgien bis zu den spontanen Gebeten der Pfingstkirchen wurde so das ganze Spektrum der Christenheit spürbar. Fünf Chorleiter aus fünf Kontinenten brachten uns auch manche fremde Zunge näher.

„Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“ – wo haben Sie das Leitbild während der Veranstaltung besonders gespürt?

Ulrike Graupner: Die Kontexte und die Schwerpunkte der 352 versammelten Mitgliedskirchen sind natürlich unterschiedlich. Und doch war die gemeinsame Grundlage der Liebe Christi spürbar. Dass man zusammen beten und singen und die Bibel lesen kann, war eine gute Basis um einander wahrzunehmen und zu hören. Und das ist der erste Schritt zu Bewegung und Versöhnung und Einigung.

Wie ist Ihr Fazit der Vollversammlung?

Ulrike Graupner: Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass christliche Kirchen aus aller Welt so offen und ernsthaft miteinander tagen können. Zur Vollversammlung gehört aber auch ebenso die Umsetzung: Wie kommt der ökumenische Geist an der Basis an und wie wird er dort gelebt?

Was wünschen Sie sich für die nächste ÖRK Vollversammlung?

Ulrike Graupner: Dass Fortschritte sichtbar werden auf dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens und der Einheit. Dass man in acht Jahren sagen kann: das haben wir alles geschafft seit Karlsruhe.

www.oikoumene.org

Text: Frauke Komander/APK
Foto(s): Stefanie Kunde

Der Beitrag Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen: „Spektrum der Christenheit spürbar“ erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.